Mittwoch, 27. Oktober 2021

Rūta Briede: Das Geheimnis der Möwenkönigin

Text und Illustration von Rūta Briede, aus dem Lettischen von Matthias Knoll. Edition Bracklo, Birkenwerder 2021. 44 Seiten, Format: 25,5 × 20,2 cm, ISBN 9783946986119, 15,80 €.

Verlagsinfo:
Liebe verleiht Flügel
Dieses wunderbare moderne Märchen aus Lettland handelt von Renata, die ein Geheimnis in sich trägt, an das sie sich selbst nicht erinnern kann. In einer „Geschichte in der Geschichte“ löst sich das Rätsel um Renata. Sie und Ludwig sind reif für die Insel.


Samstag, 23. Oktober 2021

Uta von Arnim: Das Institut in Riga

Die Geschichte eines NS-Arztes und seiner "Forschung". Eine Spurensuche. Verlag Nagel & Kimche, Zürich / München 2021. 240 Seiten, ISBN 978-3-312-01244-2, € (D) 22,00 | sFr 30,90 | € (A) 22,70. 

Verlagsinfo:
Uta von Arnim zeichnet in »Das Institut in Riga« das scharfkantige Bild eines NS-Arztes und seiner Familie. Ein Arzt, der der Großvater der Autorin war.
Herbert Bernsdorff leitet in den Jahren 1941-1944 das Gesundheitswesen der besetzten baltischen Staaten. Im Gutshaus seiner Ehefrau Edda am Stadtrand von Riga, dem Kleistenhof, gründet er das »Forschungsinstitut«. Dort dienen Juden als »Versuchskaninchen«.
Deutsche Wissenschaftler und Laborantinnen arbeiten in Kleistenhof daran, Impfstoff gegen Fleckfieber herzustellen. Eine Gruppe Juden wurde aus dem Rigaer Ghetto nach Kleistenhof geholt. Ihre Aufgabe im Institut war es, zweimal täglich mit ihrem Blut Tausende Läuse zu »füttern«, die ihnen in kleinen, unten offenen Schachteln für dreißig Minuten auf die Haut gebunden werden. Die Läuse sind zum Teil mit Fleckfieber-Erregern infiziert.
Herbert Bernsdorff saß im »Reichskommissariat Ostland«, dem deutschen Machtzentrum. Er unterstützte Gründung und Aufbau des Instituts. Zudem sorgte er dafür, dass im gesamten Baltikum Gesundheitspolitik im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie umgesetzt wurde.
Aus Gesprächen und Interviews mit Familienmitgliedern, Fotos, Archivrecherchen in Berlin und Riga, Zeitzeugenberichten und dem Studium historischer Fachliteratur werden die Geschehnisse rund um das Forschungsinstitut rekonstruiert. Zwischen die Schilderung der historischen Ereignisse setzt die Autorin subjektive Miniaturen.
Mit »Das Institut in Riga« zeigt Uta von Arnim einen Ausschnitt aus der Brutalität des nationalsozialistischen Regimes. Aus der Spurensuche einer Enkelin, die auch selbst Ärztin ist, entsteht eine ungemein eindringliche Darstellung.

Donnerstag, 21. Oktober 2021

Leelo Tungal: Genossin Kind

Roman, aus dem Estnischen übersetzt von Cornelius Hasselblatt. 655 Seiten, Plaggenhauer Verlag, Lüneburg 2021. ISBN 978-3-937949-29-1, 23,00 Euro. 

Verlagsinfo:
Mit den Augen des Kindes von damals lässt die Autorin einen Teil ihrer Kindheit Revue passieren: Als ihre Mutter von bewaffneten, russisch sprechenden Männern in schwarzen Ledermänteln abgeholt wird, verspricht diese, bald zurück zu sein, wenn die kleine Leelo brav ist. Da sich die Rückkehr der Mutter immer weiter hinzieht, nagt es in der kleinen Leelo, inwieweit sie für die Situation selbst verantwortlich ist. Hin- und hergerissen zwischen der Abneigung gegenüber allem Russischen und der Anziehungskraft der Sowjetpropaganda, wächst sie trotz allem wohlbehalten bei ihrem Vater, Großeltern, Tanten und Kindermädchen auf. Tungal versteht es, in einer faszinierenden Dichte ihre kindliche Lebenswelt im sowjetisch besetzten Estland der frühen 1950er Jahre wieder lebendig werden zu lassen.
Selbstsicher und neugierig ist die kleine Leelo, die bei ihrem alleinerziehenden und voll berufstätigen Vater das Jägerlatein der Jagdfreunde des Vaters hört oder, „zwischengeparkt“ bei Tante Anne, im Frisörsalon in die Welt der feinen Tallinner Damen hineinschnuppern darf. Der Horizont des kleinen Kindes präsentiert sich durch die Augen Leelos als grenzenloses Universum voller Eindrücke und Erlebnisse, in dem Magisches und Reales noch friedlich nebeneinander hergehen. Aber auch kindliche Furcht schafft sich Raum, diese verknüpft sich mit Erzählungen und dem Erlebten zu einer stereotypen Angst vor schwarzen Männern, die gelegentlich auftaucht, aber nie übermächtig wird. Schillernd erscheint die politische Dimension des Lebens, die die aufgeweckte Leelo schon im Vorschulalter wahrnimmt: Traditionelles Liedgut wird mit pseudosozialistischen Volten von Papa ins Festprogramm des Volkshauses geschummelt; Leelo selbst, über Radio und Kinderbücher zugleich kommunistisch sozialisiert, versteht früh, dass ihre Verwandten politisch betrachtet unsichere Kantonisten sind – wenn es darum geht, an einem warmen Sommertag ein Eis zu bekommen, scheut sie sich nicht, ihre Tante Maali mit ihrem Wissen über eine versteckte Uniform des Onkels aus der Vorkriegszeit zu erpressen.

Freitag, 15. Oktober 2021

Lafcadio Hearn: Der Junge, der Katzen malte

Text Lafcadio Hearn, Illustration Anita Kreituse. Aus dem Englischen Gabriela Bracklo. Edition Bracklo, Birkenwerder 2021. 52 Seiten (59 x 59 cm), ISBN 978 3 946986 10 2, 24,80 €. 

Verlagsinfo:
Dieses traditionelle, japanische Märchen bezeugt, dass jeder seine Bestimmung hat, auch wenn sein Ansatz noch so „nutzlos“ erscheinen mag. Wir erleben, dass Begeisterung und nimmermüde Ausdauer bei dem, was uns beseelt, schließlich aus Talent Können macht. Aus Können wird Meisterschaft und wahre Meisterschaft kann Wunder wirken.

Lettische Originalausgabe: "Puika, kas zīmēja kaķus" (Jāņa Rozes apgāds, 2017). Nach Motiven eines japanischen Märchens. Übersetzung Japanisch-Lettisch: Renāte Punka. Verlagsinfo: "Ein Buch, in dem das visuelle Bild mit dem Märchentext interagiert und die Illustrationen eigenständig eine neue Dimension bilden, welche die Fantasie der Betrachter/innen anregt und die Möglichkeiten zur persönlichen Interpretation gibt."

Donnerstag, 14. Oktober 2021

Wolfgang von Stetten: Wolfskinder - Glücksmomente

30 Jahre litauisch-deutsche Begegnungen. Molino Verlag, Leonberg / Schwäbisch Hall 2021. 360 Seiten, ISBN 978-3-948696-10-8, 25 Euro.

Verlagsinfo:
Nach dem Krieg beginnt das Elend. Tausende Kinder fliehen durch die ostpreußischen Wälder nach Litauen, hungernd, frierend, oft ohne Eltern. Es ist eines der dunkelsten Kapitel unserer Zeit. Aber es gab auch die Gesten von Mitmenschlichkeit und Hilfe, es gab die litauischen Familien, die nicht nur ihr Brot teilten, sondern den „kleinen Deutschen“, die man später Wolfskinder nannte, ein neues Zuhause gaben. Wolfgang von Stetten zeigt viele Glücksmomente auf und dokumentiert den 30-jährigen Einsatz für diese lange vergessenen Kriegsopfer. Sein Buch veranschaulicht aber auch, dass man als Politiker oft unkonventionell handeln muss, will man wirklich etwas erreichen.
„Ostpreußen, Litauen, Deutschland – was ist die wirkliche Heimat? Dort, wo man geboren wurde, dort wo man aufwuchs und lange lebte, dort wo man hoffte, eine neue (alte) Heimat zu finden? Zweimal versuchte ich vergeblich, die Hilfe für die Wolfskinder auf materielle Bedürftigkeit einzuschränken. Für sie war die Unterstützung eine Art Schmerzensgeld für die Verletzungen, Balsam für die geschundenen Seelen und das Heilmittel für die nächtlichen Albträume. Es war für viele aber auch eine Genugtuung, dass sie nicht vergessen waren und andere die Pflicht des Deutschen Staates übernahmen. Auch wenn sie Wanderer zwischen drei Welten bleiben, mögen sie die innere Heimat finden!“ Wolfgang von Stetten

Mittwoch, 6. Oktober 2021

Jaan Kross: Gegenwindschiff

Bernhard Schmidts Roman. Aus dem Estnischen von Cornelius Hasselblatt und Maximilian Murmann. Mit einem Nachwort von Cornelius Hasselblatt. 430 Seiten, Osburg Verlag, Hamburg 2021. ISBN: 978-3-95510-254-8, 24,00 € (D) | € 24,70 (AT)

Verlagsinfo:
Der Roman "Gegenwindschiff" von Jaan Kross, dem bedeutendsten estnischen Schriftsteller der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, erschien 1987. Hauptperson der Erzählung, die Kross nicht als Biographie, sondern allenfalls als „romanisierte Biographie“ verstanden wissen will, ist der verschrobene Tüftler und Erfinder Bernhard Schmidt. Als Jugendlicher verliert Schmidt beim Experimentieren mit Schießpulver seine rechte Hand. Trotzdem perfektioniert er die manuelle Fertigung von Linsen und Spiegeln für astronomische Geräte und erfindet ein völlig neuartiges Spiegelteleskop, das in der Astrofotografie erfolgreich verwendet wird. Auch andere Erfindungen ersinnt dieser kreative Geist, der ab 1926 in der Sternwarte von Hamburg-Bergedorf arbeitete: das titelgebende "Gegenwindschiff" ist ein gänzlich anders geartetes Segelschiff, das besonders gut im Gegenwind Fahrt aufnimmt.
Der Roman verfolgt zwei Handlungsstränge: Im ersten erzählt Schmidt – zwischen Selbstzweifeln und Hochmut hin- und hergerissen – in der Ichform vom dramatischen Auf und Ab seines Lebens. Damit verwoben ist der zweite Strang, der die spannende Recherche des Autors wiedergibt, der Menschen aufsucht, die Schmidt noch persönlich kannten. Kross gelingt durch seine eindrucksvoll psychologische Darstellungsweise nicht nur ein beeindruckendes Porträt, sondern auch ein plastisches Panorama Deutschlands in der Zeit der Zwischenkriegsjahre von 1926 bis zu Schmidts Tod 1935.

