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Freitag, 11. September 2026

Dace Krēsliņa: Chaos im Park

Aus dem Lettischen von Lil Reif. Text und Illustration: Dace Krēsliņa. Achse Verlag, Wien 2026. (Originaltitel "Postaža parkā. Aizvēstures pilsētas detktīvi"). ISBN 978-3-903408-52-4, 32 Seiten, 23,00 Euro. 

Verlagsinfo: 
Tatort Urzeithausen – Wer löst den Fall?
Im kleinen Städtchen Urzeithausen wurde der neue Park verwüstet – ein Job für das Detektivduo Dina und Ziggy! Dina, ein ordnungsliebendes Triceratops-Mädchen, und Ziggy, ein verträumter Einhorn-Junge mit großem Appetit, folgen den ersten Spuren und stoßen auf eine riesige Libellenmama und ihre wilde Kinderschar. Sind sie die Übeltäter? Schnell merken Dina und Ziggy jedoch: Das Chaos im Park ist nur die Spitze des Eisbergs.
Ob Dino oder Einhorn: für alle was dabei!
Ein spannender und humorvoller Fall für die Urzeitdetektive, der kleine Leserinnen und Leser spielerisch für Natur- und Artenschutz begeistert. In Lettland mehrfach preisgekrönt.

Montag, 6. Juli 2026

Thomas Stölzel: Angelehnte Türen

Baltische Momentaufnahmen. Verlag Königshausen & Neumann 2024. ISBN: 978-3-8260-8785-1, 114 Seiten, 16.00 Euro. 

Verlagsinfo: »Das Fliegen ist den Sinnen feindlich. Und doch ein besonderer Ausblick, ein pseudoolympischer sozusagen, bleibt. Unter uns die Ostsee; ich sehe – fingernagelgroß – ein rotes Schiff, das einen nadeldünnen Gischtstreifen hinter sich herzieht. Dann die kurische Küstenlinie; Wasser, Sand und Wald bis ans Meer.«

Inhalt
Das Baltikum vor 30 Jahren
Das Baltikum vor 80 Jahren
Angelehnte Türen - Baltische Momentaufnahmen

 

Montag, 22. Juni 2026

Gabriel Bornstein: Das Elfte Gebot

Roman. KrönerEditionKlöpfer, Stuttgart 2026. ISBN 978-3-520-77301-2, 232 Seiten, 22.00 Euro. 

Verlagsinfo: 
Ironisch, tiefgründig, voller Sprachfreude und Witz, zuweilen mit einer Spur Magie, erzählt Gabriel Bornstein die Geschichte des jungen David Dubnow, Waise, Sohn einer Holocaust-Überlebenden, den es auf der Suche nach dem Vermächtnis seines einzigen Angehörigen in die Sowjetunion des Kalten Krieges, nach Riga, verschlägt. Dort begegnet er den Absurditäten des autoritären Systems, der Frage, wem er trauen kann und wer was warum verbirgt – und der schönen, geheimnisvollen Judica. Zusammen mit ihr und einer Handvoll jüdischer Überlebender macht er sich auf eine Suche in den Katakomben der Stadt, die bald zur Obsession wird.
    Eine ganz andere Erzählung über das israelische Trauma, das Leben in autoritären Systemen, die, gerade weil sie mit einem ordentlichen Augenzwinkern erzählt wird, ganz tief blicken lässt.

