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Mittwoch, 6. November 2024

Stephan Kessler (Hrsg.): Baltische Sprachen und Kulturen in der Diaspora

Schriftenreihe der Gesellschaft für Baltische Studien 6 (SGBS 6), Baar Verlag Hamburg 2024, ISBN 978-3-935536-85-1, 249 Seiten, 72,00 €. 

Verlagsinfo:
In der öffentlichen Wahrnehmung wird das Thema „Migration“ in der Regel mit wenigen Herkunftsregionen weltweit assoziiert. Wenig bekannt ist im deutsch-sprachigen Raum hingegen die Migration aus dem Baltikum, obwohl sie gerade dort eine große politische und soziale Rolle spielt. Wie viele lettische und litauische Wanderungsgenerationen gibt es und wohin sind die Auswandernden gegangen? Warum haben sie ihre Heimat verlassen und wie erging es ihnen an ihren neuen Lebensmittelpunkten? Der vorliegende Band dokumentiert die verschiedenen Weisen, in denen Migration aus Lettland und Litauen gelebt wurde bzw. wird, und er will dazu anregen, die lettische und litauische Diaspora der Gegenwart differenziert zu betrachten. Neben fundierten historischen, literarischen und soziologischen Beiträgen behandelt er auch außergewöhnliche Alltagsfacetten der baltischen Diaspora: z. B. eine von Eltern organisierte Sonntagsschule in den Vereinigten Arabischen Emiraten; litauische Internet-Memes, die sich über die seltsamen Verhaltensweisen der Expats lustig machen; die Bedeutung der heimischen Küche für die, die in der Diaspora „anders essen“; oder die Motive, nach denen baltische Diasporians Vornamen für ihre Kinder wählen. (siehe Tagungsprogramm)

Inhalt:
Stephan Kessler: »Die lettische und litauische Diaspora heute: Eine Einführung in das Thema und in den Tagungsband«
Aleksej Andronov / Lidija Leikuma: »Unbekannte östliche Diaspora: Vergangenheit und Gegenwart der Lettgaller Sibiriens«
Helmut Schaller: »Die Baltische Philologie an der Universität München«
Dalia Kiseliūnaitė: »Das Nehrungskurische nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland und Schweden«
Geert Franzenburg: »Die Bedeutung des Lettischen Gymnasiums Münster für die lettische Diaspora aus religionspsychologischer Sicht«
Inguna Daukste-Silasproģe: »Lettische Exilliteratur im Spannungsfeld zwischen nationaler Selbstisolation und fremden kulturellen Einflüssen«
Eleonore Kruse: »Leben in zwei Welten – die Integration der lettischen Diaspora in Kanada«
Albert Caspari: »Die Sichtweise deutscher Initiativen und Nichtregierungsorganisationen: Die baltische Diaspora als potentielle Mittlerin im Kultur- und Erfahrungsaustausch«
Inga Sindi: »Chancen und Herausforderungen einer multilinguistischen Erziehung in Dubai am Beispiel von Kindern aus lettischsprachigen Familien«
Alina Baravykaitė: »Litauisch als (›kleine‹) Fremdsprache an der Universität Greifswald«
Anastasija Kostiučenko: »Zum Emigrant*innenbild in der litauisch-sprachigen Virtual Community (am Beispiel von Internet-Memes)«
Ojārs Lāms / Mārtiņš Laizāns: »Die Mensa der Gastarbeiter: Wenn der Bauch unter Heimweh leidet«
Christiane Schiller: »Motive der Vornamenwahl für Kinder von in Deutschland lebenden Litauerinenn und Litauern«

Samstag, 24. November 2018

Joseph Kazickas: Wege der Hoffnung

Flucht, Emigration und Rückkehr in ein freies Litauen. Simon Verlag für Bibliothekswissen, Berlin 2015. 333 Seiten, ISBN 978-3-940862-74-7, 22,00 €. 

