Freitag, 31. März 2017

Laurynas Katkus: 100 Jahre litauischer Literatur

Ein Crashkurs.Übersetzungen aus dem Litauischen, Redaktion: Saskia Drude und Jürgen Buch. Konzept / Gestaltung / Layout: Indrė und Laura Klimaitė. Lithuanian Culture Institute, Vilnius 2017.

Inhalt:
Laurynas Katkus - Nehmet mit und leset.
Rita Tūtlytė - Die litauische Literatur 1918-1945
Mindaugas Kvietkauskas - die vielsprachige Literatur im Litauen der Zwischenkriegszeit
Dalia Satkauskytė - Bruch und Kontinuität, litauische Literatur der Sowjetzeit
Laurynas Katkus - die Literatur der zweiten Republik 1990-2016

Herausgegeben aus Anlaß der Buchmesse Leipzig 2017

Mittwoch, 29. März 2017

Marija Drėmaitė: Baltic Modernism

Architecture and Housing in Soviet Lithuania. DOM Publishers, Berlin 2017. Aus dem Litauischen von Darius Sužiedelis. 250 Seiten, 300 Abbildungen, Text englisch. ISBN 978-3-86922-470-1, € 28.00.

Verlagsinfo:
Diese reichhaltig illustrierte Monographie bringt die moderne Nachkriegs-Architektur Sowjet-Litauens zur Diskussion, welche, zusammen mit den beiden anderen baltischen Republiken, als außerordentlich galt, die sich westliche Kulturmodelle sehr viel schneller und mit größerem Engagement aneignete und daher als "sowjetischer Westen" angesehen wurde. Dennoch, hier spezifische architektonische Züge zu identifizieren, die den Modernismus der baltischen Region von den anderen Sowjetrepubliken unterschied, ist nicht leicht, und die Spezifika einer Analyse des sowjetischen Modernismus verlangt auch einen sozio-politischen Ansatz. In diesem Buch beruht die Untersuchung der sowjetlitauischen Architektur auf dem Verhältnis zwischen dem Diskurs offizieller Planungsverfahren und der örtlichen sozialen Praxis, sowie der weiten Spannbreite historischer Akteure in Planungsprozessen.


Dienstag, 28. März 2017

Renata Šerelytė: Der Windreiter

Roman. Aus dem Litauischen von Cornelius Hell. Wieser Verlag, Klagenfurt / Celovec 2017, 200 Seiten, ISBN: 978-3-99029-230-3, 19,80 Euro.

Verlagsinfo:
Sascha ist mit einem Journalisten-Trio unterwegs, das eine Fernseh-Reportage über ihre Vater-Suche drehen soll. Die Reise geht zum kleinen Gehöft der Großeltern, einem grotesken Paar. Der Vater bleibt ein Rätsel, das sich noch dadurch verkompliziert, dass Sascha aus Sibirien kommt, die Großeltern jedoch in Litauen sind.
Plötzlich ist Hufgetrampel zu hören. Ein Pferd jagt vorbei, der Reiter wirft etwas zu Boden und flitzt davon. Im Garten findet man ein Baby, einen kleinen Jungen. Sascha spürt, dass sie ihren Vater gefunden hat. Das Trio hat nichts mehr zu tun und fährt ratlos ab. Die Reportage wird es nicht geben.
Der Roman ermöglicht viele Einblicke in den Alltag, die Mentalitäten und Probleme in Litauens Gegenwart und jüngster Vergangenheit; der Stadt-Land-Gegensatz wird in exotischen Szenen spürbar. Der Einbruch des Märchenhaft-Phantastischen spiegelt die Desorientierung des jungen Mädchens.

Renata Šerelytė, 1970 in einem litauischen Dorf geboren, lebt in Vilnius. Ihre Erzählungen wurden u. a. ins Deutsche, Englische, Französische, Russische und Schwedische übersetzt und haben einen festen Platz in der litauischen Literatur. Neben wichtigen Romanen veröffentlichte sie auch Essays und Kinderbücher. Auf Deutsch erschienen die Romane „Sterne der Eiszeit“ (2002) und "Blaubarts Kinder".
Cornelius Hell, geb. 1956 in Salzburg, war Lektor an der Universität Vilnius und lebt heute als freier Autor, Übersetzer und Kritiker in Wien. Er ist u. a. Autor des Buches „Der eiserne Wolf im barocken Labyrinth. Lesereise Vilnius“ (2009) sowie zahlreicher Essays und Radio-Beiträge über Litauen. Für seine Übersetzungen aus dem Litauischen (Lyrik, Prosa und Theater) wurde Cornelius Hell 2010 mit dem Litauischen Staatspreis ausgezeichnet.

