Montag, 6. Juli 2026

Thomas Stölzel: Angelehnte Türen

Baltische Momentaufnahmen. Verlag Königshausen & Neumann 2024. ISBN: 978-3-8260-8785-1, 114 Seiten, 16.00 Euro. 

Verlagsinfo: »Das Fliegen ist den Sinnen feindlich. Und doch ein besonderer Ausblick, ein pseudoolympischer sozusagen, bleibt. Unter uns die Ostsee; ich sehe – fingernagelgroß – ein rotes Schiff, das einen nadeldünnen Gischtstreifen hinter sich herzieht. Dann die kurische Küstenlinie; Wasser, Sand und Wald bis ans Meer.«

Inhalt
Das Baltikum vor 30 Jahren
Das Baltikum vor 80 Jahren
Angelehnte Türen - Baltische Momentaufnahmen

 

Montag, 22. Juni 2026

Gabriel Bornstein: Das Elfte Gebot

Roman. KrönerEditionKlöpfer, Stuttgart 2026. ISBN 978-3-520-77301-2, 232 Seiten, 22.00 Euro. 

Verlagsinfo: 
Ironisch, tiefgründig, voller Sprachfreude und Witz, zuweilen mit einer Spur Magie, erzählt Gabriel Bornstein die Geschichte des jungen David Dubnow, Waise, Sohn einer Holocaust-Überlebenden, den es auf der Suche nach dem Vermächtnis seines einzigen Angehörigen in die Sowjetunion des Kalten Krieges, nach Riga, verschlägt. Dort begegnet er den Absurditäten des autoritären Systems, der Frage, wem er trauen kann und wer was warum verbirgt – und der schönen, geheimnisvollen Judica. Zusammen mit ihr und einer Handvoll jüdischer Überlebender macht er sich auf eine Suche in den Katakomben der Stadt, die bald zur Obsession wird.
    Eine ganz andere Erzählung über das israelische Trauma, das Leben in autoritären Systemen, die, gerade weil sie mit einem ordentlichen Augenzwinkern erzählt wird, ganz tief blicken lässt.

 

Samstag, 18. April 2026

Rein Raud: Pestzug

Roman, aus dem Estnischen von Cornelius Hasselblatt. Mediathoughts Verlag, Taufkirchen 2026. Reihe Literatura Baltica. ISBN 978-3-947724-64-2, 404 Seiten, 24,50 Euro

Verlagsinfo:
Fünf junge Sanitätsoffiziere, unter ihnen Jakob aus Estland, werden 1911 an die russisch-chinesische Grenze entsandt. Dort sollen sie einer Pestepidemie Einhalt gebieten – und stoßen auf das Grauen der Seuche, auf politische Zwänge und auf Entscheidungen, die ihr Leben unwiderruflich verändern. Pflicht, Angst und die Liebe zu einer Frau fordern ihren Preis. Zweiundzwanzig Jahre später begegnen sich zwei von ihnen wieder. Der eine ist für die medizinische Versorgung eines Gefängnisses verantwortlich, der andere sitzt dort ein: ein kommunistischer Agitator, gezeichnet von Haft, Ideologie und Vergangenheit. Zwischen ihnen stehen unausgesprochene Schuld, alte Loyalitäten und die Frage, was von den einstigen Überzeugungen geblieben ist. Rein Raud verwebt Elemente seiner Familiengeschichte mit der Geschichte Estlands und zeichnet ein eindringliches Panorama von Unterdrückung und Freiheitsdrang, von politischer Verblendung und persönlicher Verantwortung – und von der Macht der Liebe, die ebenso retten wie zerstören kann.