 

Donnerstag, 16. April 2026

Svens Kuzmins: Rigaer Freiheit

Roman, aus dem Lettischen von Lil Reif. Edition fotoTAPETA, Berlin 2026. ISBN: 978-3-949262-63-0, 236 Seiten, 25 € (D) | 25,50 € (A) | 27,50 SFR (CH)

Verlagsinfo: Riga, Ende 2002, ein Kunststudent zieht in das Haus seines Urgroßvater im Stadtzentrum. Der Bau hat seinen früheren Glanz verloren, die alten, versoffenen Mieter leben darin, als hätte sich nichts geändert. Doch in Riga, in Lettland und der Welt ist vieles in Bewegung: Lettland bereitet sich auf den Beitritt zur EU und zur NATO vor, in der Altstadt treiben sich Skinhead-Banden herum… Künstler und Literaten der neuen Generation aber suchen wie zu allen Zeiten nach Wahrheit und Schönheit am Vorabend einer neuen Ära. „Eine Geschichte über den Glanz und den Untergang einer Familie, über den Glauben an die Kunst und über die Schichten der Geschichte, die nicht nur in diesen alten, europäischen Hauswänden bewahrt werden.“ (Kuzmins)

Svens Kuzmins, geboren 1985 in Rēzekne, lettischer Schriftsteller, Künstler und Schauspieler. Schreibt Prosa, Kritiken und journalistische Beiträge, experimentiert aber auch mit Formen der bildenden Kunst. Einer der Initiatoren und Autoren des Sketch-Theaterprojekts NERTEN. Sein erster Roman „Hohma / Hokhmah” wurde 2021 für den Literaturpreis der Europäischen Union (EUPL) nominiert. 

Samstag, 28. März 2026

Michael Idov: Das Riga-Komplott

Thriller. Suhrkamp Verlag, Berlin 2026. Aus dem amerikanischen Englisch von Stefan Lux. Herausgegeben von Thomas Wörtche (Originaltitel "The collaborators"). ISBN 978-3-518-47527-0, 328 Seiten, 17.00 Euro. 

Verlagsinfo: 
Der brillante, junge Ari Falk leitet eine CIA-Abteilung in Riga. Die Weltlage ist 2021 angespannt. Die belorussische Luftwaffe hat gerade einen türkischen Linienflug von Ankara nach Riga nach Minsk umgeleitet. An Bord ein von Falk angeworbener russlandkritischer Blogger. Kurz danach wird die CIA-Station in Riga angegriffen, Falks Mitarbeiter kommen ums Leben, er kann in letzter Sekunde fliehen. 

In Los Angeles erfährt Maya Chou, die Tochter eines russisch-amerikanischen Multimilliardärs, vom Selbstmord ihres Vaters. In seinem Testament hinterlässt er ihr ein kleines Haus an der portugiesischen Küste. Aber seine Milliarden sind spurlos verschwunden. Auf den Spuren ihres Vaters reist Maya nach Tanger, wo sie ins Visier eines Killers gerät. Auch Ari Falk taucht dort auf. Zusammen jagen Maya und Ari quer durch Europa bis nach Moskau. Sie müssen erkennen, dass die postsowjetische Zeiten und ihre Konflikte noch lange nicht zu Ende sind. Im skrupellosen Spiel um Geld, Gier und Macht übersehen sie einen viel wichtigeren Faktor: Liebe.

Autor: Michael Idov 

Dienstag, 17. Februar 2026

Dagmar Raab: Nikolaj Petrovič Bogdanoff-Belsky (1868–1945)

Nikolaj Petrovič Bogdanoff-Belsky (1868–1945) - ein Vertreter des russischen Realismus und Impressionismus. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2026. 168 Seiten, 192 Farb- u. 18 SW-Abbildungen, ISBN 978-3-7319-1545-4, 69,00 €.

Verlagsinfo: 
Das Buch ist die erste wichtige Publikation in deutscher Sprache zu dem bedeutenden russisch-lettischen Maler. Nikolaj P. Bogdanoff-Belsky stieg im zaristischen Russland aus ärmsten Verhältnissen zu einem hochgeachteten Porträtisten und Genremaler auf, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann, impressionistische Elemente in seine Arbeiten zu integrieren. Nach der Oktoberrevolution emigrierte er nach Lettland und gewann auch dort schnell große Anerkennung.
Das vorliegende Buch gibt einen Einblick in Leben und Werk Bogdanoff-Belskys, zeigt seine künstlerische Entwicklung und Vielseitigkeit als Porträtist und impressionistischer Landschaftsmaler. Über allem aber stehen seine Kinderporträts und die gemalten Erzählungen über die fantasievolle Welt der Kinder.

