Verlaginfo:
So war es nicht, aber so hätte es sein können
- Neuentdeckung einer außergewöhnlichen litauischen Autorin
- Historische Fiktion mit philosophischem Geist
- Starke Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft
Späte Römerzeit – 2. Jahrhundert. Auf der Bernsteinstraße, die das Land des Volkes der Ästier an der Ostsee mit Rom verbindet, werden Bernstein, Pelze und Metalle gehandelt. Die siebenteilige Struktur des Romans – sieben Szenen, sieben Unterszenen und sieben Charaktere – balanciert das Historische, Mythische und Alltägliche aus. Die männliche Welt des Handels und der territorialen Konflikte verbindet die litauische Autorin Rasa Aškinytė mit der weiblichen, häuslichen Welt. In der für Aškinytė typischen kompakten, filmischen Prosa verflechtet sie die Schicksale zweier starker Frauen, die um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen. Selija ist die Frau des Stammesführers der Ästier, die sich ihrer Stellung bewusst ist und sie leidenschaftlich verteidigt. Glesum (lat. für Bernstein) ist eine ehemalige Sklavin aus einer vornehmen Familie, die Gondas, der Stammesführer, von einer Handelsreise auf der Bernsteinstraße mitbrachte. Sie wird seine heimliche Geliebte. Die Spannung zwischen diesen beiden Frauen – der Ehefrau und der Geliebten –, Liebe und Hass, Ehrgeiz, der Wunsch nach Macht und Sicherheit sowie Rituale und Magie treiben die Geschichte voran, die mehr poetische Rekonstruktion als historischer Roman ist. Die Autorin versteht es die Leserschaft in eine ferne, nur wenig zugängliche Vergangenheit zu führen.
Bereits seit 2007 stellt dieser Blog ins Deutsche übersetzte Publikationen aus Estland, Lettland und Litauen vor. Gleichzeitig werden Publikationen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren mit estnischen, lettischen oder litauischen Themen einbezogen. Wir möchten aufrufen, verschiedene Leseeindrücke auszutauschen. Die hier aufgeführten Bücher werden für eine Vorstellung in der Radiosendung BALTISCHE STUNDE (Radioweser.tv) vorgeschlagen.
Mittwoch, 15. September 2021
Rasa Aškinyte: Kleines Bernstein
Dienstag, 14. September 2021
Antanas Sutkus: children
Verlagsinfo:
Der litauische Fotograf Antanas Sutkus
hat vor allem ein Lieblingsmotiv, dem sich dieses Buch ausführlich
widmet: Kinder und ihre Welt. Immer wieder kehrt Sutkus zu ihnen zurück,
um die verschiedenen Facetten kindlicher Lebenswelten zu zeigen und wie
diese die Welt der Erwachsenen beeinflussen. »Für mich als Fotograf ist
die Kindheit die wichtigste Bühne«, hat Sutkus einmal gesagt, »Kinder
leben in einer anderen Welt. Manchmal ist es mir gelungen, diese Welt zu
zeigen: nicht die reale Welt, die wir gewohnt sind, sondern ihre Welt.
Kinder leben nicht auf der Erde, sondern auf einem anderen Planeten.«
Auf Augenhöhe, respektvoll und doch präzise zeigt Sutkus die Kinder dieser Welt: gemeinsam mit ihren Eltern und Verwandten, mit Freundinnen und Freunden oder beim Spielen oder Lernen in der Schule. Er fängt die schönen Seiten wie auch die Entbehrungen des Kindseins ein, die Schwierigkeiten des Heranwachsens, Einsamkeit und Zusammenhalt, sowie jene unvermeidbaren Krisen der Kindheit, die ein Erwachsenenleben vielleicht für immer prägen. Für Sutkus leben Kinder nicht in einem Paradies, sondern in einem anderen Universum – einer Lebensphase, die Menschen jenseits ihrer nationalen und kulturellen Grenzen verbindet.
Montag, 13. September 2021
Antanas Sutkus: pro memoria
Herausgegeben von Thomas Schirmböck. Steidl Verlag, Göttingen, 1. Auflage 2020. 128 Seiten, 86 Abbildungen, Englisch / Litauisch. Übersetzungen: Sandra Bernotaite (Litauisch), Caryl Swift (Englisch), Edita Gudišaukaite (Polnisch-Litauisch). Lektorat Monte Packhan (Englisch). ISBN 978-3-95829-640-4, 35.00 Euro
Verlagsinfo:
Der 1939 geborene Antanas Sutkus erfuhr von seinen Großeltern bereits
während des Zweiten Weltkriegs von der Massentötung der Juden. Er distanzierte sich von der Demütigung und Zerstörung der Menschlichkeit
in seinem Heimatland Litauen und empfand Scham und
Schuldgefühle für die Gräueltaten, die hinter den Toren des Ghettos
Vilijampole und des Neunten Festung begangen wurden. Während der
„Sonderaktion 1005“ zwischen 1942 und ’44 versuchte die deutsche
Besatzungsmacht, die Relikte der Opfer zu beseitigen. 1988 begann
Sutkus, die Juden aus Kaunas zu fotografieren, die dem Tod in
den Konzentrationslagern entkommen waren; Pro Memoria präsentiert eine
Auswahl dieser Porträts und belegt die Beziehungen, die Sutkus zu den dargestellten Personen geknüpft hat.
Bereits zur Zeit des Großfürsten
Gediminas (1275–1341), der aus verschiedenen europäischen Staaten
Kaufleute und Handwerker nach Litauen einlud, wurde den Juden dort
Schutz und Unterstützung geboten. In den folgenden 600 Jahren haben sie
durch ihre Leistungen und Gebete, Druckwerkstätten und Synagogen,
Bibliotheken und Turnhallen, Lieder und Legenden in Litauen Wurzeln
geschlagen. Dieser lebendige Zweig der litauischen Kulturgeschichte
wurde dann gewaltsam zerstört, 200.000 Juden ermordet und an
Waldrändern, Steinbrüchen und Todeslagern in Gruben geworfen.
Dieses Buch ist eine Hommage an diese Menschen und ein Ausdruck von
Bemühungen um Verständnis, Buße, Reinigung und Wiedergeburt.
Sonntag, 12. September 2021
Antanas Sutkus: Planet Lithuania
Herausgegeben von Thomas Schirmböck. Steidl Verlag, Göttingen, 1. Auflage 2018, 2. Auflage 2021. 272 Seiten, Englisch / Deutsch / Französisch / Litauisch. Übersetzungen: Sandra Bernotaite, Jolanta Jezauskaite (Litauisch), Monte Packham (Englisch), Petra Gaines (Deutsch), Jean-Christophe Vigneau, Marielle Vitureau (Französisch). ISBN 978-3-95829-512-4, 38.00 Euro.
Verlagsinfo:
Dieses Buch ist ein reichhaltiger Überblick über Antanas Sutkus’ Fotos
der Bevölkerung seiner Heimat Litauen während der Besetzung durch die
Sowjetunion. Sutkus ist vor allem ein humanistischer Fotograf, sein
„Kosmos“ sind seine Mitbürger: Kinder, Liebende, Alte; wie sie sich mit
Moderne und Tradition, Natur und Stadt auseinandersetzen und ihre
Identität ausdrücken – alles in einem offenen, einfühlsamen Stil, der
fernab sowjetischer Ideale das Fundament der litauischen Fotoschule
bildet.
Indem Sutkus ein Leben in Würde und Integrität hinter
dem Eisernen Vorhang enthüllt, ist Sutkus' Werk ebenso politisch wie
persönlich, ein Beweis dafür, wie Litauen sein kulturelles Selbst gegen
die Sowjetunion behauptet, die das Land vom Zweiten Weltkrieg bis 1990
besetzte. Der Kampf hat inzwischen Früchte getragen: 2004 wurde Litauen
sowohl Mitglied der NATO als auch der Europäischen Union und ist heute
eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Europas.
Samstag, 11. September 2021
Neringa Naujokaite: Art Deco
Verlagsinfo:
Die Dia- und Videoinstallation Art Deco der litauischen Künstlerin Neringa Naujokaite visualisiert den Restaurierungsprozess einer Wohnung aus der Zwischenkriegszeit in ihrer Heimatstadt Kaunas. Das Buch dokumentiert die umfangreiche Installation, die in ihrer räumlichen Form nur temporär existierte. Gleichzeitig fasst es das über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren von der Künstlerin gesammelte Bild- und Textmaterial zusammen und gibt den komplexen Prozess der authentischen Rekonstruktion des Interieurs wieder.
Neringa Naujokaite (* 1966) studierte an der staatlichen Kunstakademie Vilnius und an der Kunstakademie Düsseldorf. Anschließend absolvierte sie 2003 den Postgraduiertenstudiengang „Audiovisuelle Medien“ an der Kunsthochschule für Medien Köln. Im Fokus ihrer Arbeiten stehen soziale und urbane Räume. Ihr Projekt Art Deco befasst sich mit der Haltung der heutigen litauischen Gesellschaft gegenüber ihrem architektonischen Erbe, das zunehmend von Verfall und Abriss bedroht ist.
