Verlagsinfo:
Eine Kolchose in Sowjetlitauen – und ein Vorsitzender, der jeden politischen Wandel übersteht.
Vytautas ist überzeugter Kommunist, Stalinist, Kolchosvorsitzender und ein Mann mit einem bemerkenswerten Talent, sich den Zeitläuften anzupassen. Seit seiner Jugend steht er treu an der Seite der Sowjetmacht. Er erlebt Stalinismus und Tauwetter, Breschnews „reifen Sozialismus“, Andropows Disziplinierungskampagnen, Gorbatschows Perestroika und schließlich die litauische Unabhängigkeitsbewegung Sąjūdis. Während um ihn herum politische Gewissheiten zerfallen, hält Vytautas unbeirrbar an seiner ganz eigenen Vorstellung von Fortschritt fest.
Herkus Kunčius erzählt die Geschichte der Litauischen SSR aus der Perspektive eines Systems, das sich selbst für vernünftig, fortschrittlich und unfehlbar hält. Parteisprache und bürokratischer Größenwahn treffen auf Alkoholismus, Mangelwirtschaft, Gewalt, Opportunismus und einen Alltag, der sich den politischen Plänen hartnäckig widersetzt.
In grotesken Episoden lässt Kunčius die Geschichte Sowjetlitauens Revue passieren und begegnet dabei Stalin, Chruschtschow, Breschnew und Gorbatschow ebenso wie Parteifunktionären, Kolchosarbeitern, Priestern, Widerstandskämpfern und überzeugten Wendehälsen.
Chroniken der Kolchose ist eine bitterböse politische Satire über vier Jahrzehnte sowjetischer Herrschaft in Litauen – und die Geschichte eines Mannes, dessen unerschütterlicher Glaube an die jeweils richtige Wahrheit selbst den Untergang seines Staates überlebt.
Bereits seit 2007 stellt dieser Blog ins Deutsche übersetzte Publikationen aus Estland, Lettland und Litauen vor. Gleichzeitig werden Publikationen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren mit estnischen, lettischen oder litauischen Themen einbezogen. Wir möchten aufrufen, verschiedene Leseeindrücke auszutauschen. Die hier aufgeführten Bücher werden für eine Vorstellung in der Radiosendung BALTISCHE STUNDE (Radioweser.tv) vorgeschlagen.
Mittwoch, 21. Oktober 2026
Herkus Kunčius: Chroniken der Kolchose
Roman, aus dem Litauischen übersetzt von Cornelius Hell. Mediathoughts Verlag, Taufkirchen. ISBN: 978-3-947724-66-6, 356 Seiten. 25,- € [D] | 25,70 € [AT]
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