Sonntag, 26. März 2017

Maurin / Wohlfahrt: VERSschmuggel - perVERSmai

Gedichte aus Litauen. Herausgegeben von Aurélie Maurin und Thomas Wohlfahrt. Verlag Das Wunderhorn, Heidelberg 2017. ISBN: 978-3-88423-563-8. 134 Seiten, 19,80 Euro.

Verlagsinfo:
Zwölf Dichterinnen und Dichter aus dem litauischen und deutschen Sprachraum finden sich in der vorliegenden Anthologie vereint und geben darin in mehrfacher wie auch ungewöhnlicher Weise Einblicke in ihr Schaffen.
Alle Gedichte erscheinen zweisprachig, über den gedruckten QR-Code und mithilfe eines Mobiltelefons können die Stimmen der Dichter zugeschaltet werden, sodass sich der private Lese- zu einem Konzertraum erweitern lässt. In kurzen Essays berichten die Dichterinnen und Dichter zudem aus ihren poetischen Werkstätten. Bislang wissen wir recht wenig über die Entwicklungen im Bereich der Lyrik, die in beiden Sprachräumen innerhalb der letzten zehn Jahre vonstattengegangen ist, und auch nichts darüber, welche Dichterinnen und Dichter diese maßgeblich geprägt haben. Die nun vorliegende Anthologie, die zeitgleich in zwei Verlagen in Deutschland und Litauen erscheint, unternimmt den Versuch, dies zu ändern, und zwar im beste Sinne: sie will eine Brücke bauen zwischen den beiden poetischen Räumen und diese dadurch einander ein kleines Stück näherbringen. Mit Gedichten von: Antanas A. Jonynas, Giedrė Kazlauskaitė, Gytis Norvilas, Sigitas Parulskis, Aivaras Veiknys, Agnė Žagrakalytė; übersetzt von Christian Filips, Norbert Hummelt, Orsolya Kalász, Sabine Scho, Mathias Traxler, Christoph Wenzel, mit Hilfe der Interlinearübersetzer Laima Lekevičiūtė, Vilija Gerulaitienė, Nida Matiukaitė, Jurgita Mikutytė, Edita Štulcaitė und Rūta Jonynaitė.

Freitag, 24. März 2017

Kotowski / Schoeps (Hg.): Vilne - Wilna - Wilno - Vilnius

Elke-Vera Kotowski (Hg.), Julius H. Schoeps (Hg.). Eine jüdische Topografie zwischen Mythos und Moderne. Verlag Hentrich&Hentrich, Berlin 2017. 202 Seiten, ISBN: 978-3-95565-204-3, 22,00 €.

Verlagsinfo:
Der Band bietet eine historische Rückschau auf die wechselvolle Geschichte zwischen der Etablierung eines Zentrums rabbinischer Gelehrsamkeit und der Ghettoisierung und Ermordung der Wilnaer Juden durch Hitler-Deutschland. Ein weiterer Fokus wird auf die wechselseitigen Einflüsse der Ost- und Westjuden zwischen Wilna und Berlin gelegt. Im Zuge der jüdischen Aufklärung (Haskala) waren es die sogenannten „Berliner“, Maskilim, die die Wilnaer Juden für die Haskala begeistern wollten. Das Wilnaer Verlagswesen, das die Literatur aus Berlin ins Jiddische übersetzte, brachte diese Texte wiederum der Wilnaer Leserschaft nahe. Umgekehrt wirkten sowohl die rabbinische Gelehrsamkeit und Einflüsse der Kabbala als auch moderne politische Strömungen von Wilna aus auf Berlin.
Autorinnen und Autoren aus Litauen und Deutschland stellen ihre Forschungsprojekte vor und erörtern Fragen zu den bisher kaum betrachteten Wechselwirkungen der verschiedenen jüdischen, insbesondere jiddischen Kulturen in Berlin und Wilna zwischen Haskala und Holocaust.
Mit Beiträgen von Christoph Dieckmann, Margret Heitmann, Elke-Vera Kotowski, Stephan Kummer, Mindaugas Kvietkauskas, Ruth Leiserowitz, Lara Lempert, Sarunas Liekis, Gertrud Pickhan, Julius H. Schoeps, Gudrun Schroeter, Sandra Studer, Irena Veisaite, Markas Zingeris

Donnerstag, 23. März 2017

Amanda Aizpuriete: Die Untiefen des Verrats

Gedichte. Auswahl von Manfred Peter Hein, Aus dem Lettischen übertragen von Manfred Peter Hein zusammen mit Amanda Aizpuriete und Margita Gũtmane. Mit einem Nachwort von Matthias Göritz. Neuausgabe. Reihe Tadoma 2, Ink-Press, Zürich 2017. ISBN 978-3-906811-05-5, CHF 23.90 (UVP) / € (D) 17.- / € (A) 17.40.