Donnerstag, 16. April 2026

Svens Kuzmins: Rigaer Freiheit

Roman, aus dem Lettischen von Lil Reif. Edition fotoTAPETA, Berlin 2026. ISBN: 978-3-949262-63-0, 236 Seiten, 25 € (D) | 25,50 € (A) | 27,50 SFR (CH)

Verlagsinfo: Riga, Ende 2002, ein Kunststudent zieht in das Haus seines Urgroßvater im Stadtzentrum. Der Bau hat seinen früheren Glanz verloren, die alten, versoffenen Mieter leben darin, als hätte sich nichts geändert. Doch in Riga, in Lettland und der Welt ist vieles in Bewegung: Lettland bereitet sich auf den Beitritt zur EU und zur NATO vor, in der Altstadt treiben sich Skinhead-Banden herum… Künstler und Literaten der neuen Generation aber suchen wie zu allen Zeiten nach Wahrheit und Schönheit am Vorabend einer neuen Ära. „Eine Geschichte über den Glanz und den Untergang einer Familie, über den Glauben an die Kunst und über die Schichten der Geschichte, die nicht nur in diesen alten, europäischen Hauswänden bewahrt werden.“ (Kuzmins)

Svens Kuzmins, geboren 1985 in Rēzekne, lettischer Schriftsteller, Künstler und Schauspieler. Schreibt Prosa, Kritiken und journalistische Beiträge, experimentiert aber auch mit Formen der bildenden Kunst. Einer der Initiatoren und Autoren des Sketch-Theaterprojekts NERTEN. Sein erster Roman „Hohma / Hokhmah” wurde 2021 für den Literaturpreis der Europäischen Union (EUPL) nominiert. 

Samstag, 28. März 2026

Michael Idov: Das Riga-Komplott

Thriller. Suhrkamp Verlag, Berlin 2026. Aus dem amerikanischen Englisch von Stefan Lux. Herausgegeben von Thomas Wörtche (Originaltitel "The collaborators"). ISBN 978-3-518-47527-0, 328 Seiten, 17.00 Euro. 

Verlagsinfo: 
Der brillante, junge Ari Falk leitet eine CIA-Abteilung in Riga. Die Weltlage ist 2021 angespannt. Die belorussische Luftwaffe hat gerade einen türkischen Linienflug von Ankara nach Riga nach Minsk umgeleitet. An Bord ein von Falk angeworbener russlandkritischer Blogger. Kurz danach wird die CIA-Station in Riga angegriffen, Falks Mitarbeiter kommen ums Leben, er kann in letzter Sekunde fliehen. 

In Los Angeles erfährt Maya Chou, die Tochter eines russisch-amerikanischen Multimilliardärs, vom Selbstmord ihres Vaters. In seinem Testament hinterlässt er ihr ein kleines Haus an der portugiesischen Küste. Aber seine Milliarden sind spurlos verschwunden. Auf den Spuren ihres Vaters reist Maya nach Tanger, wo sie ins Visier eines Killers gerät. Auch Ari Falk taucht dort auf. Zusammen jagen Maya und Ari quer durch Europa bis nach Moskau. Sie müssen erkennen, dass die postsowjetische Zeiten und ihre Konflikte noch lange nicht zu Ende sind. Im skrupellosen Spiel um Geld, Gier und Macht übersehen sie einen viel wichtigeren Faktor: Liebe.

Autor: Michael Idov 

Dienstag, 17. März 2026

Unė Kaunaite: 2084

Roman, aus dem Litauischen von Markus Roduner. Mitteldeutscher Verlag Halle / Saale 2026, 260 Seiten, ISBN 978-3-96311-990-3, 20.00 Euro. 

Verlagsinfo: 
Eine literarische Dystopie über Liebe und Selbstverlust in der digitalen Zukunft
Eine der wichtigsten Stimmen der jungen litauischen Literatur
Ein visionärer Roman über KI, Identität und Moral
Sprachlich präzise, emotional aufgeladen 

In der Tradition von Orwell und Ishiguro In einer Zukunft, in der die Menschen ihr Leben fast vollständig in der virtuellen Realität „Bubble“ verbringen, verschwimmen die Grenzen zwischen Wahrheit, Erinnerung und Programmierung. Kajus, ein stiller Beobachter in dieser künstlich perfektionierten Welt, versucht zu begreifen, was noch echt ist. Sind es Gefühle, Freundschaft oder nur Datenströme, die das simulierte Glück am Laufen halten?
Mit kühler Klarheit und philosophischer Tiefe entwirft Unė Kaunaitė ein erschütternd gegenwärtiges Zukunftsbild. Sie erzählt von Liebe und Verlust im digitalen Zeitalter, von der Sehnsucht nach Nähe in einer Welt totaler Vernetzung und stellt die große Frage: Was geschieht, wenn Künstliche Intelligenz beginnt, unsere Geschichten zu schreiben – und unser Leben zu beenden?
Ein moderner, literarisch anspruchsvoller Roman zwischen Dystopie und Liebesgeschichte, der George Orwells „1984“ hundert Jahre später weiterschreibt – in einer Ära digitaler Überwachung, algorithmischer Sehnsucht und emotionaler Simulation.