Mittwoch, 11. August 2021
Guido Lange: Abenteuer Baltikum
Verlagsinfo:
"Das Abenteuer Baltikum ist mein ganz persönlicher Lebenslauf. Er hat
mich für immer verändert. In 107 Tagen reiste ich in Laufschuhen entlang
der Ostseeküste von Stralsund nach Tallinn. Ohne Begleitung konnte ich
mich ganz der Natur, den Menschen und ihren Kulturen widmen. Aus Fremden
wurden Freunde, aus Erwartung wurde Wirklichkeit, aus Wagemut wurde
Selbstvertrauen. Trubelige Urlaubsorte und einsame Gegenden erlebte ich,
genussvolle Pausentage in den Städten wechselten sich mit enthaltsamen
Lauf- tagen ab. Ich spürte die Mystik des Baltikums, den Zauber
unberührter Natur und die Vielfalt der Menschen in sieben Ländern. Ich
fand, was ich suchte, Erlebnisse, Ruhe und nicht zuletzt viel Neues über
mich selbst." (Guido Lange, Autor)
Kapitelübersicht
Wieso, weshalb, warum? (Gründe)
Funke, Sehnsucht, Reiselust (vom Anfang)
Was brauche ich denn so? (Über die Ausrüstung)
Auf ins Baltikum! (Das Laufkapitel)
Gesund und munter! (Laufen und Gesundheit)
Iss was! (Essen im Baltikum)
Wohin des Wegs? (Straßen, Wege, Orte im Baltikum)
Reisende soll man nicht aufhalten (Begegnungen mit anderen Baltikumreisenden)
Jede Jeck is anders! (Die Menschen im Baltikum)
Wo man singt, da lass dich nieder (Das Kulturkapitel)
Wie schön ist‘s auf dem Land (Landschaft und Regionen)
Was bleibt? (Eine Nachbetrachtung)
Dienstag, 6. Juli 2021
Ralf Jörg Raber: Beliebt bei älteren Damen und jüngeren Herrn
Verlagsinfo:
Paul O’Montis (1894–1940) gehörte in den „Goldenen Zwanziger Jahren“ zu
den Stars der deutschsprachigen Kabarett- und Kleinkunstszene. Die
größten europäischen Schallplattenfirmen hatten ihn unter Vertrag, seine
Schlager und Chansons liefen, auch live, im Radio. Er tourte durch halb
Europa, verzauberte sein Publikum in den Metropolen ebenso wie in der
Provinz. Er gehörte zu den Ersten, die dank Mikrofontechnik den
popmusikalischen Liedvortrag modernisierten und die dem Tabu
Homosexualität, sexuelle Diversität und Genderthematik im kommerziellen
Pop Ausdruck verliehen. Doch seinen Ruhm konnte er nur kurz genießen:
Der Machtantritt der Nazis setzte seiner Karriere in Deutschland ein
jähes Ende. Paul Wendel, wie O’Montis bürgerlich hieß, war schwul. Er
kam ins Gefängnis und emigrierte nach verbüßter Haft. Im Exil fand er
eine innere wie äußere Freiheit, die „ansteckend“ war und Homosexuelle
in seine Konzerte zog. 1939 wurde Paul O’Montis in Prag verhaftet, 1940
in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt und dort ermordet.
enthält folgende Kapitel: Anfänge in Riga, Künstlerreise durch Lettland.
Freitag, 4. Juni 2021
Brüggemann / Tuchtenhagen / Wilhelmi (Hrsg.): Das Baltikum - Band 3
Verlagsinfo:
Das wissenschaftliche Handbuch „Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region“
erfasst erstmals in deutscher Sprache die gesamte Geschichte des
Baltikums von den Anfängen bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts. Ein
internationales Autorenteam, vor allem aber Historikerinnen und
Historiker aus Estland, Lettland und Litauen, geben einen fundierten
Einblick in die Vergangenheit der drei Staaten in ihren europäischen
Bezügen und transnationalen Verflechtungen, ohne dabei die bedeutenden
Unterschiede konfessioneller, sprachlicher und kultureller Natur
innerhalb des Baltikums aus den Augen zu verlieren.
Mit Beiträgen von Karsten Brüggemann, Christoph Dieckmann, Tobias Etzold, David Feest, David J. Galbreath, Saulius Grybkauskas, Jörg Hackmann, Detlef Henning, John Hiden (†), Andres Kasekamp, Olaf Mertelsmann, Česlovas Laurinavičius, Andrejs Plakans, Ulrich Prehn, Axel Reetz (†), Valters Ščerbinskis, David Smith, Geoffrey Swain, Joachim Tauber, Ralph Tuchtenhagen, Sigita Urdze, Elena Zubkova
Mittwoch, 19. Mai 2021
Brüggemann / Henning / Maier / Tuchtenhagen (Hrsg.): Das Baltikum - Band 2
Karsten
Brüggemann, Detlef Henning, Konrad Maier, Ralph Tuchtenhagen (Hrsg.):
Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region. Band 2: Vom Beginn der Frühen Neuzeit bis zur Gründung der modernen Staaten . Anton Hiersemann Verlag,
2021. Im Auftrag des Nordost-Institutes (IKGN e. V.) in drei Bänden
herausgegeben von Karsten Brüggemann und Ralph Tuchtenhagen. ISBN 978-3-7772-2100-7, 776 Seiten, 98,00 Euro.
Verlagsinfo:
Das Baltikum bildet in der europäischen Geschichte eine umstrittene
Grenzlandschaft, in der multiethnische Bevölkerungen häufig Machtwechsel
und kulturellen Wandel bewältigten. In Band 2 des dreibändigen
Handbuches zeichnen 22 Autoren aus sieben Ländern in 23 Kapiteln diese
wechselvolle Geschichte vom Ende des baltischen Mittelalters (1561) bis
zur Entstehung moderner Nationalstaaten im 20. Jahrhundert (1918) nach.
Für diese sehr lange Neuzeitepoche stehen die polnische, dänische und
schwedische Herrschaft im Baltikum, später die sogenannten »baltischen
Ostseeprovinzen« als Teil des Russländischen Reiches im Mittelpunkt der
Darstellung. Dabei werden im Inneren die Konflikte zwischen deutschen
und polnischen Oberschichten sowie den bäuerlichen Schichten, später
Nationalbewegungen der Esten, Letten und Litauer, ebenso berücksichtigt
wie der Wandel der kulturellen, agrarökonomischen, städtegeschichtlichen
und konfessionellen Verhältnisse.
Mit Beiträgen von Hans-Jürgen Bömelburg, Karsten Brüggemann, Bogusław Dybas, Andreas Fülberth, Gregory L. Freeze, Aleksandr Gavrilin, Detlef Henning, Jürgen Heyde, Mārīte Jakovļeva, Torkel Jansson, Paweł A. Jeziorski, Enn Küng, Jan Kusber, Mati Laur, Vejas Gabriel Liulevicius, Kersti Lust, Zita Medišauskienė, Mathias Niendorf, Darius Staliūnas, Ralph Tuchtenhagen, Pärtel Piirimäe, Bradley Woodworth
Dienstag, 18. Mai 2021
Brüggemann / Henning / Maier / Tuchtenhagen (Hrsg.): Das Baltikum - Band 1
Verlagsinfo:
Das wissenschaftliche Handbuch „Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region“
erfasst erstmals in deutscher Sprache die gesamte Geschichte des
Baltikums von den Anfängen bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts. Ein
internationales Autorenteam, vor allem aber Historikerinnen und
Historiker aus Estland, Lettland und Litauen, geben einen fundierten
Einblick in die Vergangenheit der drei Staaten in ihren europäischen
Bezügen und transnationalen Verflechtungen, ohne dabei die bedeutenden
Unterschiede konfessioneller, sprachlicher und kultureller Natur
innerhalb des Baltikums aus den Augen zu verlieren.
Band 1, herausgegeben von Karsten Brüggemann, Ralph Tuchtenhagen, Detlef Henning und Konrad Maier, behandelt die naturräumlichen Rahmenbedingungen, die zur Besiedlung des Baltikums in vorgeschichtlicher Zeit führten, die Entwicklung sozioökonomischer, politischer und kultureller Verbände, die Eroberung des Baltikums durch die Nachbarmächte in der Zeit um 1200 und die Ausformung weltlicher und geistlicher Herrschaften zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Den Abschluss bildet der Übergang zur Neuzeit, der im baltischen Raum durch den Livländischen Krieg, die Reformation und die Auflösung der vom Deutschen Orden dominierten Territorien markiert war.
