Verlagsinfo: Wilna-Worte ist eine Hommage an die Hauptstadt Litauens, an deren
Einwohner und an Schirin Nowrousians eigene Zeit vor Ort. Drei volle
Jahre hat die Lyrikerin im Herzen von Vilnius gelebt und gewirkt, hat
zahlreiche Menschen kennengelernt und unermüdlich die Straßen, Gassen
und Höfe der Stadt sowie die Außenbezirke und umliegenden Orte
durchstreift. Der Blick aus ihrem Küchenfenster fiel auf den Ort, wo
einst die große Synagoge von Vilnius stand.
Der Band besingt und
feiert auf vielfältige Weise Vilnius und seine Menschen und er endet
(und beginnt zugleich) mit einem Abschiedstext, der in Juodkrantė auf
der kurischen Nehrung entstanden ist und eine Art Traum-Versprechen
darstellt: das Versprechen nämlich einer Fortsetzung ihres Gesangs –
ein Einstimmen auf das Besingen vieler weiterer Orte des südlichsten
der drei baltischen Länder.
Schirin Nowrousian, geboren 1975 in
Bochum, ist Lyrikerin, Autorin und Übersetzerin (aus dem Englischen,
Französischen und weiteren romanischen Sprachen). Sie ist
Rezitatorin, Moderatorin, Dramaturgin, Sprachlehrerin und
Forscherin. Neben Deutsch ist Französisch ihre Leib- und Lebenssprache.
Der lebendige Umgang mit Sprachen begleitet sie, wohin auch immer es
sie trägt. Von September 2014 bis August 2017 forschte und lehrte sie am
Lehrstuhl für Deutsche Philologie an der Universität Vilnius in
Litauen. Sie lebt bei Bremen auf dem Land.
Bereits seit 2007 stellt dieser Blog ins Deutsche übersetzte Publikationen aus Estland, Lettland und Litauen vor. Gleichzeitig werden Publikationen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren mit estnischen, lettischen oder litauischen Themen einbezogen. Wir möchten aufrufen, verschiedene Leseeindrücke auszutauschen. Die hier aufgeführten Bücher werden für eine Vorstellung in der Radiosendung BALTISCHE STUNDE (Radioweser.tv) vorgeschlagen.
Freitag, 14. Oktober 2022
Schirin Nowrousian: Wilna-Worte
Dienstag, 13. September 2022
Denise von Weymarn-Goldschmidt: Von Konkurrenten und Lieblingen
Geschwisterbeziehungen im deutschbaltischen Adel des 18. und 19. Jahrhunderts. Reihe:
Veröffentlichungen des Nordost-Instituts, Band 28, Harrassowitz Verlag, Wiesbaden 2022. ISBN: 978-3-447-11865-1, 219 Seiten, 35.00 Euro (D) / 36.00 Euro (A).
Verlagsinfo:
Bis anhin herrschte in der Familiengeschichte vorwiegend eine vertikale,
hierarchische Perspektive. Anhand von autobiografischen Schriften
deutschbaltischer Adliger untersucht Denise von Weymarn-Goldschmidt die
horizontale Ebene in Familiengefügen, nämlich die
Geschwisterbeziehungen. Dabei unterscheidet sie zwischen
Vollgeschwistern, Halbgeschwistern, Stiefgeschwistern und illegitimen
Kindern. Gerade der Umgang mit den illegitimen Kindern verdeutlicht den
Unterschied zwischen nominellem und gelebtem Familienverständnis.
Fokussiert wird zudem der häufig große Altersunterschied zwischen den
Kindern, wodurch die Geschwister teilweise erst im Erwachsenenalter
miteinander vertraut wurden. Weitere Themenfelder, die die Familien
prägten, sind Lieblingskinder, Aufwachsen von Geschwistern in getrennten
Haushalten, das gemeinsame Wohnen von erwachsenen Geschwistern und der
Umgang mit dem Tod von Geschwistern. Der große Altersunterschied
zwischen den Geschwistern führte zu Generationenverschiebungen und in
einigen Fällen zu Ehen zwischen Onkeln und Nichten. Die Folgen für das
familiäre Machtgefüge bei einer generationenübergreifenden Ehe und die
(fehlenden) Bezüge zum Inzestdiskurs werden genauso diskutiert wie die
Rolle von Onkeln und Tanten. Die vorliegende Untersuchung von
Geschwisterbeziehungen liefert ein neues Element zum Verständnis
historischer Familienformen.
Freitag, 9. September 2022
Zigmunds Skujiņš: Das Bett mit dem goldenen Bein
Roman, aus dem Lettischen übersetzt und mit Anmerkungen von Nicole Nau, mit einem Nachwort von Judith Leister (lettischer Originaltitel: "Gulta ar zelta kāju"). Mare Verlag, Hamburg 2022. ISBN: 978-3-86648-658-4, 608 Seiten, 48.00 Euro.
Verlagsinfo:
Zunte, ein lettischer Küstenort im ausgehenden 19. Jahrhundert: Noass
Vējagals zieht es vom elterlichen Hof aufs Meer und in ferne Länder,
während sein Bruder Augusts den heimischen Boden bestellt und mit Noass’
Frau einen Sohn zeugt. Dieser stirbt früh, derweil Noass’ leibliche
Tochter Leontıne sich zur rebellischen Schönheit entwickelt und mit
ihren Eskapaden nicht nur den eigenen Ruf aufs Spiel setzt. Davon
unbeirrt fährt ihr Vater weiter zur See und häuft Reichtümer an, um der
Familie ein großes Stadthaus zu bauen. Doch Hochzeiten, Kriege und
Revolutionen treiben Kinder und Kindeskinder der Vējagali fort von
Zunte. Jahrzehnte nach dem Bau seines Hauses stirbt Noass dort ganz
allein, und im Ort verbreitet sich eine Legende: Seine Reichtümer müssen
sich noch immer auf dem familiären Anwesen befinden, versteckt in einem
hölzernen Bettpfosten.
Zigmunds Skujiņš erzählt überbordend und mit feinem Schalk vom
wechselvollen Schicksal des lettischen Volks. Seine liebevollen, fein
ausgearbeiteten Figurenzeichnungen weisen ihn als großen Menschenfreund
und -kenner aus.
Zigmunds Skujiņš (sprich: Skuiensch) wurde 1926 in Riga geboren. Nach Anfängen im Journalismus wandte er sich ganz dem literarischen Schreiben zu. Zu seinem Werk gehören zahlreiche Romane und mehrere Erzählbände sowie Theaterstücke, Drehbücher und Essays. Skujiņš ist einer der renommiertesten Schriftsteller seines Landes. Sein Werk wurde in viele europäische Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft. Das Bett mit dem goldenen Bein (1984) gilt als sein größter Erfolg. Skujiņš starb im März 2022 in Riga.
Donnerstag, 8. September 2022
Martin Kulinna: Leben am Meer. Entlang der Ostsee.
Verlagsinfo: Seit 30 Jahren zieht es den Fotografen Martin Kulinna immer wieder an die Ostsee. Ihn reizt das Spiel der Elemente: Wasser, Himmel, Erde. Die Ostsee – das Mare Balticum – ist ein Binnenmeer des Atlantiks in Europa. An seinen Küsten leben circa 70 Millionen Menschen, die eine wechselvolle Geschichte miteinander verbindet. Das Land an der Ostsee ist weit. Keine hohen Berge und Gebirge verstellen die Sicht auf das Meer, der Himmel ist blau mit einem unverwechselbaren Grau, welches nur hier zu finden ist. Das Meer hinterlässt Spuren. Es prägt die Menschen genauso wie die Architektur an seinen Küsten. Der Bildband zeigt ausgewählte Orte und Situationen der Ostsee: etwa die motorradfahrenden Frauen auf der Insel Kihnu, die ihren Alltag auf der Insel meistern, während ihre Männer auf See sind oder auf dem Festland arbeiten; die Felsformationen auf der schwedischen Insel Fårö oder die breiten Bernsteinstrände von Lettland.
Samstag, 13. August 2022
Kätlin Kaldmaa: Lydia
Verlagsinfo:
Lydia
kennt in Estland sprichwörtlich jedes Kind: Die Gedichte der Autorin
Lydia Koidula gehören im Land zum Schulstoff, ihre Lieder werden an
grossen Volksfesten gesungen.
Doch von vorne: Lydia kommt 1843 in
Värna zur Welt. Den estnischen Staat, wie wir ihn heute kennen, gibt es
zu dieser Zeit noch nicht. Das Gebiet steht unter der Herrschaft des
russischen Zaren. Von der Mutter lernte Lydia Deutsch. Ihr Vater
wiederum wirkte als Lehrer und Journalist und gründete die erste
Tageszeitung in estnischer Sprache. Wörter, Sprache, Geschichten und
Gedichte werden Lydias Leidenschaft. Schon früh setzt sie sich aber auch
für Freiheit und Selbstbestimmung ein – das estnische Volk wird seit
Jahrhunderten von fremden Mächten unterdrückt.