Dienstag, 17. Februar 2026

Dagmar Raab: Nikolaj Petrovič Bogdanoff-Belsky (1868–1945)

Nikolaj Petrovič Bogdanoff-Belsky (1868–1945) - ein Vertreter des russischen Realismus und Impressionismus. Michael Imhof Verlag, Petersberg 2026. 168 Seiten, 192 Farb- u. 18 SW-Abbildungen, ISBN 978-3-7319-1545-4, 69,00 €.

Verlagsinfo: 
Das Buch ist die erste wichtige Publikation in deutscher Sprache zu dem bedeutenden russisch-lettischen Maler. Nikolaj P. Bogdanoff-Belsky stieg im zaristischen Russland aus ärmsten Verhältnissen zu einem hochgeachteten Porträtisten und Genremaler auf, der zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann, impressionistische Elemente in seine Arbeiten zu integrieren. Nach der Oktoberrevolution emigrierte er nach Lettland und gewann auch dort schnell große Anerkennung.
Das vorliegende Buch gibt einen Einblick in Leben und Werk Bogdanoff-Belskys, zeigt seine künstlerische Entwicklung und Vielseitigkeit als Porträtist und impressionistischer Landschaftsmaler. Über allem aber stehen seine Kinderporträts und die gemalten Erzählungen über die fantasievolle Welt der Kinder.

Montag, 26. Januar 2026

Estnische Küche

Die besten Rezepte - traditionell und modern. Ins Deutsche übersetzt von Nina Schön. Leopold Stocker Verlag, 128 Seiten, ISBN 978-3-7020-1779-8, 20.00 Euro. 

Verlagsinfo:
2018 wurde Estland 100 Jahre alt: ein Grund, das Land und seine Kulinarik kennenzulernen! Der touristische Geheimtipp ist eine kulinarische Entdeckungsreise wert: Als Vorspeise werden Sprotten im Speckmantel oder eine Sauerkrautsuppe mit Hanfsamen gereicht. Fischliebhaber werden Hering mit Gerstenrisotto oder geräucherten Barsch mit Rote-Bete-Gelee und Kartoffeln wählen. Geschmortes Lamm oder Kaninchen in Kürbis-Sahne-Sauce kommen ebenfalls auf den Tisch. Zum Nachtisch gibt es Roggencupcakes, Heidelbeer-Quark-Küchlein oder karamellisierte Sanddorn-Flammeri.
Alle diese traditionellen und modernen Rezepte wurden im Zuge eines Wettbewerbs zur Ermittlung des neuen estnischen Nationalgerichts gesammelt. Stimmungsvoll in Szene gesetzt wird jedes Rezept durch ganzseitige Speisenfotos.

Die Herausgeber
Die estnische Lebensmittelakademie (Toiduakadeemia) rief einen Wettbewerb ins Leben, um Estlands „Nationalgericht“ anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums des unabhängigen Estlands zu küren. Die besten Rezepte sind in diesem Buch vereint worden.

Sonntag, 25. Januar 2026

Adelskulturen im Baltikum 15.–19. Jahrhundert

Identitäten – Konzepte – Praktiken. Tagungen zur Ostmitteleuropaforschung, Band 44. Herausgegeben von Hans-Jürgen Bömelburg, Axel E. Walter, Siegrid Westphal, Dieter Wunder und Heide Wunder. Verlag Herder-Institut, Marburg 2025. 428 Seiten,  ISBN 978-3-87969-475-4, 66.00 Euro. 