Mittwoch, 15. September 2021

Rasa Aškinyte: Kleines Bernstein

Roman. Aus dem Litauischen von Markus Roduner. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2021. 192 Seiten, ISBN 978-3-96311-474-8, 14.00 Euro. 

Verlaginfo:
So war es nicht, aber so hätte es sein können
- Neuentdeckung einer außergewöhnlichen litauischen Autorin
- Historische Fiktion mit philosophischem Geist
- Starke Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft

Späte Römerzeit – 2. Jahrhundert. Auf der Bernsteinstraße, die das Land des Volkes der Ästier an der Ostsee mit Rom verbindet, werden Bernstein, Pelze und Metalle gehandelt. Die siebenteilige Struktur des Romans – sieben Szenen, sieben Unterszenen und sieben Charaktere – balanciert das Historische, Mythische und Alltägliche aus. Die männliche Welt des Handels und der territorialen Konflikte verbindet die litauische Autorin Rasa Aškinytė mit der weiblichen, häuslichen Welt. In der für Aškinytė typischen kompakten, filmischen Prosa verflechtet sie die Schicksale zweier starker Frauen, die um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen. Selija ist die Frau des Stammesführers der Ästier, die sich ihrer Stellung bewusst ist und sie leidenschaftlich verteidigt. Glesum (lat. für Bernstein) ist eine ehemalige Sklavin aus einer vornehmen Familie, die Gondas, der Stammesführer, von einer Handelsreise auf der Bernsteinstraße mitbrachte. Sie wird seine heimliche Geliebte. Die Spannung zwischen diesen beiden Frauen – der Ehefrau und der Geliebten –, Liebe und Hass, Ehrgeiz, der Wunsch nach Macht und Sicherheit sowie Rituale und Magie treiben die Geschichte voran, die mehr poetische Rekonstruktion als historischer Roman ist. Die Autorin versteht es die Leserschaft in eine ferne, nur wenig zugängliche Vergangenheit zu führen.

Dienstag, 14. September 2021

Antanas Sutkus: children

Text von Wladimir Kaminer, Herausgegeben von Thomas Schirmböck. Verlag Steidl, Göttingen, 1. Auflage 2021. 180 Seiten, 160 Abbildungen, Englisch / Deutsch / Litauisch. Übersetzungen Litauisch: Jolanta Ježauskaite, Lektorat Monte Pakham. ISBN 978-3-95829-709-8, 48.00 Euro. 

Verlagsinfo:
Der litauische Fotograf Antanas Sutkus hat vor allem ein Lieblingsmotiv, dem sich dieses Buch ausführlich widmet: Kinder und ihre Welt. Immer wieder kehrt Sutkus zu ihnen zurück, um die verschiedenen Facetten kindlicher Lebenswelten zu zeigen und wie diese die Welt der Erwachsenen beeinflussen. »Für mich als Fotograf ist die Kindheit die wichtigste Bühne«, hat Sutkus einmal gesagt, »Kinder leben in einer anderen Welt. Manchmal ist es mir gelungen, diese Welt zu zeigen: nicht die reale Welt, die wir gewohnt sind, sondern ihre Welt. Kinder leben nicht auf der Erde, sondern auf einem anderen Planeten.«

Auf Augenhöhe, respektvoll und doch präzise zeigt Sutkus die Kinder dieser Welt: gemeinsam mit ihren Eltern und Verwandten, mit Freundinnen und Freunden oder beim Spielen oder Lernen in der Schule. Er fängt die schönen Seiten wie auch die Entbehrungen des Kindseins ein, die Schwierigkeiten des Heranwachsens, Einsamkeit und Zusammenhalt, sowie jene unvermeidbaren Krisen der Kindheit, die ein Erwachsenenleben vielleicht für immer prägen. Für Sutkus leben Kinder nicht in einem Paradies, sondern in einem anderen Universum – einer Lebensphase, die Menschen jenseits ihrer nationalen und kulturellen Grenzen verbindet.

Montag, 13. September 2021

Antanas Sutkus: pro memoria

Herausgegeben von Thomas Schirmböck. Steidl Verlag, Göttingen, 1. Auflage 2020. 128 Seiten, 86 Abbildungen, Englisch / Litauisch. Übersetzungen: Sandra Bernotaite (Litauisch), Caryl Swift (Englisch), Edita Gudišaukaite (Polnisch-Litauisch). Lektorat Monte Packhan (Englisch). ISBN 978-3-95829-640-4, 35.00 Euro

Verlagsinfo:
Der 1939 geborene Antanas Sutkus erfuhr von seinen Großeltern bereits während des Zweiten Weltkriegs von der Massentötung der Juden. Er distanzierte sich von der Demütigung und Zerstörung der Menschlichkeit in seinem Heimatland Litauen und empfand Scham und Schuldgefühle für die Gräueltaten, die hinter den Toren des Ghettos Vilijampole und des Neunten Festung begangen wurden. Während der „Sonderaktion 1005“ zwischen 1942 und ’44 versuchte die deutsche Besatzungsmacht, die Relikte der Opfer zu beseitigen. 1988 begann Sutkus, die Juden aus Kaunas zu fotografieren, die dem Tod in den Konzentrationslagern entkommen waren; Pro Memoria präsentiert eine Auswahl dieser Porträts und belegt die Beziehungen, die Sutkus zu den dargestellten Personen geknüpft hat.

Bereits zur Zeit des Großfürsten Gediminas (1275–1341), der aus verschiedenen europäischen Staaten Kaufleute und Handwerker nach Litauen einlud, wurde den Juden dort Schutz und Unterstützung geboten. In den folgenden 600 Jahren haben sie durch ihre Leistungen und Gebete, Druckwerkstätten und Synagogen, Bibliotheken und Turnhallen, Lieder und Legenden in Litauen Wurzeln geschlagen. Dieser lebendige Zweig der litauischen Kulturgeschichte wurde dann gewaltsam zerstört, 200.000 Juden ermordet und an Waldrändern, Steinbrüchen und Todeslagern in Gruben geworfen. Dieses Buch ist eine Hommage an diese Menschen und ein Ausdruck von Bemühungen um Verständnis, Buße, Reinigung und Wiedergeburt.

Sonntag, 12. September 2021

Antanas Sutkus: Planet Lithuania

Herausgegeben von Thomas Schirmböck. Steidl Verlag, Göttingen, 1. Auflage 2018, 2. Auflage 2021. 272 Seiten, Englisch / Deutsch / Französisch / Litauisch. Übersetzungen: Sandra Bernotaite, Jolanta Jezauskaite (Litauisch), Monte Packham (Englisch), Petra Gaines (Deutsch), Jean-Christophe Vigneau, Marielle Vitureau (Französisch). ISBN 978-3-95829-512-4, 38.00 Euro. 

Verlagsinfo:
Dieses Buch ist ein reichhaltiger Überblick über Antanas Sutkus’ Fotos der Bevölkerung seiner Heimat Litauen während der Besetzung durch die Sowjetunion. Sutkus ist vor allem ein humanistischer Fotograf, sein „Kosmos“ sind seine Mitbürger: Kinder, Liebende, Alte; wie sie sich mit Moderne und Tradition, Natur und Stadt auseinandersetzen und ihre Identität ausdrücken – alles in einem offenen, einfühlsamen Stil, der fernab sowjetischer Ideale das Fundament der litauischen Fotoschule bildet.

Indem Sutkus ein Leben in Würde und Integrität hinter dem Eisernen Vorhang enthüllt, ist Sutkus' Werk ebenso politisch wie persönlich, ein Beweis dafür, wie Litauen sein kulturelles Selbst gegen die Sowjetunion behauptet, die das Land vom Zweiten Weltkrieg bis 1990 besetzte. Der Kampf hat inzwischen Früchte getragen: 2004 wurde Litauen sowohl Mitglied der NATO als auch der Europäischen Union und ist heute eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Europas.

Samstag, 11. September 2021

Neringa Naujokaite: Art Deco

Eine künstlerische Reflexion über den Umgang mit historischer Bausubstanz. Autorinnen: Dr. Monika Krikštopaitytė, Dr. Giedrė Jankevičiūtė, Hrsg.: Neringa Naujokaite. Kettler Verlag, Dortmund 2021, 336 Seiten. ISBN 978-3-86206-924-8, 48,00 Euro. 

Verlagsinfo:

Die Dia- und Videoinstallation Art Deco der litauischen Künstlerin Neringa Naujokaite visualisiert den Restaurierungsprozess einer Wohnung aus der Zwischenkriegszeit in ihrer Heimatstadt Kaunas. Das Buch dokumentiert die umfangreiche Installation, die in ihrer räumlichen Form nur temporär existierte. Gleichzeitig fasst es das über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren von der Künstlerin gesammelte Bild- und Textmaterial zusammen und gibt den komplexen Prozess der authentischen Rekonstruktion des Interieurs wieder.

Neringa Naujokaite (* 1966) studierte an der staatlichen Kunstakademie Vilnius und an der Kunstakademie Düsseldorf. Anschließend absolvierte sie 2003 den Postgraduiertenstudiengang „Audiovisuelle Medien“ an der Kunsthochschule für Medien Köln. Im Fokus ihrer Arbeiten stehen soziale und urbane Räume. Ihr Projekt Art Deco befasst sich mit der Haltung der heutigen litauischen Gesellschaft gegenüber ihrem architektonischen Erbe, das zunehmend von Verfall und Abriss bedroht ist.

Mittwoch, 11. August 2021

Guido Lange: Abenteuer Baltikum

Mein Lauf 2000 km an der Ostseeküste. Ampel Publishing, Nörtershausen 2021. 