Samstag, 25. Oktober 2025

Laura Vinogradova: Sanna und Lia

Roman, ins Deutsche übersetzt von Britta Ringer. Mediathoughts Verlag, Taufkirchen 2025, 224 Seiten. ISBN 978-3-947724-59-8. (D) 22 Euro (A = 22,70 Euro)

Verlagsinfo:  
Sanna, die Lettin, und Andrejs, der Roma, wachsen in einem Kinderheim auf. Sanna hat nur noch eine vage Erinnerung an ihre Mutter und eine große Wut im Bauch auf die Gesellschaft, die Menschen wie sie nicht haben will oder mit selbst gestrickten Socken und ausrangierten Kleidern Abbitte leisten. Sobald sie die Schule beendet hat, zieht sie nach Riga, um eine Ausbildung zu absolvieren, doch Partys und Alkohol drohen sie abstürzen zu lassen. Nach einer Party findet Andrejs sie betrunken auf einer Parkbank schlafend und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Zwischen ihnen entwickelt sich eine Liebes- und Familiengeschichte, die die Suche nach der eigenen Identität, die Verantwortung als Eltern und den Kampf gegen Vorurteile spürbar werden lässt.

Samstag, 6. September 2025

Rasa Bugavičute-Pēce: Der Junge, der im Dunkeln sah

Roman für Jugendliche und Erwachsene. Übersetzung aus dem Lettischen: Lil Reif.
Mirabilis Verlag 2025, ISBN 978-3-947857-29-6, Illustration: Zane Veldre. 224 Seiten
20 €

Verlagsinfo: Jēkabs soll schon als Kind erwachsen sein. Einerseits, um seinen blinden Eltern durch das alltägliche Leben zu helfen, andererseits, um den Vorstellungen seiner Mutter von einem „idealen Kind“ gerecht zu werden. Je älter er wird, desto mehr versucht er, sich aus dieser Enge zu lösen und auch eigene Wege zu gehen. Verschiedene Erlebnisse, vom ersten Schultag bis hin zur ersten großen Liebe, eröffnen einen spannenden und zugleich tief berührenden Blick auf das Leben in der Wahrnehmung mit anderen Sinnen. Parallel wird die Sicht der strengen Mutter geschildert, die verzweifelt versucht, trotz ihrer Blindheit alles richtig zu machen.

Leseempfehlung: ab 12 Jahren — für Jugendliche und Erwachsene.

Mittwoch, 3. September 2025

Andris Kalnozols: Kalender

Roman. Aus dem Lettischen übersetzt von Sven Otto. Edition fotoTAPETA, Berlin 2025. ISBN 978-3-949262-54-8, 334 Seiten, Preis: 20 € (D) | 20,50 € (A) | 22,50 SFR (CH)

Verlagsinfo:  
Oskars, der stille Held dieses Romans aus Lettland, ist ein wenig eigenartig. Oft folgen seine Gedankengänge einer naiven, kindlichen Logik; gleichzeitig verfügt er über ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis: Sämtliche Namenstage kennt er auswendig. Deshalb wird er „Kalender“ genannt. Im Buch erzählt der Protagonist Tag für Tag von den Ereignissen seines Lebens. Dank seiner eigenwilligen Sicht auf die Dinge gewinnt Oskars einen besonderen Zugang zu Kindern, Alten und AußenseiterInnen. Im Laufe eines Kalenderjahres entwickelt sich der autistisch wirkende, jung gebliebene Mann zum Mittelpunkt eines skurrilen Freundeskreises – und es gelingt ihm, seine besondere Weltsicht langsam in Worte zu fassen und seinen eigenen Weg zu gehen.