Lydias Wunsch an der
Universität zu studieren geht nicht in Erfüllung, Frauen sind zum
Studium nicht zugelassen. Aber Lydia wird Lehrerin und mit 20 Jahrren
die rechte Hand des Vaters in der Zeitungsredaktion. Mit 22
veröffentlicht sie ihr erstes Buch, mit 25 Jahren organisiert sie das
erste estnische Sängerfest. Sie setzt sich nicht nur für die
Selbstbestimmung der Esten ein, sondern steht für Weltoffenheit, lernt
Finnisch, heiratet einen Letten und lässt sich im russischen Kronstadt
nieder. Als ihre Kinder sie eines Tages fragen, wo sie zu Hause sei,
sagt Lydia: «Mein Herz ist auf der ganzen Welt verteilt.»
Die
Unabhängigkeit Estlands erlebt Lydia Koidula selbst nicht mehr. Doch
ihre Werke leben bis heute weiter. Geschickt bettet die Autorin Kätlin
Kaldmaa die persönliche Lebensgeschichte in die wechselvolle Geschichte
des Landes ein. Dabei setzt sie den Schwerpunkt auf das Kind und die
Jugendliche Lydia und verbindet die Vergangenheit mit der Gegenwart, das
Persönliche mit dem Universellen. Jaan Rõõmus’ Illustrationen sind
federleicht und kraftvoll zugleich und setzen Lydias Geschichte lyrische
Akzente auf.
Die Autorin: Kätlin Kaldmaa (*1971) ist eine estnische Schriftstellerin, Übersetzerin und Literaturkritikerin. Bereits in ihrer Kindheit in der estnischen Provinz waren Bücher ihre große Leidenschaft – und eine gute Erklärung, wenn sie wieder einmal mit der Gartenarbeit nicht fertig geworden war. Später studierte sie estnische Sprach- und Literaturwissenschaft sowie Englisch. Ihre zahlreichen eigenen Publikationen umfassen Gedichtbände, Kurzgeschichten, Romane und Kinderbücher. Dem Buch »Lydia« liegt eine mehrjährige Recherche zugrunde.
Der Illustrator: Jaan Rõõmus (*1990) hat Graphic Design an der Estnischen Akademie der Künste studiert. Er ist ein Illustrator, der gerne mit unterschiedlichen Techniken und Stilen experimentiert, um für jedes seiner Werke den passenden Ausdruck zu finden. Er setzt von der traditionellen Füllfeder und Tinte bis zur digitalen Technik alles ein, um seine vielseitigen Werke lebendig werden zu lassen. Jaan Rõõmus lebt und arbeitet in Tallinn.
Samstag, 11. Juni 2022
Bednarczuk / Rutz: Das historische Litauen als Perspektive für die Slavistik
Verlagsinfo:
Hinter dem Schlagwort ‚historisches Litauen‘ verbirgt sich ein riesiges
Forschungsfeld, das faszinierende Perspektiven bereithält – nicht nur
für Geschichtswissenschaft und Baltistik, sondern auch und gerade für
die Slavistik.
Im Großfürstentum Litauen fanden im Mittelalter
litauische und ostslawische Elemente zu einer Synthese. Das
Vielvölkerreich stieg zusammen mit dem Königreich Polen auf zur
europäischen Großmacht, bevor beide am Ende des 18. Jahrhunderts geteilt
wurden. Im 19. Jahrhundert kanalisierte sich Widerstand gegen die
russische Fremdherrschaft in zwei politischen Projekten, die auch das
literarische Leben entscheidend prägten. Der Wunsch nach einer
Restitution der polnisch-litauischen Rzeczpospolita und das Festhalten
an der polnischsprachigen Leitkultur konkurrierten mit dem Streben
einzelner Kollektive nach kultureller Identität und politischer
Emanzipation. Heute steht der Erinnerungsort ‚historisches Litauen‘ für
eine gemeinsame europäische Vergangenheit, die vor dem Hintergrund der
niedergeschlagenen belarusischen Revolution und dem russischen Angriff
auf die Ukraine Solidarität stiftet.
Die lange Zeit von
kommunistischer Zensur und nationalen Narrativen geprägte
Forschungslandschaft hat in den letzten Jahren begonnen, die
vielfältigen litauisch-belarusisch-polnisch-ukrainischen Verflechtungen
wiederzuentdecken und ihre Bedeutung neu zu diskutieren.
Samstag, 14. Mai 2022
Jānis Joņevs: Jelgava 94
Verlagsinfo:
Jelgava 94 ist der Kultroman aus Lettland. Es ist eine
witzige Coming-of-Age-Geschichte eines Jungen, der in Jelgava – einer
Stadt in der lettischen Provinz – aufwächst, erst Nirvana, dann die
Metal-Szene für sich entdeckt und neue Freundschaften schließt. Es ist
aber auch ein fast dokumentarisches Portrait des Lebens im
post-sowjetischen Lettland der 1990er Jahre, das Portrait einer
Generation, die auf der Suche nach ihrer eigenen Identität ist und Teil
einer Jugendkultur sein möchte.
Jānis Joņevs entführt den Leser in eine skurrile Welt: in die
Provinz, die den Aufbruch spürt, zu den Jugendlichen, die auf die großen
Ereignisse in ihrem Leben warten, in die aufgelassenen Bunker, in denen
Konzerte stattfinden, und zu den versteckten Tauschbörsen für
Musik-Kassetten. Er erzählt als Beobachter, der mitten drin im Geschehen
steckt, aber dann auch den Abstand gewinnt, um mit einem Hauch
Nostalgie auf die Ereignisse und die Zeit zurückzublicken.
Als Joņevs‘ Debütroman 2014 in Lettland erschien, erwies sich das
Buch schnell als großer Erfolg und nationaler Bestseller. Mittlerweile
wurde er ins mehrere Sprachen, u.a. ins Englische, Französische und
Spanische, übersetzt. Die Übersetzung ins Deutsche besorgte Bettina
Bergmann. 2014 erhielt Joņevs den Literaturpreis der Europäischen Union
für Jelgava 94.
Sonntag, 1. Mai 2022
Christofer Herrmann / Birgit Aldenhoff (Hg.): Livland im Mittelalter
Verlagsinfo:
Auf dem Gebiet der heutigen Länder Estland und Lettland existierte vom
12. bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts ein Verbund christlicher
Kreuzfahrerstaaten unter der Führung des Deutschen Ordens und des
Erzbischofs von Riga. Von dieser Epoche zeugen noch heute zahlreiche
Denkmäler mittelalterlicher Baukunst – Burgen, Kirchen und Städte. In
dem reich bebilderten Band werden in sechs Beiträgen eine historische
Einführung in die faszinierende Geschichte Livlands gegeben und
bedeutende Bauten der Region vorgestellt.
Mit Beiträgen von Bernhart Jähnig, Alexander Baranov, Christofer Herrmann, Agnese Bergholde-Wolf, Villu Kadakas und Ojārs Spārītis.
Freitag, 1. April 2022
Tomas Venclova: Variationen über das Thema Erwachen
Tomas Venclova ist einer der großen Dichter unserer Zeit. In seiner Heimat Litauen erlebte er den langen Winter des Totalitarismus, wegen seiner kritischen Haltung kam er in Bedrängnis. Es folgten Exil, Reisen und Heimkehr – die Lebensthemen seiner Lyrik –, doch als dieser unfreiwillige Weltbürger schließlich zurückkehrte, war das Land ein anderes. Was unverändert blieb, ist die rettende Kraft der Sprache. Stets beruft sich Venclova auf die Tradition der europäischen Literatur – von der griechischen Klassik bis zur Moderne. Lakonie, kristallklare Eleganz und feiner spöttischer Witz zeichnen seine Poesie aus, jene „unwirkliche Wirklichkeit", die sich unauflöslich mit der Erfahrung der Welt verwebt.
Und
Freitag, 25. März 2022
Rima Karaliene: Rudern durch den Stacheldrahtzaun
Info zum Buch:
Im Herbst des Jahres 1961 gewannen neun junge Litauer - aus dem Ruderverein Žalgiris Vilnius die Meisterschaften der UdSSR im Achter und wurden in die sowjetische Nationalmannschaft eingeladen. Obwohl sie sehr wichtige internationale Wettkämpfe vor sich hatten, wurden sie von den Echos der Nachkriegszeit auf Schritt und Tritt verfolgt. Die politischen Meinungen ihrer Eltern oder Angehörigen, ihre Zusammenarbeit mit Partisanen und ihre Beziehungen zum Militär des vorher unabhängigen Litauens waren Gründe für den KGB, sie daran zu hindern, ins Ausland zu reisen oder sie sogar aus der Mannschaft auszuschließen. So über Bord geworfen, bildeten die jungen Männer neue Mannschaften, bereiteten sich auf Wettbewerbe vor und starteten auf Regatten innerhalb der UdSSR. Dank der Beharrlichkeit, der Entschlossenheit der Ruderer und durch glückliche Zufälle hob der KGB im Jahr 1963 seine Beschränkungen für internationale Reisen auf. Sie konnten sich schließlich durchsetzen und gewannen das Recht, 1964 an den Olympischen Spielen in Tokio teilzunehmen.