Verlagsinfo:
"Das Abenteuer Baltikum ist mein ganz persönlicher Lebenslauf. Er hat mich für immer verändert. In 107 Tagen reiste ich in Laufschuhen entlang der Ostseeküste von Stralsund nach Tallinn. Ohne Begleitung konnte ich mich ganz der Natur, den Menschen und ihren Kulturen widmen. Aus Fremden wurden Freunde, aus Erwartung wurde Wirklichkeit, aus Wagemut wurde Selbstvertrauen. Trubelige Urlaubsorte und einsame Gegenden erlebte ich, genussvolle Pausentage in den Städten wechselten sich mit enthaltsamen Lauf- tagen ab. Ich spürte die Mystik des Baltikums, den Zauber unberührter Natur und die Vielfalt der Menschen in sieben Ländern. Ich fand, was ich suchte, Erlebnisse, Ruhe und nicht zuletzt viel Neues über mich selbst." (Guido Lange, Autor)

Kapitelübersicht
Wieso, weshalb, warum? (Gründe)
Funke, Sehnsucht, Reiselust (vom Anfang)
Was brauche ich denn so? (Über die Ausrüstung)
Auf ins Baltikum! (Das Laufkapitel)
Gesund und munter! (Laufen und Gesundheit)
Iss was! (Essen im Baltikum)
Wohin des Wegs? (Straßen, Wege, Orte im Baltikum)
Reisende soll man nicht aufhalten (Begegnungen mit anderen Baltikumreisenden)
Jede Jeck is anders! (Die Menschen im Baltikum)
Wo man singt, da lass dich nieder (Das Kulturkapitel)
Wie schön ist‘s auf dem Land (Landschaft und Regionen)
Was bleibt? (Eine Nachbetrachtung)

Dienstag, 6. Juli 2021

Ralf Jörg Raber: Beliebt bei älteren Damen und jüngeren Herrn

Paul O'Montis - Biografie eines Vortragskünstlers. Metropol Verlag, Berlin 2021, ISBN: 978-3-86331-578-8, 272 Seiten, 22 Euro. 

Verlagsinfo:
Paul O’Montis (1894–1940) gehörte in den „Goldenen Zwanziger Jahren“ zu den Stars der deutschsprachigen Kabarett- und Kleinkunstszene. Die größten europäischen Schallplattenfirmen hatten ihn unter Vertrag, seine Schlager und Chansons liefen, auch live, im Radio. Er tourte durch halb Europa, verzauberte sein Publikum in den Metropolen ebenso wie in der Provinz. Er gehörte zu den Ersten, die dank Mikrofontechnik den popmusikalischen Liedvortrag modernisierten und die dem Tabu Homosexualität, sexuelle Diversität und Genderthematik im kommerziellen Pop Ausdruck verliehen. Doch seinen Ruhm konnte er nur kurz genießen: Der Machtantritt der Nazis setzte seiner Karriere in Deutschland ein jähes Ende. Paul Wendel, wie O’Montis bürgerlich hieß, war schwul. Er kam ins Gefängnis und emigrierte nach verbüßter Haft. Im Exil fand er eine innere wie äußere Freiheit, die „ansteckend“ war und Homosexuelle in seine Konzerte zog. 1939 wurde Paul O’Montis in Prag verhaftet, 1940 in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt und dort ermordet.

enthält folgende Kapitel: Anfänge in Riga, Künstlerreise durch Lettland. 

Inhaltsverzeichnis



Freitag, 4. Juni 2021

Brüggemann / Tuchtenhagen / Wilhelmi (Hrsg.): Das Baltikum - Band 3

Karsten Brüggemann, Detlef Henning, Konrad Maier, Ralph Tuchtenhagen (Hrsg.): Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region. Band 3: Die Staaten Estland, Lettland und Litauen. Anton Hiersemann Verlag, 2020. Im Auftrag des Nordost-Institutes (IKGN e. V.) in drei Bänden herausgegeben von Karsten Brüggemann und Ralph Tuchtenhagen. ISBN 978-3-7772-2013-0, 743 Seiten, 98,00 Euro. 

Verlagsinfo:
Das wissenschaftliche Handbuch „Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region“ erfasst erstmals in deutscher Sprache die gesamte Geschichte des Baltikums von den Anfängen bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts. Ein internationales Autorenteam, vor allem aber Historikerinnen und Historiker aus Estland, Lettland und Litauen, geben einen fundierten Einblick in die Vergangenheit der drei Staaten in ihren europäischen Bezügen und transnationalen Verflechtungen, ohne dabei die bedeutenden Unterschiede konfessioneller, sprachlicher und kultureller Natur innerhalb des Baltikums aus den Augen zu verlieren.

Mit Beiträgen von Karsten Brüggemann, Christoph Dieckmann, Tobias Etzold, David Feest, David J. Galbreath, Saulius Grybkauskas, Jörg Hackmann, Detlef Henning, John Hiden (†), Andres Kasekamp, Olaf Mertelsmann, Česlovas Laurinavičius, Andrejs Plakans, Ulrich Prehn, Axel Reetz (†), Valters Ščerbinskis, David Smith, Geoffrey Swain, Joachim Tauber, Ralph Tuchtenhagen, Sigita Urdze, Elena Zubkova

Mittwoch, 19. Mai 2021

Brüggemann / Henning / Maier / Tuchtenhagen (Hrsg.): Das Baltikum - Band 2

 Karsten Brüggemann, Detlef Henning, Konrad Maier, Ralph Tuchtenhagen (Hrsg.): Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region. Band 2:  Vom Beginn der Frühen Neuzeit bis zur Gründung der modernen Staaten . Anton Hiersemann Verlag, 2021. Im Auftrag des Nordost-Institutes (IKGN e. V.) in drei Bänden herausgegeben von Karsten Brüggemann und Ralph Tuchtenhagen. ISBN 978-3-7772-2100-7, 776 Seiten, 98,00 Euro.

Verlagsinfo:
Das Baltikum bildet in der europäischen Geschichte eine umstrittene Grenzlandschaft, in der multiethnische Bevölkerungen häufig Machtwechsel und kulturellen Wandel bewältigten. In Band 2 des dreibändigen Handbuches zeichnen 22 Autoren aus sieben Ländern in 23 Kapiteln diese wechselvolle Geschichte vom Ende des baltischen Mittelalters (1561) bis zur Entstehung moderner Nationalstaaten im 20. Jahrhundert (1918) nach. Für diese sehr lange Neuzeitepoche stehen die polnische, dänische und schwedische Herrschaft im Baltikum, später die sogenannten »baltischen Ostseeprovinzen« als Teil des Russländischen Reiches im Mittelpunkt der Darstellung. Dabei werden im Inneren die Konflikte zwischen deutschen und polnischen Oberschichten sowie den bäuerlichen Schichten, später Nationalbewegungen der Esten, Letten und Litauer, ebenso berücksichtigt wie der Wandel der kulturellen, agrarökonomischen, städtegeschichtlichen und konfessionellen Verhältnisse.

Mit Beiträgen von Hans-Jürgen Bömelburg, Karsten Brüggemann, Bogusław Dybas, Andreas Fülberth, Gregory L. Freeze, Aleksandr Gavrilin, Detlef Henning, Jürgen Heyde, Mārīte Jakovļeva, Torkel Jansson, Paweł A. Jeziorski, Enn Küng, Jan Kusber, Mati Laur, Vejas Gabriel Liulevicius, Kersti Lust, Zita Medišauskienė, Mathias Niendorf, Darius Staliūnas, Ralph Tuchtenhagen, Pärtel Piirimäe, Bradley Woodworth

Dienstag, 18. Mai 2021

Brüggemann / Henning / Maier / Tuchtenhagen (Hrsg.): Das Baltikum - Band 1

Karsten Brüggemann, Detlef Henning, Konrad Maier, Ralph Tuchtenhagen (Hrsg.): Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region. Band 1: Von der Vor- und Frühgeschichte bis zum Ende des Mittelalters. Anton Hiersemann Verlag, 2018. Im Auftrag des Nordost-Institutes (IKGN e. V.) in drei Bänden herausgegeben von Karsten Brüggemann und Ralph Tuchtenhagen. ISBN 978-3-7772-1825-0, 651 Seiten, 98,00 Euro.

Verlagsinfo:
Das wissenschaftliche Handbuch „Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region“ erfasst erstmals in deutscher Sprache die gesamte Geschichte des Baltikums von den Anfängen bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts. Ein internationales Autorenteam, vor allem aber Historikerinnen und Historiker aus Estland, Lettland und Litauen, geben einen fundierten Einblick in die Vergangenheit der drei Staaten in ihren europäischen Bezügen und transnationalen Verflechtungen, ohne dabei die bedeutenden Unterschiede konfessioneller, sprachlicher und kultureller Natur innerhalb des Baltikums aus den Augen zu verlieren.

Band 1, herausgegeben von Karsten Brüggemann, Ralph Tuchtenhagen, Detlef Henning und Konrad Maier, behandelt die naturräumlichen Rahmenbedingungen, die zur Besiedlung des Baltikums in vorgeschichtlicher Zeit führten, die Entwicklung sozioökonomischer, politischer und kultureller Verbände, die Eroberung des Baltikums durch die Nachbarmächte in der Zeit um 1200 und die Ausformung weltlicher und geistlicher Herrschaften zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Den Abschluss bildet der Übergang zur Neuzeit, der im baltischen Raum durch den Livländischen Krieg, die Reformation und die Auflösung der vom Deutschen Orden dominierten Territorien markiert war. 

Mit Beiträgen von Karsten Brüggemann, Aleksandr I. Filjuškin, Cornelius Hasselblatt, Tiina Kala, Juhan Kreem, Hansjörg Küster, Christian Krötzl, Andris Levans, Konrad Maier (†), Ilgvars Misāns, Mathias Niendorf, Rimvydas Petrauskas, Inna Põltsam-Jürjo, Anti Selart, Andris Ŝnē, Ralph Tuchtenhagen, Matthias Thumser, Heiki Valk

Sonntag, 18. April 2021

Die schönsten Motorradtouren in Osteuropa

Jo Deleker, Andreas Hülsmann, Heinz E. Studt, Elke Potthoff: Die schönsten Motorradtouren in Osteuropa - gefahren und beschrieben von bekannten Motorradjournalisten. Bruckmann-Verlag, München 2021. 168 Seiten, ISBN: 9783734320026, 29,99 Euro. 

