Verlagsinfo:
In Der Duft der Kiefern taucht die Berliner Autorin in ihre
Kindheit ein und stößt dabei auf Verdrängung und Lügen. Was hat ihr
Großvater Heinrich, angeblich als Buchhalter bei der
Wehrmacht in Riga stationiert, von den Gräueltaten der Nazis
gewusst? War er vielleicht selbst beteiligt? Bald stellt sich die Frage
nach der Mitschuld ihrer Familie. Sie erfährt, dass diese in
einem Haus lebte, das ehemals von jüdischen Mitbürgern bewohnt
war. Hat die Familie von der Vertreibung profitiert oder war sie gar
dafür verantwortlich? Bianca Schaalburg
recherchiert die Ereignisse und stellt die Frage nach Schuld und Verantwortung einer ganz normalen deutschen Familie.
Wir folgen ihrer detektivischen Spurensuche durch die Nazizeit, die
Nachkriegsjahre bis zu den Stasi-Akten des Kalten Krieges und ins Jahr
1968, wo sich alles ändern sollte ...
Bereits seit 2007 stellt dieser Blog ins Deutsche übersetzte Publikationen aus Estland, Lettland und Litauen vor. Gleichzeitig werden Publikationen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren mit estnischen, lettischen oder litauischen Themen einbezogen. Wir möchten aufrufen, verschiedene Leseeindrücke auszutauschen. Die hier aufgeführten Bücher werden für eine Vorstellung in der Radiosendung BALTISCHE STUNDE (Radioweser.tv) vorgeschlagen.
Dienstag, 4. Juni 2024
Bianca Schaalburg: Der Duft der Kiefern
Montag, 11. September 2023
Andrus Kivirähk: November
Verlagsinfo:
»November« nimmt uns mit in ein namenloses Dorf in Estland, in eine Zeit, als die Esten den Deutsch-Balten als Leibeigene dienten, und zwar mit einer gehörigen Portion Bauernschläue und Zynismus. Die Bediensteten im Herrenhaus klauen alles, was nicht niet- und nagelfest ist und treiben damit regen Handel …
Veiko Tammjärvs Graphic Novel, basierend auf dem gleichnamigen Kultroman des estnischen Autors Andrus Kivirähk, vermischt Absurdes und Groteskes mit einem einzigartigen Humor und strotzt vor übersinnlichen Elementen, gespickt mit estnischer Folklore und Mythologie. Da gibt es etwa die Geister der Toten, die zu Allerseelen an den Familientisch geladen werden, den Teufel, den man beschwören kann und die Pest, die in mannigfaltiger Gestalt ihr Unwesen treibt. Und nicht zu vergessen sind die aus allen möglichen Haushaltsgegenständen gefertigten ›Kratts‹, die den Esten bei ihren Machenschaften gegen die Obrigkeit helfen.
Montag, 24. August 2020
Jurga Vilė: Sibiro Haiku
Verlagsinfo:
Ein Blick zurück: Litauen im Juni 1941. Das Land wurde vor Kurzem von
sowjetischen Truppen besetzt. Eines Morgens wird Algis und seine Familie
unsanft von sowjetischen Soldaten geweckt. Sie haben nur wenige Minuten
Zeit, um zu packen. Algis nimmt seinen Ganter Martin unter den Arm und
sein Vater drückt ihm einen Eimer Äpfel in die Hand. Dann werden sie mit
vielen anderen Litauern in Eisenbahnwaggons gepfercht, ahnungslos,
wohin die Reise gehen wird.
Die Endstation ist ein Lager in Sibirien.
Die Bedingungen hier sind unmenschlich, der Hunger groß, die Winter
bitter. Mit Galgenhumor und bemerkenswertem Ideenreichtum begegnet die
Lagergemeinschaft ihrem Elend. Algis' Tante schwärmt für Japan und hat
es geschafft, ein Buch mit japanischen Haiku ins Lager zu schmuggeln. Es
ist nicht zuletzt diese karge Poesie, die die gefangenen Litauer nicht
verzweifeln lässt. Und um ihr Heimweh zu lindern, gründen sie auch einen
Chor: den Apfelchor. Apfelbäume wachsen in Sibirien zwar nicht, aber
das Singen gibt der Hoffnung Auftrieb, dass dieser Albtraum bald vorüber
sein wird. Schließlich gib es eine Vereinbarung, dass zumindest Kinder
nach Litauen zurückdürfen. Und so entkommen Algis und seine Schwester
dem Schrecken.
Jurga Vilė schildert diese ungeheuerliche Geschichte
aus der kindlichen Perspektive von Algis – ihrem eigenen Vater. Die
Illustratorin Lina Itagaki hat dazu eine einzigartige Bildwelt
geschaffen, in welcher sich Text und Bild zu einem vielschichtigen und
wahrlich aussergewöhnlichen Gesamtkunstwerk verweben. Ergreifend und
ermutigend zugleich. In Litauen wurde das Werk mit zahlreichen Preisen
geehrte, nun liegt es bei Baobab Books in deutscher Übersetzung vor.