Andris Kalnozols, geboren 1983, lettischer Dramatiker und Schriftsteller. Seine Stücke wurden am Lettischen Nationaltheater, am Dirty Deal Teatro und am Ģertrūdes ielas teātris aufgeführt. Kalnozols beschäftigt sich seit 1999 mit kreativem Schreiben und veröffentlichte in verschiedenen Zeitschriften. Sein Debütroman "Kalendārs mani sauc" erschien Ende 2020 im lettischen Original. Er lebt und arbeitet meist in Vilnius.

Dienstag, 2. September 2025

Gerhard Böttger: Weidwerk im Baltikum und in heimischen Revieren

Leopold Stocker Verlag, Graz 2025. ISBN 978-3-7020-2311-9, 168 Seiten, 22.00 Euro. 

Verlagsinfo: In seinem neuesten Werk beschreibt der leidenschaftliche Jäger und erfolgreiche Jagdbuchautor, warum gerade die Länder des Baltikums einen besonderen Reiz auf ihn ausüben: Ausgedehnte Mischwälder sowie unzählige idyllische Binnenlandseen oder Flüsse sind malerische Kulisse für seine packenden Erlebnisse auf der Fährte des Elches oder bei der Jagd auf Damwild und Braunbär.
Gerhard Böttger erzählt mitreißend von der faszinierenden Auer- und Birkhahnbalz in einsamen und verwunschenen Moorlandschaften, von der Brunft der großen Geweihten, von der Jagd auf Muffel in Tschechien oder auf Kronenhirsche und kapitale Schaufler in Bulgarien. Doch auch dem heimischen Weidwerk in seiner bunten Fülle, das ihn erfüllt und geprägt hat, widmet sich der Autor. Seine Auseinandersetzung mit historischen und gesellschaftlichen Hintergründen machen seine Erzählungen zu etwas Besonderem.

Mittwoch, 6. August 2025

Simon Theokas: Der kleine Luchs vom Usma-See

Illustration Christina M. Weigel, Text Simon Theokas. Verlag Renate Götz, Dörfles / Österreich 2025. Ab 4 Jahren. 24 Seiten, ISBN 978-3-99150-024-7, 16 Euro.

Verlagsinfo: Eine Freundschaft zwischen Tier und Mensch in einem der ältesten Naturschutzgebiete Lettlands. Der kleine Luchs ist mit vielen Tieren befreundet und mit einem ganz besonderen Mann namens Alfreds. Voller Vorfreude ist der kleine Luchs unterwegs zum See, um dort einen schönen Tag mit dem knurrigen Dachs, dem fleißigen Biber und dem starken Bären zu verbringen. Doch es kommt alles anders und ein großes Abenteuer beginnt. Den Usma See gibt es wirklich, er liegt hoch oben im Norden in einem der ältesten Naturschutzgebiete Lettlands und Europas. Dort leben zahlreiche Luchse, aber auch andere wundervolle Tiere.

Freitag, 13. Juni 2025

Dace Vigante: Eismeer

Aus dem Lettischen übersetzt von Bettina Bergmann. Verlag Friedrich Mauke KG, Weimar 2025. 120 Seiten, ISBN 978-3-948259-30-3, 18,00 €

Verlagsinfo:
Mutter und Tochter – näher zusammen und weiter entfernt können zwei Menschen nicht sein.
Wenige Figuren prägen dieses Kammerspiel: Die schöne stolze Irma, die mit ihrem Mann unter Stalin in ein Straflager am Polarmeer deportiert wird. Ihr damals fünfjähriger Sohn Kaspars und ihre Tochter Māra, zu der Zeit noch ein Baby, die in Lettland zurückbleiben.
Mara, für die ihre Mutter nur ein märchen-haft schönes Bild auf einem Foto war, lernt ihre Mutter kennen, als sie längst ein Teenager ist. Unüberwindbar scheint der sich schnell aufbauende Konflikt. Das Herz der Mutter wirkt von der Kälte des Lagers am Polarmeer gefroren. So vergehen die Jahre in eisiger Nähe. Wie könnte dieses Eis tauen?
»Eismeer« ist die erste Geschichte, mit der Dace Vigante der literarische Durchbruch gelangt. Es ist die Geschichte von Frauen, die durch die engste mögliche Verwandtschaft und das grausamste Jahrhundert der Menschheitsgeschichte zugleich verbunden und getrennt sind. Die Funken der Intimität und Liebe liegen so tief verborgen, dass es scheint, als sei ein Eismeer über den Herzen entstanden. Es erfordert großen Mut, das Eis der Entfremdung zu durchbrechen. Dace Vigante schreibt darüber.