Enthält die Beiträge von Elke Potthoff "Estland - im Norden des Baltikums" und "Lettland - im Reich der langen Abende", sowie Jo Deleker "Litauen - neue Horizonte". 

Verlagsinfo:
Bekannte Motorradjournalisten zeigen Ihnen in 20 traumhaften Motorradtouren die Schönheit Osteuropas und führen Sie zu unvergesslichen Highlights und absoluten Geheimtipps. Zwischen Baltikum, Türkei und Ural gibt es unfassbar viel neues zu entdecken! Tolle Bilder geben Ihnen schon Zuhause bei der Planung einen Eindruck von den unterschiedlichen Ländern und machen Lust, diese Gegenden selbst zu erfahren. Außerdem enthält dieses Buch praktische Infos, die es Ihnen einfach machen, die vorgeschlagenen Routen nachzufahren: Hotelempfehlungen, Biker-Treffs und Sightseeing-Tipps ermöglichen authentische Einblicke in die Regionen, Karten und GPS-Daten zum Download erleichtern den Aufenthalt.

Freitag, 2. April 2021

Paavo Matsin: Gogols Disko

Aus dem Estnischen von Maximilian Murmann. Homunculus Verlag, Erlangen 2021. ISBN 978-3-946120-31-5, 176 Seiten, € (D) 21,00 | € (A) 21,50

Verlagsinfo:

Europa in wenigen Jahren: Das neugegründete Zarenreich Russland hat das gesamte Baltikum gewaltsam annektiert und dabei jede Spur estnischer Kultur ausgelöscht. Viljandi, ein vormals gemächliches Städtchen im Herzen Estlands, wurde so zum Sammelbecken für allerlei Bohemiens und gescheiterte Existenzen aus dem neuen Zarenreich.

Eines Morgens raubt der Meisterdieb Konstantin Opiatowitsch in der Straßenbahn einen Mann aus, der sich als der große russische Literaturklassiker Nikolai Gogol entpuppt, nach rund 170 Jahren von den Toten zurückgekehrt. Zusammen mit einem Haufen so zwielichtiger wie charmanter Kleinkrimineller und Tagediebe versucht Opiatowitsch den Wiedergänger für seine Zwecke einzuspannen – doch der will sich nicht in ihren Plan fügen und entfesselt für seine Entführer einen albtraumhaften Reigen, der ganz Viljandi ins Chaos stürzt.

In Gogols Disko nimmt Kultautor Paavo Matsin nicht nur die Angst der Esten vor dem mächtigen Nachbarn aufs Korn, sondern auch ihre Zerrissenheit zwischen östlicher und westlicher Kultur. Mit seinem anarchischen Humor und zahlreichen Bezügen zur Popkultur der Beatles-Ära gelingt es ihm, eine Atmosphäre heraufzubeschwören, in der diese Angst greifbar und zugleich ad absurdum geführt wird.

Mittwoch, 24. März 2021

Andreas Fülberth (Hg.): Denkmalschutz, Architekturforschung, Baukultur

Entwicklungen und Erscheinungsformen in den baltischen Ländern vom späten 19. Jahrhundert bis heute. Leipniz-Institut für Geschichte und Kultur im östlichen Europa, Reihe Visuelle Geschichtskultur, Band 18. Böhlau Verlag 2020, 286 Seiten, ISBN 978-3-412-50093-1, 50,00 Euro.

Verlagsinfo:

Für Estland, Lettland und Litauen verbinden sich mit Denkmalschutz Herausforderungen, aber auch Chancen. Der Band resümiert Denkmalschutz-Geschichte, reflektiert Fragen der Baukultur und liefert Beispiele dafür, wie Architektur des 20. Jahrhunderts interpretiert werden kann.
Aus der 1940 begonnenen Sowjetisierung des Baltikums resultierte ein facettenreicher Umgang mit Denkmalschutzfragen, eröffneten diese doch selbst unter sowjetischer Herrschaft gewisse Spielräume für nationale Selbstdarstellung. Seit 1991 die Eigenstaatlichkeit zurückgewonnen werden konnte, stellt sich zusätzlich die Frage nach angemessenem Schutz für Baudenkmäler der Unabhängigkeitsperiode ab 1918 oder der Sowjetära. Gleichzeitig wurden historisch bedingte Formen von Baukultur sichtbar, die spezifisch baltisch anmuten. Die Beiträge in diesem Band ermöglichen hierzu Betrachtungen und Vergleiche.

Mit Beiträgen von Arnold Bartetzky, Andreas Fülberth, Alexander von Knorre, Krista Kodres, Mārtiņš Mintaurs, Ieva Kalnača, Anneli Randla, Mart Kalm, Gytis Oržikauskas, Vilte Janušauskaite, Felix Ackermann, Tomasz Torbus und Evelina Karelevičiene.

Freitag, 19. März 2021

Kertu Sillaste: Der schönste Rock der Welt

Aus dem Estnischen von Carsten Willms. Texte und Illustration: Kertu Sillaste. Nach der wahren Geschichte der Strickmeisterin Marie Mustkivi (1863-1937) aus Lihula. Kullerkupp Verlag, Berlin 2021. ISBN 978-3-947079-10-0, 28 Seiten, 14,90 Euro.

Verlagsinfo:

Einst lebte im hohen Norden ein Mädchen namens Marie. Sie nähte für ihre Schwester den schönsten Rock der Welt, rot und reich mit Blumenmustern bestickt. Und plötzlich wollten alle Mädchen im Dorf, die zum Fest gingen, auch so einen wundervollen Rock wie Marie haben.
Kertu Sillaste zeigt in ihrem farbenfroh illustrierten Buch über Geschwisterliebe den Wert von Tradition und Handarbeit. Ein Buch über Mode und Schönheit, das Kinder zum nachhaltigen Denken anregt und zum kreativen Selbermachen einlädt.

Mittwoch, 3. März 2021

Kristijonas Donelaitis: Die Jahreszeiten

Aus dem Litauischen von Gottfried Schneider, mit historischen und bio-bibliographischen Hinweisen von Alfred Kelletat. Verlag C.H. Beck, 126 Seiten, ISBN 978-3-406-76858-3, 16 Euro. 

Verlagsinfo:
Der 1714 als Sohn eines Freibauern bei Gumbinnen geborene und 1780 verstorbene litauische Lehrer und lutherische Pfarrer Kristijonas Donelaitis gilt im heutigen Litauen als Begründer der litauischen Literatur, auch wenn von der poetischen Produktion des begabten und vielseitigen, dem Leben und all seinen Erscheinungen zugewandten Donelaitis zu Lebzeiten nichts veröffentlicht wurde und nur in Abschriften zirkulierte.
Sein Hauptwerk ist eine nach und nach entstandene Folge von Szenen aus dem Leben der litauischen Bauern in Ostpreußen, geordnet nach den vier Jahreszeiten und in Hexametern verfasst, die den Singsang der gesprochenen Sprache wunderbar wiedergeben und von Arbeit und Festen, von der Landschaft und den Tieren, von Frondienst, Freude und Last, vom dörflichen Zusammenleben erzählen. Freundlich und verspielt, der Welt zugewandt, aber auch zu Verantwortung und Frömmigkeit mahnend, sind die Verse ein anschaulicher, reicher, unterhaltsamer Genuss. 1977 nahm die UNESCO das Buch in die Bibliothek der literarischen Meisterwerke auf.  

Mittwoch, 10. Februar 2021

Jaroslav Melnik: Der weite Raum

Roman, aus dem Litauischen übersetzt von Markus Roduner (Originaltitel "Tolima erdve bei"). Klak Verlag, Berlin 2021, 336 Seiten. ISBN 978-3-948156-44-2, 19,90 €.

Verlagsinfo:
Jaroslav Melniks brilliante Dystopie und philosophische Reflexion ist eine Ode an die Freiheit zu denken und zu sein. Eine mitfühlende Parabel gegen die Ideologie der Entmenschlichung und ein Affront für alle Sicherheits- und autoritären Regime, die uns Schritt für Schritt unserer individuellen Freiheiten berauben wollen.

Megapolis, eine von Blinden bevölkerte futuristische Metropole. Die Menschen orientieren sich im Raum mittels Sensoren, von denen sie vollständig abhängig sind. Nur Gabr erlangt sein Augenlicht zurück und entdeckt die abscheuliche Realität: in der Megacity leben zerlumpte Wesen unter einer totalitären Regierung, für die der Begriff des „Sehens“ nicht existiert. Politik, Bildung und Technologie dienen dazu, ihre Blindheit zu erhalten.
Das Kontrollministerium diagnostiziert Gabr eine Psychose des „Weiten Raums“, die umgehend behandelt werden muss. Sein Treffen mit dem Ex-Seher Ox, Anführer einer revolutionären Gruppe, die Megapolis zerstören will, stellt Gabr vor eine Entscheidung: Die Lüge zu akzeptieren oder mit Terror seine Familie und Tausende unschuldiger Menschen zu opfern, die von der Wahrheit nichts wissen und in einer freien Welt nicht leben können. Eine spektakuläre Wende zieht den Leser in ihren Bann…
Ein intelligenter und origineller Roman über Freiheit, Organisation der Gesellschaft, Angst vor Veränderungen und die Opfer, die eine Gesellschaft bringen will, um in Sicherheit zu leben.

Jaroslav Melnik
ein Kind des Gulag, geboren 1959 in der Ukraine, lebt im litauischen Vilnius und ist ein international bekannter Schriftsteller, Autor zahlreicher Romane und Kurzgeschichten, die Science-Fiction und aktuelle philosophische Themen verbinden. Sein Roman „Der weite Raum“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt und 2013 als Buch des Jahres von der BBC, 2018 in Frankreich mit dem Preis Libr'à Nous ausgezeichnet und für den Europäischen Preis Utopiales für den besten Science-Fiction-Roman nominiert. In ukrainischen höheren Schulen gehört das Buch bereits zur Pflichtliteratur.

Donnerstag, 28. Januar 2021

Mick Schulz: MS Mord - baltische Angst

Kreuzfahrt-Krimi. Gmeiner Verlag, Meßkirch 2020. 283 Seiten, ISBN 978-3-8392-2740-4, 15 Euro. 

