Bereits seit 2007 stellt dieser Blog ins Deutsche übersetzte Publikationen aus Estland, Lettland und Litauen vor. Gleichzeitig werden Publikationen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren mit estnischen, lettischen oder litauischen Themen einbezogen. Wir möchten aufrufen, verschiedene Leseeindrücke auszutauschen. Die hier aufgeführten Bücher werden für eine Vorstellung in der Radiosendung BALTISCHE STUNDE (Radioweser.tv) vorgeschlagen.
Samstag, 18. April 2026
Rein Raud: Pestzug
Verlagsinfo:
Fünf junge Sanitätsoffiziere, unter ihnen Jakob aus Estland, werden 1911 an die russisch-chinesische Grenze entsandt. Dort sollen sie einer Pestepidemie Einhalt gebieten – und stoßen auf das Grauen der Seuche, auf politische Zwänge und auf Entscheidungen, die ihr Leben unwiderruflich verändern. Pflicht, Angst und die Liebe zu einer Frau fordern ihren Preis. Zweiundzwanzig Jahre später begegnen sich zwei von ihnen wieder. Der eine ist für die medizinische Versorgung eines Gefängnisses verantwortlich, der andere sitzt dort ein: ein kommunistischer Agitator, gezeichnet von Haft, Ideologie und Vergangenheit. Zwischen ihnen stehen unausgesprochene Schuld, alte Loyalitäten und die Frage, was von den einstigen Überzeugungen geblieben ist. Rein Raud verwebt Elemente seiner Familiengeschichte mit der Geschichte Estlands und zeichnet ein eindringliches Panorama von Unterdrückung und Freiheitsdrang, von politischer Verblendung und persönlicher Verantwortung – und von der Macht der Liebe, die ebenso retten wie zerstören kann.
Donnerstag, 16. April 2026
Svens Kuzmins: Rigaer Freiheit
Roman, aus dem Lettischen von Lil Reif. Edition fotoTAPETA, Berlin 2026. ISBN: 978-3-949262-63-0, 236 Seiten, 25 € (D) | 25,50 € (A) | 27,50 SFR (CH)
Verlagsinfo: Riga, Ende 2002, ein Kunststudent zieht in das Haus seines Urgroßvater im Stadtzentrum. Der Bau hat seinen früheren Glanz verloren, die alten, versoffenen Mieter leben darin, als hätte sich nichts geändert. Doch in Riga, in Lettland und der Welt ist vieles in Bewegung: Lettland bereitet sich auf den Beitritt zur EU und zur NATO vor, in der Altstadt treiben sich Skinhead-Banden herum… Künstler und Literaten der neuen Generation aber suchen wie zu allen Zeiten nach Wahrheit und Schönheit am Vorabend einer neuen Ära. „Eine Geschichte über den Glanz und den Untergang einer Familie, über den Glauben an die Kunst und über die Schichten der Geschichte, die nicht nur in diesen alten, europäischen Hauswänden bewahrt werden.“ (Kuzmins)
Svens Kuzmins, geboren 1985 in Rēzekne, lettischer Schriftsteller, Künstler und Schauspieler. Schreibt Prosa, Kritiken und journalistische Beiträge, experimentiert aber auch mit Formen der bildenden Kunst. Einer der Initiatoren und Autoren des Sketch-Theaterprojekts NERTEN. Sein erster Roman „Hohma / Hokhmah” wurde 2021 für den Literaturpreis der Europäischen Union (EUPL) nominiert.
Samstag, 28. März 2026
Michael Idov: Das Riga-Komplott
Thriller. Suhrkamp Verlag, Berlin 2026. Aus dem amerikanischen Englisch von Stefan Lux. Herausgegeben von Thomas Wörtche (Originaltitel "The collaborators"). ISBN 978-3-518-47527-0, 328 Seiten, 17.00 Euro.
Verlagsinfo:
Der brillante, junge Ari Falk leitet eine CIA-Abteilung in Riga. Die Weltlage ist 2021 angespannt. Die belorussische Luftwaffe hat gerade einen türkischen Linienflug von Ankara nach Riga nach Minsk umgeleitet. An Bord ein von Falk angeworbener russlandkritischer Blogger. Kurz danach wird die CIA-Station in Riga angegriffen, Falks Mitarbeiter kommen ums Leben, er kann in letzter Sekunde fliehen.
In Los Angeles erfährt Maya Chou, die Tochter eines russisch-amerikanischen Multimilliardärs, vom Selbstmord ihres Vaters. In seinem Testament hinterlässt er ihr ein kleines Haus an der portugiesischen Küste. Aber seine Milliarden sind spurlos verschwunden. Auf den Spuren ihres Vaters reist Maya nach Tanger, wo sie ins Visier eines Killers gerät. Auch Ari Falk taucht dort auf. Zusammen jagen Maya und Ari quer durch Europa bis nach Moskau. Sie müssen erkennen, dass die postsowjetische Zeiten und ihre Konflikte noch lange nicht zu Ende sind. Im skrupellosen Spiel um Geld, Gier und Macht übersehen sie einen viel wichtigeren Faktor: Liebe.
Autor: Michael Idov
Dienstag, 17. März 2026
Una Kaunaite: 2084
Roman, aus dem Litauischen von Markus Roduner. Mitteldeutscher Verlag Halle / Saale 2026, 260 Seiten, ISBN 978-3-96311-990-3, 20.00 Euro.