Verlagsinfo: 
Dieser Band dokumentiert die Ergebnisse einer internationalen und interdisziplinären Fachtagung an der Universität Klaipėda (Memel) im September 2016, deren Hauptanliegen es war, die Adelskulturen im Baltikum kulturhistorisch in ihren zahreichen Verflechtungen zu beleuchten und den kulturellen Transfers nachzugehen.
Kontakt-, Wirkungs- und Resonanzräume baltischer Adelskulturen erstrecken sich über das Russländische Reich, Polen-Litauen, das Herzogtum und Königreich Preußen, das Heilige Römische Reich deutscher Nation und die skandinavischen Königreiche. Diese europäische Dimensionierung ist deshalb notwendig, da der baltische Adel in der neueren europäischen Adelsforschung bislang kaum eine Rolle spielt. 
Die Tagung wurde veranstaltet von der Justus-Liebig-Universität Gießen, dem Interdisziplinären Institut für Kulturgeschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Osnabrück, dem Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung in Marburg und dem Baltijos regiono istorijos ir archeologijos institutas (Institut für die Geschichte und Archäologie im Ostseeraum) sowie der Universität Klaipėda unter Mitwirkung von Heide und Dieter Wunder.

Inhaltsverzeichnis 

Dienstag, 30. Dezember 2025

Maarja Pärtna: Vivarium

Gedichte. Aus dem Estnischen von Maximilian Murmann, Parasitenpresse, Köln 2025. 50 Seiten, 12,- €

Verlagsinfo: 
Der Gedichtband Vivarium zeichnet eine Welt aus Schatten und Licht, einen poetischen Raum, in dem feinste Sinneswahrnehmungen auf große historische Brüche treffen. Zwischen Erinnerung, Verlust und Zugehörigkeit spürt die estnische Dichterin Maarja Pärtna der Zerbrechlichkeit unserer Zeit nach. Eine stille Meditation über das, was bleibt, wenn alles vergeht.

Maarja Pärtna, geb. 1986, gehört zu den wichtigsten Stimmen der estnischen Gegenwartslyrik. Sie studierte an der Universität Tartu Englische Philologie und Vergleichende Literaturwissenschaft und legte 2010 ihren ersten Gedichtband vor. Für ihre Lyrik wurde sie bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Juhan-Liiv-Preis (2013), dem Gustav-Suits-Preis (2020) und dem Literaturpreis des Estnischen Kulturkapitals (2025). Im Jahr 2024 war sie Stadtschreiberin von Tartu.

Donnerstag, 6. November 2025

Indrek Hargla: Apotheker Melchior und das Evangelium des Pilatus

Hanse-Krimi aus Tallinn und Lübeck. Aus dem Estnischen von Cornelius Hasselblatt. Rote Katze Verlag, Lübück 2025. ISBN 978-3-910563-39-1. 516 Seiten, 24 Euro.

Verlagsinfo: Hatte Jesus Christus einen Sohn? So soll es geschrieben stehen in einem weiteren, verschollenen Evangelium, das kein geringerer als Pontius Pilatus verfasst haben soll. Jener Pilatus, der zu Jesu Lebzeiten Präfekt von Judäa war und ihn zum Tod am Kreuz verurteilte? Jener Pilatus, der nach dessen Tod einer der glühendsten Anhänger Jesu Christi wurde?
Und wenn dieser Sohn Christi existierte, gibt es dann auch heute, im 15. Jahrhundert, noch Nachfahren?
Dies fünfte Evangelium in Händen zu halten, würde Macht und Reichtum versprechen. Und da die Überlieferung sagt, das Werk sei vor vielen Jahren nach Reval gekommen, suchen viele danach und sind dabei nicht zimperlich. Menschen müssen sterben auf der Suche nach dem geheimnisvollen Buch – oder vielleicht doch aus ganz anderen Gründen?
Apotheker Melchior ist mittendrin, während sein Sohn in Lübeck in großen Schwierigkeiten steckt.