Freitag, 4. April 2025

Vilis Kasims: LYSERGSÄUREBLUES

Aus dem Lettischen von Lil Reif. Edition fotoTAPETA, Berlin 2025. ISBN 978-3-949262-50-0, 114 Seiten, 15 € (D) | 15,50 € (A) | 17,50 SFR (CH). 

Verlagsinfo:
Flash Fiction aus Lettland. In 37 Texten, Kurzprosa und Gedichtprosa, erzählt der Autor aus einem merkwürdigen Alltag. Mal sitzt dem Erzähler ein Obdachloser auf der Schulter und macht ihm klar, dass alle Anstrengung sowieso nichts bringen wird, mal kommt per Satellitenfernseher echte Farbe ins echte Leben, oder ein altes Radio dient als direkte Verbindung in die eigene Erinnerung. Traum- oder tranceartige Sequenzen führen in eine erlebte und wiederbelebte Wirklichkeit um die Jahrtausendwende im Norden Osteuropas.

Vilis Kasims
geboren 1986, lettischer Autor, Übersetzer, Redakteur und Literaturagent. Bisher drei Prosabände. Kasims übersetzt Literatur aus dem Englischen, Russischen, Katalanischen und Spanischen und ist Redakteur der Literaturzeitschrift Punctum. Er lebt und arbeitet in Riga.

Dienstag, 25. Februar 2025

Detlef Henning: Geschichte der lettischen Geschichtsschreibung

Vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Aus der Reihe Veröffentlichungen des Nordost-Instituts, Band 25. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2025. ISBN 978-3-447-12341-9, 312 Seiten, 39,00 Euro. 

Verlagsinfo:
Mit dem nationalen Erwachen der baltischen Völker im 19. Jahrhundert begannen Esten, Letten und Litauer, die Geschichte ihrer Nationen und Länder unabhängig von deutschen und russischen Einflüssen zu schreiben und zu erforschen.
Die Monografie Geschichte der lettischen Geschichtsschreibung bietet erstmals eine Gesamtdarstellung der lettischen Geschichtsschreibung und Geschichtswissenschaft, ihrer Genese im 19. Jahrhundert, ihrer personellen und institutionellen Etablierung nach Gründung der Republik Lettland im Jahr 1918 sowie ihrer weiteren, von politischen und ideologischen Brüchen gekennzeichneten Entwicklung bis in die Gegenwart. Die Studie skizziert die historischen und politischen Herausforderungen, denen sich lettische Historiker in den unterschiedlichen Perioden ihrer Geschichte gegenübersahen, nennt die wichtigsten Protagonisten und Institutionen des lettischen Geschichtsfeldes und beschreibt die Themen und Konzepte, die im Laufe von knapp 150 Jahren die lettischen Diskurse und Kontroversen bestimmten. Umfangreiche Literaturangaben zitieren zudem die wesentlichen Forschungsergebnisse lettischer Historiker, die aufgrund sprachlicher Grenzen oftmals nur wenigen westlichen Fachleuten bekannt sind.

Mittwoch, 9. Oktober 2024

Jānis Joņevs: Dezember

Dokumentarischer Roman. Aus dem Lettischen von Bettina Bergmann, 224 Seiten, 16,- €. Erschienen bei Parasitenpresse, Verlag für neue Literatur, Köln 2024.