Mit Beiträgen von Karsten Brüggemann, Aleksandr I. Filjuškin, Cornelius Hasselblatt, Tiina Kala, Juhan Kreem, Hansjörg Küster, Christian Krötzl, Andris Levans, Konrad Maier (†), Ilgvars Misāns, Mathias Niendorf, Rimvydas Petrauskas, Inna Põltsam-Jürjo, Anti Selart, Andris Ŝnē, Ralph Tuchtenhagen, Matthias Thumser, Heiki Valk
Sonntag, 18. April 2021
Die schönsten Motorradtouren in Osteuropa
Enthält die Beiträge von Elke Potthoff "Estland - im Norden des Baltikums" und "Lettland - im Reich der langen Abende", sowie Jo Deleker "Litauen - neue Horizonte".
Verlagsinfo:
Bekannte Motorradjournalisten zeigen Ihnen in 20 traumhaften
Motorradtouren die Schönheit Osteuropas und führen Sie zu
unvergesslichen Highlights und absoluten Geheimtipps. Zwischen Baltikum,
Türkei und Ural gibt es unfassbar viel neues zu entdecken! Tolle Bilder
geben Ihnen schon Zuhause bei der Planung einen Eindruck von den
unterschiedlichen Ländern und machen Lust, diese Gegenden selbst zu
erfahren. Außerdem enthält dieses Buch praktische Infos, die es Ihnen
einfach machen, die vorgeschlagenen Routen nachzufahren:
Hotelempfehlungen, Biker-Treffs und Sightseeing-Tipps ermöglichen
authentische Einblicke in die Regionen, Karten und GPS-Daten zum
Download erleichtern den Aufenthalt.
Freitag, 2. April 2021
Paavo Matsin: Gogols Disko
Verlagsinfo:
Europa in wenigen Jahren: Das neugegründete Zarenreich Russland hat das gesamte Baltikum gewaltsam annektiert und dabei jede Spur estnischer Kultur ausgelöscht. Viljandi, ein vormals gemächliches Städtchen im Herzen Estlands, wurde so zum Sammelbecken für allerlei Bohemiens und gescheiterte Existenzen aus dem neuen Zarenreich.
Eines Morgens raubt der Meisterdieb Konstantin Opiatowitsch in der Straßenbahn einen Mann aus, der sich als der große russische Literaturklassiker Nikolai Gogol entpuppt, nach rund 170 Jahren von den Toten zurückgekehrt. Zusammen mit einem Haufen so zwielichtiger wie charmanter Kleinkrimineller und Tagediebe versucht Opiatowitsch den Wiedergänger für seine Zwecke einzuspannen – doch der will sich nicht in ihren Plan fügen und entfesselt für seine Entführer einen albtraumhaften Reigen, der ganz Viljandi ins Chaos stürzt.
In Gogols Disko nimmt Kultautor Paavo Matsin nicht nur die Angst der Esten vor dem mächtigen Nachbarn aufs Korn, sondern auch ihre Zerrissenheit zwischen östlicher und westlicher Kultur. Mit seinem anarchischen Humor und zahlreichen Bezügen zur Popkultur der Beatles-Ära gelingt es ihm, eine Atmosphäre heraufzubeschwören, in der diese Angst greifbar und zugleich ad absurdum geführt wird.
Mittwoch, 24. März 2021
Andreas Fülberth (Hg.): Denkmalschutz, Architekturforschung, Baukultur
Verlagsinfo:
Für Estland, Lettland und Litauen verbinden sich mit Denkmalschutz
Herausforderungen, aber auch Chancen. Der Band resümiert
Denkmalschutz-Geschichte, reflektiert Fragen der Baukultur und liefert
Beispiele dafür, wie Architektur des 20. Jahrhunderts interpretiert
werden kann.
Aus der 1940 begonnenen Sowjetisierung des Baltikums resultierte ein
facettenreicher Umgang mit Denkmalschutzfragen, eröffneten diese doch
selbst unter sowjetischer Herrschaft gewisse Spielräume für nationale
Selbstdarstellung. Seit 1991 die Eigenstaatlichkeit zurückgewonnen
werden konnte, stellt sich zusätzlich die Frage nach angemessenem Schutz
für Baudenkmäler der Unabhängigkeitsperiode ab 1918 oder der Sowjetära.
Gleichzeitig wurden historisch bedingte Formen von Baukultur sichtbar,
die spezifisch baltisch anmuten. Die Beiträge in diesem Band ermöglichen
hierzu Betrachtungen und Vergleiche.
Mit Beiträgen von Arnold Bartetzky, Andreas Fülberth, Alexander von Knorre, Krista Kodres, Mārtiņš Mintaurs, Ieva Kalnača, Anneli Randla, Mart Kalm, Gytis Oržikauskas, Vilte Janušauskaite, Felix Ackermann, Tomasz Torbus und Evelina Karelevičiene.
Freitag, 19. März 2021
Kertu Sillaste: Der schönste Rock der Welt
Verlagsinfo:
Einst lebte im hohen Norden ein Mädchen namens Marie. Sie nähte für
ihre Schwester den schönsten Rock der Welt, rot und reich mit
Blumenmustern bestickt. Und plötzlich wollten alle Mädchen im Dorf, die
zum Fest gingen, auch so einen wundervollen Rock wie Marie haben.
Kertu Sillaste zeigt in ihrem farbenfroh illustrierten Buch über
Geschwisterliebe den Wert von Tradition und Handarbeit. Ein Buch über
Mode und Schönheit, das Kinder zum nachhaltigen Denken anregt und zum
kreativen Selbermachen einlädt.
Mittwoch, 3. März 2021
Kristijonas Donelaitis: Die Jahreszeiten
Verlagsinfo:
Der 1714 als Sohn eines Freibauern bei Gumbinnen geborene und 1780
verstorbene litauische Lehrer und lutherische Pfarrer Kristijonas
Donelaitis gilt im heutigen Litauen als Begründer der litauischen
Literatur, auch wenn von der poetischen Produktion des begabten und
vielseitigen, dem Leben und all seinen Erscheinungen zugewandten
Donelaitis zu Lebzeiten nichts veröffentlicht wurde und nur in
Abschriften zirkulierte.
Sein Hauptwerk ist eine nach und nach entstandene Folge von Szenen aus dem Leben der litauischen Bauern in Ostpreußen,
geordnet nach den vier Jahreszeiten und in Hexametern verfasst, die den
Singsang der gesprochenen Sprache wunderbar wiedergeben und von Arbeit
und Festen, von der Landschaft und den Tieren, von Frondienst, Freude
und Last, vom dörflichen Zusammenleben erzählen. Freundlich und
verspielt, der Welt zugewandt, aber auch zu Verantwortung und
Frömmigkeit mahnend, sind die Verse ein anschaulicher, reicher,
unterhaltsamer Genuss. 1977 nahm die UNESCO das Buch in die Bibliothek
der literarischen Meisterwerke auf.
Mittwoch, 10. Februar 2021
Jaroslav Melnik: Der weite Raum
Verlagsinfo:
Jaroslav Melniks brilliante Dystopie und philosophische Reflexion ist
eine Ode an die Freiheit zu denken und zu sein. Eine mitfühlende Parabel
gegen die Ideologie der Entmenschlichung und ein Affront für alle
Sicherheits- und autoritären Regime, die uns Schritt für Schritt unserer
individuellen Freiheiten berauben wollen.
Megapolis, eine von Blinden bevölkerte futuristische Metropole. Die
Menschen orientieren sich im Raum mittels Sensoren, von denen sie
vollständig abhängig sind. Nur Gabr erlangt sein Augenlicht zurück und
entdeckt die abscheuliche Realität: in der Megacity leben zerlumpte
Wesen unter einer totalitären Regierung, für die der Begriff des
„Sehens“ nicht existiert. Politik, Bildung und Technologie dienen dazu,
ihre Blindheit zu erhalten.
Das Kontrollministerium diagnostiziert Gabr eine Psychose des „Weiten
Raums“, die umgehend behandelt werden muss. Sein Treffen mit dem
Ex-Seher Ox, Anführer einer revolutionären Gruppe, die Megapolis
zerstören will, stellt Gabr vor eine Entscheidung: Die Lüge zu
akzeptieren oder mit Terror seine Familie und Tausende unschuldiger
Menschen zu opfern, die von der Wahrheit nichts wissen und in einer
freien Welt nicht leben können. Eine spektakuläre Wende zieht den Leser
in ihren Bann…
Ein intelligenter und origineller Roman über Freiheit, Organisation der
Gesellschaft, Angst vor Veränderungen und die Opfer, die eine
Gesellschaft bringen will, um in Sicherheit zu leben.
Jaroslav Melnik
ein Kind des Gulag, geboren 1959 in
der Ukraine, lebt im litauischen Vilnius und ist ein international
bekannter Schriftsteller, Autor zahlreicher Romane und Kurzgeschichten,
die Science-Fiction und aktuelle philosophische Themen verbinden. Sein
Roman „Der weite Raum“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt und 2013 als
Buch des Jahres von der BBC, 2018 in Frankreich mit dem Preis Libr'à
Nous ausgezeichnet und für den Europäischen Preis Utopiales für den
besten Science-Fiction-Roman nominiert. In ukrainischen höheren Schulen
gehört das Buch bereits zur Pflichtliteratur.