Samstag, 25. Oktober 2025

Laura Vinogradova: Sanna und Lia

Roman, ins Deutsche übersetzt von Britta Ringer. Mediathoughts Verlag, Taufkirchen 2025, 224 Seiten. ISBN 978-3-947724-59-8. (D) 22 Euro (A = 22,70 Euro)

Verlagsinfo:  
Sanna, die Lettin, und Andrejs, der Roma, wachsen in einem Kinderheim auf. Sanna hat nur noch eine vage Erinnerung an ihre Mutter und eine große Wut im Bauch auf die Gesellschaft, die Menschen wie sie nicht haben will oder mit selbst gestrickten Socken und ausrangierten Kleidern Abbitte leisten. Sobald sie die Schule beendet hat, zieht sie nach Riga, um eine Ausbildung zu absolvieren, doch Partys und Alkohol drohen sie abstürzen zu lassen. Nach einer Party findet Andrejs sie betrunken auf einer Parkbank schlafend und nimmt sie mit zu sich nach Hause. Zwischen ihnen entwickelt sich eine Liebes- und Familiengeschichte, die die Suche nach der eigenen Identität, die Verantwortung als Eltern und den Kampf gegen Vorurteile spürbar werden lässt.

Samstag, 6. September 2025

Rasa Bugavičute-Pēce: Der Junge, der im Dunkeln sah

Roman für Jugendliche und Erwachsene. Übersetzung aus dem Lettischen: Lil Reif.
Mirabilis Verlag 2025, ISBN 978-3-947857-29-6, Illustration: Zane Veldre. 224 Seiten
20 €

Verlagsinfo: Jēkabs soll schon als Kind erwachsen sein. Einerseits, um seinen blinden Eltern durch das alltägliche Leben zu helfen, andererseits, um den Vorstellungen seiner Mutter von einem „idealen Kind“ gerecht zu werden. Je älter er wird, desto mehr versucht er, sich aus dieser Enge zu lösen und auch eigene Wege zu gehen. Verschiedene Erlebnisse, vom ersten Schultag bis hin zur ersten großen Liebe, eröffnen einen spannenden und zugleich tief berührenden Blick auf das Leben in der Wahrnehmung mit anderen Sinnen. Parallel wird die Sicht der strengen Mutter geschildert, die verzweifelt versucht, trotz ihrer Blindheit alles richtig zu machen.

Leseempfehlung: ab 12 Jahren — für Jugendliche und Erwachsene.

Mittwoch, 3. September 2025

Andris Kalnozols: Kalender

Roman. Aus dem Lettischen übersetzt von Sven Otto. Edition fotoTAPETA, Berlin 2025. ISBN 978-3-949262-54-8, 334 Seiten, Preis: 20 € (D) | 20,50 € (A) | 22,50 SFR (CH)

Verlagsinfo:  
Oskars, der stille Held dieses Romans aus Lettland, ist ein wenig eigenartig. Oft folgen seine Gedankengänge einer naiven, kindlichen Logik; gleichzeitig verfügt er über ein außergewöhnlich gutes Gedächtnis: Sämtliche Namenstage kennt er auswendig. Deshalb wird er „Kalender“ genannt. Im Buch erzählt der Protagonist Tag für Tag von den Ereignissen seines Lebens. Dank seiner eigenwilligen Sicht auf die Dinge gewinnt Oskars einen besonderen Zugang zu Kindern, Alten und AußenseiterInnen. Im Laufe eines Kalenderjahres entwickelt sich der autistisch wirkende, jung gebliebene Mann zum Mittelpunkt eines skurrilen Freundeskreises – und es gelingt ihm, seine besondere Weltsicht langsam in Worte zu fassen und seinen eigenen Weg zu gehen.

Andris Kalnozols, geboren 1983, lettischer Dramatiker und Schriftsteller. Seine Stücke wurden am Lettischen Nationaltheater, am Dirty Deal Teatro und am Ģertrūdes ielas teātris aufgeführt. Kalnozols beschäftigt sich seit 1999 mit kreativem Schreiben und veröffentlichte in verschiedenen Zeitschriften. Sein Debütroman "Kalendārs mani sauc" erschien Ende 2020 im lettischen Original. Er lebt und arbeitet meist in Vilnius.

Dienstag, 2. September 2025

Gerhard Böttger: Weidwerk im Baltikum und in heimischen Revieren

Leopold Stocker Verlag, Graz 2025. ISBN 978-3-7020-2311-9, 168 Seiten, 22.00 Euro. 

