Donnerstag, 7. November 2019

Irena Veisaitė / Aurimas Švedas: Ein Jahrhundertleben in Litauen

Aus dem Litauischen von Claudia Sinnig. Wallstein Verlag, 2019, 428 Seiten, ISBN 978-3-8353-3556-1, € 24,00 (D) | € 24,70 (A)

Verlagsinfo:
Die Autobiographie einer der herausragenden litauischen Intellektuellen im bewegten 20. Jahrhundert.
In 13 Gesprächen mit Aurimas Švedas erzählt Irena Veisaitė ihr bewegtes Leben. Ein Leben für die Kunst und die Kultur in Litauen, den Kulturaustausch mit Deutschland und das tragische politische Schicksal ihres Landes – die Besatzungen durch die deutsche Wehrmacht und die Sowjetunion. Sie erlebt Ausgrenzung, Gewalt, Vernichtung. Ihre Mutter wurde 1941 von einheimischen NS-Kollaborateuren ermordet, sie selbst überlebte das Ghetto von Kaunas durch die Hilfe von litauischen Mitbürger*innen. Nach Kriegsende muss sie den Anti­semitismus der ­Stalinära ertragen. Sie erzählt von ­ihrem Studium in Moskau und Leningrad, von den Anwerbeversuchen des sowjetischen Geheimdienstes, von ihren Ehen und der schmerzlichen Trennung von der Tochter, die nach England geht. Und Irena Veisaitė spricht über Freundschaften, u. a. mit Arvo Pärt. Sie schildert, wie es zur Einrichtung des Thomas-Mann-Kulturzentrums in Nidden kam und ihr Engagement für die Soros-Stiftung, die sich u. a. für die demokratische und pluralistische Gesellschaft in Osteuropa einsetzt. Ein Jahrhundertleben. Noch in hohem Alter ist sie eine entscheidende Persönlichkeit bei der Errichtung einer pluralistischen Gesellschaft in Nordosteuropa.

Irena Veisaitė, geb. 1928, studierte Germanistik und promovierte 1963 über Heinrich Heines späte Lyrik. Bis 1997 war sie Lektorin an der Pädagogischen Hochschule in Vilnius. Sie war Mitglied in verschiedensten Kommissionen für Kunst und Kultur in Litauen. 2012 erhielt sie die Goethe-Medaille des Goethe-Instituts für ihr Lebenswerk. Die Laudatio hielt Aleida Assmann. Irena Veisaitė spricht sieben Sprachen.

Freitag, 18. Oktober 2019

Rimantas Kmita: Die Chroniken des Südviertels

Roman. Aus dem Litauischen von Markus Roduner. Mitteldeutscher Verlag, Halle / Saale 2019, 414 Seiten, ISBN 978-3-96311-180-8, 20 Euro.

Verlagsinfo:
Eine Geschichte über die Zeit und die Kinder des wilden Kapitalismus
Mit seinem Debütroman setzt Rimantas Kmita seiner Heimatstadt Šiauliai und den 1990er Jahren ein literarisches Denkmal. Geschrieben in der Umgangssprache der nordlitauischen Stadt jener Zeit, voller Slang- und Schimpfwörter, erzählt er die Geschichte des jungen Rimantas aus dem Südviertel in der wilden Periode kurz nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Litauens.
»Die Chroniken des Südviertels« ist eine Art Zeitmaschine ohne Wenn und Aber, die in eine ziemlich nahe Vergangenheit eintaucht, als in Litauen die neuen westlichen Werte – Snickers-Riegel, Coca-Cola, Trainingsanzüge von Nike oder Adidas – zum Maßstab wurden und als erstrebenswert galten. Der Leser fühlt sich sofort in diese Zeit und nach Šiauliai, dem litauischen Manchester, versetzt, sieht die Musikgruppen von damals, die Jugendzimmer mit Rambo-Postern an der Wand, spielt Rugby, verliebt sich und verliert den Glauben an die Liebe …
Ein Coming-of-Age-Roman im doppelten Sinne, in dem die Teenagerjahre des Protagonisten mit denen des unabhängigen Litauens in der Übergangsphase zusammenfallen.

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Māra Zālīte: Fünf Finger

Roman. Aus dem Lettischen von Nicole Nau. KLAK-Verlag, Berlin 2019, 306 Seiten, ISBN 978-3-948156-18-3, 16,90 €.

Verlagsinfo:

Laura ist fünf, als sie das erste Mal lettischen Boden betritt. Ein Land, das sie nur aus den üppigen Beschreibungen im Gulag kennt. Die Erwachsenen sind mit sich selbst und dem Neuanfang beschäftigt. Laura erkundet mit Freiheitsdrang ihre dörfliche Umwelt. Ebenso real wie magisch spricht sie mit Menschen, Tieren und mythischen Gestalten. Wir erfahren aus einer kindlichen Perspektive von den Schwierigkeiten des Zusammenlebens, den täglichen Absurditäten der Gesellschaft, bevor Schule und sowjetische Erziehung den Rahmen vorgeben. Mit Phantasie, Humor und Klugheit erzählt Mara Zalite über die Schrecken und Erfahrung einer ganzen Generation. Der in mehrere Sprachen übersetzte Roman „Fünf Finger“ wurde in Lettland zu einem Bestseller und mit dem Jahrespreis für Literatur ausgezeichnet. Er steht aufgrund einer großen Leserumfrage in Lettland auf der Liste der „100 wichtigsten Bücher (der Weltliteratur)“.

Māra Zālīte wurde im sibirischen Krasnojarsk (Russland) geboren, wohin ihre Familie 1941 aus Lettland deportiert worden war. 1956, als sie vier Jahre alt war, durfte die Familie zurückkehren. Nach dem Studium der Philologie arbeitete sie im lettischen Autorenverband, dessen Präsidentin sie neben anderen wichtigen Funktionen von 2000-2008 war. Zalite schreibt Gedichte, Essays, Theaterstücke, Dramen, Prosa, Kinderbücher und Libretti für Musicals und Rockopern. Ihre Werke wurden in viele Sprachen übersetzt, darunter Russisch, Englisch, Deutsch, Schwedisch, Estnisch und Französisch. Als eine der wichtigsten lettischen Autorinnen der Gegenwart ist sie durch ihre öffentlichen Stellungnahmen zu Politik und Gesellschaft bekannt. Sie erhielt zahlreiche Preise, u.a. den Herder-Preis (Deutschland 1993) und den Lettischen Literaturpreis (2001, 2004, 2014).

Samstag, 28. September 2019

Füllmann / Johanning / Kalnács / Kaulen (Hgg.): Rūdolfs Blaumanis (1863 - 1908)

Herausgeber: Rolf Füllmann / Antje Johanning / Benedikt Kalnács / Heinrich Kaulen. Lettische Moderne und deutschsprachige Literatur. Aisthesis Verlag, Bielefeld 2019, 313 Seiten, ISBN 978-3-8498-1365-9, 34,80 Euro.


Verlagsinfo:
Rūdolfs Blaumanis gilt als einer der wichtigsten lettischen Schriftsteller des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Zugleich bildet er eine zentrale Mittlerfigur zwischen lettischer und deutscher Literatur und Kultur. Als zweisprachiger Autor bereicherte er in der schon damals heterogenen Ostseeprovinz sowohl das lettische als auch das deutschbaltische Kulturleben. Dabei setzte er sich intensiv mit der deutschsprachigen Literatur von Goethe über Keller bis zu Gerhart Hauptmann und Arno Holz auseinander. Anlässlich der Neuausgabe seiner deutschsprachigen Erzählungen und Selbstübertragungen ins Deutsche fand im April 2017 das Symposion Blaumanis und die deutschsprachige Literatur statt, dessen Beiträge dieser Band versammelt. Sie schließen eine Lücke, denn Blaumanis ist in Deutschland nicht so bekannt und erforscht, wie er es als kanonischer Autor der lettischen Literatur und bedeutender Vermittler zwischen den Sprachen und Kulturen verdient hätte. Aus unterschiedlichen Perspektiven gehen sie seiner kulturhistorischen Verortung, seinem baltischen Umfeld wie auch seinem Verhältnis zur lettischen Moderne und seiner Rezeption in den Medien nach.

Donnerstag, 19. September 2019

Aspazija: Die roten Blumen

Sarkanās puķes. Gedichte / Dzejoļi. Zweisprachige Ausgabe. Aus dem Lettischen übertragen von Matthias Knoll. Edition Literatur.lv, 2018. 124 Seiten, ohne ISBN. 13 € / 18 CHF, zu bestellen beim Herausgeber, oder erhältlich im Aspazija-Museum in Jūrmala / Lettland.

Verlagsinfo:
Mit dem legendären ersten Gedichtband der großen Dichterin,»mit der die moderne lettische Literatur beginnt« (Jānis Asars), liegt erstmals ein vollständig ins Deutsche übertragenes Werkvon Aspazija (1865–1943) vor, der Frau und Schriftstellerin,die ihren Ehemann Rainis zum »Nationaldichter« aufbaute.

