Bereits seit 2007 stellt dieser Blog ins Deutsche übersetzte Publikationen aus Estland, Lettland und Litauen vor. Gleichzeitig werden Publikationen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren mit estnischen, lettischen oder litauischen Themen einbezogen. Wir möchten aufrufen, verschiedene Leseeindrücke auszutauschen. Die hier aufgeführten Bücher werden für eine Vorstellung in der Radiosendung BALTISCHE STUNDE (Radioweser.tv) vorgeschlagen.
Donnerstag, 22. August 2024
Manfred Stahnke: Aliutė Mečys
Verlagsinfo:
Aliute Mecys ist eine große, bisher ziemlich unbekannte Hamburger Malerin, die nach und nach eine immer tiefere Beziehung zu Litauen gewann. Sie wurde am 4. April 1943 in Koblenz als Kind einer deutschen Mutter und eines litauischen Vaters geboren und starb 2013 in Hamburg.
Sie spielt mit den Möglichkeiten und den "Spielen" des Sehens, und genau das sehe ich bei ihr als primär an, und gar nicht die Komponente einer persönlichen "Schreckensdarstellung". Diese erscheint nur auf einer ersten Oberfläche unseres Sehens. Mecys hat sich immer wieder in diese Richtung geäußert:
"Was ich male, ist für mich nicht makaber. Für mich ist das ganz real. Für mich sind das keine Erfindungen. Ich denke viel in Bildern, und ich sehe bildhaft vor mir, was ich höre oder lese."
Ich nehme Mecys gewissermaßen als sehr menschliches, sehr schmerzliches Beispiel für den heutigen Zusammenbruch aller liebgewordenen Klarheiten über unser Weltverständnis, und gleichzeitig auch für die Notwendigkeit, uns neu zu positionieren. Das betrifft unsere Sinne (Maturana) und das betrifft unser Weltkonzept (Lyotard). Beide haben für mich auch miteinander zu tun, und sie erklären den Freiheitsdrang von Mecys: Jean-François Lyotard sieht - und fordert letztlich - die Befreiung von alten ideologischen Denkmustern Europas. Humberto Maturana sieht ganz ähnlich das Zusammenbrechen einer alten Vorstellung, nämlich dass die Welt draußen kalt vor uns steht und wir deren Idee nur entblättern müssten. Im Gegenteil sind wir für ihn als Beobachter selbst die Erbauer der Welt. Durch Lyotard und Maturana können wir einen philosophisch-gesellschaftlichen und einen wissenschaftlich-psychologischen Zugang zu Aliute Mecys finden.
Mittwoch, 16. November 2022
Andrejs Urdze: Geschichte Annabergs und des BCSB / BCB
Informationen zum Buch:
Der Baltische Christliche Bund e.V. feiert 2022 sein 75-jähriges Bestehen und gleichzeitig ist das "Haus Annaberg" seit 70 Jahren im Besitz des BCB. Anlässlich dieses doppelten Jubiläums erscheint dieses Buch, das auf die verschiedenen Etappen der Geschichte des Bundes, sowie auch des Hauses zurückblickt.
Damit ist ein Projekt zu einem gewissen Abschlusses gebracht worden, das bereits vor mehr als 50 Jahren begonnen wurde. Einer der Gründungsmitglieder des damaligen Christlichen Studentenbundes - Paulis Kļaviņš hatte bereits in den 60iger Jahren des vorigen Jahrhunderts Material über die ersten Jahre des BCSB zusammengetragen und verfasst. Frau Dr. Rudzīte hat diese Arbeit anschließend fortgesetzt, ohne dass es aber zu einer Veröffentlichung gekommen ist. Deren Arbeit bildet so aber die Grundlage der Anfangskapitel dieses Buches. Die Quellen zur Vorgeschichte Annabergs sind gesondert aufgeführt.
