Bereits seit 2007 stellt dieser Blog ins Deutsche übersetzte Publikationen aus Estland, Lettland und Litauen vor. Gleichzeitig werden Publikationen deutschsprachiger Autorinnen und Autoren mit estnischen, lettischen oder litauischen Themen einbezogen. Wir möchten aufrufen, verschiedene Leseeindrücke auszutauschen. Die hier aufgeführten Bücher werden für eine Vorstellung in der Radiosendung BALTISCHE STUNDE (Radioweser.tv) vorgeschlagen.
Donnerstag, 8. Februar 2007
Jutta Noak-Vaitkienė: Minčių dvikova / Duell der Gedanken
Freitag, 22. September 2006
Anšlavs Eglītis: Homo Novus
Verlagsinfo: An einem Septemberabend der 30er Jahre treffen auf dem Bahnhof in Riga
zwei junge Männer ein, der eine, Eizens Zibeika, kehrt aus Paris zurück,
dort hat sich vor allem zum Genußmenschen ausbilden lassen, hier will
er eine Erbschaft antreten. Der andere, Juris Upenajs,
Kunsthochschulabsolvent, kommt aus der Provinz, und Riga zu erobern ist
für den schüchternen Maler ein verwegener Traum, an dem er tapfer aus
Begabung festhält. Besagte Erbschaft aber wird für beider Leben
Unerwartetes bedeuten.
Anslavs Eglitis’ Bohème-Roman Homo Novus ist so ganz anders als die
westlichen Vertreter des Genres. In der Hauptstadt des neuen,
unabhängigen Lettland ist das Künstlersein nichts weniger als
schwarzromantisch, morbide und schwindsüchtig, Künstler sind keine
Randexistenzen, sondern entfalten sich mitten im Leben, und ihr Ringen
um Anerkennung ist wild, kraftvoll und von deftiger Fröhlichkeit.
Juris Upenajs bestaunt und besteht die Fallstricke der Pariser
Trabantenmetropole Riga, zwischen neidischen Bohemiens, bürgerlichem
Wohlwollen und nicht zuletzt den schönen Frauen – bis zum großen
Showdown, einem heißumkämpften Kunstwettbewerb.
Samstag, 14. Mai 2005
Jurga Ivanauskaite: Placebo
Verlagsinfo: In Vilnius wird die Wahrsagerin Julija ermordet - eine elegante, erfolgreiche Frau, bei der die Spitzen der Gesellschaft verkehrten. Stecken politische Kreise hinter dem Mord? Oder etwa die Mafia? Einige von Julijas Freunden versuchen diese Fragen zu beantworten. Da ist die Journalistin Rita, deren beste Freundin Julija war. Allerdings fühlte sich Rita neben der schönen, erfolgreichen Julija immer häßlich und spießig und irgendwie gescheitert. Die Beziehung des Showstars Maksas zu Julija war von Oberflächkeit geprägt wie sein ganzes Leben: die schillernde Seifenblase des Showbusiness ist für ihn allemal verlockender als die dunklere, grüblerischere Seite seiner Persönlichkeit, die er mehr oder weniger erfolgreich unterdrückt. Seinen sonderbaren Bruder Tadas hatte Julija immer als ihren "Schutzengel" bezeichnet - er ist ein religiöser Asket und Eigenbrötler und hatte für Julijas flatterhaftes, sinnenfreudiges Leben nur Verachtung übrig, was ihn für sie aber nur noch anziehender machte. Schließlich ist da noch ein geheimnisvoller "Er", der Repräsentant der mysteriösen Organisation "Placebo". Deren Ziel ist es, die Menschen der Globalisierung zu unterwerfen, ihnen den Individualismus auszutreiben und den freien Willen zu nehmen. Es wird immer offensichtlicher, daß "Placebo" etwas mit Julijas Tod zu tun hat. "Er" wird dabei zur tragischen Gestalt, denn seine Skrupel erlauben ihm irgendwann nicht mehr, das Spiel mitzuspielen.