Ihren ersten Gedichtband "Sarkanās puķes" komponierte Aspazija gemeinsam mit Rainis als einen in sichgeschlossenen vierteiligen Zyklus im Spätsommer 1895 in Jelgava, wo er im Sommer 1897 im Verlag von Ludis Neimanis erschien. Aufgrund der Streichungen durch die zaristische Zensur enthielt er nur siebenunddreißig Gedichte; in die dritte bzw. vierte Ausgabevon »Sarkanās puķes« in den Werkausgaben von 1910 bzw. 1920 konnten die zuvor zensierten Texte aufgenommen werden; Bei dieser Gelegenheit veränderte die Autorin einige Texte und deren Anordnung; auch Orthographie und Interpunktion variierten. In die Neuausgabe von 1920 wurde kurioserweise auch Rainis’ lettische Übertragung von Teilen eines Langgedichts von Leopold Jacoby aufgenommen. In der vorliegenden Ausgabe, der die Fassung von 1931 zugrundeliegt, wurde versucht, Aspazijas ursprüngliche Intention herauszuarbeiten. Dabei wurden Druckfehler stillschweigend getilgt und die Schreibweisen behutsam der heutigen angepaßt. Die Übertragungen sind im Herbst 2015 in Riga, Berlin undZürich entstanden und wurden in den folgenden Jahrenmehrmals überarbeitet. Sie folgen den Regeln der alten, bewährten Rechtschreibung. Zugeeignet ist dieses Bändchen meiner lieben Mutter.

Donnerstag, 15. August 2019

Klaus Modick: Keyserlings Geheimnis

Roman, Verlag Kiepenheuer & Witsch 2019, (KiWi-Taschenbuch), 240 Seiten, ISBN: 978-3-462-05335-7, 10.00 € (A 10.30€).

Verlagsinfo:
Sommer 1901 am Starnberger See. Lovis Corinth porträtiert Eduard Graf von Keyserling, Schriftsteller und Dandy aus baltischem Adel, den seine geheimnisumwitterte Vergangenheit einholt, als unvermutet eine durchreisende Sängerin erscheint. Handelt es sich womöglich um jene Frau, die ihn vor mehr als zwanzig Jahren in den Skandal verwickelte, der ihn zur Flucht nach Wien zwang und in Adelskreisen zur persona non grata werden ließ?
Geistreich, einfühlsam, voller Witz und Verve spürt Klaus Modick den emotionalen und gesellschaftlichen Widersprüchen der Jahrhundertwende nach und erzählt davon, wie ein Außenseiter zu jenem brillanten Schriftsteller wurde, der den Zerfall der eigenen Klasse mit Melancholie und scharfsinniger Ironie beschrieb.

Klaus Modick, geboren 1951, studierte in Hamburg Germanistik, Geschichte und Pädagogik, promovierte mit einer Arbeit über Lion Feuchtwanger und arbeitete danach u.a. als Lehrbeauftragter und Werbetexter. Seit 1984 ist er freier Schriftsteller und Übersetzer und lebt nach diversen Auslandsaufenthalten und Dozenturen wieder in seiner Geburtsstadt Oldenburg. 

Samstag, 10. August 2019

Benas Bėrantas, Vilija Kvieskaitė: Nüsse haben kurze Beine

Kinderbuch, ab 3 Jahren. Übersetzt aus dem Litauischen von Saskia Drude. Text von  Benas Bėrantas, Illustrationen von Vilija Kvieskaitė. Magellan Verlag , 32 Seiten (25 x 26 cm), ISBN 978-3-7348-2064-9, 14 Euro.

Verlagsinfo:
„Lass uns jeder eine probieren“, schlägt Eichhörnchen Ekki vor, als es gemeinsam mit Rabe Knips einen Korb voller Nüsse entdeckt. Knusprige Leckerbissen, die Mama Eichhorn für einen besonderen Anlass beiseitegestellt hat. Wer wird schon merken, wenn eine Nuss fehlt?
Oder zwei? Oder drei?
Oh Schreck, plötzlich ist fast der ganze Korb leer!
Da hilft nur eine kleine Lüge. Hauptsache, Mama Eichhorn wird nicht böse. Aber ob ihre Bauchschmerzen nun wirklich bloß von den vielen Nüssen kommen?

Mittwoch, 31. Juli 2019

Nora Ikstena: Muttermilch

Voller Symbolik und Feingefühl erzählt Nora Ikstena über die Liebe zur Freiheit und das Drama des Lebens in Lettland bis zum Fall der Berliner Mauer. Roman, aus dem Lettischen übersetzt von Nicole Nau. Klak-Verlag Berlin 2019. 214 Seiten, ISBN 978-3-948156-17-6, 16,90 €. 

Verlagsinfo:
“Meine Milch war bitter, voll Ratlosigkeit, Milch der Verwesung. Ich bewahrte mein Kind davor.”
Mutter und Tochter – die Generationen von 1944 und 1969 – sind die erzählenden Stimmen des Romans.
Die Mutter wird nach einem Skandal mit einem Kriegsveteranen in die lettische Provinz verbannt. Ihre berufliche Karriere in Leningrad endet abrupt durch einen Staat, der ihr die Chance nimmt, sich beruflich und sozial zu verwirklichen. Die Isolation frisst sich in ihr Leben hinein, Bitterkeit und Ohnmacht prägen das Verhältnis zu ihrer Tochter. Die Großmutter bietet ihr, was die Mutter nicht leisten kann: Liebe und ein Zuhause, in dem sie – fast – wie eine mustergültige Sowjetbürgerin aufwächst. Die Familie trifft auf andere Ausgestoßene und Unangepasste, frömmelnde Russinnen, einen Hermaphroditen, einen oppositionellen Lehrer. Immer verlangt das Leben ihnen Kompromisse ab, die sie nicht eingehen wollen. Bis sich die Vorboten der Freiheit regen. Wozu sind sie noch fähig, als der politische Wandel im Land und in Europa beginnt?

Samstag, 8. Juni 2019

Lutz Dettmann: Über uns der weite Himmel

Roman, 534 Seiten, Lehmanns Media 2019. ISBN 978-3-86541-995-8, 24,95 €.

Verlagsinfo:
Estland 1946. Die junge Estin Anu wird vom NKWD verhaftet, ihr deutschbaltischer Freund kann nach Schweden entkommen, während die junge Frau verurteilt und in den GULAG verbannt wird.
Estland 2006. Eine junge Estin ist auf der Suche nach der familiären Vergangenheit, will das Schweigen ihrer Mutter brechen, fordert eine Antwort auf die Frage nach ihrem Vater ein. Ihre Mutter, Teil der verstummten Generation, öffnet sich allmählich und beginnt zu erzählen. Eine Geschichte von Leid, Entbehrung, stalinistischem Terror und Tod, aber auch von Solidarität, Mut und Hoffnung. Die Geschichte einer großen Liebe.
Lutz Dettmann knüpft in seinem Roman an die Geschichte von Anu Lina und Christoph Scheerenberg an, die 2012 unter dem Titel „Anu – eine Liebe in Estland“ erschien und jetzt auch als Taschenbuch vorliegt.

Lutz Dettmann

Freitag, 7. Juni 2019

Lutz Dettmann: Anu - eine Liebe in Estland

Roman, 416 Seiten, Lehmanns Media 2019. ISBN 978-3-86541-990-3, 14,95 €. 

Verlagsinfo:
Sommer 1938. Der Medizinstudent Christoph Scheerenberg reist nach Estland, um seine familiären Wurzeln zu finden. Dort lernt er das estnische Mädchen Anu kennen und die beiden genießen einen wunderschönen Sommer.
1943 kehrt Christoph als Militärarzt nach Estland zurück, erlebt den Krieg aufseiten der deutschen Wehrmacht als „Tötungsmaschine“, die ärztliches Handeln zweifelhaft macht.
Ist es die Sehnsucht nach der Sommerliebe, die Anu und Christoph die Kraft zum Überleben gibt?
Einfühlsam wird die Geschichte zweier Menschen vor dem großen, schrecklichen Kriegspanorama erzählt. Eine spannende Schilderung der fast vergessenen Geschichte Estlands jener Zeit, das als Staat Jahrzehnte von der politischen Landkarte verschwunden war.

Lutz Dettmann

Mittwoch, 1. Mai 2019

Die Ostsee - Berichte und Geschichten aus 2000 Jahren

Herausgegeben von Klaus-Jürgen Liedtke. Verlag Galiani, Berlin 2018. 656 Seiten, ISBN 978-3-86971-175-1, 39,00 € (D) / 40,10 € (A).

Verlagsinfo:
Das große literarische Standardwerk zur Ostsee: 128 Texte aus 2000 Jahren über Städte und Inseln, Reisen, Handel, Kriege, Liebe und Leben am und auf dem Meer. Autorinnen und Autoren aus 2000 Jahren erzählen und berichten von Reisen an Land und übers Meer, von Hansestädten und Dünenlandschaften, Geschichten und Geschichte, Schlachten und Schicksalen, florierendem Handel und Strandspaziergängen. Ein einzigartiges Buchprojekt über die Ostsee und alle angrenzenden Länder.
Kanonische Texte der Weltliteratur und Beiträge unbekannterer Stimmen. Erzählungen, Gedichte, Romanauszüge, Briefe und Tagebucheinträge. Über Vergangenes und Gegenwärtiges, über wahre Begebenheiten und erfundene, von großen Taten und kleinen Momenten, von Fundstücken und regem Treiben.
Ein literarisches Porträt einer durch die Ostsee verbundenen Region, das nationale Grenzen überwindet, weite Distanzen und Wassermassen überspannt, vergangene Welten mit heutigen Perspektiven verbindet. Von den ersten schriftlichen Erwähnungen der Ostsee in den Aufzeichnungen des Tacitus, über mittelalterliche Reiseberichte und nordische Sagas, von prägenden Denkern und großen Romanciers des 18. und 19. Jahrhunderts, über die vielfältigen Stimmen der Moderne, der Nachkriegsjahre bis heute.
Mit zahlreichen Erst- und Neuübersetzungen bietet Die Ostsee einen nie dagewesenen Zugang in die literarische Erkundung des europäischen Binnenmeers – die mentale Reisen an die See, in ferne Länder und Zeiten ermöglicht.