Verlagsinfo:
Eine literarische Dystopie über Liebe und Selbstverlust in der digitalen Zukunft
Eine der wichtigsten Stimmen der jungen litauischen Literatur
Ein visionärer Roman über KI, Identität und Moral
Sprachlich präzise, emotional aufgeladen
In der Tradition von Orwell und Ishiguro In einer Zukunft, in der die Menschen ihr Leben fast vollständig in der virtuellen Realität „Bubble“ verbringen, verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit, Erinnerung und Programmierung. Kajus, ein stiller Beobachter in dieser künstlich perfektionierten Welt, versucht zu begreifen, was noch echt ist. Sind es Gefühle, Freundschaft oder nur Datenströme, die das simulierte Glück am Laufen halten?
Mit kühler Klarheit und philosophischer Tiefe entwirft Unė Kaunaitė ein erschütternd gegenwärtiges Zukunftsbild. Sie erzählt von Liebe und Verlust im digitalen Zeitalter, von der Sehnsucht nach Nähe in einer Welt totaler Vernetzung und stellt die große Frage: Was geschieht, wenn Künstliche Intelligenz beginnt, unsere Geschichten zu schreiben – und unser Leben zu beenden?
Ein moderner, literarisch anspruchsvoller Roman zwischen Dystopie und Liebesgeschichte, der George Orwells „1984“ hundert Jahre später weiterschreibt – in einer Ära digitaler Überwachung, algorithmischer Sehnsucht und emotionaler Simulation.
Dienstag, 17. Februar 2026
Dagmar Raab: Nikolaj Petrovič Bogdanoff-Belsky (1868–1945)
Verlagsinfo:
Das Buch ist die erste wichtige Publikation in deutscher Sprache zu dem bedeutenden russisch-lettischen Maler. Nikolaj P. Bogdanoff-Belsky stieg im zaristischen Russland aus ärmsten Verhältnissen zu einem hochgeachteten Porträtisten und Genremaler auf, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann, impressionistische Elemente in seine Arbeiten zu integrieren. Nach der Oktoberrevolution emigrierte er nach Lettland und gewann auch dort schnell große Anerkennung.
Das vorliegende Buch gibt einen Einblick in Leben und Werk Bogdanoff-Belskys, zeigt seine künstlerische Entwicklung und Vielseitigkeit als Porträtist und impressionistischer Landschaftsmaler. Über allem aber stehen seine Kinderporträts und die gemalten Erzählungen über die fantasievolle Welt der Kinder.
Montag, 26. Januar 2026
Estnische Küche
Verlagsinfo:
2018 wurde Estland 100 Jahre alt: ein Grund, das Land und seine
Kulinarik kennenzulernen! Der touristische Geheimtipp ist eine
kulinarische Entdeckungsreise wert: Als Vorspeise werden Sprotten im
Speckmantel oder eine Sauerkrautsuppe mit Hanfsamen gereicht.
Fischliebhaber werden Hering mit Gerstenrisotto oder geräucherten Barsch
mit Rote-Bete-Gelee und Kartoffeln wählen. Geschmortes Lamm oder
Kaninchen in Kürbis-Sahne-Sauce kommen ebenfalls auf den Tisch. Zum
Nachtisch gibt es Roggencupcakes, Heidelbeer-Quark-Küchlein oder
karamellisierte Sanddorn-Flammeri.
Alle diese traditionellen und
modernen Rezepte wurden im Zuge eines Wettbewerbs zur Ermittlung des
neuen estnischen Nationalgerichts gesammelt. Stimmungsvoll in Szene
gesetzt wird jedes Rezept durch ganzseitige Speisenfotos.
Die Herausgeber
Die estnische Lebensmittelakademie (Toiduakadeemia) rief einen
Wettbewerb ins Leben, um Estlands „Nationalgericht“ anlässlich des
100-Jahr-Jubiläums des unabhängigen Estlands zu küren. Die besten
Rezepte sind in diesem Buch vereint worden.
Sonntag, 25. Januar 2026
Adelskulturen im Baltikum 15.–19. Jahrhundert
Verlagsinfo:
Dieser Band dokumentiert die Ergebnisse einer internationalen und
interdisziplinären Fachtagung an der Universität Klaipėda (Memel) im
September 2016, deren Hauptanliegen es war, die Adelskulturen im
Baltikum kulturhistorisch in ihren zahreichen Verflechtungen zu
beleuchten und den kulturellen Transfers nachzugehen.
Kontakt-, Wirkungs- und Resonanzräume baltischer Adelskulturen
erstrecken sich über das Russländische Reich, Polen-Litauen, das
Herzogtum und Königreich Preußen, das Heilige Römische Reich deutscher
Nation und die skandinavischen Königreiche. Diese europäische
Dimensionierung ist deshalb notwendig, da der baltische Adel in der
neueren europäischen Adelsforschung bislang kaum eine Rolle spielt.
Die Tagung wurde veranstaltet von der Justus-Liebig-Universität Gießen,
dem Interdisziplinären Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit
an der Universität Osnabrück, dem Herder-Institut für historische
Ostmitteleuropaforschung in Marburg und dem Baltijos regiono istorijos
ir archeologijos institutas (Institut für die Geschichte und Archäologie
im Ostseeraum) sowie der Universität Klaipėda unter Mitwirkung von
Heide und Dieter Wunder.