Verlagsinfo: In seinem neuesten Werk beschreibt der leidenschaftliche Jäger und erfolgreiche Jagdbuchautor, warum gerade die Länder des Baltikums einen besonderen Reiz auf ihn ausüben: Ausgedehnte Mischwälder sowie unzählige idyllische Binnenlandseen oder Flüsse sind malerische Kulisse für seine packenden Erlebnisse auf der Fährte des Elches oder bei der Jagd auf Damwild und Braunbär.
Gerhard Böttger erzählt mitreißend von der faszinierenden Auer- und Birkhahnbalz in einsamen und verwunschenen Moorlandschaften, von der Brunft der großen Geweihten, von der Jagd auf Muffel in Tschechien oder auf Kronenhirsche und kapitale Schaufler in Bulgarien. Doch auch dem heimischen Weidwerk in seiner bunten Fülle, das ihn erfüllt und geprägt hat, widmet sich der Autor. Seine Auseinandersetzung mit historischen und gesellschaftlichen Hintergründen machen seine Erzählungen zu etwas Besonderem.

Mittwoch, 20. August 2025

Carolina Pihelgas: Schnittlinie

Roman, aus dem Estnischen von Maximilian Murmann. Weidle Verlag, Göttingen 2025, 133 Seiten, ISBN 978-3-8353-7598-7. € 20,00 (D) / € 20,60 (A)

Verlangsinfo:  
Ein kraftvolles, ehrliches Zeugnis eines emotionalen Abgrunds im Leben einer jungen Frau - die über die Natur zurück ins Leben findet.
Liine reist allein aufs Land, nachdem sie einen Schlussstrich unter eine gewaltvolle Beziehung gezogen hat. Sie zieht sich in ein Landhaus der Familie zurück, um wieder zu sich selbst zu finden und sich auf die Suche danach zu machen, was sie wirklich glücklich macht. Die Kämpfe in ihrem Inneren werden von den Kriegsgeräuschen eines nahegelegenen Truppenübungsplatzes begleitet, dessen Expansion das alte Bauernhaus, in dem sich Liine nach langer Zeit endlich wieder sicher fühlt, und das ganze Dorf zu zerstören droht.
Eine eingängige, nahbare Geschichte von Angst und Heilung, Furcht und Hoffnung, Aufbruch und Ankunft verwoben mit der Suche nach Frieden durch die Natur.

Freitag, 15. August 2025

Veiko Tammjärv: Hotel zum verunglückten Alpinisten

Aus dem Estnischen von Maximilian Murmann. Illustration: Veiko Tammjärv. Nach einem Roman von Boris und Arkadi Strugatzki. Verlag Voland & Quist, Berlin und Dresden 2025. ISBN 978-3-86391-460-8. 128 Seiten, 30,00 Euro

Verlagsinfo:
Seltsames ereignet sich in dem abgelegenen Berghotel »Zum verunglückten Alpinisten«: Polizeiinspektor Glebsky wird von einem anonymen Anrufer ins Hotel bestellt, ein Fehlalarm, wie sich herausstellt. Als eine Schneelawine das Hotel von der Außenwelt abschneidet und die Abreise des Inspektors verhindert, überstürzen sich die Ereignisse: Olaf, einer der sonderbaren Hotelgäste, wird tot aufgefunden und so mancher Gast ist überzeugt, dass übernatürliche Kräfte am Werk sind. Gut, dass Glebsky vor Ort ist, um dem rätselhaften Geheimnis des Hotels auf den Grund zu gehen.
Die Graphic Novel basiert auf dem gleichnamigen, 1970 veröffentlichten Roman der Brüder Boris und Arkadi Strugatzki. Ihre visionären Romane dienten als Vorlagen für Filmklassiker wie Stalker und haben das Genre der Science-Fiction maßgeblich mitgeprägt. Die estnische Verfilmung des Romans »Hotel zum verunglückten Alpinisten« von 1979 war ein großer Kinoerfolg. Veiko Tammjärv haucht der unverwechselbaren Ästhetik des Kultfilms neues Leben ein und verleiht der Geschichte eine ganz eigene, frische Perspektive.
Ein mystischer Neo-Noir-Thriller, der die repressiven Machtstrukturen der Sowjetunion anprangert und Fragen des Andersseins aus einem völlig neuen Blickwinkel betrachtet.