Verlagsinfo: 

Kriminalrat a. D. Marius Gautier geht in Kiel an Bord der Baltic Crown. Eigentlich wäre er lieber wandern gegangen, aber ein Unfall zwang ihn, seine Urlaubspläne zu ändern. Nun befindet er sich auf Ostsee-Kreuzfahrt mit den Stationen Danzig, Klaipeda, Riga, Tallinn und St. Petersburg. Nach anfänglicher Langeweile verdreht ihm das Model Ona Kakies den Kopf und zieht ihn in eine Mordaffäre hinein. Ona glaubt, den Mörder ihrer Eltern auf dem Schiff wiedererkannt zu haben und fühlt sich bedroht. Gautier bietet ihr seine Hilfe an. Die Spuren führen sie zunächst nach Estland, zurück in gefahrvolle Zeiten …

Donnerstag, 7. Januar 2021

Joonas Sildre: Zwischen zwei Tönen

Aus dem Leben des Arvo Pärt. Aus dem Estnischen von Maximilian Murmann. Eine Graphic Novel, illustriert von Joonas Sildre. Verlag Voland & Quist, Berlin 2021. 224 Seiten, EUR 28.00. 

Verlagsinfo:
„Aus dem Leben des Arvo Pärt“ verfolgt den Werdegang des weltberühmten Komponisten Arvo Pärt von seiner Kindheit im okkupierten Estland bis zu dem Jahr 1980, als er auf Druck der sowjetischen Regierung mit seiner Familie nach Wien emigrierte. Auf Grundlage jahrelanger Recherchen zeichnet Joonas Sildre in kurzen Episoden das stimmungsvolle Portrait eines bescheidenen, rastlosen Künstlers, der auf seiner Suche nach Sinn und einer eigenen Musiksprache auch nicht die Konfrontation mit der Staatsmacht scheute. Seine größte Inspiration fand Pärt, der als junger Mann vor allem Filmmusik komponierte, in alter sakraler Musik, die schließlich zur Grundlage seines Tintinnabuli-Stils wurde. Die Graphic Novel wurde 2018 anlässlich der Eröffnung des Arvo-Pärt-Zentrums in Laulasmaa / Estland veröffentlicht und mehrfach ausgezeichnet.

Sonntag, 3. Januar 2021

Olga Bazileviča: Als das Ich Kind war

Literarische Repräsentationen von Kindheit als erinnerungskulturelles Medium historischer Reflexion in Lettland, Russland und Deutschland. Epistemata Literaturwissenschaft, Bd. 925, Verlag Königshausen & Neumann, Würzburg 2021. ISBN: 978-3-8260-7043-3, 434 Seiten, 58 Euro. 

Verlagsinfo:
Texte, in denen sich erwachsene Erzähler ihrer Kindheit erinnern, widerspiegeln komplexe Vorgänge der Verknüpfung vom Privaten bzw. Individuellen und Gemeinsamen bzw. Historischen, aber auch von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Olga Bazileviča untersucht in ihrer innovativen Studie Romane aus Deutschland, Russland und Lettland, in denen aus der post-sozialistischen Perspektive einer Kindheit im Sozialismus gedacht wird. Dabei werden die Romane als erinnerungskulturelle Medien betrachtet: Es wird ein Überblick über die jeweiligen aktuellen offiziellen Erinnerungskulturen geboten, in deren Kontext die narratologischen Textanalysen dann eingebettet werden. Statt sich nur auf die Inhalte zu konzentrieren und Texte als fixe Einheiten zu kategorisieren, untersucht Olga Bazileviča – ein besonderes Augenmerk dem Wie der Texte widmend – vielmehr das Verhältnis, in dem sie zu einem bestimmten Zeitpunkt zu den offiziellen Erinnerungskulturen stehen und entwirft somit einen Rahmen, der dem sich stets verändernden Charakter dieser entspricht.
Durch die Aufnahme der Werke aus lettischer Gegenwartsliteratur ermöglicht die Studie außerdem Einblicke in einen in der deutschsprachigen Literaturwissenschaft bisher kaum beachteten Bereich.

Die Autorin: Olga Bazileviča studierte Germanistik sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in Lettland, Kanada und Deutschland und wurde mit vorliegender Arbeit in Gießen in AVL promoviert. Zurzeit unterrichtet sie freiberuflich in Leipzig.

Freitag, 18. Dezember 2020

Christine Kabus: Die Zeit der Birken

Roman. Aufbau Verlag, Berlin 2021. 592 Seiten, ISBN 978-3-7466-3544-6, 12,99 €. 

Verlagsinfo:
Die Frauen vom Birkenhof.
Schleswig-Holstein, 1977: Die Liebe zwischen Gesine und dem Pferdetrainer Grigori endet jäh, als er plötzlich spurlos verschwindet. Doch eines Tages stößt Gesine auf Hinweise über seinen Verbleib, die sie nicht nur tief in die Vergangenheit ihrer Familie, sondern auch in die Abgründe europäischer Geschichte führen.
Estland,1938: Charlotte verliebt sich Hals über Kopf in den jungen Esten Lennart. Doch ihre Eltern würden diese Verbindung niemals billigen, und so halten sie ihre Beziehung geheim. Als Charlotte ein Kind von Lennart erwartet, brechen die Wirren des Zweiten Weltkriegs über sie herein, und die Liebenden werden getrennt.
Historisch fundiert und hochemotional erzählt: eine große Saga um die Geheimnisse einer Familie. 

Christine Kabus, 1964 in Würzburg geboren und in Freiburg aufgewachsen, arbeitete nach ihrem Studium der Germanistik und Geschichte zunächst einige Jahre als Dramaturgin und Lektorin bei verschiedenen Film- und Theaterproduktionen, bevor sie sich 2003 als Drehbuchautorin selbstständig machte. 2013 wurde ihr erster Roman veröffentlicht.

Dienstag, 15. Dezember 2020

Frida Michelson: Ich überlebte Rumbula

Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2020. 222 Seiten, ISBN 978-3-86393-093-6, 22,00 Euro.

Verlagsinfo:
„Der vergessene Holocaust“ - die Verbrechen der Deutschen im Osten Europas, die schon in den ersten Tagen ihres Eroberungsfeldzugs mit Massakern begannen und bald in systematische Massenerschießungen übergingen - wurden erst nach und nach in Nachkriegsdeutschland bekannt und dokumentiert.
Der authentische Bericht von Frida Michelson über den Einmarsch der deutschen Truppen in Lettland, den Beginn der Ausgrenzung, Verfolgung, Zwangsarbeit, Ghettoisierung und anschließender Vernichtung im Wald von Rumbula, der sie durch einen Zufall entkam, ist ein einzigartiges Dokument.
Frida Michelson, geb. 1906, lebte und arbeitete zur Zeit der deutschen Besetzung als Schneiderin in Riga. Ihr unglaublicher Bericht über das Schicksal der jüdischen Bevölkerung, über Zwangsarbeit, Ghettoisierung und den anschließenden Massenmord im Wald von Rumbula, dem sie knapp entkam, ist ein einzigartiges authentisches Dokument. Ende 1971 konnte Frida Michelson mit ihren beiden Söhnen nach Israel auswandern. Sie starb dort im Jahr 1982.

Montag, 7. Dezember 2020

Was ist dir widerfahren, Isaak?

Eine Spurensuche von Sybille Eberhardt. Manuela Kinzel Verlag, Göppingen 2020. ISBN 978-3-95544-145-6, 190 Seiten, € 16,50.

Verlagsinfo: Ein ungewöhnlicher Grabstein auf dem Göppinger Friedhof veranlasst die Autorin, in ihrer jüngsten Untersuchung nach Spuren des zu früh verstorbenen jüdischen Jungen Isaak aus Wilna zu suchen. Sein Schatten geistert durch die Geschichte des Wilnaer Ghettos. Er heftet sich an die Fersen eines Verwandten und zahlreicher Leidensgenossen in verschiedenen KL im Ölschiefergebiet Estlands, im Lager Stutthof und einem der „Wüste“-Lager im deutschen Südwesten in Dautmergen. Schließlich auf einen Todesmarsch getrieben, wird er bald nach der Befreiung doch noch vom Tod in einem DP-Lager in Heidenheim ereilt, ohne seine tragische Geschichte selbst erzählen zu können.


Donnerstag, 19. November 2020

Piret Raud: Das Ohr

32 Seiten, Midas Kinderbuch, 2020. Text und Illustrationen: Piret Raud. Original: "Kõrv", Verlag Tänapäev. ISBN 978-3-03876-156-3, Euro (D) 15 | Euro (A) 15.70 | CHF 22

Verlagsinfo:
Eine einprägsame Geschichte über das Zuhören und den Wert der Freundschaft.
Als das Ohr eines Morgens aufwachte, stellte es fest, dass es ganz allein war. Wo war der Kopf, auf dem es sein Leben lang gewohnt hatte? Ohne ihn scheint es zunächst völlig »kopflos« zu agieren und weiß zunächst gar nichts mit sich anzufangen. Doch dann bitten immer mehr Tiere um Hilfe. Es tut das, was ein Ohr am besten kann: zuhören. Dabei findet es neue Freunde und einen Platz im Leben. Der unverwechselbare Zeichenstil von Piret Raud, Estlands bekannteste Kinderbuchautorin, macht dieses Buch zu einem Klassiker, den man immer wieder gerne liest.

Die Autorin/Illustratorin:
PIRET RAUD ist Estlands berühmteste Kinderbuch-Autorin und Künstlerin. Sie wurde als Tochter des Schriftstellerehepaars Eno Raud (»Drei lustige Gesellen«) und Aino Pervik in eine landesweit bekannte Schriftstellerfamilie geboren. Sie ging in Tallinn zur Schule und studierte dort nach dem Abitur an der Kunsthochschule. 1995 schloss sie ihr Studium mit dem Bachelor of Arts und 1998 mit dem Master of Arts als Grafikerin ab. Sie war unter anderem als Kunstlehrerin und Redakteurin einer Kinderzeitschrift tätig und lebt als freischaffende Künstlerin und Schriftstellerin in Tallinn.

Freitag, 2. Oktober 2020

Katrin Reichelt: Von der Unmöglichkeit, die richtige Entscheidung zu treffen

Hilfe für verfolgte Juden im deutsch besetzen Litauen 1941–1944. Lucas-Verlag, Berlin 2020, 476 Seiten, ISBN 978-3-86732-343-7, 25,– €.

