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Dienstag, 25. Februar 2025

Detlef Henning: Geschichte der lettischen Geschichtsschreibung

Vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Aus der Reihe Veröffentlichungen des Nordost-Instituts, Band 25. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2025. ISBN 978-3-447-12341-9, 312 Seiten, 39,00 Euro. 

Verlagsinfo:
Mit dem nationalen Erwachen der baltischen Völker im 19. Jahrhundert begannen Esten, Letten und Litauer, die Geschichte ihrer Nationen und Länder unabhängig von deutschen und russischen Einflüssen zu schreiben und zu erforschen.
Die Monografie Geschichte der lettischen Geschichtsschreibung bietet erstmals eine Gesamtdarstellung der lettischen Geschichtsschreibung und Geschichtswissenschaft, ihrer Genese im 19. Jahrhundert, ihrer personellen und institutionellen Etablierung nach Gründung der Republik Lettland im Jahr 1918 sowie ihrer weiteren, von politischen und ideologischen Brüchen gekennzeichneten Entwicklung bis in die Gegenwart. Die Studie skizziert die historischen und politischen Herausforderungen, denen sich lettische Historiker in den unterschiedlichen Perioden ihrer Geschichte gegenübersahen, nennt die wichtigsten Protagonisten und Institutionen des lettischen Geschichtsfeldes und beschreibt die Themen und Konzepte, die im Laufe von knapp 150 Jahren die lettischen Diskurse und Kontroversen bestimmten. Umfangreiche Literaturangaben zitieren zudem die wesentlichen Forschungsergebnisse lettischer Historiker, die aufgrund sprachlicher Grenzen oftmals nur wenigen westlichen Fachleuten bekannt sind.

Mittwoch, 25. Oktober 2023

Melanie Frank: Sprache im Spannungsfeld von Nation und Demokratie

Lettlands Sprachenpolitik seit Wiedererlangung der Unabhängigkeit. Veröffentlichungen des Nordost-Instituts, Band 32. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2023. ISBN 978-3-447-12067-8, 248 Seiten, 38,00 Eur[D] / 39,10 Eur[A]

Verlagsinfo: Ausgangspunkt der Arbeit ist die Frage nach dem Verhältnis von Demokratie und Nationalismus in der Sprachenpolitik seit Zusammenbruch der Sowjetunion. In diesem Politikfeld wurden wichtige Schlüsselentscheidungen der postsowjetischen Transformation getroffen, die den Umgang mit den russischsprachigen Minderheiten in den jungen Staaten betrafen. Die Bedeutung der Sprachenpolitik für die politische Transformation wird zunächst anhand vier Länder mit großen russischsprachigen Minderheiten – Estland, Lettland, Moldau und Ukraine – herausgearbeitet. Im Anschluss wird in einer Tiefenanalyse des lettischen Falls geprüft, ob Kriterien für eine Vereinbarkeit von Nationalismus und Demokratisierung in Lettlands Sprachenpolitik seit Wiedererlangung der Unabhängigkeit gegeben waren. Auf Grundlage der Auswertung eines umfangreichen Korpus originalsprachlicher Primärquellen wurden die politischen Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozesse im Feld der Sprachenpolitik herausgearbeitet und analysiert. Melanie Frank zeigt auf, inwiefern die Kriterien für eine Vereinbarkeit von Demokratisierung und Nationalismus nicht erfüllt wurden und in der lettischen Sprachenpolitik demokratische Anforderungen hinter den Zielen einer nationalisierenden Politik zurückstanden. Die Arbeit schließt mit einer Einordnung der Ergebnisse vor dem Hintergrund zweier Ereignisse, die in Verbindung mit der Sprachensituation und einem geringen Vertrauen der Bevölkerung in die politischen Institutionen eine besondere Herausforderung für die lettische Demokratie darstellten: die Corona-Pandemie, die im März des Jahres 2020 Lettland erreichte, und der russische Angriff auf die Ukraine am 24. Februar des Jahres 2022.

Donnerstag, 2. April 2020

Sonja Großmann: Falsche Freunde im Kalten Krieg?