Aus dem Inhaltsverzeichnis:
Arvid Mörne: Die Reise nach Riga
Walter Benjamin: Häfen und Jahrmärkte - Riga
Jaan Kross: Der Riss
Paul Fleming: Als die Fürstl. Holst. Gesandten / zu Rige / in Lieflande waren angelanget
Johann Gottfried Herder: Als ich von Livland aus zu Schiffe ging
Heinrich von Lettland: Livländische Chronik
Johann Gottfried Herder: Klage über die Tyrannen der Leibeigenen
Garlieb Merkel: Die Letten, vorzüglich in Livland
Johann Gottfried Seume: An einen an der Düna bei Riga gefundenen Totenkopf
Vizma Belševica: Motiv der lettischen Geschichte - das alte Riga
Balys Sruoga: Der Wald der Götter
Aleksandrs Čaks: Abflußrohr / Fräulein mit Hündchen
Viivi Luik: Die Schönheit der Geschichte
Sigitas Geda: Der Wind von Helsinki / Engel über Palanga fallend
Antanas Jonynas: Ansichtskarte
Kristijonas Donelaitis: Frühling
Czeslaw Milosz: Geburtsort
Jaan Oks: Das Dorf
Ludwig Passage: Von der Kurischen Nehrung
Thomas Mann: Wüste Küste

Mittwoch, 3. April 2019

Karl Ristikivi: Die Nacht der Seelen

Aus dem Estnischen von Maximilian Murmann, mit einem Nachwort von Rein Raud. Titel der Originalausgabe "Tingede öö" (1953). Guggolz Verlag, Berlin 2019. 376 Seiten, ISBN 978-3-945370-20-9, € 24 [D] | € 24,70 [A].

Verlagsinfo:
Karl Ristikivi (1912–1977) ist einer von Tausenden Esten, die 1944 vor den Sowjets in den Westen flohen. Bis zu seinem Tod lebte er in Stockholm. »Die Nacht der Seelen« erschien 1953, ein existenzialistischer Exilroman mit surrealistischen Zügen, der seine persönliche Lebenssituation aufgreift. Der Ich-Erzähler, Ristikivis Alter Ego, betritt in der Silvesternacht ein offenstehendes Haus aus Neugier und in der Erwartung, dort Gesellschaft und Unterhaltung zu finden. Schnell wird aber klar, dass der Weg immer tiefer in das Haus hinein auch ein Weg in das eigene Innere, in die eigene Geschichte ist. Plötzlich fällt der Strom aus – es muss ein Verbrechen passiert sein. Der Prozess, der anschließend abgehalten wird, fokussiert aber gar nicht so sehr das mögliche Verbrechen, sondern richtet den Blick vielmehr auf das Menschenleben an sich und die Verfehlungen des Ich-Erzählers im Besonderen.
Meisterhaft versteht es Ristikivi, uns Leser mit Spannung und einer existenziellen Verunsicherung wie den Protagonisten immer tiefer in das Buch hineinzuführen. Von Raum zu Raum, von Szenerie zu Szenerie, von Begegnung zu Begegnung wandeln wir durch das rätselhafte Haus und kommen doch nur bei uns selbst an. »Die Nacht der Seelen« ist ein widerspenstiger und tiefgreifender Roman über eine existenzielle Einsamkeit, aber auch ein Buch über das Schreiben, die Kunst und über die Schöpfungskraft der Phantasie. Maximilian Murmanns Übersetzung legt mit klarer und präziser Sprache den Blick auf einen Text frei, der alles zeigt und freimütig erzählt und der uns Leser dennoch wie ein scharfkantig funkelnder Spiegel auf uns selbst zurückwirft.

Samstag, 23. März 2019

Ieva Simonaityte: Vilius Karalius

Roman. Baltische Bibliothek im BaltArt-Verlag, Band XI. Langenthal, Schweiz 2019. Titel der Originalausgabe: Vilius Karalius, Alma Littera 2011. Übersetzung aus dem Litauischen von Markus Roduner. 712 Seiten, ISBN 978-3-9524559-4-4.

Verlagsinfo:
Das Familienepos «Vilius Karalius» von Ieva Simonaitytė – ein literarisches Denkmal für das Memelland.
Der Roman «Vilius Karalius» ist das wichtigste und auch umfangreichste Werk der grossen litauischen Erzählerin Ieva Simonaitytė. Ein Epos, das die familiären Verflech-tungen und die damit verbundenen menschlichen Komö-dien und Tragödien der Familie Karalius und ihres Um-felds erzählt. Die Handlung erstreckt sich über die ersten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und spielt im Memelland.
Das Werk legt seinen Fokus aber nicht nur auf das Schicksal dieser Familie. Vielmehr bietet es auch einen Einblick in die Geschichte und die politischen Turbulenzen dieses Landstrichs vor dem und im Ersten Weltkrieg, der bis 1918 zu Deutschland gehörte, dann unter Verwaltung des Völkerbundes stand und 1923 Litauen angegliedert wurde.
Mit viel Feingefühl für das Detail breitet Ieva Simonaitytė in «Vilius Karalius» ein ganzes Panorama der sozialen, politischen und familiären Verhältnisse der Litauer im ländlichen Memelland aus.
Ein Gebiet, das infolge der Wirren des Zweiten Weltkriegs und dessen Auswirkungen heute von eine weitgehend anderen Bevölkerung bewohnt wird, als vor dem Krieg.
Mit «Vilius Karalius» hat Ieva Simonaitytė einer gleichenteils von Litauern und Deutschen geprägten, untergegangenen Kultur ein literarisches Denkmal ersten Ranges gesetzt.

Freitag, 15. März 2019

Markas Petuchauskas: Der Preis der Eintracht

Erinnerungen, Künstlerportraits, kulturelle Wechselbeziehungen. Übersetzt aus dem Litauischen von Markus Roduner, nach dem Originalmanuskript "Santarves kaina". Reihe "Anpassung - Selbstbehauptung - Widerstand", Band 45. LIT-Verlag, Münster / Berlin 2019, 272 Seiten, ISBN 978-3-643-14130-9, 44.90 EUR / 44.90 CHF.

Verlagsinfo:
"Der Preis der Eintracht" erzählt vom Leben und dem Theater im Wilnaer Getto. Von der Rettung des Autors durch Mitbürger mit Gewissen. Vom Leben als Jude und Intellektueller unter der Sowjetherrschaft und später im wieder freien Litauen. Vom Engagement für das Wiederaufleben der jüdischen Kultur in Vilnius und ganz Litauen sowie dem Einsatz für den Dialog der Kulturen. Der Leser trifft auf weltberühmte und weniger bekannte Litwaken. Und schließlich berichtet Markas Petuchauskas von der exemplarischen Geschichte seiner Familie, deren Mitglieder über die ganze Welt verstreut leben. Ein Buch, das zur Versöhnung und Eintracht aufruft und ihren Preis aufzeigt.

Donnerstag, 14. März 2019

Undiné Radzevičiūtė: Das Blut ist blau

aus dem Litauischen übersetzt von Cornelius Hell. Residenz Verlag, Salzburg / Wien 2019, 400 Seiten, ISBN: 9783701717002, 24 Euro. 

Verlagsinfo:
Das Adelsgeschlecht von der Borch war nicht minder einflussreich und machtgierig als ihre italienischen Verwandten, die berühmten Borgia. An der Schwelle zwischen Mittelalter und früher Neuzeit kämpft Bernhard von der Borch, Landmeister des Deutschritterordens, in Livland um den Erhalt seiner Macht, er will einen neuen Kreuzzug ins Leben rufen – doch die Zeiten der Ritterlichkeit sind vorbei. Undiné Radzevičiūtė, in deren Adern das blaue Blut der Borchs fließt, folgt ihrer eigenen Familiengeschichte und erzählt fesselnd und gewitzt vom Kampf der letzten Ordensritter um ihre Vormachtstellung. Wird es Bernhard von der Borch gelingen, sich mit Putsch und Intrige in einer Welt zu behaupten, die bereits in Auflösung ist?

Mittwoch, 20. Februar 2019

Christian Rödig: Theater im fernen Norden

Memels Schauspielhaus zwischen Preußen, Deutschem Reich und litauischer Republik.
Werk 52 der PRUSSIA-Schriftenreihe, Husum Verlag 2018. 268 Seiten, ISBN 978-3-89876-951-8, 34,95 €.

Verlagsinfo:
Eine Theatergeschichte, wie sie wechselhafter kaum sein könnte, entfaltet sich in Christian Roedigs Darstellung der Entwicklung des 1860 eröffneten Schauspielhauses in Memel (Klaipeda). Den Leser erwarten lebendige Schilderungen des Hauses in unterschiedlichsten politischen Verhältnissen: bis 1918 unter dem preußischen König und deutschen Kaiser, während der französischen Besatzung, in der Republik Litauen und schließlich im Dritten Reich. Der Band dokumentiert nicht nur die Geschichte des Hauses, die Intendanz und die Spielpläne, sondern auch den Inhalt vieler heute längst vergessener Stücke sowie die Biografien des oft hervorragenden Bühnenpersonals. Die Abhängigkeiten von den wechselnden Staatsführungen spiegeln sich im Theaterleben ebenso wie die vorurteilsfreien Beziehungen der Künstler untereinander. Die Dokumentation ist ein wertvoller Beitrag zum deutsch-litauischen Dialog über unsere gemeinsame Geschichte.