Verlagsinfo: 

In seiner autobiographischen Erzählung Wege der Hoffnung Zeichnet der Litauer Joseph Kazickas seinen turbulenten Lebensweg nach, der stark von den Geschehnissen des 20. Jahrhunderts geprägt ist.
Angefangen von den Erlebnissen seiner Familie, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts von Kosaken in die russische Steppt verschleppt wurde, bis zu den Erfolgen von Joseph Kazickas als Unternehmer in den USA und im unabhängigen Litauen zu Beginn des 21. Jahrhunderts, schildert der Autor seine persönlichen Erlebnisse.

Montag, 1. Februar 2016

Arndt Künneke: Migrationspolitik der baltischen Staaten

Litauen, Lettland und Estland im Vergleich. Verlag BoD - Books on Demand, Norderstedt, 2015. 132 Seiten, ISBN 978-3-7392-2062-8, € 14,90.

Verlagsinfo:
Migrationspolitik ist eines der Politikfelder, die innerhalb der EU noch unzureichend geregelt sind, in Zukunft aber immer mehr an Bedeutung gewinnen werden. Während für die meisten EU-Mitgliedsstaaten die Regelung der Zuwanderungsströme von Asylsuchenden, Flüchtlingen oder Arbeitsmigranten die größte Herausforderung darstellt, haben die baltischen Staaten vor allem mit der Abwanderung großer Teile ihrer arbeitsfähigen Bevölkerung zu kämpfen.
Dieses Buch erörtert die Migrationspolitik der drei baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland jeweils anhand der Bereiche Migrationsgeschichte, Emigration, Immigration und Minderheiten und macht dabei deutlich, dass deren Migrationspolitik trotz vieler Gemeinsamkeiten auch signifikante Unterschiede aufweist.

Assist. Prof. Dr. Dr. Arndt Künnecke ist Dozent für Rechts- und Politikwissenschaften an der MEF Universität in Istanbul. Seine dortigen Forschungsschwerpunkte sind Minderheitenrechte sowie Verbraucherschutzrecht in der EU. Daneben ist er noch als Berater, Journalist und Rechtsanwalt tätig.

Samstag, 12. September 2015

Alexandra Rolova: Ein jüdisches Leben aus dem Baltikum

Verlag Shaker Media, Herzogenrath 2015, 292 Seiten, ISBN 978-3-95631-256-4, 24,90 EUR.

Verlagsinfo:
Ein langes, ereignisreiches Leben vollzieht sich vor den Augen des Lesers. Die Autorin schildert in ihrer Biografie eindrucksvoll ihr Leben von den Anfängen in der freien, 1918 gegründeten lettischen Republik, bis zur stalinistischen Okkupation im Jahr 1940. Sie beschönigt nicht die entbehrungsreichen Jahre der Evakuation sowie ihr jüdisches Dasein unter sowjetischer Diktatur. Ihre Angst vor einer
Deportation nach Sibirien, die Bespitzelungen durch den KGB und die von den kommunistischen Behörden nur selten genehmigten Auslandreisen werden authentisch beschrieben. Die Entspannungspolitik unter Gorbatschow empfand sie als echte Befreiung. Doch die Politik bildet nur den Rahmen der vorliegenden Memoiren. Der Augenmarkt der Autorin richtet sich hauptsächlich auf Dinge, die die totalitäre Sowjetherrschaft erträglich machten: Ihre wissenschaftliche Arbeit, kulturelle Aktivitäten und bedeutende Menschen in ihrem Leben; darunter ihre Eltern, Professoren und Begegnungen mit berühmten Persönlichkeiten. Ihr Bericht endet schließlich in Aachen. Alexandra Rolova resümiert ihr Leben mit folgenden Worten: „Ich hatte immer Glück.“.