Eine wichtige Quelle über die Jahre des Aufbruchs und das weitere Werden des Bundes, über die Anfangsjahre Annabergs war die lettischsprachige Zeitschrift des BCSB "Vēstnesis" (Der Bote). Hinzu kamen zahlreiche Protokolle, Kongressberichte, Briefe, Rundschreiben des BCSB, sowie Mitschriften von Frau Dr. Rudzīte. Der Darstellung der litauischen Aktivitäten auf Annaberg lagen einige Artikel der litauischen Zeitschrift des BCSB "Annabergo lapelis" (Das Annaberger Blättchen) zugrunde, sowie längere Berichte von Arthur Hermann, die in den Annaberger Annalen veröffentlicht wurden. Lebendig gemacht wurde die jeweilige Atmosphäre durch diverse Aussagen in Interviews, die ich in den letzten 15 Jahren mit Zeitzeugen geführt habe.
Auch die Betrachtungen der Wendezeit fußen zum Teil noch auf Materialien der genannten Zeitschriften des BSCB, dann aber, vor allem was die politischen Aktivitäten anbetrifft, auf eigene Erfahrungen und Erinnerungen.
Das geistige Leben der Nachwendezeit wurde teilweise durch Ausführungen zu den Kongreß- und Tagungsprogrammen des BCSB, sowie durch Auszügen aus Vorträgen sichtbar gemacht. Die Bedeutung Annabergs sowohl als baltisches Zentrum kam sehr gut durch Transkriptionen entsprechender Würdigungen auf dem Jubiläumskongress 2002 zum Ausdruck. Wie schon zuvor, so konnte auch die Nachwendezeit durch Interviews anschaulich und lebendig gemacht werden, die schließlich in den Annaberger Impressionen ihren Niederschlag fanden.
Mit diesem Buch liegt erstmals eine Darstellung der sozialen, wirtschaftlichen und strukturellen Entwicklungsprozesse auf Annaberg vor, sowie eine Geschichte des Baltischen Christlichen Studentenbundes, der 2010, mangels studentischer Mitglieder, ofiziell in Baltischer Christlicher Bund (BCB e.V.) umbenannt wurde.
Samstag, 23. März 2019
Ieva Simonaityte: Vilius Karalius
Verlagsinfo:
Das Familienepos «Vilius Karalius» von Ieva Simonaitytė – ein literarisches Denkmal für das Memelland.
Der Roman «Vilius Karalius» ist das wichtigste und auch umfangreichste Werk der grossen litauischen Erzählerin Ieva Simonaitytė. Ein Epos, das die familiären Verflech-tungen und die damit verbundenen menschlichen Komö-dien und Tragödien der Familie Karalius und ihres Um-felds erzählt. Die Handlung erstreckt sich über die ersten zwei Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts und spielt im Memelland.
Das Werk legt seinen Fokus aber nicht nur auf das Schicksal dieser Familie. Vielmehr bietet es auch einen Einblick in die Geschichte und die politischen Turbulenzen dieses Landstrichs vor dem und im Ersten Weltkrieg, der bis 1918 zu Deutschland gehörte, dann unter Verwaltung des Völkerbundes stand und 1923 Litauen angegliedert wurde.
Mit viel Feingefühl für das Detail breitet Ieva Simonaitytė in «Vilius Karalius» ein ganzes Panorama der sozialen, politischen und familiären Verhältnisse der Litauer im ländlichen Memelland aus.
Ein Gebiet, das infolge der Wirren des Zweiten Weltkriegs und dessen Auswirkungen heute von eine weitgehend anderen Bevölkerung bewohnt wird, als vor dem Krieg.
Mit «Vilius Karalius» hat Ieva Simonaitytė einer gleichenteils von Litauern und Deutschen geprägten, untergegangenen Kultur ein literarisches Denkmal ersten Ranges gesetzt.
Donnerstag, 1. März 2018
Wilhelm Storost Vydunas: Sieben Hundert Jahre deutsch-litauischer Beziehungen
Verlagsinfo:
Wilhelm Storost Vydunas war ein litauischer Preuße beider Kulturen, der deutschen und der litauischen. Die Erstauflage dieses Werkes (Tilsit 1932) wurde nach der Nazi-Machtübernahme noch vor dem Ausliefern auf den Buchmarkt fast vollständig vernichtet. Er selbst ist dem Inferno des Zweiten Weltkrieges nur knapp entkommen. Vydunas, Ehrenmitglied des PEN-Clubs, seine edle Persönlichkeit und sein uvre, das 60 deutsche und litauische Werke fast aller literarischen Gattungen umfasst, zählt zum Bedeutendsten, was die Litauer aus den Flammen des Krieges und vor der "Sowjetisierung" retten und bewahren konnten.