Sowjetische Freundschaftsgesellschaften in Westeuropa als Instrument und Akteure der Cultural diplomacy. Studien zur internationalen Geschichte, Walter de Gruyter, Oldenbourg 2019. ISBN: 978-3-11-065228-4 . 612 Seiten, (ab) € 69,95.

Verlagsinfo:
Warum engagierten sich zahlreiche Westeuropäer im Kalten Krieg für die Sowjetunion? Waren dies von Moskau gesteuerte ideologisch verblendete Kommunisten? Inwiefern förderten sie tatsächlich den kulturellen und gesellschaftlichen Austausch? Sonja Großmann analysiert erstmals vergleichend die Entwicklung sowjetischer Freundschaftsgesellschaften in Frankreich, Großbritannien und der Bundesrepublik vom Zweiten Weltkrieg bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion. Von diesen gesellschaftlichen Akteuren ausgehend eröffnet das Buch neue Perspektiven auf die Formen und Methoden sowjetischer Selbstdarstellung gegenüber dem Ausland, auf das Zusammenspiel staatlicher und gesellschaftlicher Akteure über den ,Eisernen Vorhang' hinweg und auf kommunistische Organisationen im Westen. Das Bild der Sowjetunion in den verschiedenen Ländern spielt ebenso eine Rolle wie konkrete Felder des kulturellen Austausches in Kunst und Wissenschaft, Tourismus oder Städteverbindungen. Das Buch liefert einen innovativen Beitrag zur Internationalen Geschichte, indem es ost- und westeuropäische Geschichte, Diplomatie- und Kulturgeschichte sowie top-down mit bottom-up Ansätzen zusammenführt.

Dienstag, 15. Januar 2019

Wegweiser zur Geschichte - Baltikum

Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2018. Redaktion: Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. 302 Seiten, ISBN: 978-3-506-79331-7,EUR 16.90 / CHF 21.90

Verlagsinfo:
Die baltischen Staaten sind in den letzten Jahren immer stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Dies hat mit der krisenhaften Entwicklung in Osteuropa zu tun, in deren Zentrum die Konflikte zwischen Russland und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion stehen, vor allem der Bürgerkrieg in der Ostukraine und die völkerrechtswidrige Besetzung der Krim 2014.
Estland, Lettland und Litauen, die seit 2004 Mitglieder in der NATO und der EU sind, waren militärisch von diesen Entwicklungen zwar nicht betroffen, haben aber die politischen Auswirkungen deutlich zu spüren bekommen. Auch die drei Bündnispartner gehörten, wie die Ukraine, zum Staatsgebiet der UdSSR. Die Befürchtungen sind groß, dass Moskau langfristig eine Revision der Verhältnisse anstrebt.
Die NATO hat beschlossen, Truppenverbände in das Baltikum und nach Polen zu schicken, um die Region zu stabilisieren und Bündnissolidarität zu zeigen. Vier Kontingente sind daher seit Mitte 2017 in diesem Teil Europas stationiert. Außerdem wurde 2015 eine Schnelle Eingreiftruppe (Very High Readiness Joint Task Force) aufgestellt, die bei Bedarf rasch in die Region verlegt werden kann.
Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften fügt vor diesem Hintergrund den bereits für zahlreiche Länder und Regionen vorliegenden Bänden der Reihe »Wegweiser zur Geschichte« eine weitere Publikation hinzu. Dieses Buch versammelt zahlreiche Beiträge von renommierten Experten aus verschiedenen wissenschaftlichen Fachdisziplinen. Die Beiträge sind übersichtlich und allgemeinverständlich formuliert und mit Bildern, Grafiken und Karten sowie einem umfassenden Anhang ausgestattet. 
Mit Beiträgen von Uwe Sperling, Anti Selart, Klaus Milizer, Ralph Tuchtenhagen, Martin Meier, David Feest, Karsten Brüggemann, Kaarel Piirimae, Bernd Lemke, Rolf-Dieter Müller, Jochen Tauber, Rolf Winkelmann, Aušrele  Pažeraite, Kevin C. O'Connor, Katja Wezel, Mark Webber, Derek Averre, Ingmar Oldberg, Gedeminas Vitkus, Stephan Maximilian Brenner, Justyna Zajac, Kamal Makili-Aliyev, Robin Allers und Paal Sigurd Hilde. 