Donnerstag, 28. Januar 2021
Mick Schulz: MS Mord - baltische Angst
Verlagsinfo:
Kriminalrat a. D. Marius Gautier geht in Kiel an Bord der Baltic Crown. Eigentlich wäre er lieber wandern gegangen, aber ein Unfall zwang ihn, seine Urlaubspläne zu ändern. Nun befindet er sich auf Ostsee-Kreuzfahrt mit den Stationen Danzig, Klaipeda, Riga, Tallinn und St. Petersburg. Nach anfänglicher Langeweile verdreht ihm das Model Ona Kakies den Kopf und zieht ihn in eine Mordaffäre hinein. Ona glaubt, den Mörder ihrer Eltern auf dem Schiff wiedererkannt zu haben und fühlt sich bedroht. Gautier bietet ihr seine Hilfe an. Die Spuren führen sie zunächst nach Estland, zurück in gefahrvolle Zeiten …
Donnerstag, 7. Januar 2021
Joonas Sildre: Zwischen zwei Tönen
Verlagsinfo:
„Aus dem Leben des Arvo Pärt“ verfolgt den Werdegang des weltberühmten
Komponisten Arvo Pärt von seiner Kindheit im okkupierten Estland bis zu
dem Jahr 1980, als er auf Druck der sowjetischen Regierung mit seiner
Familie nach Wien emigrierte. Auf Grundlage jahrelanger Recherchen
zeichnet Joonas Sildre in kurzen Episoden das stimmungsvolle Portrait
eines bescheidenen, rastlosen Künstlers, der auf seiner Suche nach Sinn
und einer eigenen Musiksprache auch nicht die Konfrontation mit der
Staatsmacht scheute. Seine größte Inspiration fand Pärt, der als junger
Mann vor allem Filmmusik komponierte, in alter sakraler Musik, die
schließlich zur Grundlage seines Tintinnabuli-Stils wurde. Die Graphic
Novel wurde 2018 anlässlich der Eröffnung des Arvo-Pärt-Zentrums in
Laulasmaa / Estland veröffentlicht und mehrfach ausgezeichnet.
Sonntag, 3. Januar 2021
Olga Bazileviča: Als das Ich Kind war
Verlagsinfo:
Texte, in denen sich erwachsene Erzähler ihrer Kindheit erinnern,
widerspiegeln komplexe Vorgänge der Verknüpfung vom Privaten bzw.
Individuellen und Gemeinsamen bzw. Historischen, aber auch von
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Olga Bazileviča untersucht in
ihrer innovativen Studie Romane aus Deutschland, Russland und Lettland,
in denen aus der post-sozialistischen Perspektive einer Kindheit im
Sozialismus gedacht wird. Dabei werden die Romane als
erinnerungskulturelle Medien betrachtet: Es wird ein Überblick über die
jeweiligen aktuellen offiziellen Erinnerungskulturen geboten, in deren
Kontext die narratologischen Textanalysen dann eingebettet werden. Statt
sich nur auf die Inhalte zu konzentrieren und Texte als fixe Einheiten
zu kategorisieren, untersucht Olga Bazileviča – ein besonderes Augenmerk
dem Wie der Texte widmend – vielmehr das Verhältnis, in dem sie
zu einem bestimmten Zeitpunkt zu den offiziellen Erinnerungskulturen
stehen und entwirft somit einen Rahmen, der dem sich stets verändernden
Charakter dieser entspricht.
Durch die Aufnahme der Werke aus
lettischer Gegenwartsliteratur ermöglicht die Studie außerdem Einblicke
in einen in der deutschsprachigen Literaturwissenschaft bisher kaum
beachteten Bereich.
Die Autorin: Olga Bazileviča studierte
Germanistik sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in
Lettland, Kanada und Deutschland und wurde mit vorliegender Arbeit in
Gießen in AVL promoviert. Zurzeit unterrichtet sie freiberuflich in
Leipzig.
Freitag, 18. Dezember 2020
Christine Kabus: Die Zeit der Birken
Verlagsinfo:
Die Frauen vom Birkenhof.
Schleswig-Holstein, 1977: Die Liebe zwischen Gesine und dem
Pferdetrainer Grigori endet jäh, als er plötzlich spurlos verschwindet.
Doch eines Tages stößt Gesine auf Hinweise über seinen Verbleib, die sie
nicht nur tief in die Vergangenheit ihrer Familie, sondern auch in die
Abgründe europäischer Geschichte führen.
Estland,1938: Charlotte verliebt sich Hals über Kopf in den jungen Esten
Lennart. Doch ihre Eltern würden diese Verbindung niemals billigen, und
so halten sie ihre Beziehung geheim. Als Charlotte ein Kind von Lennart
erwartet, brechen die Wirren des Zweiten Weltkriegs über sie herein,
und die Liebenden werden getrennt.
Historisch fundiert und hochemotional erzählt: eine große Saga um die Geheimnisse einer Familie.
Christine Kabus, 1964 in Würzburg geboren und in Freiburg aufgewachsen, arbeitete nach ihrem Studium der Germanistik und Geschichte zunächst einige Jahre als Dramaturgin und Lektorin bei verschiedenen Film- und Theaterproduktionen, bevor sie sich 2003 als Drehbuchautorin selbstständig machte. 2013 wurde ihr erster Roman veröffentlicht.
Dienstag, 15. Dezember 2020
Frida Michelson: Ich überlebte Rumbula
Verlagsinfo:
„Der vergessene Holocaust“ - die Verbrechen der Deutschen im Osten Europas, die schon in den ersten Tagen ihres Eroberungsfeldzugs mit Massakern begannen und bald in systematische Massenerschießungen übergingen - wurden erst nach und nach in Nachkriegsdeutschland bekannt und dokumentiert.
Der authentische Bericht von Frida Michelson über den Einmarsch der deutschen Truppen in Lettland, den Beginn der Ausgrenzung, Verfolgung, Zwangsarbeit, Ghettoisierung und anschließender Vernichtung im Wald von Rumbula, der sie durch einen Zufall entkam, ist ein einzigartiges Dokument.
Frida Michelson, geb. 1906, lebte und arbeitete zur Zeit der deutschen Besetzung als Schneiderin in Riga. Ihr unglaublicher Bericht über das Schicksal der jüdischen Bevölkerung, über Zwangsarbeit, Ghettoisierung und den anschließenden Massenmord im Wald von Rumbula, dem sie knapp entkam, ist ein einzigartiges authentisches Dokument. Ende 1971 konnte Frida Michelson mit ihren beiden Söhnen nach Israel auswandern. Sie starb dort im Jahr 1982.
Montag, 7. Dezember 2020
Was ist dir widerfahren, Isaak?
Verlagsinfo: Ein ungewöhnlicher Grabstein auf dem Göppinger Friedhof veranlasst die Autorin, in ihrer jüngsten Untersuchung nach Spuren des zu früh verstorbenen jüdischen Jungen Isaak aus Wilna zu suchen. Sein Schatten geistert durch die Geschichte des Wilnaer Ghettos. Er heftet sich an die Fersen eines Verwandten und zahlreicher Leidensgenossen in verschiedenen KL im Ölschiefergebiet Estlands, im Lager Stutthof und einem der „Wüste“-Lager im deutschen Südwesten in Dautmergen. Schließlich auf einen Todesmarsch getrieben, wird er bald nach der Befreiung doch noch vom Tod in einem DP-Lager in Heidenheim ereilt, ohne seine tragische Geschichte selbst erzählen zu können.
Donnerstag, 19. November 2020
Piret Raud: Das Ohr
Verlagsinfo:
Eine einprägsame Geschichte über das Zuhören und den Wert der Freundschaft.
Als das Ohr eines Morgens aufwachte, stellte es fest, dass es ganz
allein war. Wo war der Kopf, auf dem es sein Leben lang gewohnt hatte?
Ohne ihn scheint es zunächst völlig »kopflos« zu agieren und weiß
zunächst gar nichts mit sich anzufangen. Doch dann bitten immer mehr
Tiere um Hilfe. Es tut das, was ein Ohr am besten kann: zuhören. Dabei
findet es neue Freunde und einen Platz im Leben. Der unverwechselbare
Zeichenstil von Piret Raud, Estlands bekannteste Kinderbuchautorin,
macht dieses Buch zu einem Klassiker, den man immer wieder gerne liest.