Montag, 4. Februar 2019

Arvis Viguls: Die Handschrift einer Nadel

Gedichte, aus dem Lettischen übersetzt von Astrid Nischkauer. Verlag Parasitenpresse, Köln 2019. Reihe nummernlose Bücher, poetry international, 86 Seiten, ISBN 978-3-947676-37-8. 12,- €

Verlagsinfo:
Mit Lyrik aus Lettland geht es weiter in unserer Reihe Die nummernlosen Bücher. Der lettische Dichter Arvis Viguls stochert im Leben herum, kratzt alte Narben auf, verkriecht sich im Bett, wäscht seinen Vater. Cut your hair!, diesem Ruf, halb Rat, halb Befehl, folgt er und steht als neuer Mensch da, „jemandem ähnlich, / dem die schwere Krone vom Kopf gehoben wird / und der jetzt / ohne Zepter oder Schirm / durch die kalten verregneten Straßen laufen muss“. Erstmals liegt nun auf Deutsch ein Gedichtband von Viguls vor, den die Wiener Dichterin Astrid Nischkauer für uns übersetzt hat.
Arvis Viguls, geb. 1987 in Jēkabpils, lebt als Dichter und Übersetzer in Riga. Er veröffentlichte bisher drei Gedichtbände Istaba (Raum, 2009), 5:00 (2012) und Gramata (Buch, 2018) und erhielt dafür mehrere Preise, u.a. den Preis des Lettischen Autorenverbandes für das beste Debüt, den Preis des lettischen Poesiefestivals
Dzejas dienas für den besten Band des Jahres und den Preis der Anna-Dagda-Stiftung. Einzelne Gedichte wurden in mehr als vierzehn Sprachen veröffentlicht. 2017 erschien ein Auswahlband auf Spanisch, La caligrafía de la aguja.
Astrid Nischkauer, geb. 1989, Dichterin und Übersetzerin.

Dienstag, 15. Januar 2019

Wegweiser zur Geschichte - Baltikum

Verlag Ferdinand Schöningh, Paderborn 2018. Redaktion: Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften der Bundeswehr. 302 Seiten, ISBN: 978-3-506-79331-7,EUR 16.90 / CHF 21.90

Verlagsinfo:
Die baltischen Staaten sind in den letzten Jahren immer stärker in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Dies hat mit der krisenhaften Entwicklung in Osteuropa zu tun, in deren Zentrum die Konflikte zwischen Russland und den Nachfolgestaaten der Sowjetunion stehen, vor allem der Bürgerkrieg in der Ostukraine und die völkerrechtswidrige Besetzung der Krim 2014.
Estland, Lettland und Litauen, die seit 2004 Mitglieder in der NATO und der EU sind, waren militärisch von diesen Entwicklungen zwar nicht betroffen, haben aber die politischen Auswirkungen deutlich zu spüren bekommen. Auch die drei Bündnispartner gehörten, wie die Ukraine, zum Staatsgebiet der UdSSR. Die Befürchtungen sind groß, dass Moskau langfristig eine Revision der Verhältnisse anstrebt.
Die NATO hat beschlossen, Truppenverbände in das Baltikum und nach Polen zu schicken, um die Region zu stabilisieren und Bündnissolidarität zu zeigen. Vier Kontingente sind daher seit Mitte 2017 in diesem Teil Europas stationiert. Außerdem wurde 2015 eine Schnelle Eingreiftruppe (Very High Readiness Joint Task Force) aufgestellt, die bei Bedarf rasch in die Region verlegt werden kann.
Das Zentrum für Militärgeschichte und Sozialwissenschaften fügt vor diesem Hintergrund den bereits für zahlreiche Länder und Regionen vorliegenden Bänden der Reihe »Wegweiser zur Geschichte« eine weitere Publikation hinzu. Dieses Buch versammelt zahlreiche Beiträge von renommierten Experten aus verschiedenen wissenschaftlichen Fachdisziplinen. Die Beiträge sind übersichtlich und allgemeinverständlich formuliert und mit Bildern, Grafiken und Karten sowie einem umfassenden Anhang ausgestattet. 
Mit Beiträgen von Uwe Sperling, Anti Selart, Klaus Milizer, Ralph Tuchtenhagen, Martin Meier, David Feest, Karsten Brüggemann, Kaarel Piirimae, Bernd Lemke, Rolf-Dieter Müller, Jochen Tauber, Rolf Winkelmann, Aušrele  Pažeraite, Kevin C. O'Connor, Katja Wezel, Mark Webber, Derek Averre, Ingmar Oldberg, Gedeminas Vitkus, Stephan Maximilian Brenner, Justyna Zajac, Kamal Makili-Aliyev, Robin Allers und Paal Sigurd Hilde. 

Mittwoch, 12. Dezember 2018

Franziska Jahn: Das KZ Riga-Kaiserwald und seine Außenlager 1943–1944

Strukturen und Entwicklungen. 471 Seiten, Metropol Verlag Berlin 2018, ISBN:
978-3-86331-427-9, 29 Euro. 


Verlagsinfo:„So schrecklich wie es war, so viele Tage werden wir noch daran zurückdenken. Wer weiß, was uns jetzt wieder bevorsteht“, schrieb Lore Oppenheimer am Tag ihrer Überstellung aus dem Rigaer Ghetto in das wenige Kilometer entfernte KZ Riga-Kaiserwald. Die Auflösung der Ghettos und die Errichtung von Konzentrationslagern im deutsch besetzten Baltikum stellten seit Frühjahr 1943 eine erneute Radikalisierung der NS-Judenpolitik dar und waren ein weiterer Schritt zur Vernichtung der dort inhaftierten Jüdinnen und Juden. Die Studie rekonstruiert erstmals die Strukturen und Entwicklungen des KZ Riga-Kaiserwald und seiner Außenlager und gibt umfassende Einblicke in die Lebenswelt seiner Häftlinge.

Dienstag, 4. Dezember 2018

Margarita Li Blue: Mein steiniger Weg


Ein Lettenmädchen erzählt. Teil 1. Roman. NOEL-Verlag, Oberhausen 2018, 244 Seiten, ISBN: 978-3-95493-303-7, 16,90 Euro.

Verlagsinfo:
Dieser Roman basiert auf wahrem Hintergrund und erzählt über das Leben in Lettland, welches sich für Margarita vorwiegend auf dem Lande abspielt. Der Roman ist durchflochten von: Liebe, Freundschaften, Existenz-Kampf, Intrigen und sogar Verrat. Eine Prise politischer und wirtschaftlicher Hintergründe der damaligen Zeit rundet den Roman ab. Eines hatte sich Margarita aber immer zum Ziel gesetzt: Schon von Kindheit an träumte sie von einem Leben, in dem es ihr besser gehen sollte. Wird sie es im Teil 1 des Buches finden? 

Samstag, 24. November 2018

Joseph Kazickas: Wege der Hoffnung

Flucht, Emigration und Rückkehr in ein freies Litauen. Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2015. 333 Seiten, ISBN 978-3-940862-74-7, 22,00 €. 

Verlagsinfo: 

In seiner autobiographischen Erzählung Wege der Hoffnung Zeichnet der Litauer Joseph Kazickas seinen turbulenten Lebensweg nach, der stark von den Geschehnissen des 20. Jahrhunderts geprägt ist.
Angefangen von den Erlebnissen seiner Familie, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Kosaken in die russische Steppt verschleppt wurde, bis zu den Erfolgen von Joseph Kazickas als Unternehmer in den USA und im unabhängigen Litauen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, schildert der Autor seine persönlichen Erlebnisse.

Dienstag, 13. November 2018

Vaclovas Bagdonavičius: Preußisch-Litauen - ein enzyklopädisches Handbuch

Redaktion: Vaclovas Bagdonavičius. Mitarbeit: Christiane Schiller, Felix Manczak, Silke Brohm, Jan Conrad, Robert Hammel Anne Königs, Christina Nikolajew, Matthias Wirth. Künstlerische Gestaltung: Alfonsas Žvilius. Verlagszentrum für Wissenschaft und Enzyklopädien, Vilnius 2018. ISBN 978-5-420-01799-9, 728 Seiten.

Verlagsinfo:
„Preußisch-Litauen: Ein enzyklopädisches Handbuch“ stellt die historische Region im Nordosten des ehemaligen Ostpreußen in den Mittelpunkt, die in der deutschsprachigen Literatur als Preußisch-Litauen, in der litauischen Literatur als Kleinlitauen (Mažoji Lietuva) bezeichnet wird.
Es bietet einen eingehenden Überblick über die historisch litauisch geprägte Region Ostpreußens und dokumentiert die Eigenart dieses Landstriches, die sich durch die enge deutsch-litauische Symbiose und die intensive gegenseitige kulturelle Beeinflussung herausgebildet hat. Sein Aufbau ist dreigeteilt. Der erste Teil bietet thematisch gegliedert überblicksartige Darstellungen zu Geschichte, Sprache, Kultur und Literatur Preußisch-Litauens. Teil 2 und Teil 3 sind in Form eines Lexikons gestaltet. Der zweite Teil bietet Artikel zu den wichtigsten Orten Preußisch-Litauens und des Samlandes. Der dritte Teil umfasst Biogramme zu bedeutenden litauischen Persönlichkeiten und Persönlichkeiten deutscher und anderer Herkunft, deren Wirken in besonderer Weise mit der Region Preußisch-Litauen verbunden ist. Dem enzyklopädischen Handbuch sind Indices der Personennamen, Ortsnamen und Sachbegriffe beigegeben.

Freitag, 2. November 2018

Helmuth Reske: Fremde Heimat Kurland

Eine Familiengeschichte. Tredition Verlag, Hamburg 2018, 492 Seiten. ISBN: 978-3-7439-2390-4, 18.00 Euro.