Dienstag, 10. Juli 2018

Karsten Brüggemann / Norbert Angermann: Geschichte der baltischen Länder

Reclam Verlag, Ditzingen 2018. ISBN: 978-3-15-011167-3. 360 Seiten, 29 Euro.

Verlagsinfo:
Seit 1989/90 sind die aus der Konkursmasse der Sowjetunion wieder erstandenen baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland neu in unser Blickfeld gerückt. Alle gehören der EU an, Riga war 2014 Kulturhauptstadt Europas, der Ostseetourismus boomt, Estland nimmt eine Spitzenstellung in der Digitalisierung ein. Um die aktuellen Entwicklungen verstehen zu können, ist der Blick in die Geschichte unabdingbar. Seit dem Mittelalter waren diese Länder eng mit ihren westlichen Nachbarn verflochten: Namentlich zur Blütezeit der Hanse war der deutsche Einfluss stark, Litauen war jahrhundertelang mit Polen verbunden, seit dem 17. Jahrhundert beherrschten Schweden und Russland den Raum. Alle so gern in einen Topf geworfenen Länder hatten dabei ihre je eigene Historie: auch das lässt sich mithilfe dieses Buchs begreifen.

Norbert Angermann (emeritierter Professor für Osteuropäische Geschichte der Universität Hamburg), Karsten Brüggemann (Professor für Estnische und Allgemeine Geschichte an der Universität Tallinn).

Dienstag, 19. Dezember 2017

Matthias Dornfeldt / Enrico Seewald: Hundert Jahre deutsch-litauische Beziehungen

Husum Verlagsgruppe, Husum 2017. Hrsg.als Werk 47 der PRUSSIA-Schriftenreihe, 256 Seiten, ISBN 978-3-89876-901-3, 19,95 Euro.

Verlagsinfo:
Das vorliegende Werk ist die erste Gesamtdarstellung zum deutsch-litauischen Verhältnis in der Zeitspanne von der ersten Erwähnung des Namens Litauen in den Quedlinburger Annalen 1009 bis zur Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen vor rund 25 Jahren. Auf der Basis von meist unveröffentlichtem Archivmaterial schildert es das enge, aber auch wechselhafte Verhältnis benachbarter Völker. Das kürzlich im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes aufgefundene Exemplar der Unabhängigkeitserklärung vom 16. Februar 1918 wird hier erstmals publiziert. Weitere sorgfältig ausgewählte Dokumente und Illustrationen lassen eine auch Gegenwart und Zukunft noch prägende Phase europäischer Geschichte anschaulich und lebendig werden.

Dienstag, 12. Juli 2016

Katja Wezel: Geschichte als Politikum

Lettland und die Aufarbeitung nach der Diktatur. Band 15 der Reihe "die Ostseeregion - europäische Perspektiven, herausgegeben von Jan Hecker-Stampehl, Bernd Henningsen, Sven Jochem und Ralph Tuchtenhagen. BWV Berliner Wissenschafts-Verlag GmbH 2016,324 Seiten. ISBN 978-3-8305-3425-9, 49,00 €.

Verlagsinfo:
„Geschichte als Politikum“ analysiert den lettischen Transformationsprozess der letzten 25 Jahre (1990 bis 2015). Das Hauptaugenmerk liegt auf dem Dilemma der gespaltenen lettischen Gesellschaft – mit den Letten auf der einen und der russischsprachigen Bevölkerung auf der anderen Seite. Ansatzpunkt ist die These, dass es sich hier nicht primär um einen ethnischen Konflikt handelt, sondern um einen Gegensatz, bei dem unterschiedliche historische und kulturelle Deutungen im Zentrum stehen. Der lettische Diskurs um die Geschichte des 20. Jahrhunderts ist gekennzeichnet von dem Bedürfnis nach Anerkennung der lettischen Opfer kommunistischer Verbrechen, wobei die Deportationen unter Stalin eine zentrale Rolle spielen. Die Untersuchung fokussiert kontrovers diskutierte Themen, die um „Transitional Justice“, die Aburteilung der kommunistischen Herrschaft und die Aufarbeitung der Verbrechen des Zweiten Weltkriegs kreisen. Als Folge sich ablösender Besatzungsregime führt die Aufarbeitungspraxis häufig zur problematischen Gleichsetzung der Verbrechen von Nationalsozialismus und Kommunismus, zur Entstehung von Opferkonkurrenzen und zur Instrumentalisierung der Geschichte. Letzteres bewirkt eine erneute Verschärfung der Gegensätze, mit Rückwirkungen auf den lettischen sowie den gesamteuropäischen Aufarbeitungsprozess.