Donnerstag, 24. Februar 2022
Sabine Bock: Herrenhäuser in Estland
Verlagsinfo:
Die 1918 gegründete und 1991 wiedererstandene Republik Estland ist ein
Teil der historischen Kulturlandschaft des Ostseeraumes. Sie umfasst das
historische Estland, das nördliche Livland sowie die Inseln Ösel und
Dagö. Bis zur Erlangung der Selbstständigkeit und zuletzt abermals
zwischen 1940 und 1991 wurden das Land und seine Bewohner von
wechselnden Mächten fremdbestimmt. Zunächst waren es mit der
Christianisierung die Dänen und der deutsche Schwertbrüderorden, dann
gelang es schon im 13. Jahrhundert dem Deutschen Orden, weite Teile des
Landes in seinen Machtbereich zu integrieren. Die Reformation brachte
das Ende des Deutschordensstaates und weckte unterschiedliche
Begehrlichkeiten. Nordestland unterstellte sich selbst dem Königreich
Schweden, Livland kam als Herzogtum zur Adels-Republik Polen-Litauen und
die Insel Ösel wurde dänisch. 1629 eroberte Schweden auch Ösel und
Nordlivland, doch 1721 gelang es dem russischen Zarenreich, Estland,
Ösel und Schwedisch-Livland zu russischen Provinzen zu machen. Zwischen
1795 und 1918 gehörte das ganze Baltikum zum Russischen Reich. Die dann
entstehende Republik Estland brachte mit einer Unterbrechung das Ende
der Fremdherrschaft.
Die Ostsee war seit dem Mittelalter der wichtigste Verkehrs- und
Handelsweg zwischen den angrenzenden Ländern und Regionen. Um die
Herrschaft über sie zu gewinnen, wurden immer wieder Kriege geführt,
die auch Estland vielfach zum Kriegsschauplatz werden ließen.
Seit der Frühen Neuzeit wurde die Landwirtschaft des Ostseeraums durch
die Gutswirtschaft charakterisiert. Die ausgedehnten Flächengüter
machten deren Gutsherren fast konkurrenzlos. Nur in Schweden gab es
neben den großen Gutshöfen auch immer eine größere Zahl eigenständig
wirtschaftender Bauern.
Die Zentren der ritterschaftlichen Güter waren die Herrenhäuser, deren
Entwicklungsgeschichte im Folgenden aufgezeigt werden soll. Sowohl der
Kultur- und Wissensaustausch über die Ostsee als auch die sich häufig
ändernden Machtverhältnisse hatten einen großen Einfluss auf die
Entwicklung.
Dienstag, 18. Januar 2022
Asche / Buchholz / Niendorf / Schiele / Schindling (Hrg.): Protestantismus in den baltischen Landen und in Litauen.
Verlagsinfo:
Noch in der Frühen Neuzeit gehörten die protestantisch geprägten Lande
Estland, Livland und Kurland mit ihrer jeweiligen deutschen Minderheit
auf der einen und das weitgehend katholische Litauen auf der anderen
Seite unterschiedlichen politischen Systemen an. Ende des 18.
Jahrhunderts waren sie zu Provinzen des Russischen Reiches geworden,
zuletzt Kurland und Litauen 1795. Während innerhalb der kleinen
deutschen Minderheit die tradierten sozialen Schranken im 19.
Jahrhundert bestehen blieben, setzte mit den Nationalbewegungen von
Esten, Letten und Litauern eine Dynamik ein, die im Ergebnis zur
Gründung der unabhängigen „baltischen“ Republiken Estland, Lettland und
Litauen am Ende des Ersten Weltkriegs führte. Seitdem wird die Region
der drei „baltischen Staaten“ im Deutschen als „Baltikum“ bezeichnet. Um
diese Entwicklung nachzuzeichnen und dabei möglichst viele ihrer
politischen, konfessionellen und kulturellen Aspekte und
Erscheinungsformen darzustellen und zu analysieren, kamen im Herbst 2013
im Tübinger Evangelischen Stift Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler der Disziplinen Musik-, Sprach-, und
Literaturwissenschaft sowie Kunst-, Religions-, Kirchen- und
Profangeschichte aus Estland, Finnland, Lettland, Litauen, Polen,
Schweden und Deutschland zu einem Symposion zusammen, aus dem der
vorliegende Band hervorgegangen ist.
Autoren: Matthias Asche, Professor für Allgemeine Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Potsdam, Werner Buchholz, emeritierter Professor für pommersche Landesgeschichte und Landeskunde an der Universität Greifswald, Mathias Niendorf, Professor für Osteuropäische Geschichte an der Universität Greifswald, Patrick Schiele, Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Goethe-Universität Frankfurt am Main, Anton Schindling †, emeritierter Professor für Mittlere und Neuere Geschichte (Frühe Neuzeit) an der Eberhard Karls Universität Tübingen
Samstag, 15. Januar 2022
Herbert Heinrich Beckmann: Es sind Kinder
Verlagsinfo:
Tine und Stefan sind ein Paar am Abgrund. Der dünne Faden, der ihre
Beziehung noch zusammenhält, ist ihr kleiner Sohn Leon. Doch als dieser
beim gemeinsamen Urlaub auf einer Insel mitten in der Baltischen See
plötzlich spurlos verschwindet, stehen die beiden vor einer ganz
besonderen Belastungsprobe.
Mit psychologischem Feingefühl zeichnet Herbert Heinrich Beckmann das
Psychogramm einer unglücklichen Beziehung in einer Atmosphäre
unerklärlicher subtiler Bedrohung. Sprachlich genau erzählt er mit
stetig steigender Spannung. Das Kind geht unterdessen seinen eigenen Weg.
Sonntag, 2. Januar 2022
Ojārs Spārītis (Hg.): Dagmar Kopfstahl - Rigaer Tagebuch
Verlagsinfo: »Da dieses Jahr ein so ereignisreiches ist, beschloss ich ein Tagebuch zu führen ...« - Als die 12jährige Dagmar Kopfstahl aus Riga im März 1917 die ersten Sätze in ihr neues Tagebuch schrieb, ahnte sie noch nicht, dass sie Chronistin eines Epochenwandels werden würde. Über drei Jahre dokumentierte sie, Angehörige der deutschen Minderheit in der Ostseemetro-pole, ihren Alltag, ihre Beobachtungen und auch ihre Meinungen als am Ende des 1. Weltkrieges um sie herum in vielen Kämpfen aus einer Provinz des Russischen Zarenreiches ein neuer Staat entstand: Die Republik Lettland. Ein authentisches Stück Zeitgeschichte.
Samstag, 18. Dezember 2021
Baiba Zīle: Meister der Lügen
Verlagsinfo:
„Dieser Diamant muss funkeln. Die Schwarze Sonne muss scheinen.“
Alise und Aleksandrs wachsen am Ende der 1980er Jahre in Riga auf –
zur selben Zeit, aber in ganz verschiedenen Welten. Alise ist die
Tochter eines wohlhabenden Parteifunktionärs, der sich auf mysteriöse
Weise das Leben nimmt. Sie lebt in ihrer eigenen Welt aus Träumen und
Gefühlen, die sie durch die Sowjetzeit in das unabhängige Lettland
trägt. Aleksandrs kommt aus der Provinz und freundet sich mit
Kleinkriminellen an. Er flieht aus der UdSSR und wird Teil der
internationalen Juwelenmafia. Sie kennen einander nicht, aber ihr
Schicksal verbindet ein geheimnisvoller Mann, der sich Meister der Lügen
nennt. Ein seltener Diamant, die Schwarze Sonne, führt die Lebenswege
von Alise und Aleksandrs dramatisch zusammen…
„Du musst in die Lügen eintauchen, mitten hindurch, um die Wahrheit zu verstehen.“
„Woher wollen Sie das wissen?“
Der Grauhaarige lachte auf.
„Ich weiß es. Ich bin der Meister der Lügen.“
Endlich etwas Neues und Frisches in der lettischen Literatur. Baiba
Zīle erzählt eine spannende Geschichte über Liebe, Verrat und Verbrechen
sowie die Suche nach dem Sinn des Lebens in der jüngsten lettischen
Vergangenheit.
Freitag, 17. Dezember 2021
Markus Roduner (Hrsg.): Teufelsdutzend. Lyrik aus Litauen
Verlagsinfo:
Teufelsdutzend – präsentiert 13 Autoren und Autorinnen der jüngsten
Generation litauischer Dichter, geboren ab dem wahrhaft symbolischen
Jahr 1984. Die Auswahl der zu übersetzenden Gedichte überließ der
Herausgeber Markus Roduner den Autoren.