Verlagsinfo:
Zutiefst persönlich, sinnlich und kompromisslos verdichtet Amanda Aizpuriete ihre Emotionen, die Essenz ihres Lebens. Die Gedichte sprechen für sich. Sie sind schlicht, widerborstig, ohne Pathos und ohne Beschaulichkeit. Die Grande Dame der lettischen Dichtung ist seit dem Erscheinen ihres ersten Gedichtbandes Die Untiefen des Verrats 1993 in der Übertragung der Interlinearversionen aus dem Lettischen von Margita Gũtmane und der Dichterin durch Manfred Peter Hein bekannt. Dieser Band erscheint jetzt in einer neuen Ausgabe in der Reihe tadoma bei Ink Press.

Mittwoch, 22. März 2017

Giedra Radvilavičiūtė: Der lange Spaziergang auf einer kurzen Mole

oder: Mein Spiel gegen mich selbst. Erzählte Essays.Übersetzt von Cornelius Hell, mit einem Nachwort von Nora Bossong. Corso 57 im Verlagshaus Römerweg, Wiesbaden 2017. 172 Seiten, EAN: 978-3-7374-0739-7, 19 Euro.

Verlagsinfo:
Die Welt ist ein Fass ohne Boden, auf dem hier – mal laut, mal leiser – überraschend, heiter, ironisch und ätzend getrommelt wird: Alltagsbeobachtungen, Beziehungskisten, Zwischenfälle, Trinksprüche. Für Liebhaber von Sibylle Berg und Margarete Stokowski.

Giedra Radvilaviciute, geboren 1960 in Panevžys, Essayistin und Prosa-Autorin, beendete 1983 ihr Studium der Lituanistik, anschließend Lehrerin und Redakteurin; 1994-1997 lebte sie mit ihrer Familie in Chicago, danach wieder in Vilnius. Als Autorin von Erzählungen debütierte sie 1985, ihr eigentlicher Eintritt in die litauische Literatur begann jedoch 1999 mit Essays; ausgezeichnet wurde sie u. a. mit dem Elena-Mezginaite-Preis, dem Literaturpreis der Europäischen Union und dem Litauischen Nationalpreis.

Nora Bossong, 1982 in Bremen geboren, studierte in Berlin, Leipzig und Rom Philosophie und Komparatistik. Zuletzt erschienen von ihr bei Hanser »Sommer vor den Mauern«, »Gesellschaft mit beschränkter Haftung«, »Schnelle Nummer« und »36,9 Grad«.

Cornelius Hell, geb. 1956 in Salzburg, 1984–86 Lektor für deutsche Sprache und österreichische Literatur an der Universität Vilnius, danach Verlagslektor, Literaturveranstalter und Feuilleton-Redakteur, lebt als freier Autor, Übersetzer und Literaturkritiker in Wien. Er ist Herausgeber und Übersetzer der Anthologien Meldung über Gespenster. Erzählungen aus Litauen und Europa erlesen: Vilnius

Dienstag, 21. März 2017

Romualdas Granauskas: Die traurigen Flüsse

Legenden von Heiligen. Aus dem Litauischen von Saskia Drude, mit einem Nachwort von Elke Heidenreich. Corso 56, Verlagshaus Römerweg, Wiesbaden 2017. 140 Seiten, EAN: 978-3-7374-0738-0, 19 Euro.

Verlagsinfo:
Wie Menschen sich behaupten gegen Unterdrückung, Rassismus und den Lauf der Geschichte – ein melancholisches Buch über Menschlichkeit und Hoffnung in schwierigen Zeiten. Für Liebhaber von Elke Heidenreich und Alice Munro.

Romualdas Granauskas (1939–2014) ist einer der meist gelesenen litauischen Autoren, ein Meister der Prosa, der in seinen Geschichten Mythen und Legenden, Geschichte und Gegenwart zu einem sehr eigenen Klang verknüpft. Auf Deutsch erschien von ihm bislang »Das Strudelloch« bei Wallstein.