Verlagsinfo:
„Nach einer Weile kehrte ich zum »nicht existierenden Wahnsinnigen«, zu den »ausgedachten« Dingen zurück. Die Sache ließ mir keine Ruhe mehr. Prokrastination im Internet ist immer produktiv, und schon sehr schnell konnte ich es präzisieren. Die Sache war im Jahr 1997 »nicht passiert«. Aber im Internet fand ich darüber wenig. Ein guter Grund, es ruhen zu lassen. Damals scheute ich mich noch davor, Leute zu befragen. Das Thema erschien mir nicht korrekt, nicht geistreich. Aber es gab andere Quellen, nach denen man suchen konnte. Deshalb zog ich mich von den geistreichen Gesprächen auf der Terrasse zurück in die Bibliothek und begann, in der Presse aus jener Zeit zu blättern.“

Der lettische Schriftsteller Jānis Joņevs nimmt uns mit auf eine Spurensuche zurück in die 1990er Jahre. Brutale Morde in Riga, die von der Presse zu einer Mordserie aufgebauscht werden, werden noch einmal untersucht, durch Befragungen und Recherche in alten Zeitungsberichten. Eine True-Crime-Geschichte, die zugleich ein Panoptikum der wilden Nachwende-Jahre ist, in der alles möglich schien.

Mittwoch, 25. September 2024

Riss durch Europa | Rift through Europe

Die Folgen des Hitler-Stalin-Pakts. Perspektiven aus Ostmitteleuropa. Herausgegeben von Anke Hilbrenner, Christoph Meißner und Jörg Morré. Wallstein Verlag, Göttingen 2024. 296 Seiten, ISBN 978-3-8353-5781-5, € 26,00 (D) / € 26,80 (A)

Verlagsinfo:
Mit dem Hitler-Stalin-Pakt begann vor 85 Jahren der Zweite Weltkrieg in Europa. Die Erinnerungen an dieses Abkommen trennt bis heute die Erinnerungsgemeinschaften in Ost und West.

Für die Länder Ost- und Mitteleuropas hatte die Unterzeichnung des Hitler-Stalin-Pakts am 23. August 1939 schwerwiegende Folgen. Eine Woche später überfiel Deutschland Polen und löste den Zweiten Weltkrieg aus. Nur weitere zwei Wochen später begann auch die Sowjetunion mit Angriffen auf die Länder Ost- und Mitteleuropas. Beide Seiten annektierten gewaltsam Territorien und beendeten die Unabhängigkeit ganzer Staaten. Ihre Besatzungspolitik war von massenhafter tödlicher Gewalt geprägt. Mit dem Angriff des Deutschen Reichs auf Sowjetunion am 22. Juni 1941 endete die Übereinkunft der Diktatoren abrupt. Die Folgen des Pakts aber blieben in Ost- und Mitteleuropa durch die erneute sowjetische Okkupation 1944 und den sich anschließenden Kalten Krieg bis zum Zerfall der Sowjetunion 1991 bestehen. Viele der heutigen europäischen Grenzen gehen auf diesen Pakt zurück. Deshalb leben die Erinnerungen an die Ereignisse von 1939 bis 1941 fort und prägen die Gesellschaft und Politik der Staaten Ost- und Mitteleuropas bis heute. Mit der Osterweiterung der Europäischen Union 2004 wurden diese Perspektiven zwar zunehmend lauter geäußert, dennoch wollen sie bis heute nicht alle hören. Der Band erscheint zur gleichnamigen Ausstellung, die anlässlich des 85. Jahrestags der Unterzeichnung des Paktes ab dem 23. August 2024 im Museum Berlin-Karlshorst gezeigt wird.

Der Band ist zweisprachig - Deutsch und Englisch.