Mindaugas Nastaravičius (*1984); Vaiva Grainytė (*1984); Lina Buivydavičiūtė (*1986); Aušra Kaziliūnaitė (*1987); Tomas Petrulis (*1987); Nerijus Cibulskas (*1987); Ramunė Brundzaitė (*1988); Ernestas Noreika (*1989); Ieva Toleikytė (*1989); Greta Ambrazaitė (*1993); Simonas Bernotas (*1993); Laura Kromalcaitė (*1995); Dovydas Grajauskas (*1996)
Samstag, 20. November 2021
Elīna Brasliņa: Mimi, Jakob und die sprechenden Hunde
Verlagsinfo:
Wer hätte gedacht, dass Jakobs Aufenthalt bei seiner komischen
Cousine Mimi sich als spannendes Abenteuer entpuppen würde! Denn die
Moskauer Vorstadt, der heruntergekommene Stadtteil von Riga, in dem Mimi
wohnt, wird von einem Rudel sprechender Hunde bewacht. Kaum ist Jakob
angekommen, geht es drunter und drüber: Einer der Hunde verschwindet
spurlos, und ein gieriger Geschäftsmann will die Moskauer Vorstadt in
ein seelenloses Hochhausviertel verwandeln. Mimi und Jakob fackeln nicht
lange und starten die Operation “Rettet die Moskauer Vorstadt!”…
Die Abenteuer der beiden Kinder und der sprechenden Hunde wurden von
der Kinderbuchautorin Luīze Pastore erdacht. Ihr Buch “Maskačkas Stāsts”
(“Die Geschichte der Moskauer Vorstadt”) war ein großer Erfolg in
Lettland. Es wurde ins Englische übersetzt und dann von Edmunds Jansons
als Zeichentrickfilm adaptiert. Elīna Braslinas Comic “Mimi, Jakob und
die sprechenden Hunde” basiert lose auf dem gleichnamigen Film.
Sonntag, 14. November 2021
Semjon Hanin: aber nicht damit
Verlagsinfo:
Semjon Hanin, geb. 1970 in Riga, ist ein auf Russisch schreibender
lettischer Dichter. Er ist Gründungsmitglied von Orbita, einer
multimedial agierenden Gruppe russischsprachiger Dichter und Künstler
aus Lettland, die national wie international Aufmerksamkeit findet. Mit
»aber nicht damit« liegt erstmals ein eigenständiger Gedichtband des
Autors auf Deutsch vor.
Hanins Gedichte packen uns immer ganz unmittelbar, denn vom ersten
Wort an sind wir schon mittendrin im Geschehen, das sich aber erst
allmählich und bruchstückhaft entfaltet. Hanin spricht von »innerer
Rede«, und tatsächlich ist es in vielen Fällen so, als säßen wir mitten
im Hirn der Figur, die spricht, als käme das Erfassen der Situation erst
gerade in Gang. Die Formulierungen sind oft eigenartig schief
angeschnitten, wollen nicht ganz passen, kippen oder brechen ganz ab.
Dann tendieren sie wieder zu äußerst komischen Fallhöhen, wenn lautlich
differenziert gestaltete Verse in dezidiert mündliche, floskelgesättigte
Alltagsrede umschlagen oder sich von dort zu klanglich flirrenden
Begriffsfügungen aufschwingen.
In den über achtzig unterschiedlichsten Sprechsituationen legt Hanin
ein besonderes Augenmerk auf randständige Orte des Lebens: eine Reise
mit dem gefälschten Pass, ein Esoterikerkurs, ein Heimwerker-Schwätzer
begegnen uns ebenso wie ein Orakel, das leider mit dem falschen Fuß
aufgestanden ist. So kommen Figuren zur Sprache, die nicht recht in die
Welt passen wollen, grotesk wirken, surreal. Oder passt die surreal
gewordene Welt nicht mehr zu ihnen?
Montag, 1. November 2021
Rūta Briede: Das Geheimnis der Möwenkönigin
Verlagsinfo:
Liebe verleiht Flügel
Dieses wunderbare moderne Märchen aus Lettland handelt von Renata, die ein Geheimnis in sich trägt, an das sie sich selbst nicht erinnern kann. In einer „Geschichte in der Geschichte“ löst sich das Rätsel um Renata. Sie und Ludwig sind reif für die Insel.
Samstag, 23. Oktober 2021
Uta von Arnim: Das Institut in Riga
Verlagsinfo:
Uta von Arnim zeichnet in »Das Institut in Riga« das scharfkantige Bild eines NS-Arztes und seiner Familie. Ein Arzt, der der Großvater der Autorin war.
Herbert Bernsdorff leitet in den Jahren 1941-1944 das Gesundheitswesen der besetzten baltischen Staaten. Im Gutshaus seiner Ehefrau Edda am Stadtrand von Riga, dem Kleistenhof, gründet er das »Forschungsinstitut«. Dort dienen Juden als »Versuchskaninchen«.
Deutsche Wissenschaftler und Laborantinnen arbeiten in Kleistenhof daran, Impfstoff gegen Fleckfieber herzustellen. Eine Gruppe Juden wurde aus dem Rigaer Ghetto nach Kleistenhof geholt. Ihre Aufgabe im Institut war es, zweimal täglich mit ihrem Blut Tausende Läuse zu »füttern«, die ihnen in kleinen, unten offenen Schachteln für dreißig Minuten auf die Haut gebunden werden. Die Läuse sind zum Teil mit Fleckfieber-Erregern infiziert.
Herbert Bernsdorff saß im »Reichskommissariat Ostland«, dem deutschen Machtzentrum. Er unterstützte Gründung und Aufbau des Instituts. Zudem sorgte er dafür, dass im gesamten Baltikum Gesundheitspolitik im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie umgesetzt wurde.
Aus Gesprächen und Interviews mit Familienmitgliedern, Fotos, Archivrecherchen in Berlin und Riga, Zeitzeugenberichten und dem Studium historischer Fachliteratur werden die Geschehnisse rund um das Forschungsinstitut rekonstruiert. Zwischen die Schilderung der historischen Ereignisse setzt die Autorin subjektive Miniaturen.
Mit »Das Institut in Riga« zeigt Uta von Arnim einen Ausschnitt aus der Brutalität des nationalsozialistischen Regimes. Aus der Spurensuche einer Enkelin, die auch selbst Ärztin ist, entsteht eine ungemein eindringliche Darstellung.
Donnerstag, 21. Oktober 2021
Leelo Tungal: Genossin Kind
Mit den Augen des Kindes von damals lässt die Autorin einen Teil ihrer Kindheit Revue passieren: Als ihre Mutter von bewaffneten, russisch sprechenden Männern in schwarzen Ledermänteln abgeholt wird, verspricht diese, bald zurück zu sein, wenn die kleine Leelo brav ist. Da sich die Rückkehr der Mutter immer weiter hinzieht, nagt es in der kleinen Leelo, inwieweit sie für die Situation selbst verantwortlich ist. Hin- und hergerissen zwischen der Abneigung gegenüber allem Russischen und der Anziehungskraft der Sowjetpropaganda, wächst sie trotz allem wohlbehalten bei ihrem Vater, Großeltern, Tanten und Kindermädchen auf. Tungal versteht es, in einer faszinierenden Dichte ihre kindliche Lebenswelt im sowjetisch besetzten Estland der frühen 1950er Jahre wieder lebendig werden zu lassen.
Selbstsicher und neugierig ist die kleine Leelo, die bei ihrem alleinerziehenden und voll berufstätigen Vater das Jägerlatein der Jagdfreunde des Vaters hört oder, „zwischengeparkt“ bei Tante Anne, im Frisörsalon in die Welt der feinen Tallinner Damen hineinschnuppern darf. Der Horizont des kleinen Kindes präsentiert sich durch die Augen Leelos als grenzenloses Universum voller Eindrücke und Erlebnisse, in dem Magisches und Reales noch friedlich nebeneinander hergehen. Aber auch kindliche Furcht schafft sich Raum, diese verknüpft sich mit Erzählungen und dem Erlebten zu einer stereotypen Angst vor schwarzen Männern, die gelegentlich auftaucht, aber nie übermächtig wird. Schillernd erscheint die politische Dimension des Lebens, die die aufgeweckte Leelo schon im Vorschulalter wahrnimmt: Traditionelles Liedgut wird mit pseudosozialistischen Volten von Papa ins Festprogramm des Volkshauses geschummelt; Leelo selbst, über Radio und Kinderbücher zugleich kommunistisch sozialisiert, versteht früh, dass ihre Verwandten politisch betrachtet unsichere Kantonisten sind – wenn es darum geht, an einem warmen Sommertag ein Eis zu bekommen, scheut sie sich nicht, ihre Tante Maali mit ihrem Wissen über eine versteckte Uniform des Onkels aus der Vorkriegszeit zu erpressen.