Wilhelm Storost Vydunas, geb. 1868 in Jonaten, Ostpreußen; Preußisch-litauischer Nationaldichter, Linguist, Philosoph und Theosoph, verfolgt durch das NS-Regime, ab 1944 auf der Flucht vor den Sowjets, ab 1946 Bürger in Detmold, dort verstorben 1953 (1991 exhumiert und überführt zum Rambynas (Bitthenen) in Litauen).
Freitag, 31. März 2017
Laurynas Katkus: 100 Jahre litauischer Literatur
Inhalt:
Laurynas Katkus - Nehmet mit und leset.
Rita Tūtlytė - Die litauische Literatur 1918-1945
Mindaugas Kvietkauskas - die vielsprachige Literatur im Litauen der Zwischenkriegszeit
Dalia Satkauskytė - Bruch und Kontinuität, litauische Literatur der Sowjetzeit
Laurynas Katkus - die Literatur der zweiten Republik 1990-2016
Herausgegeben aus Anlaß der Buchmesse Leipzig 2017
Freitag, 4. März 2016
Stefan Moster: Neringa
Verlagsinfo:
Getrieben von der unbestimmten Sehnsucht nach einem Leben voller Bestimmung, begibt sich ein Mann auf die Spuren seiner Familie – und muss sich fragen, wie zuverlässig die Geschichten sind, die man sich über sich selbst erzählt, und wie zufällig die Quellen und Überlieferungen, derer man sich dafür bedient. Und mitten in der biografischen Sinnsuche, die der Autor virtuos mit deutschen Schicksalen vom frühen 20. Jahrhundert bis zur Gegenwart verknüpft, führt die Begegnung mit einer jungen Frau aus Litauen zu
einer ganz neuen Möglichkeit des Glücks im Hier und Jetzt.
Dienstag, 1. Juli 2014
Stephanie Zloch, Izabela Lewandowska (Hg.) Das ›Pruzzenland‹ als geteilte Erinnerungsregion
Verlagsinfo:
Das »Pruzzenland« ist eine Region im nordöstlichen Europa, die von vielfältigen kulturellen und multiethnischen Traditionen, aber auch historisch von konkurrierenden nationalen Ansprüchen zwischen Deutschland, Polen, Litauen und Russland gekennzeichnet war. Die wohl weitreichendste Zäsur stellten die Verschiebung der nationalstaatlichen Grenzen und der nahezu vollständige Austausch der Bevölkerung im Gefolge des Zweiten Weltkriegs dar. In jüngster Zeit dient der Umgang mit der Vergangenheit als wichtige Ressource für die Suche nach regionaler Identität in Polen, Litauen und Russland. Für das Medium Schulbuch ist die vorliegende Studie in einem internationalen Vergleich über das 20. Jahrhundert hinweg bis zur Gegenwart erstmals Narrativen und Repräsentationen der Region nachgegangen, systematisch gebündelt in der Analyse von mental maps und sieben zentralen Topoi: die Pruzzen, Grunwald/Tannenberg/Žalgiris, Migration, Konfessionen, Persönlichkeiten, Wirtschaft und Gesellschaft und Landschaft.
Dr. Stephanie Zloch ist Historikerin und wissenschaftliche Mitarbeiterin am Georg-Eckert-Institut – Leibniz-Institut für internationale Schulbuchforschung in Braunschweig.
Dr. Izabela Lewandowska ist Historikerin und Geschichtsdidaktikerin und lehrt am Institut für Geschichte und internationale Beziehungen der Ermländisch-Masurischen Universität in Olsztyn.
Dienstag, 14. Mai 2013
Boris Alexeev: Go East
Verlagsinfo:
Boris hat genug von Pauschalreisen und wagt mit Freunden einen Roadtrip nach Litauen. Land und Leute, skurrile, witzige, aber auch haarsträubende Momente sorgen dafür, dass aus einem Aufenthalt schnell zehn werden. Ob Sommer, Herbst oder Winter - modern, lebendig und frei vom Ostblock-Mief, zieht Litauens Hauptstadt Vilnius an wie ein Magnet. Doch erst als Boris im »wilden Osten« die Liebe seines Lebens findet, versteht er, wonach er wirklich gesucht hatte.