Die Autorin/Illustratorin:
PIRET RAUD ist Estlands berühmteste Kinderbuch-Autorin und
Künstlerin. Sie wurde als Tochter des Schriftstellerehepaars Eno Raud
(»Drei lustige Gesellen«) und Aino Pervik in eine landesweit bekannte
Schriftstellerfamilie geboren. Sie ging in Tallinn zur Schule und
studierte dort nach dem Abitur an der Kunsthochschule. 1995 schloss sie
ihr Studium mit dem Bachelor of Arts und 1998 mit dem Master of Arts als
Grafikerin ab. Sie war unter anderem als Kunstlehrerin und Redakteurin
einer Kinderzeitschrift tätig und lebt als freischaffende Künstlerin und
Schriftstellerin in Tallinn.
Freitag, 2. Oktober 2020
Katrin Reichelt: Von der Unmöglichkeit, die richtige Entscheidung zu treffen
Hilfe für verfolgte Juden im deutsch besetzen Litauen 1941–1944. Lucas-Verlag, Berlin 2020, 476 Seiten, ISBN 978-3-86732-343-7, 25,– €.
Verlagsinfo:
Als die deutsche Wehrmacht Vilnius erreichte,
lebte der vierzigjährige Juozas Rutkauskas allein und unauffällig in
der Stadt. Sein Ruf war tadellos, die deutschen Besatzer vertrauten ihm
und übertrugen ihm die Leitung eines Büros für Melde- und
Passangelegenheiten. Viele hielten ihn für einen Gewinner der neuen
politischen Zustände. Er tat nichts, um diesen Eindruck zu zerstreuen.
Die Massaker an den Juden wurden in aller Offenheit vor den Augen der
Stadtbewohner durchgeführt. Juozas Rutkauskas besaß Zugang zu wichtigen
Unterlagen, mit denen er neue Identitäten erschaffen konnte. Bis zu
seiner Enttarnung 1944 verhalf er schätzungsweise 150 Menschen zu neuen
Identitäten, womit sie eine Chance erhielten, der Vernichtung zu
entkommen.
Während ein Teil der Landesbevölkerung mit den deutschen Besatzern
kollaborierte und ein anderer Teil unbeteiligt blieb, gab es eine Reihe
nichtjüdischer Einwohner Litauens, die sich den Verbrechen an der
jüdischen Bevölkerung entgegenstellten und Leben retteten. In diesem
Band der Gedenkstätte Stille Helden wird in zwölf Geschichten von
Hilfsbereitschaft, Kompromissen und Opferbereitschaft bis zur
Selbstaufgabe berichtet. Dazu gehören die des japanischen Konsuls Chiune
Sugihara, der ohne Zustimmung seiner Regierung Visa für Verfolgte
ausstellte, und auch die des deutschen Majors Karl Plagge und des
österreichischen Feldwebels Anton Schmid, die jeweils in ihrem eigenen
Rahmen agierten. Doch in den meisten Fällen waren es litauische Frauen
und Männer, die Wege, Orte, Kanäle und Informationsmöglichkeiten
schufen. Die Gefahr, entdeckt zu werden, war allgegenwärtig und
bedeutete den Tod für alle Beteiligten.
Donnerstag, 1. Oktober 2020
Katrin Reichelt: Rettung kennt keine Konventionen
Hilfe für verfolgte Juden im deutsch besetzten Lettland 1941–1945. Lucas Verlag, Berlin. 264 Seiten, ISBN 978-3-86732-255-3, 25,– €
Verlagsinfo:
Am Morgen des 30. November 1941 sah der
lettische Hafenarbeiter Jānis Lipke, wie tausende Rigaer Juden in langen
Kolonnen zu ihrer Ermordung getrieben wurden. In Jānis’ Entsetzen
mischte sich Wut über die rohe und willkürliche Gewalt. Sie mündete in
dem Entschluss, etwas gegen diese Grausamkeiten zu tun, und er beschloss
zu handeln. Bis zum Ende der deutschen Besatzung in Lettland 1945
rettete er insgesamt 54 Menschen vor der Erschießung.
Er war nicht der Einzige, der sich und seine Familie der drohenden
Todesstrafe für die Hilfeleistung gegenüber Verfolgten aussetzte. Häufig
aus spontanem Mitgefühl halfen Letten und Russen nicht nur jüdischen
Bekannten und Freunden, sondern in vielen Fällen auch Fremden, sich der
Ermordung zu entziehen.
Der Band thematisiert eindringlich die Bedingungen und Dimensionen
der Rettung von Juden durch die einheimische Bevölkerung und stellt
mehrere Fälle vor, die die besonderen Schwierigkeiten und Gefahren
dieser Hilfeleistungen vergegenwärtigen. Beide Seiten, die Retter und
die Geretteten, trugen in jeder Hinsicht das tödliche Risiko gemeinsam.
Dienstag, 1. September 2020
Inga Ābele: Flut
Verlagsinfo:
Inga Ābele nimmt uns mit auf eine Reise durch das Leben von Ieva, einer
Lettin in ihrer Lebensmitte – rückwärts. In mehr oder weniger
chronologisch umgekehrter Reihenfolge erzählt der Roman die Geschichte
einer Frau, deren jugendliche Entscheidungen den Rest ihres Lebens
dramatisch beeinflusst haben.
Nach und nach treffen wir die wichtigen Menschen in Ievas Leben – ihre
Großmutter, ihre Mutter und ihren Vater, ihren Bruder Pāvils und ihre
Tochter Monta – und die Dinge fangen an, Gestalt anzunehmen. Immer
wieder kehrt die Erzählung zu zwei weiteren Personen zurück: zu ihrem
toten Liebhaber Aksels und ihrem Ex-Mann Andrejs, zu den zwei Männern,
die für immer durch eine Frau und ein schicksalhaftes Ereignis verbunden
sind.
Das Aufdecken von Ievas Persönlichkeit und der Beziehung zwischen den
drei Hauptfiguren macht einen grossen Teil der Anziehungskraft des
Romans aus. Der volle Umfang von Ievas persönlicher Situation wird erst
am Ende klar. Ābele geht den Fragen nach, wie frühere Entscheidungen
unsere Lebenseinstellung für immer beeinflussen können und wieso wir an
einer Vergangenheit festhalten, die uns so sehr verändert hat.
Inga Ābele spielt metaphorisch mit Bildern von Ebbe und Flut und ihr
Roman folgt einer Struktur, in der sich reale Handlung mit imaginären
Passagen, die inneren Monologen gleichen, gezeitenähnlich abwechseln.
Montag, 24. August 2020
Jurga Vilė: Sibiro Haiku
Verlagsinfo:
Ein Blick zurück: Litauen im Juni 1941. Das Land wurde vor Kurzem von
sowjetischen Truppen besetzt. Eines Morgens wird Algis und seine Familie
unsanft von sowjetischen Soldaten geweckt. Sie haben nur wenige Minuten
Zeit, um zu packen. Algis nimmt seinen Ganter Martin unter den Arm und
sein Vater drückt ihm einen Eimer Äpfel in die Hand. Dann werden sie mit
vielen anderen Litauern in Eisenbahnwaggons gepfercht, ahnungslos,
wohin die Reise gehen wird.
Die Endstation ist ein Lager in Sibirien.
Die Bedingungen hier sind unmenschlich, der Hunger groß, die Winter
bitter. Mit Galgenhumor und bemerkenswertem Ideenreichtum begegnet die
Lagergemeinschaft ihrem Elend. Algis' Tante schwärmt für Japan und hat
es geschafft, ein Buch mit japanischen Haiku ins Lager zu schmuggeln. Es
ist nicht zuletzt diese karge Poesie, die die gefangenen Litauer nicht
verzweifeln lässt. Und um ihr Heimweh zu lindern, gründen sie auch einen
Chor: den Apfelchor. Apfelbäume wachsen in Sibirien zwar nicht, aber
das Singen gibt der Hoffnung Auftrieb, dass dieser Albtraum bald vorüber
sein wird. Schließlich gib es eine Vereinbarung, dass zumindest Kinder
nach Litauen zurückdürfen. Und so entkommen Algis und seine Schwester
dem Schrecken.
Jurga Vilė schildert diese ungeheuerliche Geschichte
aus der kindlichen Perspektive von Algis – ihrem eigenen Vater. Die
Illustratorin Lina Itagaki hat dazu eine einzigartige Bildwelt
geschaffen, in welcher sich Text und Bild zu einem vielschichtigen und
wahrlich aussergewöhnlichen Gesamtkunstwerk verweben. Ergreifend und
ermutigend zugleich. In Litauen wurde das Werk mit zahlreichen Preisen
geehrte, nun liegt es bei Baobab Books in deutscher Übersetzung vor.