Verlagsinfo:
Als die deutsche Wehrmacht Vilnius erreichte, lebte der vierzigjährige Juozas Rutkauskas allein und unauffällig in der Stadt. Sein Ruf war tadellos, die deutschen Besatzer vertrauten ihm und übertrugen ihm die Leitung eines Büros für Melde- und Passangelegenheiten. Viele hielten ihn für einen Gewinner der neuen politischen Zustände. Er tat nichts, um diesen Eindruck zu zerstreuen. Die Massaker an den Juden wurden in aller Offenheit vor den Augen der Stadtbewohner durchgeführt. Juozas Rutkauskas besaß Zugang zu wichtigen Unterlagen, mit denen er neue Identitäten erschaffen konnte. Bis zu seiner Enttarnung 1944 verhalf er schätzungsweise 150 Menschen zu neuen Identitäten, womit sie eine Chance erhielten, der Vernichtung zu entkommen.
Während ein Teil der Landesbevölkerung mit den deutschen Besatzern kollaborierte und ein anderer Teil unbeteiligt blieb, gab es eine Reihe nichtjüdischer Einwohner Litauens, die sich den Verbrechen an der jüdischen Bevölkerung entgegenstellten und Leben retteten. In diesem Band der Gedenkstätte Stille Helden wird in zwölf Geschichten von Hilfsbereitschaft, Kompromissen und Opferbereitschaft bis zur Selbstaufgabe berichtet. Dazu gehören die des japanischen Konsuls Chiune Sugihara, der ohne Zustimmung seiner Regierung Visa für Verfolgte ausstellte, und auch die des deutschen Majors Karl Plagge und des österreichischen Feldwebels Anton Schmid, die jeweils in ihrem eigenen Rahmen agierten. Doch in den meisten Fällen waren es litauische Frauen und Männer, die Wege, Orte, Kanäle und Informationsmöglichkeiten schufen. Die Gefahr, entdeckt zu werden, war allgegenwärtig und bedeutete den Tod für alle Beteiligten.

Donnerstag, 1. Oktober 2020

Katrin Reichelt: Rettung kennt keine Konventionen

Hilfe für verfolgte Juden im deutsch besetzten Lettland 1941–1945. Lucas Verlag, Berlin. 264 Seiten, ISBN 978-3-86732-255-3, 25,– €

Verlagsinfo:
Am Morgen des 30. November 1941 sah der lettische Hafenarbeiter Jānis Lipke, wie tausende Rigaer Juden in langen Kolonnen zu ihrer Ermordung getrieben wurden. In Jānis’ Entsetzen mischte sich Wut über die rohe und willkürliche Gewalt. Sie mündete in dem Entschluss, etwas gegen diese Grausamkeiten zu tun, und er beschloss zu handeln. Bis zum Ende der deutschen Besatzung in Lettland 1945 rettete er insgesamt 54 Menschen vor der Erschießung.
Er war nicht der Einzige, der sich und seine Familie der drohenden Todesstrafe für die Hilfeleistung gegenüber Verfolgten aussetzte. Häufig aus spontanem Mitgefühl halfen Letten und Russen nicht nur jüdischen Bekannten und Freunden, sondern in vielen Fällen auch Fremden, sich der Ermordung zu entziehen.
Der Band thematisiert eindringlich die Bedingungen und Dimensionen der Rettung von Juden durch die einheimische Bevölkerung und stellt mehrere Fälle vor, die die besonderen Schwierigkeiten und Gefahren dieser Hilfeleistungen vergegenwärtigen. Beide Seiten, die Retter und die Geretteten, trugen in jeder Hinsicht das tödliche Risiko gemeinsam.

Dienstag, 1. September 2020

Inga Ābele: Flut

Roman, aus dem Lettischen von Matthias Knoll. Kommode Verlag, Zürich 2020, 496 Seiten. ISBN 978-3-9525014-4-3, EUR 24.00 / CHF 26.00. 

Verlagsinfo:
Inga Ābele nimmt uns mit auf eine Reise durch das Leben von Ieva, einer Lettin in ihrer Lebensmitte – rückwärts. In mehr oder weniger chronologisch umgekehrter Reihenfolge erzählt der Roman die Geschichte einer Frau, deren jugendliche Entscheidungen den Rest ihres Lebens dramatisch beeinflusst haben.
Nach und nach treffen wir die wichtigen Menschen in Ievas Leben – ihre Großmutter, ihre Mutter und ihren Vater, ihren Bruder Pāvils und ihre Tochter Monta – und die Dinge fangen an, Gestalt anzunehmen. Immer wieder kehrt die Erzählung zu zwei weiteren Personen zurück: zu ihrem toten Liebhaber Aksels und ihrem Ex-Mann Andrejs, zu den zwei Männern, die für immer durch eine Frau und ein schicksalhaftes Ereignis verbunden sind.
 
Das Aufdecken von Ievas Persönlichkeit und der Beziehung zwischen den drei Hauptfiguren macht einen grossen Teil der Anziehungskraft des Romans aus. Der volle Umfang von Ievas persönlicher Situation wird erst am Ende klar. Ābele geht den Fragen nach, wie frühere Entscheidungen unsere Lebenseinstellung für immer beeinflussen können und wieso wir an einer Vergangenheit festhalten, die uns so sehr verändert hat.
 
Inga Ābele spielt metaphorisch mit Bildern von Ebbe und Flut und ihr Roman folgt einer Struktur, in der sich reale Handlung mit imaginären Passagen, die inneren Monologen gleichen, gezeitenähnlich abwechseln.

Montag, 24. August 2020

Jurga Vilė: Sibiro Haiku

Eine Graphik-Novel aus Litauen. Jurga Vilė, Text, und Lina Itagaki, Illustration. Aus dem Litauischen und mit einem Nachwort von Saskia Drude. Baobab Books, Basel 2020. 242 Seiten, ISBN 978-3-907277-03-4. CHF 29.00 / € (D) 25,00 / € (A) 25,70. Ab 14 Jahre.

Verlagsinfo:
Ein Blick zurück: Litauen im Juni 1941. Das Land wurde vor Kurzem von sowjetischen Truppen besetzt. Eines Morgens wird Algis und seine Familie unsanft von sowjetischen Soldaten geweckt. Sie haben nur wenige Minuten Zeit, um zu packen. Algis nimmt seinen Ganter Martin unter den Arm und sein Vater drückt ihm einen Eimer Äpfel in die Hand. Dann werden sie mit vielen anderen Litauern in Eisenbahnwaggons gepfercht, ahnungslos, wohin die Reise gehen wird.
Die Endstation ist ein Lager in Sibirien. Die Bedingungen hier sind unmenschlich, der Hunger groß, die Winter bitter. Mit Galgenhumor und bemerkenswertem Ideenreichtum begegnet die Lagergemeinschaft ihrem Elend. Algis' Tante schwärmt für Japan und hat es geschafft, ein Buch mit japanischen Haiku ins Lager zu schmuggeln. Es ist nicht zuletzt diese karge Poesie, die die gefangenen Litauer nicht verzweifeln lässt. Und um ihr Heimweh zu lindern, gründen sie auch einen Chor: den Apfelchor. Apfelbäume wachsen in Sibirien zwar nicht, aber das Singen gibt der Hoffnung Auftrieb, dass dieser Albtraum bald vorüber sein wird. Schließlich gib es eine Vereinbarung, dass zumindest Kinder nach Litauen zurückdürfen. Und so entkommen Algis und seine Schwester dem Schrecken.
Jurga Vilė schildert diese ungeheuerliche Geschichte aus der kindlichen Perspektive von Algis – ihrem eigenen Vater. Die Illustratorin Lina Itagaki hat dazu eine einzigartige Bildwelt geschaffen, in welcher sich Text und Bild zu einem vielschichtigen und wahrlich aussergewöhnlichen Gesamtkunstwerk­ verweben. Ergreifend und ermutigend zugleich. In Litauen wurde das Werk mit zahlreichen Preisen geehrte, nun liegt es bei Baobab Books in deutscher Übersetzung vor.

Samstag, 15. August 2020

Antanas Škėma: Apokalyptische Variationen

OT "Apokaliptinės Variacijos", aus dem Litauischen und mit einem Nachwort von Claudia Sinnig. Guggolz Verlag, Berlin 2020. 421 Seiten, ISBN 978-3-945370-26-1 .
€ 25 [D] | € 25,80 [A]

Verlagsinfo:

Antanas Škėma (1910–1961) arbeitete sein ganzes Leben daran, das von ihm Durchlebte in Literatur zu verwandeln. Sein einziger Roman, »Das weiße Leintuch«, gibt Zeugnis von seinem New Yorker Exil. Daneben sind aus allen Phasen seines Lebens literarische Stücke überliefert: Erzählungen, Skizzen, Szenen und Verdichtungen. Es sind in Blickwinkel und literarischer Gestaltung einzigartige Schlüsselszenen der Weltgeschichte: die Kindheit während des Ersten Weltkriegs und des Bürgerkriegs in der russischen und ukrainischen Provinz, Schulzeit und Studium, frühe literarische Versuche im unabhängigen Zwischenkriegslitauen sowie unter sowjetischer und deutscher Besatzung, die dramatische Flucht vor den Sowjets, das Leben als displaced person in Thüringen und Bayern und als Neuankömmling in Chicago und New York. All das spiegelt sich in facettenreichen Prosastücken.

»Apokalyptische Variationen« umspielt die Verheerungen der Geschichte des 20. Jahrhunderts und den Riss, der die Existenzen durchzieht. Schreibend vergewissert sich Škėma seiner Biografie und versucht Sinn und Bedeutung in ihren Splittern aufzuspüren. Wir können lesend nachvollziehen, wie sich die Aussichtslosigkeit in seine Sprache einschreibt, wie diese immer mehr zerspringt, sich auflöst – und wie aus der sprachlichen Entgrenzung eine ganz neue Form entsteht. Claudia Sinnig greift in ihrer Übersetzung die Vielfalt von Škėmas Erzählstilen auf, schürft tief im Sprachmaterial, lotet Trauer und Dunkelheit aus und geht auch der Hoffnung und dem Vorwärtsstreben auf den Grund. Erlösung findet sich vielleicht nicht in Škėmas Leben, aber in seiner Literatur.

