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Dienstag, 4. Juni 2024

Bianca Schaalburg: Der Duft der Kiefern

Meine Familie und ihre Geheimnisse. Text & Zeichnung: Bianca Schaalburg. Avant Verlag, Berlin. 208 Seiten, ISBN: 978-3-96445-058-6, 26,00 €. 

Verlagsinfo:
In Der Duft der Kiefern taucht die Berliner Autorin in ihre Kindheit ein und stößt dabei auf Verdrängung und Lügen. Was hat ihr Großvater Heinrich, angeblich als Buchhalter bei der Wehrmacht in Riga stationiert, von den Gräueltaten der Nazis gewusst? War er vielleicht selbst beteiligt? Bald stellt sich die Frage nach der Mitschuld ihrer Familie. Sie erfährt, dass diese in einem Haus lebte, das ehemals von jüdischen Mitbürgern bewohnt war. Hat die Familie von der Vertreibung profitiert oder war sie gar dafür verantwortlich? Bianca Schaalburg recherchiert die Ereignisse und stellt die Frage nach Schuld und Verantwortung einer ganz normalen deutschen Familie.
Wir folgen ihrer detektivischen Spurensuche durch die Nazizeit, die Nachkriegsjahre bis zu den Stasi-Akten des Kalten Krieges und ins Jahr 1968, wo sich alles ändern sollte ...

Montag, 11. September 2023

Andrus Kivirähk: November

Aus dem Estnischen von Maximilian Murmann (Originaltitel: "Rehepap. Novembri esimene pool"). Illustriert von Veiko Tammjärv. Verlag Voland & Quist, Berlin / Dresden 2023. 144 Seiten, ISBN 978-3-86391-391-5, 30,00 Euro. 

Verlagsinfo:
»November« nimmt uns mit in ein namenloses Dorf in Estland, in eine Zeit, als die Esten den Deutsch-Balten als Leibeigene dienten, und zwar mit einer gehörigen Portion Bauernschläue und Zynismus. Die Bediensteten im Herrenhaus klauen alles, was nicht niet- und nagelfest ist und treiben damit regen Handel …
Veiko Tammjärvs Graphic Novel, basierend auf dem gleichnamigen Kultroman des estnischen Autors Andrus Kivirähk, vermischt Absurdes und Groteskes mit einem einzigartigen Humor und strotzt vor übersinnlichen Elementen, gespickt mit estnischer Folklore und Mythologie. Da gibt es etwa die Geister der Toten, die zu Allerseelen an den Familientisch geladen werden, den Teufel, den man beschwören kann und die Pest, die in mannigfaltiger Gestalt ihr Unwesen treibt. Und nicht zu vergessen sind die aus allen möglichen Haushaltsgegenständen gefertigten ›Kratts‹, die den Esten bei ihren Machenschaften gegen die Obrigkeit helfen.

Montag, 24. August 2020

Jurga Vilė: Sibiro Haiku

Eine Graphik-Novel aus Litauen. Jurga Vilė, Text, und Lina Itagaki, Illustration. Aus dem Litauischen und mit einem Nachwort von Saskia Drude. Baobab Books, Basel 2020. 242 Seiten, ISBN 978-3-907277-03-4. CHF 29.00 / € (D) 25,00 / € (A) 25,70. Ab 14 Jahre.

Verlagsinfo:
Ein Blick zurück: Litauen im Juni 1941. Das Land wurde vor Kurzem von sowjetischen Truppen besetzt. Eines Morgens wird Algis und seine Familie unsanft von sowjetischen Soldaten geweckt. Sie haben nur wenige Minuten Zeit, um zu packen. Algis nimmt seinen Ganter Martin unter den Arm und sein Vater drückt ihm einen Eimer Äpfel in die Hand. Dann werden sie mit vielen anderen Litauern in Eisenbahnwaggons gepfercht, ahnungslos, wohin die Reise gehen wird.
Die Endstation ist ein Lager in Sibirien. Die Bedingungen hier sind unmenschlich, der Hunger groß, die Winter bitter. Mit Galgenhumor und bemerkenswertem Ideenreichtum begegnet die Lagergemeinschaft ihrem Elend. Algis' Tante schwärmt für Japan und hat es geschafft, ein Buch mit japanischen Haiku ins Lager zu schmuggeln. Es ist nicht zuletzt diese karge Poesie, die die gefangenen Litauer nicht verzweifeln lässt. Und um ihr Heimweh zu lindern, gründen sie auch einen Chor: den Apfelchor. Apfelbäume wachsen in Sibirien zwar nicht, aber das Singen gibt der Hoffnung Auftrieb, dass dieser Albtraum bald vorüber sein wird. Schließlich gib es eine Vereinbarung, dass zumindest Kinder nach Litauen zurückdürfen. Und so entkommen Algis und seine Schwester dem Schrecken.
Jurga Vilė schildert diese ungeheuerliche Geschichte aus der kindlichen Perspektive von Algis – ihrem eigenen Vater. Die Illustratorin Lina Itagaki hat dazu eine einzigartige Bildwelt geschaffen, in welcher sich Text und Bild zu einem vielschichtigen und wahrlich aussergewöhnlichen Gesamtkunstwerk­ verweben. Ergreifend und ermutigend zugleich. In Litauen wurde das Werk mit zahlreichen Preisen geehrte, nun liegt es bei Baobab Books in deutscher Übersetzung vor.