Mittwoch, 16. März 2016

Günther Heydemann / Clemens Vollnhals: Nach den Diktaturen

Der Umgang mit den Opfern in Europa. Schriften des Hannah-Arendt-Instituts - Band 059 . Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 2016. 288 Seiten, ISBN 978-3-525-36971-5,
60,00 €. 

Verlagsinfo:
Der Band untersucht erstmals in vergleichender Perspektive den politischen und gesellschaftlichen Umgang mit den Opfern nach dem Fall der Diktaturen. Welche Entschädigungsleistungen erhielten die Opfer der faschistischen und der nationalsozialistischen Diktatur nach 1945 in Italien, in der Bundesrepublik Deutschland und Österreich? Wie gingen die Gesellschaften in Spanien, Portugal und Griechenland nach dem Fall der Militärdiktaturen in den 1970er Jahren mit den Opfern um? Was erreichten die Opfer kommunistischer Diktaturen nach 1989 im wiedervereinten Deutschland, in Tschechien, Polen, Ungarn, Lettland und Russland? Das gesellschaftspolitische Umfeld brachte für die Opfer zumeist nur geringe Empathie auf, dennoch gibt es beachtliche Unterschiede in der staatlichen Rehabilitierungs- und Entschädigungspolitik, die von ausgewiesenen Experten in 13 Beiträgen analysiert werden.

Montag, 1. Februar 2016

Arndt Künneke: Migrationspolitik der baltischen Staaten

Litauen, Lettland und Estland im Vergleich. Verlag BoD - Books on Demand, Norderstedt, 2015. 132 Seiten, ISBN 978-3-7392-2062-8, € 14,90.

Verlagsinfo:
Migrationspolitik ist eines der Politikfelder, die innerhalb der EU noch unzureichend geregelt sind, in Zukunft aber immer mehr an Bedeutung gewinnen werden. Während für die meisten EU-Mitgliedsstaaten die Regelung der Zuwanderungsströme von Asylsuchenden, Flüchtlingen oder Arbeitsmigranten die größte Herausforderung darstellt, haben die baltischen Staaten vor allem mit der Abwanderung großer Teile ihrer arbeitsfähigen Bevölkerung zu kämpfen.
Dieses Buch erörtert die Migrationspolitik der drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland jeweils anhand der Bereiche Migrationsgeschichte, Emigration, Immigration und Minderheiten und macht dabei deutlich, dass deren Migrationspolitik trotz vieler Gemeinsamkeiten auch signifikante Unterschiede aufweist.

Assist. Prof. Dr. Dr. Arndt Künnecke ist Dozent für Rechts- und Politikwissenschaften an der MEF Universität in Istanbul. Seine dortigen Forschungsschwerpunkte sind Minderheitenrechte sowie Verbraucherschutzrecht in der EU. Daneben ist er noch als Berater, Journalist und Rechtsanwalt tätig.

Mittwoch, 17. September 2014

Magdalena Solska: Die Systemkrise des Kommunismus und die Entwicklung der Parteiensysteme in Estland, Lettland und Litauen 1988-2011

Nationale Identität, Cleavage-Politik und Parteienwettbewerb in Nordosteuropa. Reihe Osteuropa, Band 7. LIT Verlag, Berlin 2013. 328 Seiten, ISBN 978-3-643-12288-9. 44,90 Euro.