Freitag, 15. Oktober 2021
Lafcadio Hearn: Der Junge, der Katzen malte
Verlagsinfo:
Dieses traditionelle, japanische Märchen bezeugt, dass jeder seine
Bestimmung hat, auch wenn sein Ansatz noch so „nutzlos“ erscheinen mag.
Wir erleben, dass Begeisterung und nimmermüde Ausdauer bei dem, was uns beseelt, schließlich aus Talent Können
macht. Aus Können wird Meisterschaft und wahre Meisterschaft kann Wunder
wirken.
Lettische Originalausgabe: "Puika, kas zīmēja kaķus" (Jāņa Rozes apgāds, 2017). Nach Motiven eines japanischen Märchens. Übersetzung Japanisch-Lettisch: Renāte Punka. Verlagsinfo: "Ein Buch, in dem das visuelle Bild mit dem Märchentext interagiert und die
Illustrationen eigenständig eine neue Dimension bilden, welche die Fantasie der Betrachter/innen
anregt und die Möglichkeiten zur persönlichen Interpretation gibt."
Donnerstag, 14. Oktober 2021
Wolfgang von Stetten: Wolfskinder - Glücksmomente
Verlagsinfo:
Nach dem Krieg beginnt das Elend. Tausende Kinder fliehen durch die ostpreußischen Wälder nach Litauen, hungernd, frierend, oft ohne Eltern. Es ist eines der dunkelsten Kapitel unserer Zeit. Aber es gab auch die Gesten von Mitmenschlichkeit und Hilfe, es gab die litauischen Familien, die nicht nur ihr Brot teilten, sondern den „kleinen Deutschen“, die man später Wolfskinder nannte, ein neues Zuhause gaben. Wolfgang von Stetten zeigt viele Glücksmomente auf und dokumentiert den 30-jährigen Einsatz für diese lange vergessenen Kriegsopfer. Sein Buch veranschaulicht aber auch, dass man als Politiker oft unkonventionell handeln muss, will man wirklich etwas erreichen.
„Ostpreußen, Litauen, Deutschland – was ist die wirkliche Heimat? Dort, wo man geboren wurde, dort wo man aufwuchs und lange lebte, dort wo man hoffte, eine neue (alte) Heimat zu finden? Zweimal versuchte ich vergeblich, die Hilfe für die Wolfskinder auf materielle Bedürftigkeit einzuschränken. Für sie war die Unterstützung eine Art Schmerzensgeld für die Verletzungen, Balsam für die geschundenen Seelen und das Heilmittel für die nächtlichen Albträume. Es war für viele aber auch eine Genugtuung, dass sie nicht vergessen waren und andere die Pflicht des Deutschen Staates übernahmen. Auch wenn sie Wanderer zwischen drei Welten bleiben, mögen sie die innere Heimat finden!“ Wolfgang von Stetten
Mittwoch, 6. Oktober 2021
Jaan Kross: Gegenwindschiff
Der Roman "Gegenwindschiff" von Jaan Kross, dem bedeutendsten estnischen Schriftsteller der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, erschien 1987. Hauptperson der Erzählung, die Kross nicht als Biographie, sondern allenfalls als „romanisierte Biographie“ verstanden wissen will, ist der verschrobene Tüftler und Erfinder Bernhard Schmidt. Als Jugendlicher verliert Schmidt beim Experimentieren mit Schießpulver seine rechte Hand. Trotzdem perfektioniert er die manuelle Fertigung von Linsen und Spiegeln für astronomische Geräte und erfindet ein völlig neuartiges Spiegelteleskop, das in der Astrofotografie erfolgreich verwendet wird. Auch andere Erfindungen ersinnt dieser kreative Geist, der ab 1926 in der Sternwarte von Hamburg-Bergedorf arbeitete: das titelgebende "Gegenwindschiff" ist ein gänzlich anders geartetes Segelschiff, das besonders gut im Gegenwind Fahrt aufnimmt.
Der Roman verfolgt zwei Handlungsstränge: Im ersten erzählt Schmidt – zwischen Selbstzweifeln und Hochmut hin- und hergerissen – in der Ichform vom dramatischen Auf und Ab seines Lebens. Damit verwoben ist der zweite Strang, der die spannende Recherche des Autors wiedergibt, der Menschen aufsucht, die Schmidt noch persönlich kannten. Kross gelingt durch seine eindrucksvoll psychologische Darstellungsweise nicht nur ein beeindruckendes Porträt, sondern auch ein plastisches Panorama Deutschlands in der Zeit der Zwischenkriegsjahre von 1926 bis zu Schmidts Tod 1935.
Mittwoch, 15. September 2021
Rasa Aškinyte: Kleines Bernstein
Verlaginfo:
So war es nicht, aber so hätte es sein können
- Neuentdeckung einer außergewöhnlichen litauischen Autorin
- Historische Fiktion mit philosophischem Geist
- Starke Frauen in einer patriarchalischen Gesellschaft
Späte Römerzeit – 2. Jahrhundert. Auf der Bernsteinstraße, die das Land des Volkes der Ästier an der Ostsee mit Rom verbindet, werden Bernstein, Pelze und Metalle gehandelt. Die siebenteilige Struktur des Romans – sieben Szenen, sieben Unterszenen und sieben Charaktere – balanciert das Historische, Mythische und Alltägliche aus. Die männliche Welt des Handels und der territorialen Konflikte verbindet die litauische Autorin Rasa Aškinytė mit der weiblichen, häuslichen Welt. In der für Aškinytė typischen kompakten, filmischen Prosa verflechtet sie die Schicksale zweier starker Frauen, die um ihren Platz in der Gesellschaft kämpfen. Selija ist die Frau des Stammesführers der Ästier, die sich ihrer Stellung bewusst ist und sie leidenschaftlich verteidigt. Glesum (lat. für Bernstein) ist eine ehemalige Sklavin aus einer vornehmen Familie, die Gondas, der Stammesführer, von einer Handelsreise auf der Bernsteinstraße mitbrachte. Sie wird seine heimliche Geliebte. Die Spannung zwischen diesen beiden Frauen – der Ehefrau und der Geliebten –, Liebe und Hass, Ehrgeiz, der Wunsch nach Macht und Sicherheit sowie Rituale und Magie treiben die Geschichte voran, die mehr poetische Rekonstruktion als historischer Roman ist. Die Autorin versteht es die Leserschaft in eine ferne, nur wenig zugängliche Vergangenheit zu führen.
Dienstag, 14. September 2021
Antanas Sutkus: children
Verlagsinfo:
Der litauische Fotograf Antanas Sutkus
hat vor allem ein Lieblingsmotiv, dem sich dieses Buch ausführlich
widmet: Kinder und ihre Welt. Immer wieder kehrt Sutkus zu ihnen zurück,
um die verschiedenen Facetten kindlicher Lebenswelten zu zeigen und wie
diese die Welt der Erwachsenen beeinflussen. »Für mich als Fotograf ist
die Kindheit die wichtigste Bühne«, hat Sutkus einmal gesagt, »Kinder
leben in einer anderen Welt. Manchmal ist es mir gelungen, diese Welt zu
zeigen: nicht die reale Welt, die wir gewohnt sind, sondern ihre Welt.
Kinder leben nicht auf der Erde, sondern auf einem anderen Planeten.«
Auf Augenhöhe, respektvoll und doch präzise zeigt Sutkus die Kinder dieser Welt: gemeinsam mit ihren Eltern und Verwandten, mit Freundinnen und Freunden oder beim Spielen oder Lernen in der Schule. Er fängt die schönen Seiten wie auch die Entbehrungen des Kindseins ein, die Schwierigkeiten des Heranwachsens, Einsamkeit und Zusammenhalt, sowie jene unvermeidbaren Krisen der Kindheit, die ein Erwachsenenleben vielleicht für immer prägen. Für Sutkus leben Kinder nicht in einem Paradies, sondern in einem anderen Universum – einer Lebensphase, die Menschen jenseits ihrer nationalen und kulturellen Grenzen verbindet.