Verlagsinfo:
Die Geschichte meiner Großeltern und meines Vaters beginnt mit einem Rückblick auf die Siedlerzeit in Wolhynien (Ukraine) und konzentiert sich im ersten Teil auf die dramatische Umsiedlung im Jahr 1908 nach Kurland. Eingeladen von einem baltischen Baron und angetrieben von der jahrzehnte alten Sehnsucht nach eigenem Grund und Boden überlebt die Familie den 1. Weltkrieg, der im westlichen Teil von Lettland fast bürgerkriegsähnliche Zustände erreicht.

Nach dem frühen Tod des Vaters und der ältesten Tochter gelingt es der Mutter trotz mehrerer Umsiedlungen die Familie in der turbulenten Nachkriegszeit zusammenzuhalten, bis schließlich 1922 die Ausreise in die noch unbekannte Heimat Deutschland möglich wird.

Dienstag, 23. Oktober 2018

Maarja Kangro: Kind aus Glas

Aus dem Estnischen von Cornelius Hasselblatt (Originaltitel: "Klaaslaps", Nähtamatu Ahv 2016). 218 Seiten, Kommode Verlag, Zürich 2018. ISBN 978-39524626-8-3, EUR 19.90.

Verlagsinfo:

„Kind aus Glas“ ist ein schonungsloser Bericht über den Verlust eines ungeborenen, lang erwarteten Kindes, vor dem Hintergrund der politischen Unruhen in der Ukraine und öffentlicher Debatten in Estland. Maarja Kangro geht die Themen Tod, Trauma, Leiden und das „bittere“ Erlebnis der Demut vor der Existenz mit düsterem, sarkastischem Humor an. Gleichzeitig legt sie sensibel und mit fast chirurgischer Präzision die innere Not frei.

Freitag, 5. Oktober 2018

Kristina Wuss: Verwobene Kulturen im Baltikum

Zwei Musikgeschichten in Lettland von 1700 bis 1945. Isensee Verlag Oldenburg 2018, 228 Seiten. ISBN: 978-3-7308-1478-9, 12.00 Euro.

Verlagsinfo:
Das Buch führt in eine reizvolle Gegend Europas, nach Lettland, wo sich über die Jahrhunderte ein intensives Musikleben herausbildete.
Die immensen Leistungen der deutschen Musikkultur trafen dabei auf die eigenständige Kraft des lettischen Daina-Liedschatzes, der heute zum Weltkulturerbe zählt. Gemeinsame musikalische Momente, und noch öfters Ungleichzeitiges aus der Kulturgeschichte beider Völker werden in der Betrachtung miteinander verwoben.
Die Begegnungen mit dem Beethoven-Freund Carl Amenda, dem Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz, dem Theatergründer Otto Hermann von Vietinghoff, die Reiseeindrücke von Clara und Robert Schumann oder Richard Wagners Livländische Tonart sowie die Berichte von den ersten lettischen Liederfesten, der Entstehung der lettischen Nationaloper „Feuer und Nacht“ des Komponisten Janis Mediš u. v. a. m. schaffen eine Sichtweise, die die wechselseitigen Einflüsse zwischen den unterschiedlichen Kulturen erkennbar macht und die Rolle der Deutschbalten würdigt. Gestützt auf anschauliche Belege und vielsprachiges Archivmaterial betritt die Monographie wissenschaftliches Neuland.

Sonntag, 2. September 2018

Lauris Gundars: Hallo Walfisch!

Eine Erzählung aus Lettland. Illustrationen von Anete Melece. Aus dem Lettischen von Matthias Knoll. Baobab Books, Basel 2018. (Titel der Originalausgabe: "Sveiks, Vali!", Verlag Liels un mazs 2017). 88 Seiten, ISBN 978-3-905804-87-4, CHF 21.80 / € (D) 15,90 / € (A) 16,40.
Ab 8 Jahren.

Verlagsinfo:
Diese Geschichte handelt von Mücke und Walfisch. Die beiden haben auch normale Namen, aber Mückes Spitznamen hat Walfisch erfunden und Walfischs Spitznamen Mücke. Doch das ist schon lange her, und darum geht es in dieser Geschichte nicht. Der Großvater und seine Enkelin sind im lettischen Riga zuhause und verbringen oft und gerne Zeit miteinander.
Es gibt immer vieles, das Mücke beschäftigt. »Walfisch, warum grüßt du die Menschen nicht?«, fragt sie eines Tages geradeheraus. Ihr war beigebracht worden, immer und überall zu grüßen, sogar den unwirschen Verkäufer im Eckladen. Der Großvater ringt um eine Erklärung, doch die erscheint Mücke nicht plausibel. Sie rückt nicht mehr von ihrem Plan ab: Der Großvater muss lernen zu grüßen, auch wenn das in früheren Zeiten so ganz und gar nicht üblich gewesen war. Und wenn sich Mücke etwas in den Kopf gesetzt hat, dann …
Der umtriebige lettische Autor und Regisseur Lauris Gundars lässt uns die gewitzte Mücke und den etwas brummigen Walfisch im Nu ans Herz wachsen. Anete Melece versetzt uns mit ihren markanten Filzstiftstrichen  in den Stadtpark von Riga. Und so hören wir Großvater und Enkelin auf der Parkbank beim Parlieren, Streiten und Sich-Versöhnen zu.

Mittwoch, 1. August 2018

Viivi Luik: Schattenspiel

Roman. Aus dem Estnischen von Cornelius Hasselblatt. 272 Seiten, Wallstein Verlag 2018. ISBN: 978-3-8353-3339-0, € 22,00 (D) | € 22,70 (A).

Verlagsinfo:
Ein Streifzug durch die Ewige Stadt und ein Spaziergang durch Europas vielfältige Geschichte.
In »Schattenspiel« ist Rom einerseits mythischer Sehnsuchtsort, anderseits eine lebendige, von liebenswerten und skurrilen Gestalten bevölkerte Stadt. Die Erzählerin trifft auf Pastoren und Bettlerinnen, auf geliebte Hühner und gerissene Taschendiebe.
Mit viel Humor schildert sie das Leben an der Seite eines estnischen Diplomaten, und blickt dabei zurück auf ihre Zeit in Berlin und die Kindheit im stalinistischen Estland.
Viivi Luik lässt ihre Protagonistin in einer Welt lange nach Fall des Eisernen Vorhangs unterwegs sein. Zwar sind die Erinnerungen an frühe Erfahrungen, in denen Rom nur ein unerreichbarer Traum war, noch ganz plastisch. Doch stets gab die Ewige Stadt einen Maßstab ab, eine Richtung vor.
Als der Traum endlich Wirklichkeit wird, ist die Erzählerin eine »gestandene« Frau, die schon in anderen Ländern Europas gelebt hat, nicht nur besuchsweise, sondern beruflich und über Jahre. Sie kennt sich aus, aber hier, am verzauberten Ort, trifft Traum auf raue Wirklichkeit, etwa wenn bei Wohnungsbesichtigungen römisches Temperament und nordisches Gemüt aufeinanderprallen. Das ist so abenteuerlich wie hochkomisch. Überhaupt scheint die Nord-Süd-Trennung durch die Alpen viel einschneidender (und plausibler) als ein abstrakter Ost-West-Gegensatz.
Viivi Luik hat mit leichter Hand einen europäischen Roman geschrieben, der durch einen fremden Blick auf das Vertraute besticht.

Viivi Luik, geb. 1946 in Tänassilma / Estland, arbeitete als Bibliothekarin und Archivarin, heute lebt sie als freiberufliche Schriftstellerin in Tallinn. Sie war Stipendiatin in Finnland,Lettland, Deutschland, Schweden und Italien. Sie hat zehn Gedichtbände, Essays, Kinderbücher und drei Romane veröffentlicht, darunter »Der siebte Friedensfrühling« (1985; deutsch 1991), der in zehn Sprachen übersetzt wurde, und »Die Schönheit der Geschichte« (1991, deutsch 1995, Übersetzungen in über ein Dutzend Sprachen). In ihren ersten beiden Romanen beschäftigte sich Viivi Luik mit der Zeit des Stalinismus und der Stagnation in Estland und den verheerenden Auswirkungen auf das individuelle Dasein von Kindheit und Jugend an. Viivi Luik gehört zu den bedeutendsten estnischen Schriftstellerinnen der Gegenwart.

Dienstag, 10. Juli 2018

Karsten Brüggemann / Norbert Angermann: Geschichte der baltischen Länder

Reclam Verlag, Ditzingen 2018. ISBN: 978-3-15-011167-3. 360 Seiten, 29 Euro.

Verlagsinfo:
Seit 1989/90 sind die aus der Konkursmasse der Sowjetunion wieder erstandenen baltischen Staaten Lettland, Litauen und Estland neu in unser Blickfeld gerückt. Alle gehören der EU an, Riga war 2014 Kulturhauptstadt Europas, der Ostseetourismus boomt, Estland nimmt eine Spitzenstellung in der Digitalisierung ein. Um die aktuellen Entwicklungen verstehen zu können, ist der Blick in die Geschichte unabdingbar. Seit dem Mittelalter waren diese Länder eng mit ihren westlichen Nachbarn verflochten: Namentlich zur Blütezeit der Hanse war der deutsche Einfluss stark, Litauen war jahrhundertelang mit Polen verbunden, seit dem 17. Jahrhundert beherrschten Schweden und Russland den Raum. Alle so gern in einen Topf geworfenen Länder hatten dabei ihre je eigene Historie: auch das lässt sich mithilfe dieses Buchs begreifen.

Norbert Angermann (emeritierter Professor für Osteuropäische Geschichte der Universität Hamburg), Karsten Brüggemann (Professor für Estnische und Allgemeine Geschichte an der Universität Tallinn).