Elke Heidenreich, geboren 1943 in Korbach, lebt als Schriftstellerin, Literaturkritikerin, Moderatorin, Journalistin und Opern-Librettistin in Köln. Zuletzt war ihr bei Hanser erschienenes Buch »Alles kein Zufall« wochenlang auf den Bestsellerlisten.

Saskia Drude, geboren 1968, freie Übersetzerin. Lebte nach ihrem Studium der Baltistik 1995-2005 in Litauen, Aufbaustudium an der Universität Vilnius; seit 1997 freiberufliche Übersetzerin für Litauisch. Lebt in Maastricht, Niederlande, und in Vilnius. Übersetzte u. a. Werke von Tomas Venclova, Nijole Strakauskaite, Julija Reklaite, Juozas Erlickas, Sigitas Parulskis und Kristina Sabaliauskaite.

Montag, 20. März 2017

Grigori Kanowitsch: Die Freuden des Teufels

Roman. Übersetzung aus dem Russischen von Franziska Zwerg, Nachwort von Karl-Markus Gauss. Corso 59 im Verlagshaus am Römerweg, Wiesbaden 2017. EAN: 978-3-7374-0736-6, 222 Seiten, 19 Euro.

Verlagsinfo:
In das beschauliche Leben eines Städtchens dringen Gewalt und Krieg ein und spalten die Bevölkerung. Unter den über Jahre friedlich zusammenlebenden Menschen entsteht ein Kampf zwischen Gut und Böse, der vertraute Nachbar wird zum Fremden, der Freund zum Verräter. Für Liebhaber von Siegfried Lenz und Arno Surminski.

Grigori Kanowitsch, geboren 1929 in Jovana, ist Schriftsteller, Dramatiker, Übersetzer, Drehbuchautor, Kinoregisseur. Er schreibt auf Russisch und Litauisch, in seiner Prosa beschreibt er vor allem das Leben der litauischen Juden. Er lebt seit 1993 in Israel. Auf Deutsch erschienen u. a. »Ewiger Sabbat« (in der Anderen Bibliothek), »Ein Zicklein für zwei Groschen« und »Kaddisch für mein Schtetl« (beide bei Aufbau).

Sonntag, 19. März 2017

Marianne Zückler: Osteuropaexpress

Erzählungen über Freiheit, Liebe, Sexualität und Ausgrenzung. Europa Verlag, Berlin / München / Zürich / Wien 2017, 240 Seiten. 978-3-95890-079-0, 16,90 € (D) / 17,40 € (A).

Verlagsinfo:
Vom Leben und Lieben neben der Heterosexualität
Die Lebensfäden von acht Protagonisten verweben sich zu einem großen Teppich, in dem Einschüchterung und Ausgrenzung, aber auch Liebe und Freiheit ineinander gehen. Sie gewähren uns Einblicke in eine Welt, in der viele Menschen wegen ihrer sexuellen Identität verfolgt werden und gegen Anfeindungen und Diskriminierung ankämpfen müssen.
Osteuropaexpress ist hochaktuell und führt mitten hinein in ein Thema, das so sozialpolitisch drängend wie menschlich packend ist. Die Autorin vermittelt realistische Eindrücke vom Alltag in Polen, Ungarn, Litauen und Lettland, wo Anfeindungen und Schikane im Beruf, in der Kirche und auch in der Familie keine Seltenheit sind, wenn es um sexuelle Selbstbestimmung geht. Die Protagonisten zeigen ihren Weg heraus aus der Opfer-Rolle – Wege voller Mut, Beharrlichkeit und Selbstvertrauen.
Die Geschichten in diesem Buch beruhen auf Recherchen und Interviews, die Marianne Zückler geführt und als dokumentarische Erzählungen verknüpft hat. In den acht Protagonisten lebt die Sehnsucht nach den Freiräumen der Europäischen Gemeinschaft und nach dem freiheitlichen Selbstverständnis der westeuropäischen Kultur – ein Buch für alle, die sich für mutige Identitätskämpfe begeistern.

Samstag, 18. März 2017

Jurgis Kunčinas: Tūla

Roman eines Streunenden auf der Suche nach einer Liebe, die es vielleicht nie gegeben hat. Übersetzt von Markus Roduner. Nachwort von Martin Pollack. Corso 58 im Verlagshaus Römerweg, Wiesbaden 2017. 222 Seiten, EAN: 978-3-7374-0740-3, 19 Euro.