'Go East' ist ein ungeschönter Reisebericht - alles hier Geschilderte ist tatsächlich passiert.
Zum Autor:
Boris Alexeev wurde 1981 in Leningrad geboren. Zwölf Jahre später wanderte er mit seinen Eltern nach Deutschland aus, wo er Philosophie, Psychologie und Kunst & Designwissenschaften studierte. Nach unzähligen Osteuropa-Reisen entschied er sich, seine Aufzeichnungen zu veröffentlichen. Boris Alexeev lebt in Wuppertal.
Samstag, 9. März 2013
Rose Gerdts: Morgengrauen
Verlagsinfo:
Eine Frage der Schuld.
Litauen 1941: Eine abgelegene Waldlichtung wird zum Schauplatz eines ungeheuerlichen Verbrechens.
Über 70 Jahre später müssen zwei alte Männer in Amsterdam und München sterben. Besteht eine Verbindung zwischen den beiden Morden? Eine der Spuren führt nach Bremen. Nach dem brutalen Überfall auf einen ihrer Kollegen übernehmen die Mordermittler Frank Steenhoff und Navideh Petersen den Fall. Dabei stoßen sie auf ein grauenhaftes Geheimnis in den eigenen Reihen …
Rose Gerdts-Schiffler, 1960 geboren, ist Sozialwissenschaftlerin und arbeitet seit über 20 Jahren für den Weser-Kurier in Bremen als Polizei- und Gerichtsreporterin. Regelmäßig begleitet die Journalistin große Schwurgerichtsprozesse. Einer ihrer Schwerpunkte sind Kriminalitätsphänomene und deren Ursachen. Rose Gerdts-Schiffler ist verheiratet und Mutter zweier Söhne. Zusammen mit ihrer Familie lebt sie in Bremen.
Sonntag, 2. Dezember 2012
Teodoras Lepneris: Prūsų lietuvis (1690) / Der preusche Littau
Info zum Buch:
Das Buch des evangelischen Pfarrers Theodor Lepner (um 1633–1691) aus Budwethen bei Ragnit (Ostpreußen) gehört zu den ersten Schriften über die Kultur und Sprache der Litauer überhaupt. Der strenge Geistliche beschrieb in recht kritischer Weise die Lebensweise der litauischen Bauern Ostpreußens, auch um der preußischen Obrigkeit die Notwendigkeit des moralischen Einflusses der Gesetzgebung und der evangelischen Kirche darzulegen.
Die gedruckte Danziger Ausgabe aus dem Jahre 1744 galt schon vor 150 Jahren als bibliophile Rarität. In den 1970er Jahren wurde in Berlin in der Staatsbibliothek eine Handschrift dieses Werkes aus dem Jahr 1690 entdeckt, die nun als Quelle für die erste litauisch-deutsche Buchausgabe diente, die 2011 in Vilnius erschien. Das Buch der Herausgeberin und Übersetzerin Vilija Gerulaitienė ist ein herausragendes Zeugnis der litauisch-deutschen Kulturbeziehungen in Ostpreußen.
Donnerstag, 1. November 2012
Alina Baravykaite: Grammatikübungsbuch Litauisch
Verlagsinfo:
Anfänger mit ersten Grundkenntnissen sowie fortgeschrittene Lernende können mit diesem Übungsbuch ihre Grammatikkenntnisse parallel zum Sprachunterricht oder im Selbststudium systematisch vertiefen. Übersichtlich und leicht verständlich werden in 50 Kapiteln alle wesentlichen Aspekte der litauischen Grammatik behandelt und anhand von Erklärungen, Tabellen und Beispielsätzen veranschaulicht. Jedes Kapitel schließt mit einer Vielzahl praxisnaher Übungen zur unmittelbaren Anwendung des gelernten Stoffes.
Der Anhang enthält einen Lösungsschlüssel zu allen Übungen, ein litauisch-deutsches Vokabelverzeichnis und ein Stichwortregister.