Freitag, 31. Juli 2020

Krišjānis Zeļģis: Wilde Tiere

Gedichte. Aus dem Lettischen von Adrian Kasnitz. Parasitenpresse Köln 2020, 78 Seiten, 12,- €

Verlagsinfo:
Nüchtern, fast unterkühlt beobachtet und notiert der lettische Dichter Krišjānis Zeļģis Alltag und Leben in seinem Gedichtband Wilde Tiere. Manchmal so akribisch, dass man den Eindruck hat, er steht neben sich selbst, beobachtet und beschreibt, was gerade mit ihm und den Personen um ihn herum passiert, zum Beispiel einem Paar beim Ausflug an den See. Bei Familienfeiern, Treffen mit alten Freunden, zufälligen Begegnungen bei Bus- und Bahnfahrten stellt sich schnell ein Gefühl der Entfremdung ein, „ich fürchte ich kenne diese Leute nicht“. Im Kapitel „die Fachmänner“ werden Menschen und ihre Berufe fast wie Tiere im Zoo präsentiert. Jeder Fachmann wundersamer als der andere. Vertrauter wirken da die wilden Tiere, die uns in der Landschaft begegnen: „in der Nacht kam ein Hund und setzte sich zu uns“. Wenigstens die Tiere könnten unsere Freunde sein, wären die Menschen nicht so bösartig und hockten auf dem „Hochsitz im Wald / wo du alle leichtgläubigen Tiere abknallen kannst“.
Fremdheit, Leere, Trauer sind wiederkehrende Themen der Gedichte. Längst Verdrängtes poppt ungefragt auf, wenn der Gesang eines „bös verschlagenen Vogels“ plötzlich daran erinnert, dass der Bruder im See ertrunken ist. Auch an einem wohl vertrauten Ort kann sich die Abwesenheit von Dingen wie ein schwarzes Loch auftun und alles verschlingen, wie im folgenden Gedicht aus dem Band.

Samstag, 27. Juni 2020

Monika Bednarcuk (Hg.): Kulturtransfer in der Provinz - Wilna als Ort deutscher Kultur und Wissenschaft (1803-1832)

Mit Beiträgen von Monika Bednarczuk, Katarzyna Filutowska, Marta Kopij-Weiß und Mirja Lecke. Harrassowitz-Verlag, Wiesbaden 2020, 252 Seiten. ISBN: 978-3-447-11403-5, 68,00 Eur[D] / 70,00 Eur[A].

Verlagsinfo:
Die 1578 gegründete Universität Wilna erlebte ihre Blütezeit nach 1803, als sie unter dem russischen Zaren Alexander I. in Kaiserliche Universität Wilna umbenannt wurde und sich daraufhin zur größten Universität im Russischen Reich entwickelte. Die ersten Jahre der reformierten Universität Wilna standen unter dem Zeichen der transnationalen, westeuropäisch geprägten Wissenschaft. Waren dabei zunächst Kontakte zu Frankreich entscheidend, so gewann ab Anfang des 19. Jahrhunderts die deutsche Kultur zusehends an Bedeutung.
In Kulturtransfer in der Provinz untersuchen Monika Bednarczuk, Katarzyna Filutowska, Mirja Lecke und Marta Kopij-Weiß die verschiedenen Aspekte und Facetten des deutsch-polnischen Wissenschafts- und Kulturtransfers. Beginnend mit dem Fachbereich Philosophie über Klassische Philologie, Orientalistik und Literatur bis hin zu den Naturwissenschaften werden die internationalen Kontexte der Wilnaer Wissenschaftsszene in nuancierten Interpretationen dargestellt. Im Vordergrund steht die Verbindung von Personen-, Raum- und Konzeptebene, Vermittlern, Ideen, Orten, Medien und Praktiken sowie das gegenseitige Sich-Durchdringen verschiedener Sphären in Kultur und Gesellschaft.
Inhaltsverzeichnis

Dienstag, 12. Mai 2020

Algirdas Sabaliauskas: Wir, die Balten

Einblicke in die Geschichte der baltischen Sprachen und Völker. Übersetzt von Sandra Herrmann (Originalausgabe "Mes baltai", 1986). Reichert Verlag, Wiesbaden 2020. ISBN: 9783954902453, 180 Seiten, 19.90 €.

Verlagsinfo:
Das Forschungsfeld des litauischen Sprachwissenschaftlers Algirdas Sabaliauskas (1929–2016) umfasst sowohl die baltischen Sprachen als auch die baltische Sprachwissenschaft. Sein Buch 'Wir, die Balten' ist ein lehrreicher und unterhaltsamer linguistischer Spaziergang durch die Geschichte der baltischen Sprachen, der für Sprachexperten wie für Baltistik-Neulinge gleicherweise vergnüglich ist. Wie kaum ein anderes verschafft dieses Buch einen leserfreundlichen Einblick in die umfassende Geschichte der baltischen Völker und Sprachen. Es führt dem Leser eine Vielfalt von Themen vor Augen: Wo konnte wohl die Heimat aller indogermanischen Sprachen gelegen haben; wann und weshalb starben die baltischen Sprachen und Stämme (Alt)Preußisch, Kurisch, Semgallisch, Selisch, Galindisch und Jatwingischaus; was haben die benachbarten Sprachen aus dem Litauischen entlehnt; ob der Übersetzer der Bibel ins Lettische tatsächlich vorhatte, Riga in Brand zu stecken; wie entwickelten sich die baltischen Schriftsprachen und wie nimmt man sie heutzutage wahr. Das Buch ist bereits in fünf Sprachen übersetzt: Englisch, Italienisch, Lettisch, Schwedisch und Ungarisch.

Samstag, 2. Mai 2020

Martin Roemer: Baltische Rhapsodie

Eine Reise in Gedichten und Essays. Edition exemplum, ATHENA-Verlag, Oberhausen 2020, 244 Seiten. ISBN: 978-3-7455-1092-8, 27.00 €.

Verlagsinfo:
In den letzten Jahren sind Reisen ins Baltikum häufiger geworden: Die drei Republiken lohnen mit ihrer stillen, in weiten Teilen noch unberührten Natur einen Besuch, aber auch wegen ihrer trotz mancher Kriegsschäden noch gut erhaltenen Stadtbilder. Auch ihre kulturellen Traditionen, nicht immer sofort ins Auge fallend, verdienen einen zweiten Blick. Der aufmerksame Reisende wird bald Unterschiede zwischen den Ländern entdecken. Um die Mentalität ihrer Bevölkerung und deren Eigenarten zu verstehen, bedarf es einiger historischer Kenntnisse. Dass alle drei Völker in unabhängigen Staaten leben, ist nahezu ein Novum. Meist wurden die Geschicke des Baltikums von Großmachtinteressen aus West und Ost bestimmt, und allzu oft wurde daraus – gerade im 20. Jahrhundert – eine Leidensgeschichte.
Dieses Buch ist kein Reiseführer im üblichen Sinn, sondern sucht in einer Mischung aus Essays und Lyrik eine Annäherung an Natur, Kultur und Historie.
Am Ende der Reise wird klar, warum manches so vertraut, anderes dagegen fremdartig erscheint. Und spätestens nach der Lektüre wird deutlich, warum den Balten ihre Zugehörigkeit zu Europa und der EU so wichtig ist.
Webseite Martin Roemer

Donnerstag, 16. April 2020

Valdas Papievis: Odile

... oder die Einsamkeit der Flughäfen. Roman, aus dem Litauischen übersetzt von Markus Roduner. Klak-Verlag, Berlin 2020. 308 Seiten, ISBN 978-3-948156-27-5,
19,90 €.

Verlagsinfo:
Paris. Odile ist neunzig, gebildet, intelligent und an Luxus gewöhnt. Eine Heimlichtuerin. Ihre Wohnung – aus zwei mach eins. Sie vermietet ihre Dachkammer einem jungen Mann. Abends nippen sie gemeinsam ihren Whisky. Da Odile sich mit einem Rollstuhl abfinden muss, wird der neue Mieter sie auf den täglichen Spaziergängen durch Paris begleiten. Er lernt dabei Menschen und Orte kennen, denen er niemals begegnet wäre und erweist sich als sensibler Beobachter, entschlüsselt die Spuren ihres langen Lebens, ihr Glück und Unglück, ihre Gewohnheiten und Beziehungen zu Menschen, ihr Selbstwertgefühl, Stolz und Würde.
Der preisgekrönte Roman über den stilvollen Abschied einer Pariser Grande Dame von Dingen, Erinnerungen und Menschen und die Pariser Melancholie. „In den Städten ist so viel los, dass niemand außer den Allernächsten, falls vorhanden, bemerkt, wenn einer von unzähligen Bewohnern eines Tages stirbt.“ „Sie war eine Heimlichtuerin, die Lust zu erzählen oder sich gar zu öffnen, das war etwas, was bei Odile nur selten vorkam.“ „Wahrscheinlich koexistieren in jeder Stadt eine Vielzahl von Städten, wir streiften durch unsere. Durch die Stadt, die wie Odile weiß, wie sehr der Luxus des Nichtstuns manchmal schmerzt.“
Ein außerordentliches Lesevergnügen, das Roland Barthes als jouissance bezeichnete.
Violeta Kelertas, Literaturkritikerin
Der preisgekrönte Roman über den würdevollen Abschied einer Pariser Grande Dame von Dingen, Erinnerungen und Menschen und die Pariser Melancholie.
Ein stilistisches Meisterstück!

Donnerstag, 2. April 2020

Sonja Großmann: Falsche Freunde im Kalten Krieg?

Sowjetische Freundschaftsgesellschaften in Westeuropa als Instrument und Akteure der Cultural diplomacy. Studien zur internationalen Geschichte, Walter de Gruyter, Oldenbourg 2019. ISBN: 978-3-11-065228-4 . 612 Seiten, (ab) € 69,95.

Verlagsinfo:
Warum engagierten sich zahlreiche Westeuropäer im Kalten Krieg für die Sowjetunion? Waren dies von Moskau gesteuerte ideologisch verblendete Kommunisten? Inwiefern förderten sie tatsächlich den kulturellen und gesellschaftlichen Austausch? Sonja Großmann analysiert erstmals vergleichend die Entwicklung sowjetischer Freundschaftsgesellschaften in Frankreich, Großbritannien und der Bundesrepublik vom Zweiten Weltkrieg bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion. Von diesen gesellschaftlichen Akteuren ausgehend eröffnet das Buch neue Perspektiven auf die Formen und Methoden sowjetischer Selbstdarstellung gegenüber dem Ausland, auf das Zusammenspiel staatlicher und gesellschaftlicher Akteure über den ,Eisernen Vorhang' hinweg und auf kommunistische Organisationen im Westen. Das Bild der Sowjetunion in den verschiedenen Ländern spielt ebenso eine Rolle wie konkrete Felder des kulturellen Austausches in Kunst und Wissenschaft, Tourismus oder Städteverbindungen. Das Buch liefert einen innovativen Beitrag zur Internationalen Geschichte, indem es ost- und westeuropäische Geschichte, Diplomatie- und Kulturgeschichte sowie top-down mit bottom-up Ansätzen zusammenführt.