Frau Professorin Dr. Alexandra Rolova wurde am 16. November 1920 in Russland geboren. Erst wenige Monate alt, übersiedelte sie mit ihren Eltern in deren Heimat - nach Riga/Lettland. Nach dem Abitur studierte sie in ihrer Heimatstadt Geschichte und beendete ihr Studium an der Universität von Leningrad. Ihre Familie war vor den deutschen Besatzern in das Innere der Sowjetunion geflohen. 1945 kehrte sie nach Riga zurück. Dort arbeitete sie nach bestandener Dissertation an der Historischen Fakultät der Universität als Dozentin, sowie nach ihrer Habilitation als Ordentliche Professorin und Lehrstuhlleiterin. Ihr Forschungsgebiet war Italien in der Renaissance. Sie wurde und wird nach wie vor von italienischen Wissenschaftlern hoch geschätzt. Seit 1991 lebt sie in Aachen/BRD.

Dienstag, 25. August 2015

Alvydas Šlepikas: Mein Name ist Maryte

Roman. Aus dem Litauischen von Markus Roduner, mit Illustrationen von Helmut Stabe. Bibliothek der Entdeckungen, Bd. 9, Mitteldeutscher Verlag, Halle / Saale 2015. 200 Seiten, ISBN 978-3-95462-535-2, 19,90 Euro.

Verlagsinfo:
Einer beginnt den Krieg, einer geht als Sieger hervor, Witwen und Kinder aber zählen stets zu den Verlierern. Der Zweite Weltkrieg fand ein Ende, sie haben ihn verloren, denn die Gefallenen waren ihre Väter, die Witwen ihre Mütter. Die Welt war voller Wut und ermattet. Und sie – nur Kinder. Wolfskinder.
Alvydas Šlepikas’ Roman »Mein Name ist Maryte« erzählt in berührender Weise die lange in Vergessenheit geratene Geschichte ostpreußischer Kinder nach dem Zweiten Weltkrieg, nach dem Einmarsch der Roten Armee. Von Hunger und materieller Not getrieben, gingen sie über die Memel nach Litauen, um dort bei Bauern um Essen und Obdach zu betteln oder auch bei diesen für Brot und Unterkunft zu arbeiten.
Der Roman beruht auf langen Gesprächen des Autors mit diesen Wolfskindern, von denen nicht wenige von litauischen Familien großgezogen wurden und einige bis heute im Land leben. Ein Buch über Liebe, Mitgefühl und Erinnerung.

Der Autor
Alvydas Šlepikas, geb. 1966, studierte am Staatlichen Konservatorium (heute Musik-Akademie) Schauspiel (bis 1992) und Regie (bis 1994). Regisseur, Drehbuchautor für Kino- und Fernsehfilme sowie TV-Serien. Gedichtbände »Taika tavo kraujui« (Friede deinem Blut, 1997), »Tylos arte jantis« (2004), Prosaband »Lietaus dievas« (Der Regengott, 2005). Der Roman »Mein Name ist Maryt?« (2012) wurde mehrfach ausgezeichnet. Der Autor lebt in Vilnius.

Samstag, 3. September 2011

Zuhause in Estland?

Eine Untersuchung zur sozialen Integration ethnischer Russen an der Außengrenze der Europäischen Union. Reihe: Gesellschaftliche Transformationen/Societal Transformations
Bd. 14, Lit Verlag, Berlin 2008, 232 Seiten, 19.90 EUR. ISBN 978-3-8258-1396-3.

Verlagsinfo:
Das Buch diskutiert Fragen zu Ethnizität und Minoritäten, Inklusion und Exklusion, Migration, Assimilation und Integration als Entscheidungsproblem. Konkreter geht es um die Frage von Ethnizität und Ethnizitätspolitik im heutigen Estland, um ethnische Esten und ethnische Russen, um nationale Esten estnischer und russischer Herkunft und um Staatenlose. Es werden normative und interessengeleitete Zugehörigkeitsbindungen unterhalb der politisch-rechtlichen Ebene untersucht und Aussagen zur sozialen Integration ethnischer Russen in Estland getroffen.