Samstag, 7. Juli 2018

Liebes Mienel ...

Der Kapellmeister Richard Wagner an seine Frau. Edition Eichhorn, Berlin. ISBN 978-3-8442-4590-5, 124 Seiten, 12,99 Euro.

Verlagsinfo:
Die Sängerin und Schauspielerin Minna Planer begleitete den berühmten Kapellmeister und Opernkomponisten Richard Wagner auf dem Weg seiner kreativsten Schaffensphase.
Wir folgen ihr und seinen Briefen von Magdeburg über Königsberg und Riga nach Paris und Dresden, verfolgen das häusliche Leben mit seinen Alltäglichkeiten und begleiten die beiden auf einem Weg, der, wie vieles bei Richard Wagner, in der Flucht endete.

Donnerstag, 21. Juni 2018

Bagdonavicius / Martisiute-Linartiene / Storost / Danys: Vydunas und Deutsche Kultur

Vacys Bagdonavicius, Ausra Martisiute-Linartiene, Brita Storost, Miroslav Danys:
Vydunas und Deutsche Kultur. Neue Perspektiven zum 150. Geburtstag des preußisch-litauischen Brückenbauers und 100. Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung Litauens
Reihe: Geschichte: Forschung und Wissenschaft, Bd. 58, 2., erweiterte Auflage, LIT Verlag, Münster 2018. 296 Seiten, 39.90 EUR (39.90 CHF), ISBN 978-3-643-13987-0.

Verlagsinfo:
"Vydunas übertraf alle Persönlichkeiten der litauischen nationalen Wiedergeburt durch seine feste Überzeugung, dass die nationale Identität nicht ein Ziel für sich, sondern eine Voraussetzung für die Entfaltung der Menschlichkeit sei." (Vacys Bagdonavičius, Ehrenvorsitzender der Vydunas Gesellschaft)
"Für das Verhältnis zwischen Deutschen und Litauern hat er Hervorragendes geleistet. Er hat eindrucksvoll die Idee der Völkerverständigung vertreten." (Matthias Mülmenstädt, Deutscher Botschafter in Litauen)

Wilhelm Storost Vydunas, geb. 1868 in Jonaten, Ostpreußen, Preußisch-litauischer Nationaldichter, Linguist, Philosoph und Theosoph, verfolgt durch das NS-Regime, ab 1944 auf der Flucht vor den Sowjets, ab 1946 Bürger in Detmold, dort verstorben 1953. Nach der Erklärung der Litauischen Unabhängigkeit exhumiert und überführt zum Nationalfriedhof am Sagenberg Rambynas (Rombinus) in Litauen.

Freitag, 15. Juni 2018

Małgorzata Szejnert: Das Beet des Zaddiks

Reportage. Aus dem Polnischen von Benjamin Voelkel. Reihe: Göttinger Sudelblätter (hg. von Heinz Ludwig Arnold, Thorsten Ahrend und Thedel v. Wallmoden), 64 Seiten, Wallstein Verlag, Göttingen 2018. ISBN: 978-3-8353-3262-1, € 12,90 (D) | € 13,30 (A)

Verlagsinfo:
»Das Beet des Zaddiks« erzählt über jüdisches Leben vom Mittelalter bis heute in Polesien, einem großen Sumpfgebiet zwischen den Flüssen Bug und Pripjat, das im Mittelalter zur Kiewer Rus und später zu Polen-Litauen gehörte. Heute ist es ein Teil von Weißrussland.
Die Autorin gibt in ihrer eindringlichen literarischen Reportage einen tiefen Einblick in die Geschichte der osteuropäischen Juden und thematisiert zugleich ganz und gar Heutiges, indem sie ihr eigenes Schicksal mit Verweisen auf das historische Geschehen verwebt.
Magorzata Szejnert erzählt Lebensgeschichten einiger Familien aus Pinsk, einer weißrussischen Stadt nahe der ukrainischen Grenze. Sie schafft damit Momentaufnahmen einer komplexen großen Weltgeschichte und verdeutlicht so, warum diese Gegend im Osten Europas vor allem als »Bloodlands« in Erinnerung geblieben ist.

Montag, 11. Juni 2018

Karsten Brüggemann: Licht und Luft des Imperiums

Legitimations- und Repräsentationsstrategien russischer Herrschaft in den Ostseeprovinzen im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Veröffentlichungen des Nordost-Instituts, Band 21. Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2018, 536 Seiten, ISBN 978-3-447-10820-1. 53,00 Euro [D] / 54,50 Euro [A].

Verlagsinfo:
Das Verhältnis Russlands zu den baltischen Staaten ist seit Jahrhunderten ein Kernproblem der nordosteuropäischen Geschichte. Diese Studie untersucht erstmals detailliert den Wandel der russischen Perzeption von Land und Leuten an der Ostseeküste im 19. Jahrhundert. Galt die Region unter Nikolaus I. noch als der wertvollste Besitz der Krone, da sie das russische Imperium - nicht zuletzt aufgrund der deutschen Dominanz - zu einem wahrhaft europäischen Staat machte, war unter dem Einfluss des russischen Nationalismus eine bemerkenswerte Verschiebung zu registrieren. Seit etwa der Mitte des Jahrhunderts und verstärkt nach der Gründung des Deutschen Reiches 1871 erklärten russische Intellektuelle die Region zu einem potenziellen Gefahrenherd für das Imperium. Verständlich wird diese Umwertung durch den mentalen Aneignungsprozess, in dem russische Eliten die Ostseeprovinzen als einen legitimen russischen Besitz definierten - mit geografischen, historischen und kulturellen Argumenten. Diese mentale Russischmachung, die weitaus wirkungsmächtiger war als jedwede spätere „Russifizierungspolitik“ der Regierung, ließ die deutsche Vormacht als illegitim erscheinen und machte aus Esten und Letten potenzielle Bündnisgenossen für die Festigung der russischen Sache an der Ostsee. Neben intellektuellen Auseinandersetzungen mit dem Ort der Ostseeprovinzen im Imperium nutzt diese Studie Reiseberichte, literarische und ethnografische Arbeiten sowie Erinnerungen als Quellen, um dem Bild, das sich das späte Zarenreich von Est-, Liv- und Kurland machte, auf die Spur zu kommen.

Samstag, 2. Juni 2018

Mark Greaney: Die Macht des Präsidenten

(Tom Clancy). Thriller. Aus dem US-Amerikanischen von Karlheinz Dürr und Reiner Pfleiderer. Originaltitel: Commander in Chief (A Jack Ryan Jr. Novel, Originalverlag: Putnam). Heyne Verlag / Verlagsgruppe Random House, München 2018, 816 Seiten. ISBN: 978-3-453-27114-2. € 28,00 [D], € 28,80 [A] |, CHF 38,90.

Verlagsinfo:
Eine schwimmende Erdgasanlage vor der litauischen Küste explodiert nach einem Bombenanschlag. Ein venezolanischer Staatsanwalt wird gemeuchelt. Bei einem Handstreich gegen einen russischen Truppenzug gibt es Dutzende Tote. Eine anarchische Welt ist die beste Tarnung, den eigentlichen Plan mit scheinbar zusammenhanglosen Übergriffen zu verschleiern. Nur ein Mann erkennt das Muster hinter all den perfiden Terroranschlägen rund um die Welt. Kann US-Präsident Jack Ryan den skrupellosen Drahtzieher zur Strecke bringen – oder stürzt das gestörte Gleichgewicht der Kräfte die Welt ins bodenlose Chaos?

Tom Clancy hatte mit seinem ersten Thriller, Jagd auf Roter Oktober, auf Anhieb internationalen Erfolg. Der Meister des Techno-Thrillers stand seitdem mit allen seinen großen Büchern an der Spitze der internationalen Bestsellerlisten. Tom Clancy starb im Oktober 2013.

Mark Greaney hat Internationale Beziehungen und Politikwissenschaften studiert. Als Koautor von Tom Clancy hat er zu Recherchezwecken mehr als 15 Länder bereist und an Militär- und Polizeiübungen teilgenommen.

Mittwoch, 2. Mai 2018

Ivars Ījabs, Jan Kusber, Ilgvars Misāns, Erwin Oberländer: Lettland 1918 - 2018

Ein Jahrhundert Staatlichkeit. Ferdinand Schönigh-Verlag, Paderborn 2018. 272 Seiten,
ISBN: 978-3-506-78905-1, EUR 39.90 / CHF 48.70. 

Verlagsinfo:
Ein informatives und fundiertes Panorama der lettischen Geschichte und Kultur, Wirtschaft und Politik seit der Unabhängigkeitserklärung 1918.
Die Republik Lettland, heute EU- und NATO-Mitglied, wurde 1918 mit großen Hoffnungen und demokratischen Zielsetzungen ins Leben gerufen, geriet aber unter sowjetische, nationalsozialistische und sowjetische Herrschaft, ehe sie 1990 wieder unabhängig wurde. Ausgewiesene Expertinnen und Experten aus Lettland, Deutschland und Dänemark bieten in diesem Band einen Überblick über die wichtigsten Zäsuren und Themen des ersten Jahrhunderts lettischer Staatlichkeit. 

Montag, 2. April 2018

Gina Ochsner: Die versteckten Briefe

DTV, München 2018, aus dem amerikanischen Englisch von Pociao (Originaltitel: "The hidden letters of Belta B.", New Yorck 2016). ISBN 978-3-423-28154-6, 398 Seiten, 24 Euro.