Verlagsinfo:
Die unterschiedliche Entwicklung der Parteiensysteme in Estland, Lettland und Litauen geht auf das Fortwirken der gesellschaftlichen Konfliktlinie (Cleavage) zwischen dem kommunistischen System und den neuen anti-kommunistischen Kräften zurück, die während der Systemkrise des Kommunismus (1988 - 1991) manifest wurde. Im ethnisch vergleichsweise homogenen Litauen ist dieses Cleavage ideologisch geprägt, während es in Estland und Lettland ethnischen Charakter besitzt. Die entlang dieses Konfliktes entstandene Konstellation der politischen Parteien wurde "eingefroren" und bestimmt bis heute das jeweilige Parteiensystem in den baltischen Staaten. Die Cleavage-Theorie und die Freezing-These erfahren somit eine Neufassung.
Magdalena Solska promovierte 2013 im Fach Politikwissenschaft an der Universität Regensburg.

Freitag, 1. November 2013

Michael H. Kohrs: Die Litauische Nationale Union

Porträt einer (Staats-)Partei. Die Litauische Nationale Union (LTS) und ihre Bedeutung für das autoritäre Regime der Zwischenkriegszeit in Litauen 1924 bis 1940. Peter Lang,  Internationaler Verlag der Wissenschaften, Frankfurt/ Main 2012. 374 Seiten, ISBN 978-3-631-62376-3, SFR 68.00, 59.95 Euro (D), 61.60 Euro (A).

Verlagsinfo:
Wie in vielen anderen Ländern Europas etablierte sich auch in Litauen nach dem 1. Weltkrieg ein autoritäres Regime. Zur wohl wichtigsten Stütze der Herrschaft des «Volksführers» Antanas Smetona entwickelte sich die Lietuviu Tautininku Sajunga (LTS), die Litauische Nationale Union. In dieser Darstellung wird der Weg der Partei von einer kleinen Splittergruppe zur einzigen noch zugelassenen Partei nachgezeichnet und dabei der zunehmend repressive Charakter des Regimes insgesamt beschrieben. Gleichzeitig bietet das Werk einen Überblick über wichtige außen-, innen- und wirtschaftspolitische Entwicklungen Litauens in der Zwischenkriegszeit und leistet einen Beitrag zur vergleichenden Autoritarismus- bzw. Faschismusforschung.

Inhalt:
Inhalt: Die Entwicklung der litauischen Parteien bis 1924 - Die Litauische Nationale Union als wählerorientierte Honoratiorenpartei - Der Umsturz von 1926 in Litauen - Die Litauische Nationale Union: Von der Massenpartei zur Staatspartei - Die Litauische Nationale Union und der Niedergang des Regimes - Faschismus in Litauen - Außenpolitik Litauens: Der Vilnius-Konflikt und die Memel/Klaipeda-Frage.

Michael H. Kohrs, Studium Geschichte, Germanistik und Russisch an der Universität Bochum; Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für osteuropäische Geschichte; DAAD-Lektor am Lehrstuhl für deutsche Philologie und Methodik an der Pädagogischen Universität Vilnius; staatlich geprüfter Übersetzer für Litauisch; Oberstudienrat mit den Fächern Deutsch und Geschichte.

Samstag, 3. November 2012

Michèle Knodt, Sigita Urdze (Hrsg.):Die politischen Systeme der baltischen Staaten

Eine Einführung. Springer VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2012. 414 Seiten,
ISBN: 978-3-531-19555-1, 34,95 €.

Verlagsinfo:
Mit diesem Band wird zum ersten Mal eine Einführung vorgelegt, die alle drei baltischen Staaten – Estland, Lettland und Litauen – systematisch vergleichend analysiert. Meist werden die drei Staaten vor allem von westlichen Beobachtern in einem Atemzug genannt. Während dies auf den ersten Blick gerechtfertigt sein mag, offenbart eine nähere Betrachtung neben Ähnlichkeiten auch gravierende Unterschiede zwischen den Staaten. Die Beiträge der baltischen und nicht-baltischen Experten, die in ihren thematischen Kapiteln immer alle drei baltischen Staaten vergleichend in den Blick nehmen, arbeiten gerade diese Gemeinsamkeiten und Divergenzen deutlich heraus. Somit eignet sich der Band sowohl für einen ersten Überblick als auch für den am Detail interessierten Leser. Dabei werden neben traditionellen Bereichen wie der Geschichte der baltischen Staaten und ihrer Transformation und Konstitution seit den 1990er Jahren auch sehr aktuelle und spezielle Bereiche der politischen Systeme der baltischen Staaten behandelt – so etwa die Auswirkungen der Finanzkrise und die Korruption in den drei Staaten.