Verlagsinfo:
Der Erzähler, Trinker und Fledermaus, Anstaltsbewohner und Herumtreiber, herumgeschubst vom Leben und seiner Zeit, ist auf der Suche nach einer vergangenen Liebe, die vielleicht nur eine Idee ist, ein Traum, eine Hoffnung, die Sehnsucht selbst. Für Liebhaber von Dörte Hansen, Günter Bruno Fuchs, Ludwig Harig.

Jurgis Kunčinas (1947–2002) schrieb Kinderbücher, Essays, Novellen, Romane. Seine torkelnden Helden erinnern gelegentlich an Charaktere Charles Bukowskis oder der Beatniks. Tula erschien bislang in England und Polen, Schweden und Russland – es wurde Zeit für eine deutsche Übersetzung dieses ungewöhnlichen Buches.

Martin Pollack, 1944 in Bad Hall geboren, ist ein österreichischer Journalist, Schriftsteller und Übersetzer. 2010 wurde sein Roman »Kaiser von Amerika: Die Flucht aus Galizien“ mit dem Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung 2011 ausgezeichnet.

Markus Roduner, geboren 1967, studierte Slawistik-Baltistik und historisch-vergleichende Sprachwissenschaft; lebt seit 1999 in Vilnius und arbeitet als Lektor und freier Übersetzer. Er übersetzte u. a. den auch in Deutschland erfolgreichen Roman »Die Regenhexe« von Jurga Ivanauskaitė (dtv) und den litauischen Klassiker »Der Wald der Götter von Balys Sruoga« (BaltArt Verlag).

Freitag, 17. März 2017

Kestutis Navakas: Die gelassene Katze

Capriccios von Don Quichotte, übersetzt von Saskia Drude. Corso 55, Verlagshaus Römerweg, Wiesbaden 2017. Nachwort: Karl-Heinz Ott. EAN: 978-3-7374-0737-3, 140 Seiten, 19 Euro.

Verlagsinfo:
Ein Mann und eine Frau sitzen im Café, kommen sich näher und gehen doch getrennt; ein Text verzweifelt über den eigenen Autor; es wird der Irrsinn von der Einsamkeit geweckt, Kafka kauft rote Schuhe – diese Erzählungen sind Capriccios im besten Sinne: »absichtsvolle, lustvolle Regelverstöße, phantasievolle, spielerische Überschreitungen«, sie sind ein Lesevergnügen besonderer Art. Für Liebhaber von Annika Reich, Wilhelm Genazino, Harald Martenstein.

Kestutis Navakas, geboren 1944, aufgewachsen in Kaunas; Buchhändler, Kritiker, Lyriker, Essayist, Übersetzer. Seine Texte sind elegant, spielerisch, erotisch, voller Lebensfreude, kaum ein Wort hat eine feste Bedeutung, er assoziiert frei und spielerisch: »Ich suche Abenteuer«, erklärte er in einem Interview – damit sich selbst und sein Werk beschreibend.

Karl-Heinz Ott, geboren 1957, Schriftsteller und Essayist, lebt bei Ulm. Zuletzt erschienen von ihm »Ob wir wollen oder nicht« und »Wintzenried« (beide bei Hoffmann und Campe) und »Die Auferstehung« (Hanser).

Saskia Drude, geboren 1968, freie Übersetzerin. Lebte nach ihrem Studium der Baltistik 1995-2005 in Litauen, Aufbaustudium an der Universität Vilnius; seit 1997 freiberufliche Übersetzerin für Litauisch. Lebt in Maastricht, Niederlande, und in Vilnius. Übersetzte u. a. Werke von Tomas Venclova, Nijole Strakauskaite, Julija Reklaite, Juozas Erlickas, Sigitas Parulskis und Kristina Sabaliauskaite.

Mittwoch, 15. März 2017

Tomas Venclova: Der magnetische Norden

Gespräche mit Ellen Hinsey. Erinnerungen. Aus dem amerikanischen Englisch von Claudia Sinnig. Suhrkamp Verlag, Berlin 2017. 652 Seiten, ISBN: 978-3-518-42633-3.
D: 36,00 € A: 37,10 € CH: 47,90 sFr. 