Montag, 13. September 2021
Antanas Sutkus: pro memoria
Herausgegeben von Thomas Schirmböck. Steidl Verlag, Göttingen, 1. Auflage 2020. 128 Seiten, 86 Abbildungen, Englisch / Litauisch. Übersetzungen: Sandra Bernotaite (Litauisch), Caryl Swift (Englisch), Edita Gudišaukaite (Polnisch-Litauisch). Lektorat Monte Packhan (Englisch). ISBN 978-3-95829-640-4, 35.00 Euro
Verlagsinfo:
Der 1939 geborene Antanas Sutkus erfuhr von seinen Großeltern bereits
während des Zweiten Weltkriegs von der Massentötung der Juden. Er distanzierte sich von der Demütigung und Zerstörung der Menschlichkeit
in seinem Heimatland Litauen und empfand Scham und
Schuldgefühle für die Gräueltaten, die hinter den Toren des Ghettos
Vilijampole und des Neunten Festung begangen wurden. Während der
„Sonderaktion 1005“ zwischen 1942 und ’44 versuchte die deutsche
Besatzungsmacht, die Relikte der Opfer zu beseitigen. 1988 begann
Sutkus, die Juden aus Kaunas zu fotografieren, die dem Tod in
den Konzentrationslagern entkommen waren; Pro Memoria präsentiert eine
Auswahl dieser Porträts und belegt die Beziehungen, die Sutkus zu den dargestellten Personen geknüpft hat.
Bereits zur Zeit des Großfürsten
Gediminas (1275–1341), der aus verschiedenen europäischen Staaten
Kaufleute und Handwerker nach Litauen einlud, wurde den Juden dort
Schutz und Unterstützung geboten. In den folgenden 600 Jahren haben sie
durch ihre Leistungen und Gebete, Druckwerkstätten und Synagogen,
Bibliotheken und Turnhallen, Lieder und Legenden in Litauen Wurzeln
geschlagen. Dieser lebendige Zweig der litauischen Kulturgeschichte
wurde dann gewaltsam zerstört, 200.000 Juden ermordet und an
Waldrändern, Steinbrüchen und Todeslagern in Gruben geworfen.
Dieses Buch ist eine Hommage an diese Menschen und ein Ausdruck von
Bemühungen um Verständnis, Buße, Reinigung und Wiedergeburt.
Sonntag, 12. September 2021
Antanas Sutkus: Planet Lithuania
Herausgegeben von Thomas Schirmböck. Steidl Verlag, Göttingen, 1. Auflage 2018, 2. Auflage 2021. 272 Seiten, Englisch / Deutsch / Französisch / Litauisch. Übersetzungen: Sandra Bernotaite, Jolanta Jezauskaite (Litauisch), Monte Packham (Englisch), Petra Gaines (Deutsch), Jean-Christophe Vigneau, Marielle Vitureau (Französisch). ISBN 978-3-95829-512-4, 38.00 Euro.
Verlagsinfo:
Dieses Buch ist ein reichhaltiger Überblick über Antanas Sutkus’ Fotos
der Bevölkerung seiner Heimat Litauen während der Besetzung durch die
Sowjetunion. Sutkus ist vor allem ein humanistischer Fotograf, sein
„Kosmos“ sind seine Mitbürger: Kinder, Liebende, Alte; wie sie sich mit
Moderne und Tradition, Natur und Stadt auseinandersetzen und ihre
Identität ausdrücken – alles in einem offenen, einfühlsamen Stil, der
fernab sowjetischer Ideale das Fundament der litauischen Fotoschule
bildet.
Indem Sutkus ein Leben in Würde und Integrität hinter
dem Eisernen Vorhang enthüllt, ist Sutkus' Werk ebenso politisch wie
persönlich, ein Beweis dafür, wie Litauen sein kulturelles Selbst gegen
die Sowjetunion behauptet, die das Land vom Zweiten Weltkrieg bis 1990
besetzte. Der Kampf hat inzwischen Früchte getragen: 2004 wurde Litauen
sowohl Mitglied der NATO als auch der Europäischen Union und ist heute
eine der am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften Europas.
Samstag, 11. September 2021
Neringa Naujokaite: Art Deco
Verlagsinfo:
Die Dia- und Videoinstallation Art Deco der litauischen Künstlerin Neringa Naujokaite visualisiert den Restaurierungsprozess einer Wohnung aus der Zwischenkriegszeit in ihrer Heimatstadt Kaunas. Das Buch dokumentiert die umfangreiche Installation, die in ihrer räumlichen Form nur temporär existierte. Gleichzeitig fasst es das über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren von der Künstlerin gesammelte Bild- und Textmaterial zusammen und gibt den komplexen Prozess der authentischen Rekonstruktion des Interieurs wieder.
Neringa Naujokaite (* 1966) studierte an der staatlichen Kunstakademie Vilnius und an der Kunstakademie Düsseldorf. Anschließend absolvierte sie 2003 den Postgraduiertenstudiengang „Audiovisuelle Medien“ an der Kunsthochschule für Medien Köln. Im Fokus ihrer Arbeiten stehen soziale und urbane Räume. Ihr Projekt Art Deco befasst sich mit der Haltung der heutigen litauischen Gesellschaft gegenüber ihrem architektonischen Erbe, das zunehmend von Verfall und Abriss bedroht ist.
Mittwoch, 11. August 2021
Guido Lange: Abenteuer Baltikum
Verlagsinfo:
"Das Abenteuer Baltikum ist mein ganz persönlicher Lebenslauf. Er hat
mich für immer verändert. In 107 Tagen reiste ich in Laufschuhen entlang
der Ostseeküste von Stralsund nach Tallinn. Ohne Begleitung konnte ich
mich ganz der Natur, den Menschen und ihren Kulturen widmen. Aus Fremden
wurden Freunde, aus Erwartung wurde Wirklichkeit, aus Wagemut wurde
Selbstvertrauen. Trubelige Urlaubsorte und einsame Gegenden erlebte ich,
genussvolle Pausentage in den Städten wechselten sich mit enthaltsamen
Lauf- tagen ab. Ich spürte die Mystik des Baltikums, den Zauber
unberührter Natur und die Vielfalt der Menschen in sieben Ländern. Ich
fand, was ich suchte, Erlebnisse, Ruhe und nicht zuletzt viel Neues über
mich selbst." (Guido Lange, Autor)
Kapitelübersicht
Wieso, weshalb, warum? (Gründe)
Funke, Sehnsucht, Reiselust (vom Anfang)
Was brauche ich denn so? (Über die Ausrüstung)
Auf ins Baltikum! (Das Laufkapitel)
Gesund und munter! (Laufen und Gesundheit)
Iss was! (Essen im Baltikum)
Wohin des Wegs? (Straßen, Wege, Orte im Baltikum)
Reisende soll man nicht aufhalten (Begegnungen mit anderen Baltikumreisenden)
Jede Jeck is anders! (Die Menschen im Baltikum)
Wo man singt, da lass dich nieder (Das Kulturkapitel)
Wie schön ist‘s auf dem Land (Landschaft und Regionen)
Was bleibt? (Eine Nachbetrachtung)
Dienstag, 6. Juli 2021
Ralf Jörg Raber: Beliebt bei älteren Damen und jüngeren Herrn
Verlagsinfo:
Paul O’Montis (1894–1940) gehörte in den „Goldenen Zwanziger Jahren“ zu
den Stars der deutschsprachigen Kabarett- und Kleinkunstszene. Die
größten europäischen Schallplattenfirmen hatten ihn unter Vertrag, seine
Schlager und Chansons liefen, auch live, im Radio. Er tourte durch halb
Europa, verzauberte sein Publikum in den Metropolen ebenso wie in der
Provinz. Er gehörte zu den Ersten, die dank Mikrofontechnik den
popmusikalischen Liedvortrag modernisierten und die dem Tabu
Homosexualität, sexuelle Diversität und Genderthematik im kommerziellen
Pop Ausdruck verliehen. Doch seinen Ruhm konnte er nur kurz genießen:
Der Machtantritt der Nazis setzte seiner Karriere in Deutschland ein
jähes Ende. Paul Wendel, wie O’Montis bürgerlich hieß, war schwul. Er
kam ins Gefängnis und emigrierte nach verbüßter Haft. Im Exil fand er
eine innere wie äußere Freiheit, die „ansteckend“ war und Homosexuelle
in seine Konzerte zog. 1939 wurde Paul O’Montis in Prag verhaftet, 1940
in das Konzentrationslager Sachsenhausen verschleppt und dort ermordet.
enthält folgende Kapitel: Anfänge in Riga, Künstlerreise durch Lettland.
Freitag, 4. Juni 2021
Brüggemann / Tuchtenhagen / Wilhelmi (Hrsg.): Das Baltikum - Band 3
Verlagsinfo:
Das wissenschaftliche Handbuch „Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region“
erfasst erstmals in deutscher Sprache die gesamte Geschichte des
Baltikums von den Anfängen bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts. Ein
internationales Autorenteam, vor allem aber Historikerinnen und
Historiker aus Estland, Lettland und Litauen, geben einen fundierten
Einblick in die Vergangenheit der drei Staaten in ihren europäischen
Bezügen und transnationalen Verflechtungen, ohne dabei die bedeutenden
Unterschiede konfessioneller, sprachlicher und kultureller Natur
innerhalb des Baltikums aus den Augen zu verlieren.