Samstag, 15. August 2020
Antanas Škėma: Apokalyptische Variationen
€ 25 [D] | € 25,80 [A]
Verlagsinfo:
Antanas Škėma (1910–1961) arbeitete sein ganzes Leben daran, das von ihm Durchlebte in Literatur zu verwandeln. Sein einziger Roman, »Das weiße Leintuch«, gibt Zeugnis von seinem New Yorker Exil. Daneben sind aus allen Phasen seines Lebens literarische Stücke überliefert: Erzählungen, Skizzen, Szenen und Verdichtungen. Es sind in Blickwinkel und literarischer Gestaltung einzigartige Schlüsselszenen der Weltgeschichte: die Kindheit während des Ersten Weltkriegs und des Bürgerkriegs in der russischen und ukrainischen Provinz, Schulzeit und Studium, frühe literarische Versuche im unabhängigen Zwischenkriegslitauen sowie unter sowjetischer und deutscher Besatzung, die dramatische Flucht vor den Sowjets, das Leben als displaced person in Thüringen und Bayern und als Neuankömmling in Chicago und New York. All das spiegelt sich in facettenreichen Prosastücken.
»Apokalyptische Variationen« umspielt die Verheerungen der Geschichte des 20. Jahrhunderts und den Riss, der die Existenzen durchzieht. Schreibend vergewissert sich Škėma seiner Biografie und versucht Sinn und Bedeutung in ihren Splittern aufzuspüren. Wir können lesend nachvollziehen, wie sich die Aussichtslosigkeit in seine Sprache einschreibt, wie diese immer mehr zerspringt, sich auflöst – und wie aus der sprachlichen Entgrenzung eine ganz neue Form entsteht. Claudia Sinnig greift in ihrer Übersetzung die Vielfalt von Škėmas Erzählstilen auf, schürft tief im Sprachmaterial, lotet Trauer und Dunkelheit aus und geht auch der Hoffnung und dem Vorwärtsstreben auf den Grund. Erlösung findet sich vielleicht nicht in Škėmas Leben, aber in seiner Literatur.
Freitag, 31. Juli 2020
Krišjānis Zeļģis: Wilde Tiere
Verlagsinfo:
Nüchtern, fast unterkühlt beobachtet und notiert der lettische Dichter Krišjānis Zeļģis Alltag und Leben in seinem Gedichtband Wilde Tiere. Manchmal so akribisch, dass man den Eindruck hat, er steht neben sich selbst, beobachtet und beschreibt, was gerade mit ihm und den Personen um ihn herum passiert, zum Beispiel einem Paar beim Ausflug an den See. Bei Familienfeiern, Treffen mit alten Freunden, zufälligen Begegnungen bei Bus- und Bahnfahrten stellt sich schnell ein Gefühl der Entfremdung ein, „ich fürchte ich kenne diese Leute nicht“. Im Kapitel „die Fachmänner“ werden Menschen und ihre Berufe fast wie Tiere im Zoo präsentiert. Jeder Fachmann wundersamer als der andere. Vertrauter wirken da die wilden Tiere, die uns in der Landschaft begegnen: „in der Nacht kam ein Hund und setzte sich zu uns“. Wenigstens die Tiere könnten unsere Freunde sein, wären die Menschen nicht so bösartig und hockten auf dem „Hochsitz im Wald / wo du alle leichtgläubigen Tiere abknallen kannst“.
Fremdheit, Leere, Trauer sind wiederkehrende Themen der Gedichte. Längst Verdrängtes poppt ungefragt auf, wenn der Gesang eines „bös verschlagenen Vogels“ plötzlich daran erinnert, dass der Bruder im See ertrunken ist. Auch an einem wohl vertrauten Ort kann sich die Abwesenheit von Dingen wie ein schwarzes Loch auftun und alles verschlingen, wie im folgenden Gedicht aus dem Band.
Samstag, 27. Juni 2020
Monika Bednarcuk (Hg.): Kulturtransfer in der Provinz - Wilna als Ort deutscher Kultur und Wissenschaft (1803-1832)
Verlagsinfo:
Die 1578 gegründete Universität Wilna erlebte ihre Blütezeit nach 1803, als sie unter dem russischen Zaren Alexander I. in Kaiserliche Universität Wilna umbenannt wurde und sich daraufhin zur größten Universität im Russischen Reich entwickelte. Die ersten Jahre der reformierten Universität Wilna standen unter dem Zeichen der transnationalen, westeuropäisch geprägten Wissenschaft. Waren dabei zunächst Kontakte zu Frankreich entscheidend, so gewann ab Anfang des 19. Jahrhunderts die deutsche Kultur zusehends an Bedeutung.
In Kulturtransfer in der Provinz untersuchen Monika Bednarczuk, Katarzyna Filutowska, Mirja Lecke und Marta Kopij-Weiß die verschiedenen Aspekte und Facetten des deutsch-polnischen Wissenschafts- und Kulturtransfers. Beginnend mit dem Fachbereich Philosophie über Klassische Philologie, Orientalistik und Literatur bis hin zu den Naturwissenschaften werden die internationalen Kontexte der Wilnaer Wissenschaftsszene in nuancierten Interpretationen dargestellt. Im Vordergrund steht die Verbindung von Personen-, Raum- und Konzeptebene, Vermittlern, Ideen, Orten, Medien und Praktiken sowie das gegenseitige Sich-Durchdringen verschiedener Sphären in Kultur und Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis
Dienstag, 12. Mai 2020
Algirdas Sabaliauskas: Wir, die Balten
Einblicke in die Geschichte der baltischen Sprachen und Völker. Übersetzt von Sandra Herrmann (Originalausgabe "Mes baltai", 1986). Reichert Verlag, Wiesbaden 2020. ISBN: 9783954902453, 180 Seiten, 19.90 €.Verlagsinfo:
Das Forschungsfeld des litauischen Sprachwissenschaftlers Algirdas Sabaliauskas (1929–2016) umfasst sowohl die baltischen Sprachen als auch die baltische Sprachwissenschaft. Sein Buch 'Wir, die Balten' ist ein lehrreicher und unterhaltsamer linguistischer Spaziergang durch die Geschichte der baltischen Sprachen, der für Sprachexperten wie für Baltistik-Neulinge gleicherweise vergnüglich ist. Wie kaum ein anderes verschafft dieses Buch einen leserfreundlichen Einblick in die umfassende Geschichte der baltischen Völker und Sprachen. Es führt dem Leser eine Vielfalt von Themen vor Augen: Wo konnte wohl die Heimat aller indogermanischen Sprachen gelegen haben; wann und weshalb starben die baltischen Sprachen und Stämme (Alt)Preußisch, Kurisch, Semgallisch, Selisch, Galindisch und Jatwingischaus; was haben die benachbarten Sprachen aus dem Litauischen entlehnt; ob der Übersetzer der Bibel ins Lettische tatsächlich vorhatte, Riga in Brand zu stecken; wie entwickelten sich die baltischen Schriftsprachen und wie nimmt man sie heutzutage wahr. Das Buch ist bereits in fünf Sprachen übersetzt: Englisch, Italienisch, Lettisch, Schwedisch und Ungarisch.
Samstag, 2. Mai 2020
Martin Roemer: Baltische Rhapsodie
Verlagsinfo:
In den letzten Jahren sind Reisen ins Baltikum häufiger geworden: Die drei Republiken lohnen mit ihrer stillen, in weiten Teilen noch unberührten Natur einen Besuch, aber auch wegen ihrer trotz mancher Kriegsschäden noch gut erhaltenen Stadtbilder. Auch ihre kulturellen Traditionen, nicht immer sofort ins Auge fallend, verdienen einen zweiten Blick. Der aufmerksame Reisende wird bald Unterschiede zwischen den Ländern entdecken. Um die Mentalität ihrer Bevölkerung und deren Eigenarten zu verstehen, bedarf es einiger historischer Kenntnisse. Dass alle drei Völker in unabhängigen Staaten leben, ist nahezu ein Novum. Meist wurden die Geschicke des Baltikums von Großmachtinteressen aus West und Ost bestimmt, und allzu oft wurde daraus – gerade im 20. Jahrhundert – eine Leidensgeschichte.
Dieses Buch ist kein Reiseführer im üblichen Sinn, sondern sucht in einer Mischung aus Essays und Lyrik eine Annäherung an Natur, Kultur und Historie.
Am Ende der Reise wird klar, warum manches so vertraut, anderes dagegen fremdartig erscheint. Und spätestens nach der Lektüre wird deutlich, warum den Balten ihre Zugehörigkeit zu Europa und der EU so wichtig ist.
Webseite Martin Roemer
Donnerstag, 16. April 2020
Valdas Papievis: Odile
Der preisgekrönte Roman über den stilvollen Abschied einer Pariser Grande Dame von Dingen, Erinnerungen und Menschen und die Pariser Melancholie. „In den Städten ist so viel los, dass niemand außer den Allernächsten, falls vorhanden, bemerkt, wenn einer von unzähligen Bewohnern eines Tages stirbt.“ „Sie war eine Heimlichtuerin, die Lust zu erzählen oder sich gar zu öffnen, das war etwas, was bei Odile nur selten vorkam.“ „Wahrscheinlich koexistieren in jeder Stadt eine Vielzahl von Städten, wir streiften durch unsere. Durch die Stadt, die wie Odile weiß, wie sehr der Luxus des Nichtstuns manchmal schmerzt.“
Ein außerordentliches Lesevergnügen, das Roland Barthes als jouissance bezeichnete.