Verlagsinfo:
Er hat sie alle noch gekannt: Joseph Brodsky und Czeslaw Milosz ebenso wie Wislawa Szymborska, Anna Achmatowa, Boris Pasternak und die sowjetischen Dissidenten. Als Kind erlebte Tomas Venclova die Okkupation seiner Heimat – erst durch die Sowjets, dann durch die Nazis. Sein Hunger nach Welt war unstillbar: Er ging nach Leningrad, lernte Sprachen, befasste sich mit der modernen Poesie und geriet als Übersetzer und Dichter früh ins Visier des KGB. 1976 gehörte er zu den Mitbegründern der litauischen Helsinki-Gruppe für Menschenrechte. Während eines Aufenthaltes in den USA wurde ihm 1977 die sowjetische Staatsbürgerschaft entzogen. Er lehrte bis 2012 an der Yale University und lebt seit 1990 auf zwei Kontinenten – ein Emigrant, der am unabhängigen Litauen zu viel auszusetzen hatte, um in sein Heimatland zurückzukehren, und sein Exil als »Glücksfall« empfand.
In Gesprächen mit seiner Dichterkollegin und Übersetzerin Ellen Hinsey rekapituliert er sein Leben und lässt das 20. Jahrhundert wiederauferstehen: Ob es um Freundschaften geht oder um Fragen der Poesie, ob er über die Politik der Großmächte oder über die verwickelte Geschichte Mittelosteuropas spricht – Venclovas Klugheit und Selbstironie geben dieser großen europäischen Erzählung von Entwurzelung und Heimatlosigkeit etwas heiter Gelassenes.

Dienstag, 14. März 2017

Chris Kraus: Das kalte Blut

Roman. Diogenes Verlag, Zürich 2017, 1200 Seiten, 978-3-257-06973-0. € (D) 32.00 / sFr 42.00* / € (A) 32.90.

Verlagsinfo:
Zwei Brüder aus Riga machen Karriere: erst in Nazideutschland, dann als Spione der jungen Bundesrepublik. Die Jüdin Ev ist mal des einen, mal des anderen Geliebte. In der leidenschaftlichen Ménage à trois tun sich moralische Abgründe auf, die zu abenteuerlichen politischen Ver­wicklungen führen. Die Geschichte der Solms ist auch die Geschichte Deutschlands im 20. Jahrhundert: des Untergangs einer alten Welt und die Erstehung eines unheimlichen Phönix aus der Asche.
Chris Kraus, geboren 1963 in Göttingen, ist Filmregisseur, Drehbuchautor und Romancier. Seine Filme (darunter ›Scherbentanz‹, ›Poll‹) wurden vielfach ausgezeichnet, ›Vier Minuten‹ mit Monica Bleibtreu und Hannah Herzsprung gewann 2007 den Deutschen Filmpreis als bester Spielfilm. Sein neuer Film, die Tragikomödie ›Die Blumen von gestern‹, mit Lars Eidinger in der Hauptrolle, kam im Januar 2017 ins Kino. ›Das kalte Blut‹ ist Chris Kraus’ zweiter Roman. Der Autor lebt in Berlin.

Montag, 13. März 2017

Erwin Oberländer (Hg.): Autoritäre Regime in Ostmittel- und Südosteuropa 1919–1944

2., um ein Nachwort ergänzte Auflage, 707 Seiten, Ferdinand Schönigh Verlag Paderborn 2017. ISBN: 978-3-506-78585-5, EUR 78.00 / CHF 95.20.
Verlagsinfo:
Autoritäre Regierungsformen erleben in Osteuropa eine Renaissance, und vielfach knüpfen die heutigen Machthaber an Traditionen und Vorbilder der Zeit zwischen den Weltkriegen an. Denn vom Balkan bis zum Baltikum bestanden nach 1918 zwölf selbständige Staaten mit demokratischen Verfassungen, von denen sich zehn in den 1920er und 1930er Jahren in autoritäre Präsidial- oder Königsdikaturen verwandelten. Die im vorliegenden Band versammelten Innenansichten dieser Regime vermitteln nicht nur Einblicke in die teils bis heute relevanten Verhältnisse im Ostmittel- und Südosteuropa der Zwischenkriegszeit, sondern weisen auch interessante Parallelen zur aktuellen Entwicklung autoritärer Regime auf, wie der Herausgeber in seinem Nachwort erläutert.
Behandelt werden: Estland – Lettland – Litauen – Polen – Ungarn – Slowakei – Österreich – Rumänien – Bulgarien – Griechenland – Albanien – Jugoslawien – Serbien.