Samstag, 14. März 2020

Karl-Achim Klare: Imperium ante portas

Die deutsche Expansion in Mittel- und Osteuropa zwischen Weltpolitik und Lebensraum (1914–1918). Reihe Veröffentlichungen des Nordost-Instituts, Band 27. Harrossowitz Verlag, Wiesbaden 2020. ISBN: 978-3-447-11355-7. 588 Seiten, 68,00 Eur[D] / 70,00 Eur[A].

Verlagsinfo:
Oft wenig beachtet strebte das Deutsche Reich während des Ersten Weltkrieges in den von Russland eroberten Territorien in Mittel- und Osteuropa die Schaffung einer kontinentalen Hegemonie an. Die Langzeitwirkung dieses Imperiums ante portas reichte bis weit in die Weimarer Republik und den Nationalsozialismus hinein.
Kai-Achim Klare widmet sich in seiner umfassenden Studie zur Etablierung dieses Herrschaftsraums zunächst der Genese zeitgenössischer deutscher Osteuropa-Vorstellungen, die als wichtige Grundlage für die Ausformulierung politischer Ziele dienten. Auf der Basis umfangreicher Quellen werden weiter nicht nur vorherrschende Ideologien und imperialistische Strategien in Militär- und Staatsführung eingehend untersucht, sondern insbesondere Handlungsspielräume und Motive der Besatzer vor Ort ausgelotet. Durch die gleichzeitige Betrachtung von Zentrum und Peripherie gelingt es Klare, die gegenseitige Beeinflussung von Heimat- und Kolonialgesellschaft durch unterschiedliche imperiale Modelle offenzulegen. Die detaillierte Analyse des Besatzungsgebietes „Ober Ost“ vermittelt dabei erstmals ein viel ausgeprägteres Spektrum an widersprüchlichen Erfahrungen als dies bisher in der Historiographie angenommen wurde. Abschließend diskutiert Klare kritisch die dominante Lesart, nach der die reichsdeutsche Ostpolitik und die lokale Okkupationspraxis zusammen nur ein Präludium für die radikale Eroberungspolitik im Zweiten Weltkrieg darstellten.

Donnerstag, 5. März 2020

Anete Melece: Der Kiosk

40 Seiten, 21 x 28 cm, 2020. Kinderbuch mit Texten und Bildern von Anete Melece. Atlantis, ein Imprint von Orell Füssli Verlag, Zürich 2020. Lesealter von 5 bis 12. ISBN 978-3-7152-0781-0, CHF 24.90 / EUR 15.00

Verlagsinfo:
Olga kennt ihre Kunden, und alle kennen sie. Sie ist »der Kiosk«, und nachts liegt sie im Kioskhäuschen und träumt von Sonnenuntergängen am Meer.
Als ihr zwei Jungen einen Streich spielen, fällt Olga hin, samt Kiosk. Sie rappelt sich auf und geht – ein Kioskhäuschen auf Beinen – durch die Stadt. Doch da stolpert sie über eine Hundeleine und purzelt in den Fluss. Hoppla!
Olga treibt vergnügt stromabwärts bis zum Meer … Und als sie in ihrem Kiosk an einem fernen Strand landet, steht sie auf, verkauft Eis und genießt den Sonnenuntergang.

Anete Melece, Autor/in
Anete Melece (*1983) stammt aus Riga und hat an der Hochschule Luzern (Design & Kunst) Animationsfilm studiert. Ihre Masterarbeit wurde später als bester Schweizer Trickfilm 2014 prämiert. Sie hat weitere Filme gezeichnet und illustriert für den innovativen lettischen Verlag Liels un Mazs. Anete Melece lebt mit ihrer Familie in Zürich und arbeitet im Strapazin-Atelier. Der Text der deutschsprachigen Lizenzausgabe ist deshalb eine Neufassung der Autorin, die auch die Handschrift selbst machte. Website: www.anetemelece.lv, oder zum Thema "Der Kiosk" auch ihr Animationsfilm auf vimeo.

Montag, 2. März 2020

Anja Putensen: Das Gut

(The Manor / Muiža / Mõis). Auf den Spuren baltischer Gutshauskultur. Texte von Anja Putensen, Gestaltung von Kathrin Haas. Kerber Verlag 2020, ISBN 978-3-7356-0597-9,92 Seiten / 57 farbige Abbildungen,Texte in Deutsch, Englisch, Estnisch, Lettisch. 24,00 € (29,47 CHF).

Verlagsinfo:
Die ländlichen Gebiete Estlands und Lettlands sind geprägt durch zahlreiche Gutshäuser. In den vergangenen Jahrzehnten wurden einige renoviert, ein großer Teil verfällt. Anja Putensens Das Gut ist eine subjektive fotografische Recherche, die an jene historischen Orte baltischer Gutshauskultur führt. Wie auch die Erinnerung oft aus teils faktischen, teils fiktiven Blickrichtungen besteht, ist auch ihre Perspektive eine poetisch-magische. Ergänzt wird diese durch zahlreiche historische estnische, lettische und deutschbaltische Kindheitserinnerungen.
Die Fotografin Anja Putensen (*1977) hat sich auf die Spuren dieser Gutshäuser begeben und zeichnet mit »Das Gut« eine sehr persönliche Erinnerungsreise. Ihre Fotografien sind während zahlreicher Sommer-und Winterreisen mit einer analogen Mittelformatkamera auf Rollfilm entstanden.

Mittwoch, 19. Februar 2020

Simon Bajada: Die Baltische Küche

Eine kulinarische Reise durch Estland, Lettland, Litauen. Dorling Kindersley Verlag GmbH 2020, 224 Seiten, 196 x 266 mm, über 100 farbige Fotos . ISBN 978-3-8310-3952-4. 24,95 

Verlagsinfo:
Die Geheimnisse der baltischen Küche!
Salzig wie das Meer, holzig wie die Wälder und süß wie wilde Früchte: Entdecken Sie die bislang noch unbekannte, kulinarische Seite des Baltikums – sie trägt eine einzigartige Handschrift aus russischen, skandinavischen und deutschen Einflüssen. Ob Estland, Lettland oder Litauen: Lassen Sie sich mit 68 Rezepten, stimmungsvollen Landschaftsfotos von Reisezielen und interessanten Hintergründen zu lokalen Produkten an die raue Ostsee entführen.
Hommage an die traditionelle und moderne baltische Küche:
• Das erste Kochbuch zum Baltikum: Stillen Sie Ihren Reisehunger mit der baltischen Küche – von Estland über Lettland bis nach Litauen.
• 68 Rezepte der baltischen Küche: Frisch von der Küste gibt es geräucherten Fisch mit Sellerie-Remoulade, aus dem Garten kommen die Zutaten für eine herrliche Karotten-Suppe und aus der Backwerkstatt ein leckerer Rhabarber-Streusel-Kuchen.
• Wunderschöne Landschafts-Fotografie: Ob Wiesen, Wälder oder Seen – die Länder an der Ostseeküste sind wahre Schönheiten, die mit ihrer ursprünglichen Natur restlos beeindrucken.
• Hochwertige Ausstattung: Dieses Kochbuch zücken Sie auch bei Sehnsucht nach der Ferne immer wieder gerne aus dem Regal. Mit Farbschnitt und Prägung verrät es schon von außen, wie bezaubernd sein Inhalt ist.
• Interessante Hintergrundinfos: Erfahren Sie mehr über typisch baltische Produkte – zum Beispiel aus der Landwirtschaft oder dem Backhandwerk.
Das Reisekochbuch für alle Ostsee-Fans, Skandinavien-Urlauber & Baltikum-Entdecker, die sich (neu) in Kultur, Landschaft und in die osteuropäische Küche verlieben wollen.

Mittwoch, 12. Februar 2020

Edvarts Virza: Straumēni

Aus dem Lettischen von Berthold Forssman. Guggolz Verlag Berlin 2020, 334 Seiten, ISBN 978-3-945370-25-4, € 25 [D] | € 25,80 [A].

Verlagsinfo:

Edvarts Virza (1883–1940) schuf mit dem Prosapoem »Straumēni« eine Hymne auf das bäuerliche lettische Leben. Er beschreibt ein Jahr auf dem zemgalischen Gehöft Straumēni Mitte des 19. Jahrhunderts, verknüpft Kindheitserinnerungen mit Erzählungen seiner Großeltern und folgt dem Takt der Natur. Nicht ein einzelner Bewohner, sondern der Hof selbst wird zur Hauptfigur des berückenden Buches. Jedes Mitglied der Hausgemeinschaft hat seine zugewiesene Aufgabe zu verrichten, und die Erfüllung birgt eine eigene Schönheit und verleiht Lebenssinn. Im Einklang mit den Jahreszeiten wird im Frühjahr gepflügt und gesät, im Sommer bewirtschaftet und herangereift, im Herbst geerntet und geschlachtet, schließlich im Winter eingelagert und sich häuslich eingerichtet – und immer auch Feste wie Mittsommer, Erntedank oder Weihnachten gefeiert. Unausgesprochen ist im harmonischen Idealjahr jedoch auch eine Trauernote enthalten, ein Schmerz darüber, dass dieses Ideal unwiederbringlich verloren ist, ja eigentlich niemals bestanden hat.
Die Sprache, in der Virza das voranschreitende Jahr beschreibt, enthält alles, was auf dem Hof vor sich geht. Da summt und raschelt es, knistert, duftet und klingt es in den Wörtern – ein Sprachstrom, der unaufhaltsam voranstrebt wie der Fluss Lielupe, der sich durch die Wiesen um Straumēni schlängelt. Berthold Forssman stimmt in seiner Übersetzung ein in die Melodie der zemgalischen Landschaft und des ländlichen Lebens. Er schöpft aus dem Reichtum der deutschen Sprache, aus Begriffen und Beschreibungen, die schon vergessen scheinen und eine ganze Welt in die Sinne und vor Augen rufen.