Mit Beiträgen von Karsten Brüggemann, Christoph Dieckmann, Tobias Etzold, David Feest, David J. Galbreath, Saulius Grybkauskas, Jörg Hackmann, Detlef Henning, John Hiden (†), Andres Kasekamp, Olaf Mertelsmann, Česlovas Laurinavičius, Andrejs Plakans, Ulrich Prehn, Axel Reetz (†), Valters Ščerbinskis, David Smith, Geoffrey Swain, Joachim Tauber, Ralph Tuchtenhagen, Sigita Urdze, Elena Zubkova
Mittwoch, 19. Mai 2021
Brüggemann / Henning / Maier / Tuchtenhagen (Hrsg.): Das Baltikum - Band 2
Karsten
Brüggemann, Detlef Henning, Konrad Maier, Ralph Tuchtenhagen (Hrsg.):
Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region. Band 2: Vom Beginn der Frühen Neuzeit bis zur Gründung der modernen Staaten . Anton Hiersemann Verlag,
2021. Im Auftrag des Nordost-Institutes (IKGN e. V.) in drei Bänden
herausgegeben von Karsten Brüggemann und Ralph Tuchtenhagen. ISBN 978-3-7772-2100-7, 776 Seiten, 98,00 Euro.
Verlagsinfo:
Das Baltikum bildet in der europäischen Geschichte eine umstrittene
Grenzlandschaft, in der multiethnische Bevölkerungen häufig Machtwechsel
und kulturellen Wandel bewältigten. In Band 2 des dreibändigen
Handbuches zeichnen 22 Autoren aus sieben Ländern in 23 Kapiteln diese
wechselvolle Geschichte vom Ende des baltischen Mittelalters (1561) bis
zur Entstehung moderner Nationalstaaten im 20. Jahrhundert (1918) nach.
Für diese sehr lange Neuzeitepoche stehen die polnische, dänische und
schwedische Herrschaft im Baltikum, später die sogenannten »baltischen
Ostseeprovinzen« als Teil des Russländischen Reiches im Mittelpunkt der
Darstellung. Dabei werden im Inneren die Konflikte zwischen deutschen
und polnischen Oberschichten sowie den bäuerlichen Schichten, später
Nationalbewegungen der Esten, Letten und Litauer, ebenso berücksichtigt
wie der Wandel der kulturellen, agrarökonomischen, städtegeschichtlichen
und konfessionellen Verhältnisse.
Mit Beiträgen von Hans-Jürgen Bömelburg, Karsten Brüggemann, Bogusław Dybas, Andreas Fülberth, Gregory L. Freeze, Aleksandr Gavrilin, Detlef Henning, Jürgen Heyde, Mārīte Jakovļeva, Torkel Jansson, Paweł A. Jeziorski, Enn Küng, Jan Kusber, Mati Laur, Vejas Gabriel Liulevicius, Kersti Lust, Zita Medišauskienė, Mathias Niendorf, Darius Staliūnas, Ralph Tuchtenhagen, Pärtel Piirimäe, Bradley Woodworth
Dienstag, 18. Mai 2021
Brüggemann / Henning / Maier / Tuchtenhagen (Hrsg.): Das Baltikum - Band 1
Verlagsinfo:
Das wissenschaftliche Handbuch „Das Baltikum. Geschichte einer europäischen Region“
erfasst erstmals in deutscher Sprache die gesamte Geschichte des
Baltikums von den Anfängen bis zum Anfang des 21. Jahrhunderts. Ein
internationales Autorenteam, vor allem aber Historikerinnen und
Historiker aus Estland, Lettland und Litauen, geben einen fundierten
Einblick in die Vergangenheit der drei Staaten in ihren europäischen
Bezügen und transnationalen Verflechtungen, ohne dabei die bedeutenden
Unterschiede konfessioneller, sprachlicher und kultureller Natur
innerhalb des Baltikums aus den Augen zu verlieren.
Band 1, herausgegeben von Karsten Brüggemann, Ralph Tuchtenhagen, Detlef Henning und Konrad Maier, behandelt die naturräumlichen Rahmenbedingungen, die zur Besiedlung des Baltikums in vorgeschichtlicher Zeit führten, die Entwicklung sozioökonomischer, politischer und kultureller Verbände, die Eroberung des Baltikums durch die Nachbarmächte in der Zeit um 1200 und die Ausformung weltlicher und geistlicher Herrschaften zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert. Den Abschluss bildet der Übergang zur Neuzeit, der im baltischen Raum durch den Livländischen Krieg, die Reformation und die Auflösung der vom Deutschen Orden dominierten Territorien markiert war.
Mit Beiträgen von Karsten Brüggemann, Aleksandr I. Filjuškin, Cornelius Hasselblatt, Tiina Kala, Juhan Kreem, Hansjörg Küster, Christian Krötzl, Andris Levans, Konrad Maier (†), Ilgvars Misāns, Mathias Niendorf, Rimvydas Petrauskas, Inna Põltsam-Jürjo, Anti Selart, Andris Ŝnē, Ralph Tuchtenhagen, Matthias Thumser, Heiki Valk
Sonntag, 18. April 2021
Die schönsten Motorradtouren in Osteuropa
Enthält die Beiträge von Elke Potthoff "Estland - im Norden des Baltikums" und "Lettland - im Reich der langen Abende", sowie Jo Deleker "Litauen - neue Horizonte".
Verlagsinfo:
Bekannte Motorradjournalisten zeigen Ihnen in 20 traumhaften
Motorradtouren die Schönheit Osteuropas und führen Sie zu
unvergesslichen Highlights und absoluten Geheimtipps. Zwischen Baltikum,
Türkei und Ural gibt es unfassbar viel neues zu entdecken! Tolle Bilder
geben Ihnen schon Zuhause bei der Planung einen Eindruck von den
unterschiedlichen Ländern und machen Lust, diese Gegenden selbst zu
erfahren. Außerdem enthält dieses Buch praktische Infos, die es Ihnen
einfach machen, die vorgeschlagenen Routen nachzufahren:
Hotelempfehlungen, Biker-Treffs und Sightseeing-Tipps ermöglichen
authentische Einblicke in die Regionen, Karten und GPS-Daten zum
Download erleichtern den Aufenthalt.
Freitag, 2. April 2021
Paavo Matsin: Gogols Disko
Verlagsinfo:
Europa in wenigen Jahren: Das neugegründete Zarenreich Russland hat das gesamte Baltikum gewaltsam annektiert und dabei jede Spur estnischer Kultur ausgelöscht. Viljandi, ein vormals gemächliches Städtchen im Herzen Estlands, wurde so zum Sammelbecken für allerlei Bohemiens und gescheiterte Existenzen aus dem neuen Zarenreich.
Eines Morgens raubt der Meisterdieb Konstantin Opiatowitsch in der Straßenbahn einen Mann aus, der sich als der große russische Literaturklassiker Nikolai Gogol entpuppt, nach rund 170 Jahren von den Toten zurückgekehrt. Zusammen mit einem Haufen so zwielichtiger wie charmanter Kleinkrimineller und Tagediebe versucht Opiatowitsch den Wiedergänger für seine Zwecke einzuspannen – doch der will sich nicht in ihren Plan fügen und entfesselt für seine Entführer einen albtraumhaften Reigen, der ganz Viljandi ins Chaos stürzt.
In Gogols Disko nimmt Kultautor Paavo Matsin nicht nur die Angst der Esten vor dem mächtigen Nachbarn aufs Korn, sondern auch ihre Zerrissenheit zwischen östlicher und westlicher Kultur. Mit seinem anarchischen Humor und zahlreichen Bezügen zur Popkultur der Beatles-Ära gelingt es ihm, eine Atmosphäre heraufzubeschwören, in der diese Angst greifbar und zugleich ad absurdum geführt wird.
Mittwoch, 24. März 2021
Andreas Fülberth (Hg.): Denkmalschutz, Architekturforschung, Baukultur
Verlagsinfo:
Für Estland, Lettland und Litauen verbinden sich mit Denkmalschutz
Herausforderungen, aber auch Chancen. Der Band resümiert
Denkmalschutz-Geschichte, reflektiert Fragen der Baukultur und liefert
Beispiele dafür, wie Architektur des 20. Jahrhunderts interpretiert
werden kann.
Aus der 1940 begonnenen Sowjetisierung des Baltikums resultierte ein
facettenreicher Umgang mit Denkmalschutzfragen, eröffneten diese doch
selbst unter sowjetischer Herrschaft gewisse Spielräume für nationale
Selbstdarstellung. Seit 1991 die Eigenstaatlichkeit zurückgewonnen
werden konnte, stellt sich zusätzlich die Frage nach angemessenem Schutz
für Baudenkmäler der Unabhängigkeitsperiode ab 1918 oder der Sowjetära.
Gleichzeitig wurden historisch bedingte Formen von Baukultur sichtbar,
die spezifisch baltisch anmuten. Die Beiträge in diesem Band ermöglichen
hierzu Betrachtungen und Vergleiche.