Aus dem Inhalt:
Einleitung. - Die baltischen Staaten – Vielfalt in Einheit und doch verschieden?. - Die Geschichte der baltischen Staaten bis 1945. - Deutsche im Baltikum. - Baltische Staaten und ihre Gesellschaften
nach dem Zweiten Weltkrieg. - Die baltischen Staaten als Transformationsstaaten. - Lustration in den baltischen Staaten. Aktive Vergangenheitsbewältigung seit 1991. - Die baltischen Staaten und ihr Weg in die EU. - Zentralisierung als Paradox: Europäisierung in den baltischen Staaten?. - Konstitutionelle Verfasstheit der baltischen Staaten. - Beteiligungsformen ethnischer Minderheiten und demokratische Qualität in den baltischen Staaten. - Minderheiten und Minderheitenpolitik in den baltischen Staaten. - Fluide Parteiensysteme in den baltischen Staaten. - Interessenverbände und Zivilgesellschaft in den baltischen Staaten. - Politische Kultur im Baltikum: Entwicklungsverläufe und innergesellschaftliche Konfliktlinien. - Korruption in den baltischen Staaten. - Aufbau und Bewährung der Marktwirtschaften im Baltikum. - Wohlfahrtsregime in den baltischen Staaten: gemeinsame Vergangenheit, unterschiedliche Zukunft. - Doch eine Erfolgsgeschichte ? Zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung in den baltischen Staaten. - Wirtschaftsmodell und Integrationsprozess der baltischen Staaten. Die Finanzkrise und ihre Konsequenzen. Ostseekooperation im Schatten der EU. Baltische Regionalpolitik mit unterschiedlichen Akzenten. - Die konzentrierte Außenpolitik der baltischen Staaten.

Mittwoch, 23. Juni 2010

Elmar Römpczyk: Klondike Baltikum

oder der reale Trans­for­ma­ti­ons­pro­zeß. Verlag Haag + Herchen, Hanau, 1. Aus­ga­be 2010. 386 Sei­ten, Pa­per­back. ISBN: 978-​3-​89846-​593-9​. 24,00 Euro.

Verlagsinfo:
Das sogenannte Baltikum - eine Goldmine?
In gewissem Sinne ja, aber nur für einige, für die Eliten, die die  Transformation der ehemaligen Sowjetrepubliken und die während dieser Phase reichlich fließenden Gelder nutzten, um die eigenen Konten aufzubessern.
Die gut gemeinten Hilfen an die neuen EU-Mitgliedstaaten sind größtenteils ohne wirkliche Fortschritte für die Länder und ihre Bevölkerung versickert.
Was hätte anders laufen sollen während der Transformation, was sollten die politischen und gesellschaftlichen Akteure, was sollten die Bürger heute tun, um eine demokratische und nachhaltige Entwicklung voranzutreiben? Was sollte Europa tun, um europäischer zu werden, um ein wirkliches Zusammengehörigkeitsgefühl zu schaffen und den Herausforderungen der heutigen Zeit wirkungsvoller zu begegnen?

zum Autor: 
Elmar Römpczyk, ein profunder Kenner des Baltikums, der sein Leben lang in der Entwicklungsarbeit und für Einrichtungen wie die Friedrich-Ebert-Stiftung, die Deutsche Entwicklungsgesellschaft und den Deutschen Entwicklungsdienst tätig war, zeigt am Beispiel der drei baltischen Länder Litauen, Lettland und Estland die Hindernisse auf dem Weg zu einem gemeinsamen Europa, zu mehr Demokratie, Bürgerbeteiligung und Nachhaltigkeit.