Mittwoch, 5. Juni 2024

Edward Anders: Unter Letten während des Holocaust

Meine Biographie. Herausgegeben von Uwe Neumärker. Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas, 2024. ISBN 978-3-942240-42-0. 282 Seiten, 7.00 Euro. 

Verlagsinfo:
Edward Anders (*1926) wird als Eduards Alperovičs in der Hafenstadt Libau (auf Lettisch: Liepāja) geboren. Seine Eltern sind jüdisch und bürgerlich, Anders‘ Muttersprache ist Deutsch. Mit dem Einmarsch der Roten Armee in das unabhängige Lettland im Sommer 1940 beginnt der Terror. Nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion 1941 wird der Vater wie 24 Familienangehörige Opfer des Holocaust. 1944 gelingt Eduards und der Mutter die Flucht in das Deutsche Reich. Nach 1945 studiert er Chemie in München. 1949 wandert er in die USA aus und wird einer der weltweit bedeutendsten Meteoritenexperten. Seit seiner Emeritierung forscht Anders zum Holocaust in Lettland.

Samstag, 20. Januar 2024

Lote Vilma Vītiņa: Der kleine Dichter und der Duft

Mirabilis Verlag, Klipphausen/Miltitz, Oktober 2023. 40 Seiten, durchgängig farbig illustriert von Lote Vilma Vītiņa. Übersetzung aus dem Lettischen: Lil Reif. ISBN 978-3-947857-23-4. Originalausgabe: „Dzejnieks un smarža“, Aminori, Riga 2019

Verlagsinfo:
Es war einmal ein kleiner Dichter, der vor einem großen, leeren Blatt Papier saß und dem so gar nichts einfiel, worüber er schreiben könnte. Doch auf einmal kam durch das offene Fenster eine Wolke herein und sie brachte einen Duft mit, der ihm direkt in die Nase flog! Den Duft von Sommerregen. Der Dichter folgte dem Duft und er kam in die Stadt und den Park – und überall duftete es nach anderen schönen und nicht so schönen Dingen. Und plötzlich wusste er auch wieder, worüber er schreiben konnte …
Ein bezauberndes Kinderbuch über die Düfte in der Natur und der Stadt mit kleinen Gedichten und fantasievollen Bildern, die dazu anregen, die Umgebung bewusst und mit allen Sinnen wahrzunehmen. Und im kunterbunten Vorsatzpapier ist sogar eine duftende Erdbeere versteckt!

LOTE VILMA VĪTIŅA (geb. 1993) lebt in Riga und ist eine lettische Illustratorin, Comiczeichnerin und Lyrikerin. Sie hat an der Lettischen Kunstakademie Malerei studiert und an verschiedenen Ausstellungen und Residenzen in Lettland und im Ausland teilgenommen. Ihre Zeichnungen sind lebendig und gefühlvoll, leicht und spontan. Lote Vilma Vītiņa zeichnet mit der Hand und mit Tusche, oft mit Aquarellfarben. Ihre Illustrationen und Comics wurden von „Liels un mazs“, „kuš!“, „KUTIKUTI“, „Popper“ und anderen veröffentlicht. Ihr Lyrikdebüt meitene (dt. Das Mädchen) wurde 2020 mit dem Goldenen Apfel ausgezeichnet, dem wichtigsten Buchpreis für Buchkunst in Lettland. Für ihr 2021 erschienes Buch Ūdenstornis(dt. Der Wasserturm) erhielt sie den Lettischen Literaturpreis 2022. Die Originalausgabe des Kinderbuches „Der kleine Dichter und der Duft“ erschien im Verlag Aminori in Riga und wurde 2019 mit dem Goldenen Apfel sowie für seine Illustrationen 2020 mit dem Kinder- und Jugendbuchpreis Jānis Baltvilks ausgezeichnet.
https://lotevilma.com/