Violeta Kelertas, Literaturkritikerin
Der preisgekrönte Roman über den würdevollen Abschied einer Pariser Grande Dame von Dingen, Erinnerungen und Menschen und die Pariser Melancholie.
Ein stilistisches Meisterstück!
Donnerstag, 2. April 2020
Sonja Großmann: Falsche Freunde im Kalten Krieg?
Verlagsinfo:
Warum engagierten sich zahlreiche Westeuropäer im Kalten Krieg für die Sowjetunion? Waren dies von Moskau gesteuerte ideologisch verblendete Kommunisten? Inwiefern förderten sie tatsächlich den kulturellen und gesellschaftlichen Austausch? Sonja Großmann analysiert erstmals vergleichend die Entwicklung sowjetischer Freundschaftsgesellschaften in Frankreich, Großbritannien und der Bundesrepublik vom Zweiten Weltkrieg bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion. Von diesen gesellschaftlichen Akteuren ausgehend eröffnet das Buch neue Perspektiven auf die Formen und Methoden sowjetischer Selbstdarstellung gegenüber dem Ausland, auf das Zusammenspiel staatlicher und gesellschaftlicher Akteure über den ,Eisernen Vorhang' hinweg und auf kommunistische Organisationen im Westen. Das Bild der Sowjetunion in den verschiedenen Ländern spielt ebenso eine Rolle wie konkrete Felder des kulturellen Austausches in Kunst und Wissenschaft, Tourismus oder Städteverbindungen. Das Buch liefert einen innovativen Beitrag zur Internationalen Geschichte, indem es ost- und westeuropäische Geschichte, Diplomatie- und Kulturgeschichte sowie top-down mit bottom-up Ansätzen zusammenführt.
Samstag, 14. März 2020
Karl-Achim Klare: Imperium ante portas
Verlagsinfo:
Oft wenig beachtet strebte das Deutsche Reich während des Ersten Weltkrieges in den von Russland eroberten Territorien in Mittel- und Osteuropa die Schaffung einer kontinentalen Hegemonie an. Die Langzeitwirkung dieses Imperiums ante portas reichte bis weit in die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus hinein.
Kai-Achim Klare widmet sich in seiner umfassenden Studie zur Etablierung dieses Herrschaftsraums zunächst der Genese zeitgenössischer deutscher Osteuropa-Vorstellungen, die als wichtige Grundlage für die Ausformulierung politischer Ziele dienten. Auf der Basis umfangreicher Quellen werden weiter nicht nur vorherrschende Ideologien und imperialistische Strategien in Militär- und Staatsführung eingehend untersucht, sondern insbesondere Handlungsspielräume und Motive der Besatzer vor Ort ausgelotet. Durch die gleichzeitige Betrachtung von Zentrum und Peripherie gelingt es Klare, die gegenseitige Beeinflussung von Heimat- und Kolonialgesellschaft durch unterschiedliche imperiale Modelle offenzulegen. Die detaillierte Analyse des Besatzungsgebietes „Ober Ost“ vermittelt dabei erstmals ein viel ausgeprägteres Spektrum an widersprüchlichen Erfahrungen als dies bisher in der Historiographie angenommen wurde. Abschließend diskutiert Klare kritisch die dominante Lesart, nach der die reichsdeutsche Ostpolitik und die lokale Okkupationspraxis zusammen nur ein Präludium für die radikale Eroberungspolitik im Zweiten Weltkrieg darstellten.
Donnerstag, 5. März 2020
Anete Melece: Der Kiosk
Verlagsinfo:
Olga kennt ihre Kunden, und alle kennen sie. Sie ist »der Kiosk«, und nachts liegt sie im Kioskhäuschen und träumt von Sonnenuntergängen am Meer.
Als ihr zwei Jungen einen Streich spielen, fällt Olga hin, samt Kiosk. Sie rappelt sich auf und geht – ein Kioskhäuschen auf Beinen – durch die Stadt. Doch da stolpert sie über eine Hundeleine und purzelt in den Fluss. Hoppla!
Olga treibt vergnügt stromabwärts bis zum Meer … Und als sie in ihrem Kiosk an einem fernen Strand landet, steht sie auf, verkauft Eis und genießt den Sonnenuntergang.
Anete Melece, Autor/in
Anete Melece (*1983) stammt aus Riga und hat an der Hochschule Luzern (Design & Kunst) Animationsfilm studiert. Ihre Masterarbeit wurde später als bester Schweizer Trickfilm 2014 prämiert. Sie hat weitere Filme gezeichnet und illustriert für den innovativen lettischen Verlag Liels un Mazs. Anete Melece lebt mit ihrer Familie in Zürich und arbeitet im Strapazin-Atelier. Der Text der deutschsprachigen Lizenzausgabe ist deshalb eine Neufassung der Autorin, die auch die Handschrift selbst machte. Website: www.anetemelece.lv, oder zum Thema "Der Kiosk" auch ihr Animationsfilm auf vimeo.
Montag, 2. März 2020
Anja Putensen: Das Gut
Verlagsinfo:
Die ländlichen Gebiete Estlands und Lettlands sind geprägt durch zahlreiche Gutshäuser. In den vergangenen Jahrzehnten wurden einige renoviert, ein großer Teil verfällt. Anja Putensens Das Gut ist eine subjektive fotografische Recherche, die an jene historischen Orte baltischer Gutshauskultur führt. Wie auch die Erinnerung oft aus teils faktischen, teils fiktiven Blickrichtungen besteht, ist auch ihre Perspektive eine poetisch-magische. Ergänzt wird diese durch zahlreiche historische estnische, lettische und deutschbaltische Kindheitserinnerungen.
Die Fotografin Anja Putensen (*1977) hat sich auf die Spuren dieser Gutshäuser begeben und zeichnet mit »Das Gut« eine sehr persönliche Erinnerungsreise. Ihre Fotografien sind während zahlreicher Sommer-und Winterreisen mit einer analogen Mittelformatkamera auf Rollfilm entstanden.
Mittwoch, 19. Februar 2020
Simon Bajada: Die Baltische Küche
Verlagsinfo:
Die Geheimnisse der baltischen Küche!
Salzig wie das Meer, holzig wie die Wälder und süß wie wilde Früchte: Entdecken Sie die bislang noch unbekannte, kulinarische Seite des Baltikums – sie trägt eine einzigartige Handschrift aus russischen, skandinavischen und deutschen Einflüssen. Ob Estland, Lettland oder Litauen: Lassen Sie sich mit 68 Rezepten, stimmungsvollen Landschaftsfotos von Reisezielen und interessanten Hintergründen zu lokalen Produkten an die raue Ostsee entführen.
Hommage an die traditionelle und moderne baltische Küche:
• Das erste Kochbuch zum Baltikum: Stillen Sie Ihren Reisehunger mit der baltischen Küche – von Estland über Lettland bis nach Litauen.
• 68 Rezepte der baltischen Küche: Frisch von der Küste gibt es geräucherten Fisch mit Sellerie-Remoulade, aus dem Garten kommen die Zutaten für eine herrliche Karotten-Suppe und aus der Backwerkstatt ein leckerer Rhabarber-Streusel-Kuchen.
• Wunderschöne Landschafts-Fotografie: Ob Wiesen, Wälder oder Seen – die Länder an der Ostseeküste sind wahre Schönheiten, die mit ihrer ursprünglichen Natur restlos beeindrucken.
• Hochwertige Ausstattung: Dieses Kochbuch zücken Sie auch bei Sehnsucht nach der Ferne immer wieder gerne aus dem Regal. Mit Farbschnitt und Prägung verrät es schon von außen, wie bezaubernd sein Inhalt ist.
• Interessante Hintergrundinfos: Erfahren Sie mehr über typisch baltische Produkte – zum Beispiel aus der Landwirtschaft oder dem Backhandwerk.
Das Reisekochbuch für alle Ostsee-Fans, Skandinavien-Urlauber & Baltikum-Entdecker, die sich (neu) in Kultur, Landschaft und in die osteuropäische Küche verlieben wollen.
Mittwoch, 12. Februar 2020
Edvarts Virza: Straumēni
Verlagsinfo:
Die Sprache, in der Virza das voranschreitende Jahr beschreibt, enthält alles, was auf dem Hof vor sich geht. Da summt und raschelt es, knistert, duftet und klingt es in den Wörtern – ein Sprachstrom, der unaufhaltsam voranstrebt wie der Fluss Lielupe, der sich durch die Wiesen um Straumēni schlängelt. Berthold Forssman stimmt in seiner Übersetzung ein in die Melodie der zemgalischen Landschaft und des ländlichen Lebens. Er schöpft aus dem Reichtum der deutschen Sprache, aus Begriffen und Beschreibungen, die schon vergessen scheinen und eine ganze Welt in die Sinne und vor Augen rufen.