Freitag, 5. Februar 2010

Florian J. Anton: Staatlichkeit und Demokatisierung in Lettland

Entwicklung - Stand - Perspektiven
Band 41 der Reihe "Spektrum Politikwissenschaft". 491 Seiten, ERGON-Verlag, Würzburg 2009. ISBN 978-3-89913-702-6, 59,00 Euro.

Verlagsinfo: Lettland, die mittlere baltische Republik, ist auch fünf Jahre nach dem "Doppelbeitritt" zu NATO und EU noch ein Land voller Widersprüche. Neben Transformationsproblemen, die die wieder begründete lettische Demokratie mit anderen Ländern der Region teilt, sind viele Widersprüche auch das Resultat einer sehr bewegten Geschichte des Landes; nicht nur, aber doch besonders im 20. Jahrhundert. Die Erfahrungen und das schwere Erbe von drei einander ablösenden Okkupationen zwischen 1940 bis 1991 haben nicht nur die postsowjetische Gesellschaft des Landes entscheidend geprägt. Sie haben - manchmal unmittelbar - auch Aufbau und Entwicklung des politischen Systems beeinflusst. Diese Konsolidierungsstudie untersucht - unter Einbeziehung wesentlicher historischer Linien der Region - Entstehung, Entwicklung und Ausprägungsgrad des lettischen Staates und der hier etablierten Demokratie seit Wiedergewinnung der Unabhängigkeit im Jahr 1991.

Montag, 15. Dezember 2008

"Anwalt der Balten" oder Anwalt in eigener Sache?

Helge Dauchert:
"Anwalt der Balten" oder Anwalt in eigener Sache?
Berliner Wissenschafts-Verlag (BWV) 2008, 371 Seiten, 44 Euro.

Die deutsche Baltikumpolitik 1991–2004
Die auffällige Zurückhaltung gegenüber Estland, Lettland und Litauen trug der Bundesregierung schon in den neunziger Jahren den Vorwurf ein, sie vernachlässige die baltischen Kleinstaaten zu Gunsten einer auf nationale Interessenmaximierung fixierten und an Russland orientierten Realpolitik. Diese gängige Interpretation wird in der Untersuchung zurückgewiesen. Grund für die deutsche Zurückhaltung gegenüber den Balten waren die umfassenden Pläne zur Schaffung eines friedlichen und integrierten Europas, welche die Bundesregierung bereits in den frühen neunziger Jahren in eine doppelte Zwickmühle brachten: Zum einen erwies es sich als ungeahnt schwierig, sowohl die in Maastricht auf den Weg gebrachte institutionelle Vertiefung der EU als auch deren Erweiterung zeitgleich voranzutreiben. Zum anderen stießen die deutschen Bemühungen, Russland an die westlichen Strukturen heranzuführen, auf den Widerstand der übrigen MOE-Staaten, die sich um eine Abgrenzung von Russland bemühten. Diese Schwierigkeiten hatten zur Folge, dass die Erweiterung der EU und der NATO zum einen aufgeschoben und zum anderen auf einen kleinen Kreis von Bewerberstaaten beschränkt werden musste. Die Situation wurde für die Balten zusätzlich dadurch verschärft, dass die Bundesregierung auf Grund ihrer Bemühungen, sich von der Außenpolitik ihrer Vorgänger zu distanzieren, gerade dort mit größter Zurückhaltung agierte, wo die historisch-kulturellen Verbindungen einst besonders ausgeprägt waren. Der Eindruck, Deutschland dränge auf eine Wiederherstellung der alten Einflusssphären in Mittelosteuropa, sollte unter allen Umständen vermieden werden. Diese Kombination aus praktischen und historisch-moralischen Ursachen verhinderte, dass die Anwaltschaft, welche die Bundesregierung 1991 gegenüber den baltischen Staaten erklärt hatte, in den darauffolgenden Jahren mit Leben gefüllt wurde. Ironischerweise deuteten einige internationale Beobachter eben diese Zurückhaltung als Indikator für die Rückkehr Deutschlands zu einer auf nationale Interessenmaximierung fixierten Realpolitik.