Mit Beiträgen von Arnold Bartetzky, Andreas Fülberth, Alexander von Knorre, Krista Kodres, Mārtiņš Mintaurs, Ieva Kalnača, Anneli Randla, Mart Kalm, Gytis Oržikauskas, Vilte Janušauskaite, Felix Ackermann, Tomasz Torbus und Evelina Karelevičiene.
Freitag, 19. März 2021
Kertu Sillaste: Der schönste Rock der Welt
Verlagsinfo:
Einst lebte im hohen Norden ein Mädchen namens Marie. Sie nähte für
ihre Schwester den schönsten Rock der Welt, rot und reich mit
Blumenmustern bestickt. Und plötzlich wollten alle Mädchen im Dorf, die
zum Fest gingen, auch so einen wundervollen Rock wie Marie haben.
Kertu Sillaste zeigt in ihrem farbenfroh illustrierten Buch über
Geschwisterliebe den Wert von Tradition und Handarbeit. Ein Buch über
Mode und Schönheit, das Kinder zum nachhaltigen Denken anregt und zum
kreativen Selbermachen einlädt.
Mittwoch, 3. März 2021
Kristijonas Donelaitis: Die Jahreszeiten
Verlagsinfo:
Der 1714 als Sohn eines Freibauern bei Gumbinnen geborene und 1780
verstorbene litauische Lehrer und lutherische Pfarrer Kristijonas
Donelaitis gilt im heutigen Litauen als Begründer der litauischen
Literatur, auch wenn von der poetischen Produktion des begabten und
vielseitigen, dem Leben und all seinen Erscheinungen zugewandten
Donelaitis zu Lebzeiten nichts veröffentlicht wurde und nur in
Abschriften zirkulierte.
Sein Hauptwerk ist eine nach und nach entstandene Folge von Szenen aus dem Leben der litauischen Bauern in Ostpreußen,
geordnet nach den vier Jahreszeiten und in Hexametern verfasst, die den
Singsang der gesprochenen Sprache wunderbar wiedergeben und von Arbeit
und Festen, von der Landschaft und den Tieren, von Frondienst, Freude
und Last, vom dörflichen Zusammenleben erzählen. Freundlich und
verspielt, der Welt zugewandt, aber auch zu Verantwortung und
Frömmigkeit mahnend, sind die Verse ein anschaulicher, reicher,
unterhaltsamer Genuss. 1977 nahm die UNESCO das Buch in die Bibliothek
der literarischen Meisterwerke auf.
Mittwoch, 10. Februar 2021
Jaroslav Melnik: Der weite Raum
Verlagsinfo:
Jaroslav Melniks brilliante Dystopie und philosophische Reflexion ist
eine Ode an die Freiheit zu denken und zu sein. Eine mitfühlende Parabel
gegen die Ideologie der Entmenschlichung und ein Affront für alle
Sicherheits- und autoritären Regime, die uns Schritt für Schritt unserer
individuellen Freiheiten berauben wollen.
Megapolis, eine von Blinden bevölkerte futuristische Metropole. Die
Menschen orientieren sich im Raum mittels Sensoren, von denen sie
vollständig abhängig sind. Nur Gabr erlangt sein Augenlicht zurück und
entdeckt die abscheuliche Realität: in der Megacity leben zerlumpte
Wesen unter einer totalitären Regierung, für die der Begriff des
„Sehens“ nicht existiert. Politik, Bildung und Technologie dienen dazu,
ihre Blindheit zu erhalten.
Das Kontrollministerium diagnostiziert Gabr eine Psychose des „Weiten
Raums“, die umgehend behandelt werden muss. Sein Treffen mit dem
Ex-Seher Ox, Anführer einer revolutionären Gruppe, die Megapolis
zerstören will, stellt Gabr vor eine Entscheidung: Die Lüge zu
akzeptieren oder mit Terror seine Familie und Tausende unschuldiger
Menschen zu opfern, die von der Wahrheit nichts wissen und in einer
freien Welt nicht leben können. Eine spektakuläre Wende zieht den Leser
in ihren Bann…
Ein intelligenter und origineller Roman über Freiheit, Organisation der
Gesellschaft, Angst vor Veränderungen und die Opfer, die eine
Gesellschaft bringen will, um in Sicherheit zu leben.
Jaroslav Melnik
ein Kind des Gulag, geboren 1959 in
der Ukraine, lebt im litauischen Vilnius und ist ein international
bekannter Schriftsteller, Autor zahlreicher Romane und Kurzgeschichten,
die Science-Fiction und aktuelle philosophische Themen verbinden. Sein
Roman „Der weite Raum“ wurde in mehrere Sprachen übersetzt und 2013 als
Buch des Jahres von der BBC, 2018 in Frankreich mit dem Preis Libr'à
Nous ausgezeichnet und für den Europäischen Preis Utopiales für den
besten Science-Fiction-Roman nominiert. In ukrainischen höheren Schulen
gehört das Buch bereits zur Pflichtliteratur.
Donnerstag, 28. Januar 2021
Mick Schulz: MS Mord - baltische Angst
Verlagsinfo:
Kriminalrat a. D. Marius Gautier geht in Kiel an Bord der Baltic Crown. Eigentlich wäre er lieber wandern gegangen, aber ein Unfall zwang ihn, seine Urlaubspläne zu ändern. Nun befindet er sich auf Ostsee-Kreuzfahrt mit den Stationen Danzig, Klaipeda, Riga, Tallinn und St. Petersburg. Nach anfänglicher Langeweile verdreht ihm das Model Ona Kakies den Kopf und zieht ihn in eine Mordaffäre hinein. Ona glaubt, den Mörder ihrer Eltern auf dem Schiff wiedererkannt zu haben und fühlt sich bedroht. Gautier bietet ihr seine Hilfe an. Die Spuren führen sie zunächst nach Estland, zurück in gefahrvolle Zeiten …
Donnerstag, 7. Januar 2021
Joonas Sildre: Zwischen zwei Tönen
Verlagsinfo:
„Aus dem Leben des Arvo Pärt“ verfolgt den Werdegang des weltberühmten
Komponisten Arvo Pärt von seiner Kindheit im okkupierten Estland bis zu
dem Jahr 1980, als er auf Druck der sowjetischen Regierung mit seiner
Familie nach Wien emigrierte. Auf Grundlage jahrelanger Recherchen
zeichnet Joonas Sildre in kurzen Episoden das stimmungsvolle Portrait
eines bescheidenen, rastlosen Künstlers, der auf seiner Suche nach Sinn
und einer eigenen Musiksprache auch nicht die Konfrontation mit der
Staatsmacht scheute. Seine größte Inspiration fand Pärt, der als junger
Mann vor allem Filmmusik komponierte, in alter sakraler Musik, die
schließlich zur Grundlage seines Tintinnabuli-Stils wurde. Die Graphic
Novel wurde 2018 anlässlich der Eröffnung des Arvo-Pärt-Zentrums in
Laulasmaa / Estland veröffentlicht und mehrfach ausgezeichnet.
Sonntag, 3. Januar 2021
Olga Bazileviča: Als das Ich Kind war
Verlagsinfo:
Texte, in denen sich erwachsene Erzähler ihrer Kindheit erinnern,
widerspiegeln komplexe Vorgänge der Verknüpfung vom Privaten bzw.
Individuellen und Gemeinsamen bzw. Historischen, aber auch von
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Olga Bazileviča untersucht in
ihrer innovativen Studie Romane aus Deutschland, Russland und Lettland,
in denen aus der post-sozialistischen Perspektive einer Kindheit im
Sozialismus gedacht wird. Dabei werden die Romane als
erinnerungskulturelle Medien betrachtet: Es wird ein Überblick über die
jeweiligen aktuellen offiziellen Erinnerungskulturen geboten, in deren
Kontext die narratologischen Textanalysen dann eingebettet werden. Statt
sich nur auf die Inhalte zu konzentrieren und Texte als fixe Einheiten
zu kategorisieren, untersucht Olga Bazileviča – ein besonderes Augenmerk
dem Wie der Texte widmend – vielmehr das Verhältnis, in dem sie
zu einem bestimmten Zeitpunkt zu den offiziellen Erinnerungskulturen
stehen und entwirft somit einen Rahmen, der dem sich stets verändernden
Charakter dieser entspricht.
Durch die Aufnahme der Werke aus
lettischer Gegenwartsliteratur ermöglicht die Studie außerdem Einblicke
in einen in der deutschsprachigen Literaturwissenschaft bisher kaum
beachteten Bereich.
Die Autorin: Olga Bazileviča studierte
Germanistik sowie Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft in
Lettland, Kanada und Deutschland und wurde mit vorliegender Arbeit in
Gießen in AVL promoviert. Zurzeit unterrichtet sie freiberuflich in
Leipzig.



