Verlagsinfo:
Eine rostige Blechdose mit Briefen? Eigentlich wollte der zwölfjährige Maris nur den Familienstammbaum sehen. Doch Inara beschließt, ihrem Sohn endlich die tragische Geschichte ihrer Familie anzuvertrauen. Sie weiß: Bei Maris, der mit seinen großen Ohren sogar die Geheimnisse der Toten zu hören vermag, ist sie gut aufgehoben. Und so erzählt sie: von Urgroßvater Oskars, der nach Sibirien verbannt wurde, weil er eine Bibel besaß; von Urgroßvater Ferdinands, der in ein Arbeitslager verschleppt wurde; von Aalfang bei Mondschein, heimlichen Küssen beim Sonnenwendfest – und von der Briefeschreiberin Velta, über die es hieß: Schweigen habe diese Frau verzehrt, als hätte sie einen Ozean aus Stille verschluckt.

Mittwoch, 14. März 2018

Kestutis Kasparavičius: Florentinus der Gärtner

Verlag Freies Geistesleben & Verlag Urachhaus, 1. Auflage 2018. Aus dem Litauischen von Saskia Drude. Format: 21.8 x 24.5 cm, 64 Seiten. ISBN 978-3-8251-5148-5, 18 Euro.

Verlagsinfo:
Florentius ist ein wahrer Meistergärtner. Seine wunderbaren Rosen in allen Farben sind im ganzen Land beliebt – vor allem bei seiner hübschen Nachbarin. Eines Tages bittet die Königin ihn, eine schwarze Rose für sie zu züchten. Zum Glück findet er ein Geheimrezept, doch als er es ausprobiert, erlebt er eine riesige Überraschung. Florentius muss eine Entscheidung fällen!
Eine feinsinnige und bewegende Garten- und Freundschaftsgeschichte des litauischen Meister-Illustrators Kęstutis Kasparavičius.

Donnerstag, 1. März 2018

Wilhelm Storost Vydunas: Sieben Hundert Jahre deutsch-litauischer Beziehungen

Kulturhistorische Überlegungen. Dritte Auflage zum 150. Geburtstages des Autors (Erstausgabe 1932). Herausgegeben von Brita Storost, Koordination: Miroslav Danys. LIT-Verlag, Münster. Erschienen in der Reihe "Geschichte - Forschung und Wissenschaft", Bd. 53, 2017, 428 Seiten, ISBN 978-3-643-13683-1. 49.90 EUR, 49.90 CHF.

Verlagsinfo:
Wilhelm Storost Vydunas war ein litauischer Preuße beider Kulturen, der deutschen und der litauischen. Die Erstauflage dieses Werkes (Tilsit 1932) wurde nach der Nazi-Machtübernahme noch vor dem Ausliefern auf den Buchmarkt fast vollständig vernichtet. Er selbst ist dem Inferno des Zweiten Weltkrieges nur knapp entkommen. Vydunas, Ehrenmitglied des PEN-Clubs, seine edle Persönlichkeit und sein uvre, das 60 deutsche und litauische Werke fast aller literarischen Gattungen umfasst, zählt zum Bedeutendsten, was die Litauer aus den Flammen des Krieges und vor der "Sowjetisierung" retten und bewahren konnten.

Wilhelm Storost Vydunas, geb. 1868 in Jonaten, Ostpreußen; Preußisch-litauischer Nationaldichter, Linguist, Philosoph und Theosoph, verfolgt durch das NS-Regime, ab 1944 auf der Flucht vor den Sowjets, ab 1946 Bürger in Detmold, dort verstorben 1953 (1991 exhumiert und überführt zum Rambynas (Bitthenen) in Litauen).

Mittwoch, 28. Februar 2018

Indrek Koff / Ulla Saar: Einen Tag ganz brav

Kinderbuch ab 4 Jahren von Indrek Koff (Autor) und Ulla Saar (Illustratorin). Empfohlenes Alter: ab 4 Jahren. 56 Seiten, aus dem Estnischen von Carsten Wilms. Kullerkupp Verlag, Berlin 2018. ISBN: 978-3-947079-05-6, 15,90 Euro.

Verlagsinfo:
Lena und Oskar haben lange geschlafen und freuen sich auf einen freien Mittwoch zu Hause mit ihrer Oma. Sie beschließen, einmal ganz brav zu sein und den Erwachsenen viel Freude zu machen. Ob es ihnen gelingt, ihre Pläne in die Tat umzusetzen – und ob Mama und Papa davon begeistert sind?
„Einen Tag ganz brav“ erzählt mit viel Humor dieselbe Geschichte sowohl aus Sicht der Kinder als auch mit dem Blick der Eltern. Ein liebevolles Buch über das manchmal nicht einfache Zusammenleben in der Familie.
Indrek Koff und Ulla Saar sind die Stars der Kinderbuchszene in Estland. „Einen Tag ganz brav“ wurde 2016 unter die fünf schönsten estnischen Kinderbücher gewählt.

Mittwoch, 21. Februar 2018

Giedrė Jankevičiūtė: Eine andere Geschichte des Kinderbilderbuchs

Vom sowjetischen Litauen bis nach Indien. Giedrė Jankevičiūtė, V. Geetha, Helmut Wolf, Elena Rittinghausen. Tara Books, Indien, 2017, in Zusammenarbeit mit dem Lithuanian Culture Institute, Vilnius. 270 x 240 mm, 176 Seiten, ISBN 978-93-83145-68-3, 42.00 €.

Verlagsinfo:
Ausgehend von der globalen Schlüsselrolle der ehemaligen Sowjetunion will dieses Buch eine neue Vorstellung von der Geschichte des Bilderbuchs formen. Es ist das Resultat einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit zwischen Indien und Litauen. Im Zentrum stehen dabei die Auswirkungen der Anstrengungen, welche die Sowjetunion auf dem Gebiet des Bilderbuchs unternahm und die weltweit spürbar waren. Während einer bestimmten Phase der Geschichte waren sowjetische Bücher, auf Englisch und anderen Landessprachen, in Indien leicht verfügbar und sehr preiswert zu haben. Das veränderte die Leseerfahrung und das Leseverhalten indischer Kinder. Dieser Literaturexport war ein essentieller Bestandteil der Bemühungen der Sowjetunion, ihre sozialistische Kultur weltweit zu verbreiten. Doch wie das Beispiel Litauens zeigt, sahen sich zur gleichen Zeit Länder unter sowjetischer Herrschaft mit einer hochgradig problematischen Art der kulturellen „Globalisierung“ konfrontiert.
Für dieses Buch wurde ein umfangreiches Bildarchiv erschlossen; Abbildungen reichen von der Kunst des Sozialistischen Realismus bis hin zu klassischen Beispielen des Primitiven Modernismus in Litauen. Viele dieser Bilder sind zum ersten Mal in einer englisch- und deutschsprachigen Publikation zu sehen.

Freitag, 2. Februar 2018

Tanya Lieske: Mein Freund Charlie

Roman. 171 Seiten, empfohlen ab 10 Jahren. Beltz Verlag (Jugendbuch), Weinheim 2017. ISBN 978-3-407-82321-2, 12,95 €.

Verlagsinfo:
Niks lernt Charlie kennen, als er mit seinem Vater Mahris für mehrere Wochen von Riga nach Deutschland kommt. Während Mahris Arbeit sucht, streunen die Jungen durch die Stadt und Charlie zeigt Niks, was er besonders gut kann: sich unsichtbar machen. Egal, ob in einer Menschenmenge oder in einem Geschäft, manchmal ist Charlie einfach weg. Oft sind dann auch Portemonnaies, Skateboards oder anderes Zeugs verschwunden. Niks ist fasziniert von Charlies Talent ...

Ermöglicht durch ein Stipendium der Kunststiftung NRW.
Webseite der Autorin

Samstag, 27. Januar 2018

Ilmar Taska: Pobeda 1946

Roman. Aus dem Estnischen von Cornelius Hasselblatt. Kommode Verlag, Zürich 2017, 300 Seiten, ISBN 978-3-9524626-4-5, EUR 19.90.

Verlagsinfo:
1946. Der eiserne Vorhang teilt Europa. Die Ohren und Augen des Geheimdienstes sind überall. Der sechsjährige Junge weiß nichts davon, als er in den faszinierenden Pobeda steigt. Er gerät in die Fänge des Geheimdienstes und wird gnadenlos instrumentalisiert. Unwissentlich verrät er seinen Vater, der dem Widerstand angehört. Als auch noch seine Mutter verschwindet, ist er in diesem totalitären System auf sich allein gestellt.
Gleichzeitig versuchen der britischer BBC Radiomoderator Alan und die estnische Opernsängerin Johanna ihre Liebesbeziehung aufrecht zu erhalten. Ihre Briefe werden vom Geheimdienst abgefangen. Die Ausreise aus dem Land ist fast unmöglich, eine Einreise ebenso. Trotz den widrigen Umständen planen sie ein Treffen in Moskau.

Bildhaft, und mit hervorragend platzierten Szenenwechseln, inszeniert Ilmar Taska die einzelnen Charaktere und ihre inneren Konflikte. Der Roman liest sich gleichermaßen als Zeitdokument wie auch als hochspannender Thriller.

Mittwoch, 24. Januar 2018

Loos / Furmane: Musikstadt Riga

Helmut Loos | Lolita Furmane | Klaus Wolfgang Niemöller (Hrsg.), Klaus-Peter Koch (Redaktion): Musikstadt Riga im europäischen Kontext. Deutsch-lettische Wechselbeziehungen im 19. und 20. Jahrhundert. Bericht über das Symposion Riga 3.–4. Oktober 2014. Edition IME 16, Band 16, im Auftrag des Instituts für deutsche Musikkultur im östlichen Europa e.V., Studiopunkt Verlag Sinzig 2017. 292 Seiten, mit 50 Notenbeispielen und Abbildungen, ISBN 978-3-89564-176-3, 44.00 EUR [DE] | 45.30 EUR [AT] | 46.00 EUR [CH].
Mit Beiträgen von: Arnolds Klotinš | Lolita Furmane | Matthias Wendt | Thomas Synofzik | Kazuko Ozawa | Klaus-Peter Koch | Heinrich Aerni | Helmut Loos | Baiba Jaunslaviete | Hartmut Krones | Klaus Wolfgang Niemöller | Alida Zigmunde | Helmut Scheunchen | Liga Petersone | Andreas Waczkat.