Mittwoch, 6. August 2025

Simon Theokas: Der kleine Luchs vom Usma-See

Illustration Christina M. Weigel, Text Simon Theokas. Verlag Renate Götz, Dörfles / Österreich 2025. Ab 4 Jahren. 24 Seiten, ISBN 978-3-99150-024-7, 16 Euro.

Verlagsinfo: Eine Freundschaft zwischen Tier und Mensch in einem der ältesten Naturschutzgebiete Lettlands. Der kleine Luchs ist mit vielen Tieren befreundet und mit einem ganz besonderen Mann namens Alfreds. Voller Vorfreude ist der kleine Luchs unterwegs zum See, um dort einen schönen Tag mit dem knurrigen Dachs, dem fleißigen Biber und dem starken Bären zu verbringen. Doch es kommt alles anders und ein großes Abenteuer beginnt. Den Usma See gibt es wirklich, er liegt hoch oben im Norden in einem der ältesten Naturschutzgebiete Lettlands und Europas. Dort leben zahlreiche Luchse, aber auch andere wundervolle Tiere.

Montag, 4. August 2025

Kairi Look: Pia Pfefferminz zieht ein

Aus dem Estnischen von Maximilian Murmann. Text von Kairi Look, Bilder von Ulla Saar. Mixtvision Verlag, München 2025. ISBN 978–3–95854–237–2. Ab 5 Jahre, 96 Seiten, € 14,00 (D) / € 14,40 (A)

Verlagsinfo: Pia Pfefferminz zieht das erste Mal in ihrem Leben um: in ein schönes altes Haus in der Pappelallee. Im Nu schließt das Vorschulkind dort neue Freundschaften, mit der Nachbarin und ihrem Bernhardiner Baron genau wie mit der Motte im Kleiderschrank. Die Welt der Erwachsenen betrachtet Pia auf ganz eigene Weise. So beobachtet sie zum Beispiel den geheimnisvollen Mann in ihrem Haus, der irgendwas mit Politik zu tun hat und sich in Luft auflöst, sobald man sich ihm nähert. Sie hat viel Spaß mit Pirka, der punkigen Freundin von Onkel Rasmus, und tröstet ihren Großvater, wenn die Großmutter ihm verbietet, mit seinem Moped herumzuflitzen.
In 31 bunt illustrierten Geschichten erleben wir kleine Alltagsabenteuer mit Pia Pfefferminz und werden dabei wunderbar unterhalten. Ein großes Vergnügen!

Freitag, 13. Juni 2025

Dace Vigante: Eismeer

Aus dem Lettischen übersetzt von Bettina Bergmann. Verlag Friedrich Mauke KG, Weimar 2025. 120 Seiten, ISBN 978-3-948259-30-3, 18,00 €

Verlagsinfo:
Mutter und Tochter – näher zusammen und weiter entfernt können zwei Menschen nicht sein.
Wenige Figuren prägen dieses Kammerspiel: Die schöne stolze Irma, die mit ihrem Mann unter Stalin in ein Straflager am Polarmeer deportiert wird. Ihr damals fünfjähriger Sohn Kaspars und ihre Tochter Māra, zu der Zeit noch ein Baby, die in Lettland zurückbleiben.
Mara, für die ihre Mutter nur ein märchen-haft schönes Bild auf einem Foto war, lernt ihre Mutter kennen, als sie längst ein Teenager ist. Unüberwindbar scheint der sich schnell aufbauende Konflikt. Das Herz der Mutter wirkt von der Kälte des Lagers am Polarmeer gefroren. So vergehen die Jahre in eisiger Nähe. Wie könnte dieses Eis tauen?
»Eismeer« ist die erste Geschichte, mit der Dace Vigante der literarische Durchbruch gelangt. Es ist die Geschichte von Frauen, die durch die engste mögliche Verwandtschaft und das grausamste Jahrhundert der Menschheitsgeschichte zugleich verbunden und getrennt sind. Die Funken der Intimität und Liebe liegen so tief verborgen, dass es scheint, als sei ein Eismeer über den Herzen entstanden. Es erfordert großen Mut, das Eis der Entfremdung zu durchbrechen. Dace Vigante schreibt darüber.