Samstag, 11. Januar 2020
Maruta Grasmane: Handschuhe aus Lettland
Verlagsinfo:
Das Buch gehört in eine Reihe mit dem bekannten Werk Latviesu Rakstainie Cimdi von Mirdza Slava. Aber während Mirdza Slava durch das Land gereist ist und überall nach Handschuhen gesucht hat, durchsuchte Maruta Grasmane Museen nach alten textilen Zeugnissen.
So gehen die Muster in ihrem Buch bis in das 18. Jahrhundert zurück, während Mirdza Slava die Traditonen dokumentierte, die im 20. Jahrhundert noch aufzufinden waren.
Deshalb kann Grasmane bei den einzelnen Modellen auch immer auf das jeweilige, zum Teil sehr alte Exponat in einem der Museen verweisen. Einen großen Teil des Buches nimmt die Geschichte und ethnographische Aufarbeitung dieser großartigen lettischen Tradition ein.
Im zweiten Teil werden dann 177 Handschuhe, nach Regionen geordnet, vorgestellt, jeweils mit Foto und Strickschrift. Bei jedem Handschuh ist die Museums-Registratur mitangegeben und eventuell ein Hinweis auf ein Muster für die Handschuh-Innenseite, falls diese abweichend gestaltet ist.
Freitag, 27. Dezember 2019
Ieva Ozoliņa: Lettisch stricken
Verlagsinfo:
Schritt-für-Schritt-Anleitungen und Größentabellen für Anfänger und Strick-Fans. Mit fingerlosen Handschuhen und Fäustlingen.Fäustlinge, Handschuhe, Stulpen und Pulswärmer – Strick-Kunst aus dem Baltikum.
Selbstgestrickte Geschenke – eine lettische Tradition
In Lettland wird der liebevolle Brauch gepflegt, selbstgestrickte Fäustlinge zur Hochzeit zu verschenken – nicht nur an das Brautpaar, sondern auch an alle, die bei den Hochzeitsvorbereitungen geholfen haben. Dabei kommt den Strickmustern eine besondere Bedeutung zu. Was die verschiedenen Sterne, Sonnen und Kreuze bedeuten, erklärt Autorin Ieva Ozolina in einem Bonus-Kapitel.
Wer in die Kunst des lettischen Handschuh-Strickens eingeweiht ist, braucht sich also nie wieder Gedanken um Geschenke zu machen. Die bunten Handstulpen, Fingerhandschuhe und Fäustlinge lassen sich - mit ein bisschen Übung - blitzschnell und nach Maß herstellen. Kein Wunder, dass die Fäustlinge mit ihren historischen Strickmustern auch heute noch in Lettland ein typischer Bestandteil der Winterkleidung sind. Weihnachten und der nächste Winter kommen bestimmt – stricken Sie los!
Donnerstag, 7. November 2019
Irena Veisaitė / Aurimas Švedas: Ein Jahrhundertleben in Litauen
Verlagsinfo:
Die Autobiographie einer der herausragenden litauischen Intellektuellen im bewegten 20. Jahrhundert.
In 13 Gesprächen mit Aurimas Švedas erzählt Irena Veisaitė ihr bewegtes Leben. Ein Leben für die Kunst und die Kultur in Litauen, den Kulturaustausch mit Deutschland und das tragische politische Schicksal ihres Landes – die Besatzungen durch die deutsche Wehrmacht und die Sowjetunion. Sie erlebt Ausgrenzung, Gewalt, Vernichtung. Ihre Mutter wurde 1941 von einheimischen NS-Kollaborateuren ermordet, sie selbst überlebte das Ghetto von Kaunas durch die Hilfe von litauischen Mitbürger*innen. Nach Kriegsende muss sie den Antisemitismus der Stalinära ertragen. Sie erzählt von ihrem Studium in Moskau und Leningrad, von den Anwerbeversuchen des sowjetischen Geheimdienstes, von ihren Ehen und der schmerzlichen Trennung von der Tochter, die nach England geht. Und Irena Veisaitė spricht über Freundschaften, u. a. mit Arvo Pärt. Sie schildert, wie es zur Einrichtung des Thomas-Mann-Kulturzentrums in Nidden kam und ihr Engagement für die Soros-Stiftung, die sich u. a. für die demokratische und pluralistische Gesellschaft in Osteuropa einsetzt. Ein Jahrhundertleben. Noch in hohem Alter ist sie eine entscheidende Persönlichkeit bei der Errichtung einer pluralistischen Gesellschaft in Nordosteuropa.
Irena Veisaitė, geb. 1928, studierte Germanistik und promovierte 1963 über Heinrich Heines späte Lyrik. Bis 1997 war sie Lektorin an der Pädagogischen Hochschule in Vilnius. Sie war Mitglied in verschiedensten Kommissionen für Kunst und Kultur in Litauen. 2012 erhielt sie die Goethe-Medaille des Goethe-Instituts für ihr Lebenswerk. Die Laudatio hielt Aleida Assmann. Irena Veisaitė spricht sieben Sprachen.
Freitag, 18. Oktober 2019
Rimantas Kmita: Die Chroniken des Südviertels
Verlagsinfo:
Eine Geschichte über die Zeit und die Kinder des wilden Kapitalismus
Mit seinem Debütroman setzt Rimantas Kmita seiner Heimatstadt Šiauliai und den 1990er Jahren ein literarisches Denkmal. Geschrieben in der Umgangssprache der nordlitauischen Stadt jener Zeit, voller Slang- und Schimpfwörter, erzählt er die Geschichte des jungen Rimantas aus dem Südviertel in der wilden Periode kurz nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Litauens.
»Die Chroniken des Südviertels« ist eine Art Zeitmaschine ohne Wenn und Aber, die in eine ziemlich nahe Vergangenheit eintaucht, als in Litauen die neuen westlichen Werte – Snickers-Riegel, Coca-Cola, Trainingsanzüge von Nike oder Adidas – zum Maßstab wurden und als erstrebenswert galten. Der Leser fühlt sich sofort in diese Zeit und nach Šiauliai, dem litauischen Manchester, versetzt, sieht die Musikgruppen von damals, die Jugendzimmer mit Rambo-Postern an der Wand, spielt Rugby, verliebt sich und verliert den Glauben an die Liebe …
Ein Coming-of-Age-Roman im doppelten Sinne, in dem die Teenagerjahre des Protagonisten mit denen des unabhängigen Litauens in der Übergangsphase zusammenfallen.
Donnerstag, 10. Oktober 2019
Māra Zālīte: Fünf Finger
Verlagsinfo:
Laura ist fünf, als sie das erste Mal lettischen Boden betritt. Ein Land, das sie nur aus den üppigen Beschreibungen im Gulag kennt. Die Erwachsenen sind mit sich selbst und dem Neuanfang beschäftigt. Laura erkundet mit Freiheitsdrang ihre dörfliche Umwelt. Ebenso real wie magisch spricht sie mit Menschen, Tieren und mythischen Gestalten. Wir erfahren aus einer kindlichen Perspektive von den Schwierigkeiten des Zusammenlebens, den täglichen Absurditäten der Gesellschaft, bevor Schule und sowjetische Erziehung den Rahmen vorgeben. Mit Phantasie, Humor und Klugheit erzählt Mara Zalite über die Schrecken und Erfahrung einer ganzen Generation. Der in mehrere Sprachen übersetzte Roman „Fünf Finger“ wurde in Lettland zu einem Bestseller und mit dem Jahrespreis für Literatur ausgezeichnet. Er steht aufgrund einer großen Leserumfrage in Lettland auf der Liste der „100 wichtigsten Bücher (der Weltliteratur)“.
Māra Zālīte wurde im sibirischen Krasnojarsk (Russland) geboren, wohin ihre Familie 1941 aus Lettland deportiert worden war. 1956, als sie vier Jahre alt war, durfte die Familie zurückkehren. Nach dem Studium der Philologie arbeitete sie im lettischen Autorenverband, dessen Präsidentin sie neben anderen wichtigen Funktionen von 2000-2008 war. Zalite schreibt Gedichte, Essays, Theaterstücke, Dramen, Prosa, Kinderbücher und Libretti für Musicals und Rockopern. Ihre Werke wurden in viele Sprachen übersetzt, darunter Russisch, Englisch, Deutsch, Schwedisch, Estnisch und Französisch. Als eine der wichtigsten lettischen Autorinnen der Gegenwart ist sie durch ihre öffentlichen Stellungnahmen zu Politik und Gesellschaft bekannt. Sie erhielt zahlreiche Preise, u.a. den Herder-Preis (Deutschland 1993) und den Lettischen Literaturpreis (2001, 2004, 2014).









