LIL REIF (geb. 1975 in Dresden) studierte Russisch, Portugiesisch und Jura in Berlin, Moskau und Évora und wurde mit einer Arbeit im Bereich Soziolinguistik promoviert. Während eines dreijährigen Aufenthalts an der Fakultät für Translationswissenschaften der Hochschule Ventspils lernte sie Lettisch und organisierte mit dem Internationalen Schriftsteller- und Übersetzerhaus und der Stadtbibliothek Werkstätten zum Literaturübersetzen. Sie lebt in Wien, wo sie neben ihrer Arbeit als Expertin für Europäische Forschungsförderung Literatur aus dem Lettischen übersetzt. 2018 erhielt sie für die Übersetzung eines Auszugs aus dem Roman „Der Geschmack von Blei“ von Maris Berzinš den Übersetzerpreis der Stadt Wien.

Freitag, 3. November 2023

Linda Grant: Die trotzige Schönheit der Welt

Roman, aus dem Englischen übersetzt von Brigitte Jakobeit. Rowohlt Verlag, Berlin 2023. ISBN 978-3-7371-0189-9, 368 Seiten, 24 €. 

Verlagsinfo: Mina Mendel geht zum Pilzesammeln in den Wald und trifft dort einen hübschen jungen Bolschewiken, der eine Revolution plant. Wir schreiben das Jahr 1913 in Lettland. Sie ahnt nicht, dass diese zufällige Begegnung sie über das Meer und in eine neue Welt führen wird – sie bricht nach Amerika auf und landet in Liverpool. Auch dort nimmt ihr Schicksal unerwartete Wendungen: Ihr Bruder kämpft im Ersten Weltkrieg und rettet einem Mann das Leben, den sie später heiratet; sie bekommt eine Tochter, die wie eine Prinzessin aus dem Hause Windsor zu sprechen lernt und versucht, ihre Herkunft hinter sich zu lassen ... Minas Begegnung im Wald, durch die alles begann, wird zum Mythos, immer wieder neu erfunden, bis sie ein Eigenleben entwickelt.
Linda Grant erzählt von einer Frau, die lernt, für sich einzustehen, und ihrem Leben, das ein ganzes Jahrhundert umspannt: vom Rigaer Hafenviertel über Liverpool bis ins London der Nachkriegszeit. Ein Roman über das Aufbrechen und Ankommen, über die Suche nach Glück und nicht zuletzt über Erinnerung und die Geschichten, die unser Leben bestimmen. Ein warmes, lebendiges Familienepos voller Charme und Witz, mit dem man die große Linda Grant endlich auch auf Deutsch entdecken kann.

Die Originalausgabe erschien 2023 unter dem Titel «The Story of the Forest» bei Virago Press, London

Mittwoch, 1. November 2023

Signe Viška / Elīna Brasliņa: Kati will Großvater werden

32 Seiten, Atlantis Verlag in der Kampa Verlag AG, Zürich. Signe Viška (Text), Elīna Brasliņa (Bilder). ISBN 978 3 7152 0847 3, € (D) 18,– | sFr 26,90 | € (A) 18,50 (ab 4 Jahren). 

Verlagsinfo: Kati weiß, was sie werden will: Großvater. Davon lässt sie sich auch nicht abbringen, als die andern sie belächeln. Kati eignet sich an, was zu einem Großvater gehört: große Hände zum Akkordeon spielen oder Streichhölzer und Bonbons für die Jackentasche. Sie schafft es auch, so viel Zeit wie Großvater zu haben. Nur – wie bekommt sie weißes Wolkenhaar? Kurzerhand klebt sich Kati Watte in die Mütze. Und schon bald sitzen die zwei Großväter zusammen am Tisch und machen Großvaterdinge: zum Beispiel Milchtrinken.

Signe Viška (*1997) ist Autorin und Übersetzerin. Sie lebt in Riga. Die deutsche Textfassung stammt von der Autorin.
Die Originalausgabe des Buches erschien unter dem Titel "Kate, kas gribēja kļūt par vectēvu" bei "Liels un mazs", Riga 2021.