Dienstag, 2. Februar 2010

Pauls Toutonghi: Die Geschichte von Yuri Balodis und seinem Vater, der eigentlich Country-Star war

Roman. Rowohlt Verlag Berlin, 2009, 368 Seiten. ISBN 9783871346347. 14,90 Euro. Die Originalausgabe erschien 2006 bei Shaye Areheart Books in New York unter dem Titel "Red Weather".


Verlagsinfo über den Autor: Pauls Toutonghi, geboren 1976 als Sohn eines ägyptischen Vaters und einer lettischen Mutter, lebt in Portland, Oregon, und arbeitet zur Zeit an seinem nächsten Roman. Seine Texte wurden bereits mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem renommierten Pushcart Prize.

Verlagsinfo zum Buch:  Yuris Vater erzählt seinem Sohn allabendlich auf dem Balkon wunderbar melancholische Lügengeschichten, in denen er der Star ist, ein toller Hecht, eine Legende. In den sechziger Jahren aus Lettland emigriert, ignorieren Yuris Eltern hartnäckig, dass sie ihren amerikanischen Traum in den Sand gesetzt haben. Um jeden Preis wollen sie im öden Brauereinest Milwaukee heimisch werden. Yuris Vater ist schon mal von Wodka auf Bourbon umgestiegen, seine Mutter pflastert die Wände mit Werbeanzeigen, beide sprechen ausschließlich Englisch, wenn auch ein recht zweifelhaftes, und bemühen sich überhaupt, amerikanischer zu sein als jeder Amerikaner.
Nur Yuri scheint irgendwie aus der Art zu schlagen. Seit er sich in die Jungkommunistin Hannah verliebt hat, zitiert er beim Essen neuerdings Marx und Lenin. Für seine Eltern bricht eine Welt zusammen. Trotzdem lassen sie den Sohn seine eigenen Erfahrungen machen. Und das tut dieser auch ausgiebig, bis ein nächtlicher Ausflug mit Hannah, der schlimme Folgen hat, ihn über Nacht erwachsen werden lässt. Und gerade noch rechtzeitig versteht Yuri, dass das Leben wirklich so irre ist, wie sein Vater immer behauptet – und alles, aber auch alles möglich.

Dienstag, 19. Januar 2010

Claire Beyer: Rohlinge

Claire Beyer: Rohlinge
Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, 2009. 160 Seiten, € 17,90/ € 18,50 [A]/ CHF 31,50. ISBN 978-3-627-00163-6

Verlagsinfo: 
Der elfjährige Donald ist mit seinem Vater aus Lettland in die Bundesrepublik gekommen. Hier, in der neuen Heimat, hat er nicht nur mit der Sprache zu kämpfen; Mitschüler und Jugendliche schikanieren ihn. Die Lehrerin Karin Beerwald erkennt das Leid des Jungen und will ihm helfen. Eines Tages trifft sie ihn bei einem Spaziergang in einem leerstehenden, verwilderten Häuschen, das ihm offenbar als Versteck und Rückzugsort dient. Ein Zeitungsartikel, den sie dort vorfinden, legt die Fährte zu einem verschwundenen Unternehmer, der polizeilich gesucht wird und der Donald um ein Haar in größte Gefahr bringt. Claire Beyers viertes Buch ist so leicht und fabelhaft wie ein Sommerabend am See. Von der ersten Seite an verzaubert uns die Geschichte des lettischen Jungen Donald und seine „Resignation eines Kindes, das am Rand der Welt zurückgelassen wurde“ und der allein stehenden Grundschullehrerin Karin Beerwald, die auf der Suche ist nach einem für sie richtigen Leben. Und wie bei einem herannahenden Regen erkennt der Leser erst in der Zerbrechlichkeit der Situation wehmütig auch deren jederzeit gefährdete Schönheit. Mit sanfter, heiterer Melancholie beschreibt Claire Beyer eine Gesellschaft, die, von Sprachlosigkeit geprägt, eine Verwandlung erfährt.

Mehr über die Autorin Claire Beyer.