Samstag, 11. März 2017

Felix Ackermann: Mein litauischer Führerschein

Viva Lithuanica oder Kleines litauisches Einmaleins. Suhrkamp taschenbuch 4763, 300 Seiten, ISBN: 978-3-518-46763-3. D: 10,00 €, A: 10,30 €, CH: 14,90 sFr.

Verlagsinfo:
Was hält Europa heute zusammen? Wie gehen die Menschen in Litauen mit der Freiheit um, die sie vor einem Vierteljahrhundert gewonnen haben? Wie funktioniert die Europäische Union an ihren östlichen Außengrenzen, zwischen Kaliningrad und der Republik Belarus? Statt über diese Fragen am Berliner Schreibtisch nachzudenken, bricht Felix Ackermann 2011 auf, um Gastwissenschaftler in der litauischen Hauptstadt zu werden. Seine Familie erlebt in Wilna ein Europa der ganz praktischen Herausforderungen. Die Kinder lernen Litauisch und werden zu kleinen Patrioten erzogen. Seine Frau bringt eine Tochter zur Welt, die sogleich einen litauischen Personencode erhält. Und er selbst macht endlich doch noch seinen Führerschein in einer Kleinstadt namens Utena.
Der Historiker und Stadtanthropologe Felix Ackermann porträtiert kurzweilig und pointenreich eine mehrsprachige Gesellschaft, deren Aufbruch in eine bessere Zukunft immer wieder empfindlich gestört wird: von den eigenen sowjetischen Gewohnheiten, der Migration Hunderttausender Bürger in den Westen, der russischen Annexion der Krim und von der allgegenwärtigen Auseinandersetzung mit der Vergangenheit.

Donnerstag, 9. März 2017

Eugenijus Ališanka: Risse

Streifzüge und Fluchtpunkte. Essays. Aus dem Litauischen von Claudia Sinnig. KLAK Verlag Berlin 2017, 272 Seiten, ISBN: 978-3-943767-76-6, 16,90 €.

Verlagsinfo:
„Wir sind aus Sibirien zurückgekehrt. Ich bin zwei.“ Der Einbruch des Politischen ins Private verursacht den ersten Bruch im Leben des Litauers Eugenijus Ališanka. In seinem neuen Essayband wird über die nachfolgenden fünf Jahrzehnte weniger linear und faktografisch, als vielmehr mit einer faszinierendenFabulierkunst erzählt. Ausgehend von Lebenserinnerungen in seiner Heimatstadt Vilnius erkundet er mit feinsinniger Wahrnehmung Städte und Räume, erzähltvon Abenteuern und Menschen und webt mit erfrischend abgründiger Sprache phantasiereiche assoziative Netze. Das Buch lässt sich auf unterschiedlichen Ebenen lesen: als Lebensgeschichte des Autors, als existenzielle Reise zu sich selbst oder als kulturelle Selbstverortung zwischen Herkunft und globaler Welt.Die Essays von Ališanka sind von sanfter Ironie, elegant und weitsichtig. Das literarische Werk eines reifen Autors, das den Vergleich mit den Besten seines Genres nicht scheuen muss.
Eugenijus Ališanka, geb.1960 in Barnaul/ Sibirien, studierte Mathematik an der Universität Vilnius und ist Dichter, Übersetzer, Essayist. Er war mehrere Jahre Chefredakteur der Zeitschrift „Vilnius Review“, die auf Englisch und Russisch erscheint, sowie im Institut für Kultur und Kunst tätig. Als Dichter übersetzt er Poesie aus dem Englischen und Polnischen und zählt selbst zu den meistübersetzten litauischen Schriftstellern, unter anderem ins Deutsche, Englische, Russische, Slowenische und Schwedische.

Mittwoch, 8. März 2017

Jurgita Ludavičienė: Kein Streicheln

Junge Literatur aus Litauen. Deutsch von Magda Doering, Berthold Forssman und Markus Roduner. Mitteldeutscher Verlag, Halle / Saale 2017. Anthologie, 248 Seiten, ISBN 978-3-95462-812-4, 14,95 €.