Verlagsinfo:
Dieser Sammelband publiziert Aufsätze zur Rigaer Musik- und Theatergeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert.
Im Jahr 2014 trug Riga den Titel Kulturhauptstadt Europas. Dies gab den Anlass für ein lettisch-deutsches Symposion, in dem aktuelle Ergebnisse einer langjährigen Forschungszusammenarbeit präsentiert wurden. Vorgestellt und ausgewertet wurden dabei jüngst erschlossene Quellen zur Musikgeschichte der Stadt. Zahlreiche Musikerbiographien und historische Quellen belegen die vielfältigen, historisch gewachsenen musikkulturellen Verbindungen zwischen dem westlichen und östlichen Europa. Der Sammelband umfasst quellenkundliche, biographische, interpretations- und rezeptionsgeschichtliche Studien zur Rigaer Musik- und Theatergeschichte vom 17. bis zum 20. Jahrhundert.

Donnerstag, 28. Dezember 2017

Daugaviņš / Viška / Sirmais: Mit Weißbär in der Küche


Verlagsinfo:
Die Hauptfigur dieses Buches ist ein Eisbär mit sechs Pfoten. Schließlich findet er heraus, dass seine sechs Pfoten perfekt sind, um alle seine bunten Ideen in der Küche als Koch auszuprobieren. Auf jeder Seite des Buches wird die Geschichte durch ein einfaches, aber interessantes Rezept ergänzt, das Kinder selbst nachkochen können.

Māra Viška ist ein Künstlerin, die eine besondere Gabe besitzt: Sie überträgt die im Alltag beobachteten Details in einen anderen Zusammenhang, verändert diese völlig und baut eine neue Geschichte darum. In dieser verwendet Māra Viška Rezepte, bunte Farbtöne und eine gute Prise Ironie.

Dienstag, 19. Dezember 2017

Matthias Dornfeldt / Enrico Seewald: Hundert Jahre deutsch-litauische Beziehungen

Husum Verlagsgruppe, Husum 2017. Hrsg.als Werk 47 der PRUSSIA-Schriftenreihe, 256 Seiten, ISBN 978-3-89876-901-3, 19,95 Euro.

Verlagsinfo:
Das vorliegende Werk ist die erste Gesamtdarstellung zum deutsch-litauischen Verhältnis in der Zeitspanne von der ersten Erwähnung des Namens Litauen in den Quedlinburger Annalen 1009 bis zur Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen vor rund 25 Jahren. Auf der Basis von meist unveröffentlichtem Archivmaterial schildert es das enge, aber auch wechselhafte Verhältnis benachbarter Völker. Das kürzlich im Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes aufgefundene Exemplar der Unabhängigkeitserklärung vom 16. Februar 1918 wird hier erstmals publiziert. Weitere sorgfältig ausgewählte Dokumente und Illustrationen lassen eine auch Gegenwart und Zukunft noch prägende Phase europäischer Geschichte anschaulich und lebendig werden.

Freitag, 1. Dezember 2017

Mikalojus Vilutis: Die Suppe

Essay über das Leben. Aus dem Litauischen von Cornelius Hell. KLAK Verlag, Berlin 2017.
ISBN 978-3-943767-75-9, 168 Seiten, 16,90 € (17,40 € A).
Verlagsinfo:
„Ich finde ein Ereignis aus dem Leben und nehme dieses wie ein Fleischer aus – ich studiere, erforsche, durchdenke es. Mein Ziel ist nicht, irgendwelche Wahrheiten auszusprechen, sondern den Prozess des Denkens zu genießen. Im Buch sage ich, dass die Welt die schönste von Gott geschaffene Reality-Show ist. Es ist sehr interessant, die Welt zu beobachten […].“ Vilutis nennt seine Texte „Überlegungen“, die er veröffentlichte, „um endlich die Gedanken loszuwerden, die meinen Kopf verstopften“. Leser, die diese „Suppe“ kosten und ihren Sinn für Humor noch nicht verloren haben, finden hier ungewöhnliche Gewürze und Zutaten: Vilutis verfeinert sein Werk mit vielen bunten Eindrücken, allesamt Abenteuer, die er im Laufe seines Lebens gesammelt hat. Er hadert und parliert im Dialog mit Gott, dem gegenüber sich Vilutis klar positioniert. Und selbstverständlich hat er sein Buch selbst illustriert.

Mikalojus Vilutis wurde 1944 im litauischen Vilnius geboren, ist Grafiker, Illustrator, Essayist, Begründer des Siebdrucks in Litauen. Er graduierte 1970 an der Kunstakademie Vilnius und hatte von 1989-2007 den Lehrstuhl für Graphik inne. Als Künstler ist er über Litauen hinaus anerkannt, seine Werke stehen im Kunstmuseum Litauen und werden privat gesammelt. Er gestaltete Exlibris, Plakate, illustrierte zahlreiche Bücher und schuf kleine Skulpturen. 2004 wurde Vilutis für seine Siebdruckzyklen der Nationalpreis für Kultur und Kunst verliehen. Im Verlag Tyto Alba in Vilnius erschienen seine Essaybände Tortas (Die Torte, 2009) und der hier auf Deutsch vorliegende Band Sriuba (Die Suppe, 2014).

Freitag, 17. November 2017

Vytautas Rinkevičius: Altpreußisch

Geschichte – Dialekte – Grammatik. Schriftenreihe der Gesellschaft für Baltische Studien. Baar Verlag, Zahna-Elster 2017, 255 Seiten, ISBN 978-3-935536-47-9, 48,00 €.

Verlagsinfo:
Da die letzte deutschsprachige Darstellung des grammatischen Systems des Altpreußischen und seiner Geschichte bereits Jahrzehnte zurückliegt, stellte eine dem heutigen Forschungsstand entsprechende altpreußische Grammatik in deutscher Sprache ein Desiderat dar, dem der vorliegende Band von Vytautas Rinkevičius Abhilfe schaffen möchte. Das ursprünglich auf Litauisch verfasste Buch, liegt nun in einer eigens für die Übersetzung revidierten Fassung vor und zeichnet sich durch zwei bislang nicht übliche Vorgehensweisen bei der Darstellung aus: durch die konsequent getrennte Behandlung der beiden Dialekte, des pomesanischen und des samländischen, in die sich die Sprache gliedern lässt, und die Darstellung ihres Akzent- und Intonationssystems im gesamtbaltischen Kontext. Abgerundet wird das Buch durch einige Lesestücke mit beigegebenen Faksimiles. Baltisten, Indogermanisten und Typologen sollten auf das Buch ebenso wenig verzichten können wie deren Studierende, die die übersichtliche und dennoch informationsreiche Darstellung als Hilfe beim Einstieg ins Altpreußische schätzen werden.

Donnerstag, 16. November 2017

Horst Decker: Ich habe mich nur der Kunst gewidmet

Vom NS-Täter zum Ehrenbürger. Horst Decker kommentiert die Briefe eines KZ-Kommandanten. Lorbeer-Literaturverlag, Bielefeld 2017, 388 Seiten, ISBN 97839389695496, 19,95€.

Verlagsinfo:
Er hätte wohl sein düsteres Geheimnis mit ins Grab genommen, wenn ihn nicht seine Briefe aus den Kriegsjahren überdauert hätten. Als Offizier einer Luftwaffen-Baukompanie war ihm nach seiner Stationierung in Italien und Königsberg im Sommer 1944 die Lagerleitung eines litauischen KZ- Lagers in Ponewesch (Panevėžys) übertragen worden. Die Juden, die für den Flugplatzausbau benötigt wurden, hatte er persönlich herbeigeholt und später auch ins KZ Stutthof bei Danzig evakuiert. Von dort wurden sie zu großen Teilen zum Vernichtungslager Auschwitz oder in Arbeitstransporte ins KZ Dachau eingereiht und auf Nebenlager verteilt. Nach dem Krieg tilgt der Maler und Kunsthändler dieses schuldhafte Kapitel aus seiner Biographie und wird Ehrenbürger seiner Stadt. Obwohl seine militärische Karriere klar nachvollzogen werden kann, will er sich seit 1937 ausschließlich seiner Kunst gewidmet haben. Seine Briefe widerlegen das und beweisen seine Schuld an nationalsozialistischen Menschenrechtsverbrechen. Horst Decker ist die verdienstvolle Arbeit der Kommentierung und Einbettung dieser Briefe in ein historisches Geschehen zu verdanken. Dabei wird insbesondere auch die Liquidierung des Ghettos bzw. Konzentrationslagers Schaulen (Šiauliai) durch die Sipo Kauen (Kaunas) detailliert beleuchtet und Zeitzeugen das Wort erteilt. Das Buch wird durch statistische Auswertungen zur Lagersterblichkeit und eine Häftlingsliste ergänzt; das Unrecht und der Holocaust in Litauen somit dem Vergessen entrissen.

Horst Decker ist Kurator und Ausstatter von Museumsausstellungen mit den Schwerpunkten "Deutsche Nachkriegszeit", "Holocaust und Zwangsarbeit" sowie "Technik- und Sozialgeschichte".