Verlagsinfo:
Eine talentierte Autorengeneration stellt sich vor
Vierzehn junge litauische Autoren, sechs Frauen, acht Männer, das sind vierzehn unterschiedliche Weltanschauungen, die ganz besonders vom jeweiligen Blickwinkel des Einzelnen abhängen. Gemeinsam haben sie trotz allem, dass sie mehr oder weniger aus einer Epoche stammen, die man noch immer gemeinhin als das »sowjetische Litauen« bezeichnet. In Prosatexten und Lyrik erzeugen sie ein buntes und überaus uneinheitliches Bild von der zeitgenössischen litauischen Literatur.
Autoren: Tomas Vaiseta, Rimantas Kmita, Mykolas Sauka, Aistė Jūrė, Dovydas Grajauskas, Žygimantas Kudirka, Giedrė Kazlauskaitė, Jurgita Jasponytė, Vytautas Sankus, Mindaugas Nastaravicius, Aivaras Veiknys, Ramunė Brundzaitė, Ilzė Butkutė, Ieva Krivickaitė.
Jurgita Ludavičienė, geb. 1972, promovierte Kunsthistorikerin und -kritikerin; Studium an der Höheren Schule für angewandte Kunst Telšiai und an der Universität Leipzig. Dozentin an der Vilnius Academy of Art in Vilnius, Kuratorin und Herausgeberin.

Dienstag, 7. März 2017

Zum Beispiel Estland

Das eine Land und die vielen Sprachen. Herausgegeben von Silke Pasewalck, Anna Bers und Reet Bender. Wallstein Verlag, Göttingen, Reihe "Valerio" - Das Magazin der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung; Bd. 19/2017. ISBN: 978-3-8353-1594-5. 188 Seiten, € 10,00 (D) | € 10,30 (A).

Verlagsinfo:
Ein Blick in die europäische Peripherie, um am Beispiel Estlands Fragen des kulturellen Zusammenlebens zu reflektieren.
Wenig wird in deutschen Medien, Schul- und Sachbüchern über Estlands Geschichte und Gegenwart vermittelt. Dabei war dieses kleine Land im äußersten Nordosten Europas 700 Jahre lang Schauplatz deutscher (Kolonial-)Geschichte. Estland steht heute, nach fast 50 Jahren unter sowjetischer Herrschaft, als souveräner Staat und Mitglied der Europäischen Union vor kulturellen und politischen Herausforderungen, die Europa insgesamt betreffen und dort in nuce verhandelt werden. Hier stellen sich Fragen nach dem Mit- und Gegeneinander der Sprachen und Kulturen, nach deren Konkurrenzen, Asymmetrien und Überlagerungen, die einerseits Ausdruck von Herrschaft und Machtausübung sind, andererseits von produktiven Adaptationen und Übersetzungsvorgängen zeugen.
Der Band befasst sich mit den sich palimpsesthaft überlagernden, bestreitenden und durchdringenden Kulturen Estlands in Literatur, Alltagskultur, Film und so weiter. Angesichts weltpolitischer Spannungen, die eine kulturelle und politische Stabilität im Baltikum in Bedrängnis bringen, bemüht sich der Band um eine möglichst unaufgeregte Haltung und um unterschiedliche Perspektiven.
Mit Beiträgen u.a. von Karsten Brüggemann, Ljubov Kisseljova, Terje Loogus, Heinrich Detering, Liina Lukas und Ruth Florack.
Inhaltsverzeichnis

Montag, 6. März 2017

Ein glücklicher Mensch

Märchen aus Litauen. Ausgewählt und übersetzt von Irena Ülkekul. Mit Illustrationen von Lara Ülkekul. 256 Seiten, Mitteldeutscher Verlag, Halle / Saale 2017. ISBN 978-3-95462-806-3, 19,95 €. 

Verlagsinfo: 
Volksmärchen aus Litauen weisen noch viele Elemente des Heidentums auf, war es doch das zuletzt christianisierte Land in Europa. Es geht um Auseinandersetzungen mit dem Bösen und Unbekannten, um Verarbeitung von Trauer, Ängsten und Tod. Und stets vollbringen Liebe, Geduld, Zuversicht, Mut und der gesunde Menschenverstand große Wunder. Es heißt auch hier: »So ging er in die weite Welt hinaus, um sein Glück zu finden …« Die Sammlung nimmt den Leser mit in diese Welt – auf die Suche nach dem Glück.
Irena Ülkekul, geb. 1966 in Vilnius/Litauen, studierte Germanistik. Ein zweiwöchiger Aufenthalt in Deutschland verlängerte sich wegen Turbulenzen in ihrem Heimatland 1990 und dauert bis heute an. Nach Dolmetscherlehrgängen beim Auswärtigen Amt arbeitet sie als freiberufliche Übersetzerin und Dolmetscherin. Die Märchen und Geschichten, die ihre Großmutter bei jeder Gelegenheit erzählt hat, prägten sie in besonderer Weise.